Fastenzeit

12. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nach dem Karneval kommt bekanntlich das Fasten. Man weiß nur nicht, wann diesmal der Karneval vorbei sein wird, denn wir sind mitten im Wahlk(r)ampf…

Viel wird versprochen und wenig davon gehalten. Doch Fasten liegt im Trend, also Verzicht – manchmal sogar aus der Not heraus. Vielleicht sollte man auch auf zuviele oder alle Nachrichten verzichten, denn man lebt mit dem Kopf im Sand viel ruhiger und bekommt auch den Firlefanz am Finanzmarkt nicht mit. Die Zeit bis zur Karwoche eine gute Gelegenheit, um zu schauen, auf was und auch auf wen man wirklich verzichten könnte.

Auch das Heilfasten ist in Mode, sehr zum Ärger der Pillendreher. Es beginnt mit drei Abbautagen, fünf Tage fasten, und drei Aufbautagen, also das, was die Börsen nicht mehr kennen inmitten der Völlerei. Der weltweite Aktienmarkt ist inzwischen 71 Billionen US-Dollar groß, also spottbillig, will man uns immer wieder weismachen will. Auch dem DAX täte Fasten gut. Würde er 22 Prozent abspecken, käme er auf ein historisches Idealgewicht. Aber schon kommt die EZB mit weiteren Pralinen und Schnapsflaschen an und ruft „Vorwärts immer rückwärts nimmer!“.

Weltmeister im Fasten sind die Griechen, wobei es hier weniger ums Heilfasten geht. Sie schnallen den Gürtel schon acht Jahre enger und Experten wundern sich, dass 2016 die Rezession weiter grassierte. Die vielen Sparanstrengungen wirken wie Abführmittel. Und wenn Medikamente nicht wirken, verabreicht man eben mehr davon. Die Finanzaufseher fordern, dass sie den Gürtel noch enger schnallen, da die Hose sonst noch schneller rutschen würde. Nur so gibt es am 20. April weiteres Geld, aber nicht für die Griechen. Man tut nur so. Besserwisser machen uns weis, dass ein gewisser Verzicht nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut tut. Insofern müssten die Griechen ein sehr glückliches Volk sein.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

Print Friendly

 

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.