Falsch verstandener Kapitalismus

17. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bill Bonner

Immer mehr Menschen kommen zu derselben Schlussfolgerung. Der Bullenmarkt ist ein Betrug. Und das System ist korrupt. Und diese Menschen haben Recht. Aber nicht aus den Gründen, welche sie denken…

Hier ist die Nummer eins der Gründe, aus der „Kapitalismus wie wir kennen funktioniert nicht“-Hitparade. Forbes berichtet:

Die Top 0,1% der Nation verdienen die Hälfte aller Kapitalgewinne.

Die Top 0,1% der Nation – ungefähr 315.000 von 315 Millionen – verdienen auch die Hälfte aller Spekulationsgewinne, die mit Immobilien nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr erzielt werden.

Es ist kristallklar, dass die Steuerreduzierungen der Bush-Administration insbesondere für Spekulationsgewinne und Dividenden-Einkommen im Jahr 2003 dazu geführt haben, dass es zu einem enormen Anstieg der Einkommen bei Vorständen, Wall Street-Experten und anderen Unternehmern kam.

Die Reduzierung der Steuer von 20% auf 15% war ein wichtiger Schritt dabei. Es begann 1978, mit einer Steuersenkung von 35% auf 28%. Dann 1981, zu Beginn der Reagan-Ära, wurde die Steuer weiter reduziert auf 20%. Dann im Jahr 1987 wieder erhöht, auf 28%. Und dann, nach dem 1987er-Crash, auf 23% gesenkt.

1997 stimmte Clinton zu, den Satz auf 20% zu senken, was die Zahl der Hedgefonds explodieren ließ – die „am schnellsten steigende Kohorte innerhalb der Top 1%“.

Bald werden einige Journalisten wohl die Namen und Adressen dieser Super-Reichen veröffentlichen. Dann werden Lynch-Mobs losziehen und sich vor deren Häusern postieren.

Nicht, dass etwas falsch daran ist, reich zu werden. Und nichts ist falsch mit einer Steuer von 15%. Ich persönlich mag das. Aber die Leute suchen jemanden, den sie für ihre Probleme verantwortlich machen können. Und es ist nicht wahrscheinlich, dass sie die wahren Schuldigen identifizieren werden. Das würde zu viel Zeit und Nachdenken erfordern.

Deshalb zeigen sie mit dem Finger auf „die Reichen“….

Sie haben natürlich Recht. Das System ist korrupt und degeneriert. Aber es ist nicht deshalb so, weil die 1% oder die 0,1% existieren. Und es ist auch nicht so, weil es Deregulierungs-Gesetze gab. Oder weil die Steuern so niedrig sind. Oder weil die Vorstände so gierig sind. Oder weil der Kapitalismus mit dieser Herausforderung nicht fertig wird… (Seite 2)

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6 Kommentare auf "Falsch verstandener Kapitalismus"

  1. EuroTanic sagt:

    Leider steht zu befürchten, dass die Wut in Radikalismus umschlagen wird. Wir Deutschen haben da ja entpsrechende Erfahrungen. Die Menschen reagieren damit wie „von Oben“ gewünscht. Frauen kämpfen gegen Männer, Deutsche gegen Ausländer, Dicke gegen Dünne, Raucher gegen Nichtraucher etc. Die Verursacher des Übel bleiben wieder mal wie ehemals schön im Dunkeln während sich der Mob selbst zerfleischt.

    • wolfswurt sagt:

      Der „Reiche“ mit mangelndem Verstand ausgestattet, ist genauso Mob wie der demonstrierende Schreihals auf der Straße.

      Reichtum hat noch nie vor biologischem Verfall geschützt, weder im alten Rom noch heute.

      Das zerfleischen der „Reichen“ untereinander hat schon längst eingesetzt. Im Gegensatz zur Berichterstattung von den Schreihälsen in den MM´s wird über diese Auseinandersetzung geschwiegen.

  2. samy sagt:

    Und Schuld sind wir alle. Wer wählte denn die Politiker mit den einfachen Versprechen, mit den billigen Lösungen?
    Das sind wir gewesen, die Demokraten. Ob in UK, USA oder sonst wo. „The end of history“ wurde nach dem crash des Sowjetreichs ausgerufen. Greenspan hielt die US-Wirtschaft mit einer Niedrigzinswelle nach der anderen am laufen. Das Abwandern der Produktionskapazitäten nach Asien, gemanagt von Heuschrecken, wurde als Vorteil gepriesen. Jetzt konnte man mit seinen Schulden ja viiiiiel preiswerter Made-in-China kaufen.
    Vor unseren Augen, keine Tricks-kein doppelter Boden. Gab genug Okonomen die warnten, die Warnungen fanden nur nie den Weg in die Köpfe der Menschen.
    Aber die legendere Botschaft „Gier ist gut“ (Wall-street), die verstand jeder sofort. Ob die gierigen Superreichen oder die gierigen kleinen Häuslebauer, Häuser 100% finanziert mit Schulden, beide dachten nur so weit, wie man einen Sack Zement werfen kann.

    VG

    • FDominicus sagt:

      Tja die habe ich nicht gewählt. Nur das hat mir nichts genützt. Nach der Wahl war alles wofür diese Partei vorher stand dem Ziel der regierungsfähigkeit untergeordnet. Und bitte nennen Sie mir eine Alternative in Deutschland zu sozialistischen Parteien? Vergessen Sie es. Es gilt der lautetst Martschreier und Bauernfänger holt sich die Beute.

  3. MARKT sagt:

    Haben wir das falsche System? (Demokratie)
    Oder setzen wir es nur falsch um.

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