Fata Börsiana

28. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Nach dem Umsturz in Libyen hieß es am Montag von den Experten, die Ölpreise werden fallen, da es wieder genügend Öl geben wird. Ich habe extra mit dem Tanken gewartet. Folgerichtig sind die Ölpreise gestiegen. Und dann blieb ich am Mittwoch mit leerem Tank liegen wie der DAX auf dem Parkett…

Okay, dachte ich. Aktien gibt es jetzt um ein Viertel billiger. Bei derartigen Abschlägen bilden sich im Supermarkt und an Tankstellen lange Schlangen. Aber an der Börse? Was hält die Leute nur ab, fragt sich der Börsenreporter und vermutet vielleicht weitere Rabatte in Kürze. Seltsam. Wenn Börsen die Zukunft handeln, scheint diese so optimistisch auszusehen wie die meines Autoradios ohne Strom.

Dabei ist Börse ganz einfach: Wie der Tank des Autos nach Benzin schreit, rufen die Börsen nach neuen Geldern. Druckt es doch einfach! Ach, tut ihr ja schon und es hilft nichts. Im Hitzewahn tauchte dann auch noch diese Frage auf: Wenn die Schulden jetzt das Problem sind, warum macht man dann immer mehr davon?

Während ich bei 35 Grad auf Hilfe wartete, tauchte am Horizont eine Fata Morgana auf. Ich kenne so etwas als Reporter. Sie stehen oft neben mir und reden auch noch. DAX 10.000 Punkte, gesunde Bankbilanzen, Optimismus, Euro gerettet und Friedensnobelpreis für die NATO. Oder war es das Radio, was vor sich hin brabbelte? Es sagte, man müsse an der Börse einen kühlen Kopf bewahren. Aktien können langfristig nur steigen. Und es gab noch andere Durchhalteparolen diverser Lobbyisten, bis die Batterie versagte. Ich befürchte, kurz vor Weihnachten heißt es, der Sommer hätte noch eine Chance.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

4 Kommentare auf "Fata Börsiana"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Naja, selbst der Anführer der Rosa-Brille-Propagandisten warnt mittlerweile vor sieben (und warum gerade diese biblische Zahl?) schlechten Jahren… Und Madame Lagarde schwört auf die nächste Bankenrettungsrunde ein.
    Insofern glaube ich, dass wir beherzt zu Bankaktien greifen sollten ab Dienstag/Mittwoch. Wenns irgendwo den warmen Geldregen gibt, dann dort. Die Beregnungsmaschinen werden schon in Stellung gebracht, wetten!?

  2. retracement sagt:

    Warum immer der Börse und dem Markt (die Märkte?) die Schuld geben? Dort heisst es ja schließlich Börsenhandel und nicht Börsendenken. Je größer das Unverständnis zu den aktuellen Kursen desto größer das weitere Potential nach unten. Eigentlich ist es ja nur ein Mißverständnis der Konditionierungen der Teilnehmer.

    „Eine Korrektur ist eine Reaktion auf eine Täuschung mit umgekehrten Vorzeichen“ (Bill Bonner).

    Nein, heute keine Musik.

    Dafür Zitat Robert Halver: „Wenn der Fuchs um den Hühnerhof schleicht, werden keine Eier gelegt“.

  3. matt06 sagt:

    Man kann`s eigentlich nicht treffender darstellen,lediglich der IWF findet keine Erwähnung.Unsere neue Mutter Theresa,Sorry..Lagard meldet sich ja auch gerade wieder zu Wort.Ein Genuss ihre Kolumnen zu lesen,L.G. Matt06

  4. rolandus sagt:

    Der letzte Satz veranschaulicht das ganze gesamte Dilemma am besten, wie überhaupt der ganze Text wieder mal 1A ist.

    Schön Gruß nach FF/M
    rolandus

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.