Fauler Zauber: Über die „Magie“ runder Kursmarken und die anstehende EZB-Entscheidung

4. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

1.000, 10.000, 100.000?!…An wenigen Punkten entzündet sich die Phantasie von Börsianern so sehr, wie an den „Magischen Marken“. Rückt eine solche in greifbare Nähe, wird sie zum Tagesgespräch unter den Marktteilnehmern. In aller Regel will „der Markt“ die Marke dann auch sehen…

Gelingt das erstmalig – und nur dann ist es interessant –, wird zeitgleich auch ein Allzeithoch markiert. Dieses wiederum lässt weiter steigende Kurse erwarten – zumindest theoretisch. Wobei „Theorie“ eigentlich ein zu großer Begriff für diesen Momentumseffekt ist. Ein Effekt („Was steigt, wird weiter steigen.“), der statistisch häufig nachgewiesen werden konnte und der auf besonders günstige Rahmenbedingungen trifft, wenn über dem Kurs keine Widerstände aus der Vergangenheit lauern, so wie das bei Allzeithochs der Fall ist.

Eine Frage der Sichtweise

Rational erklärbar ist der Hype um die magischen Marken aber nur bedingt. Wären wir es beispielsweise nicht gewohnt, in einem Dezimalsystem zu denken, dann sähe die 10.000er-Marke reichlich unspektakulär aus. Im Dualsystem entspräche sie dem Wert 10011100010000 und im Hexadezimalsystem 2710 – beides nicht gerade Ziffernfolgen, an denen sich die Phantasie entzünden würde. Auch handelt es sich beim DAX bekanntlich um einen aus 30 Einzelaktien errechneten Index. Diese Einzeltitel werden aber kaum ebenfalls an besonderen Schwellen stehen, nur weil sich die Aktiengruppe insgesamt einer solchen nähert. Das Thema hat also vor allem etwas mit eingespielten Sichtweisen und Denkmustern zu tun, wobei die Berichterstattung ein Übriges tut, um die Marken im Bewusstsein der Marktteilnehmer wachzuhalten.

Historische Erfahrungen

Wie aber sah es in der Vergangenheit aus, wenn der Index mit jenen Marken flirtete, die nicht nur gewöhnliche Tausender sind, sondern den Sprung in eine neue Kursdimension bedeuteten – 100, 1.000 und 10.000, etc.? Für den DAX gibt es da bislang keine Erfahrungswerte. Der Indexstand von 1.000 Punkten am 30.12.1987 entstand erst durch die nachträgliche Normierung auf diesen Wert, als der DAX im darauf folgenden Jahr aus der Taufe gehoben wurde. Auf das damalige Anlageverhalten konnte die 1.000er-Marke also keinen Einfluss gehabt haben. Auch war sie kein neuer Höchstkurs, sondern sogar ein ziemlich niedriger Kurs im Gefolge des 1987er Börsencrashs. Für unsere Spurensuche ist der DAX damit ungeeignet.

dow10000

130 Jahre aufwärts

Wenn es um historische Betrachtungen geht, liegt man dagegen bei dem seit Ende des vorletzten Jahrhunderts verfügbaren Dow Jones Industrial Average (Dow Jones) richtig. Er konnte bislang schon drei der genannten Dimensionssprünge verzeichnen, auf 100, 1.000 und 10.000 Punkte (vgl. Abb., grüne Ellipsen). Was auffällt: Der Anlauf zu diesen Marken ist in der Regel von viel Momentum gekennzeichnet, nach Erreichen der Werte scheint die Luft dann aber erst einmal raus zu sein… (Seite 2)

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