Offene(?) Immobilienfonds: Fantastische Verluste!

30. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(Von Bankhaus Rott) Das Debakel der ehemals offenen Immobilienfonds scheint auch einigen Fondsverwaltern an die Nieren zu gehen. Anstatt die fehlerhafte Konstruktion der Anlageklasse zu hinterfragen wittert mancher gar böse Intrigen hinter den Preisstürzen der Fonds. Dem Kunden trotzdem weiterhin Gebühren auf Basis überhöhter Kurse abzuverlangen hält man offenbar für guten Service …

Viele Anleger erholen sich noch von dem Schrecken, den ihnen die kollabierenden Preise der offenen Immobilienfonds eingejagt haben. Einige haben es möglicherweise aber auch noch gar nicht gemerkt, dass ihre in den „temporär“ geschlossenen Fonds angelegten Ersparnisse bei einem Verkauf teilweise weniger als die Hälfte von dem einbringen würden, wie ihnen die Depotauszüge immer noch suggerieren. Die Fondsgesellschaften weisen für einen Anteilsschein den festgelegten Preis (Nettovermögenswert, NAV) des Anteilsscheines aus. Dieser taucht dann auf den Auszügen auf. Diesen Preis erhält ein Anleger aber im Falle eines Verkaufs nicht, denn die Gesellschaft nimmt die Anteile bekanntlich derzeit nicht zurück. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass in Deutschland viele Menschen glauben, sie hätten Rücklagen in bestimmter Höhe, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Leider ist dafür in der Tagesschau kein Platz, denn schon Sport und Wetter müssen sich um die knappen Minuten streiten.

Wer an sein Geld muss, dem bleibt beim Verkauf der Anteile immerhin der Weg über die Börse. Dort zeigt sich, welcher Preis sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Die Erkenntnisse dürften für manchen Betrachter – vorsichtig formuliert – ernüchternd sein.

Bei dem gescheiterten Produkt der „offenen Immobilienfonds“ liegt eine klassische Fehlkonstruktion vor. Illiquide Anlagen wurden mit nur kurzfristig verfügbaren Mitteln erworben. Die Gesellschaften haben damit den klassischen Fehler gemacht, der sich auch bei einigen Banken zeigt, die es mit der Abhängigkeit von den Einlagen und anderer Kurfristfinanzierung übertreiben. Bei der Bank führt dies zum Bank-Run, beim Fonds wenn man so will, zum Fonds-Run. Alle wollen ihr Geld zurück, da die Anlagen jedoch nicht umgehende liquidierbar sind, geht dem Vehikel das Geld aus. Die Mindestliquidität entpuppt sich dabei wenig überraschend als branchenübliche Schönwettervariable.

(Prospekt SEB ImmoInvest)

5.5.4 Mindestliquidität

Die Kapitalanlagegesellschaft hat sicherzustellen, dass von den Liquiditätsanlagen ein Betrag, der mindestens 5 % des Wertes des Sondervermögens entspricht, täglich verfügbar ist (Mindestliquidität).

Woher man bei dauerhaften Netto-Mittelabflüssen diese fünf Prozent Cash nehmen will, steht in den Sternen. Das Geld durch den raschen Verkauf von Objekten erzielen zu können dürfte auch fantasievolleren Branchenvertretern nicht in den Sinn gekommen sein. Daher darf man davon ausgehen, dass dauerhafte Mittelabflüsse den Horizont der Produktentwickler seinerzeit schlichtweg überschritten. Aber auch bekanntere Finanzmodellierer haben noch vor einigen Jahren angenommen, Hauspreise können nur steigen. Schon blöd, wenn man die paar Mark für historische Daten nicht ausgeben mag, die einige Risiken deutlich gezeigt hätten.

Mit der Unfähigkeit, eine Zahlung zu leisten, wäre ein Unternehmen bankrott. Einen Fonds schließt man einfach. Während die Fondsgesellschaften weiterhin nach der bekannten Methode „Preise“ quotieren, die dem Wortsinne nach gar keine sind, machen die Börsen ihren Job. Anbei eine Darstellung der Preise der Fondsgesellschaften und der gehandelten Kurse an der Börse Hamburg.

Das sieht doch prima aus, wer also seine Ruhestandsgelder zum Beispiel im Axa Immoselect angelegt hat und nun an die Moneten muss, der sollte sein Ausgabeverhalten schon einmal anpassen. Hatte beispielsweise Frau Schmitzke noch im Herbst 2008 €100.000 im Depot, so bekommt sie für die entsprechenden Anteile derzeit noch rund €55.000. Da selbst an der Börse für derartige Orders nicht unbedingt sofort ein Käufer da ist, kann der Preis auch deutlich tiefer liegen. Da freut sich der Anleger. Ein Blick auf die Entwicklung des ausgewiesenen Preises und des Börsenkurses bei den schwedischen Kollegen.

Die auf der Website des Unternehmens angezeigten Performancedaten stammen wenig erstaunlich aus der Welt flachen Linie. Schon aufschlussreich, wie eine legale offizielle Bewertung und die Sicht der Anleger sich auch bei Fonds dieser Größenordnung unterscheiden können. Es handelt sich hier schließlich nicht um eine winzige Emission eines illiquiden ABS.

 

Auch andere Fonds verleiten nicht dazu, Luftschlangen und Wunderkerzen aus dem Schrank zu holen. Dabei richten einige Anbieter ihre Offerten ganz direkt an den Laien. Besonders ärgerlich ist, dass die Gebühren auf den Kurs der Gesellschaft anfallen. Noch ärgerlicher ist es, wenn jemand arglos und nachlässig ist, und munter seinen Sparplan weiterlaufen lässt. Er oder sie bezahlt in dem Fall für einen Anteil, der an der Börse für 35 Euro erhältlich ist knapp 15 Euro mehr an die Fondsgesellschaft. Bei schlechten Anbietern kommt noch der Ausgabeaufschlag dazu. In den letzten Jahren ist da ein hübsches Sümmchen aufgelaufen, das der Anleger sich hätte sparen können. (Seite 2, weitere fantastische Verluste)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

Ein Kommentar auf "Offene(?) Immobilienfonds: Fantastische Verluste!"

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.