Fata Börsiana?

16. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wozu braucht man die Börse? Es lebt sich doch ganz gut ohne sie. Anlageverkäufer protestieren jetzt! Tut Börse weh? Beschwerden verursacht Börse erst, wenn man dort unterwegs ist – oder war. Oder schmerzen etwa schon Sparbücher und die ganzen Versicherungen? Gründe, warum Aktien steigen…

Keep cool! Vor allem in diesen Zeiten. Wie sagt ein alter Händlerspruch an der Börse? „Soll Dein Chef Dich loben – kaufe unten, gebe oben“. Nichts leichter als das, wenn die Kurse nur noch steigen. Steigende Preise ziehen Spekulanten an und auch das dumme Geld. Die meisten kaufen immer oben und geben unten. Vielleicht sind die Wenigsten für die Börse tauglich.

Jetzt, da der DAX fast täglich mit einem neuen Allzeithoch glänzt, überkommt es so manchen Experten, wenn er dazu die entsprechenden Nachrichten strickt. Ich habe da eine Frau an der Börse im Blick, der der Optimismus aus allen Poren entweicht, selbst auf der Toilette. Und vielleicht ist dieser auch gerechtfertigt mit Blick auf nominalen Zahlen. Real? Egal!  Trotz aller medialer Euphorie verbuchen die Fonds unter den Privatanlegern Abflüsse. Das an der Börse Gefeierte findet fast unter Ausschluss der Privaten statt, aber in der Öffentlichkeit. Das dümmste Geld kommt immer zum Schluss.

Nein, ich glaube nicht, dass es die Kleinen sind, die wie 1999/2000 die Kurse nach oben getrieben haben. Es ist das große Geld. Und das gehört nicht den Kleinen. Auch dieses Geld ist in Sorge. Die Kleinen machen keine Kurse. Es ist das Big Money, die Milliarden.
Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

Früher gab es noch ordentliche Zinsen. Notenbanker haben diese erfolgreich eliminiert. Und da niemand NICHT in einem Markt sein kann, werfen die Höchstkurse der Aktienpreise Fragen auf, ob die Rekorde nachhaltig sind bei einer einbrechenden Kreditwirtschaft. Ist es Zuversicht oder gar Flucht? Eine Kapitulation im Segment der Guthaben könnte die Preise für Aktien weit höher treiben – wie schon öfters gesehen in Ländern in großen finanziellen Schwierigkeiten. Dann geht es weniger um Prozente, sondern mehr um Eigentum an Unternehmen. Dann zeigen die Preise an den Börsen weniger Zuversicht, sondern vielmehr Angst. Ist es bald soweit?

Wenn die Guthaben wirklich in Bewegung kommen, dann müsste man das doch auch in der Geldumlaufgeschwindigkeit sehen. Pustekuchen! Und das, obwohl das statistische Plus von 0,4 Prozent im Konsum für 2013 hierzulande als Boom und Stütze der Konjunktur bezeichnet wird. Lachhaft! Aber kann ja noch kommen.

Mit der Realität muss Börse heute nichts mehr zu tun haben – eher mit Geldpolitik, Wachstum auf Papier und Marketing – Geldversprechen in reales Eigentum zu tauschen, was sich aber erst noch heraus zu stellen hat. Ob dann Eigentum wirklich Eigentum ist – oder ob sich plötzlich zwei Leute die gleiche Aktie teilen.

Prokons überall

Zur Linderung der leidigen Zinslosigkeit sind längst schon Finanzkonstrukte erfunden worden. Sie werden fleißig verkauft – irgendwelche Papiere mit Prozenten und Sicherheit, wo bei den Ahnungslosen der Verstand aussetzt. Ob Prokon oder Zertifikate. Da wundert es doch, dass große Kapitalstellen diese Papiere nicht selbst kaufen. Das Zertifikatevolumen hierzulande stagnierte bei 92,7 Milliarden Euro.

Zertifikate

Warum kaufen die Großen nicht diese Allheilmittel? Ach, sie sind ja die Verkäufer dieser Produkte. Vielleicht ist es doch nicht so einfach mit der Rendite. Schon 2000 und 2007 hörte ich die Mär, Aktien wären billig und alternativlos. 29 von 30 DAX-Titel notieren gerade über ihrem 200er Tages-Durchschnitt. Erst jetzt sind sie zu Schnäppchen geworden. Vielleicht schnappen Schnäppchen auch zurück.

Ja, ich mag Aktien, aber nicht jetzt. Aber… gibt es etwas billigeres, in was man seine Geldversprechen tauschen kann, was auch zum Eigentum gehört? Und womit man außerhalb dieses gedopten Finanzsystems steht? Sie kennen meine Meinung.

Auch Aktien sind etwas anderes als Geldversprechen. Wer hinschaut weiß, dass Versprechen heute fast schon mit Ansage gebrochen werden, ja gebrochen werden müssen. Im Vergleich zu Anleihen sind Aktien billig. Ja. Aber sind das normale Märkte?  (Seite 2)

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