Fallende Preise sind toll, steigende auch

1. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Einige Menschen feiern die Inflation als neuen Heilsbringer. Andere feiern den sinkenden Ölpreis als neuen Heilsbringer. Die ganz großen Wirtschaftsentertainer schaffen beides: Sie freuen sich gleichzeitig auf die Inflation und sinkende Preise…

Während die deutsche Wirtschaftspresse treu ihrem Motto „Weg von den Inhalten!“ munter in alle Richtungen argumentiert und sinkende und steigende Preise simultan feiert, dümpelt die Realwirtschaft preisunabhängig vor sich hin. Der aktuelle Bericht zu den Konjunkturerwartungen von weltweit 6100 Firmen zeigt erneut wenig Erbauliches.

Die Erwartungen der Firmen sind auf den tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage abgesackt. Das mag die Aktienmärkte nicht bzw. noch nicht interessieren, für das echte Leben ist dies eine wichtige Nachricht.

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Erwartungen und Prognosen beeinflussen direkt die Investitionsneigung und die erwartete Rentabilität möglicher Investitionen. Ein schwacher Ausblick ist wesentlich wichtiger als ein eher symbolischer Dreh an der ohnehin abgenutzten Zinsschraube. Wegen um 10 Basispunkte gesunkener Finanzierungskosten wird ein globaler Chemiekonzern den Bau eines großen Werkes wohl kaum initiieren. Angesichts bestehender Überkapazitäten und eines trostlosen Ausblicks für die weltweite Nachfrage werden die Investitionsausgaben weiterhin nicht deutlich zunehmen.

Aus dem gleichen Hause stammt der folgende Kommentar zur Grafik.

The Markit Global Business Outlook Survey, which looks at expectations for the year ahead across 6100 companies, showed optimism falling sharply in October, dropping to the lowest seen since the survey began five years ago. Hiring and investment plans were also at or near post-crisis lows, while price expectations deteriorated further.

Interessanterweise markierten auch die Erwartungen der US Firmen ein Fünfjahrestief. So stark divergieren offenbar die Sichtweise der Finanzmarktteilnehmer und die Realität. Den Hinweis auf die Einstellungs- und Investitionspläne sollte man den Zentralbänkern an den Badezimmerspiegel kleben. In Zeiten in den die „Bilanzausweitung“ als Selbstzweck schon die Daseinsberechtigung von Draghi & Co darstellt, würde auch das wohl dem Denkprozess nicht auf die Sprünge helfen.

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Nun sind Ökonomen und Börsenplauderer in der Regel dazu in der Lage völlig inkonsistent zu argumentieren. Dies stört jedoch niemanden, denn schon lange sind die Zuhörer daran gewöhnt, dass zu Beginn immer die Story existiert. Alle Fakten werden dann so zurechtgebogen, bis sie in die Story passen. Besonders auffällig war dies bisher bei den so genannten Verbraucherthemen.

Mit dieser Methodik kann man gleichzeitig den zu hohen und zu niedrigen Milchpreis in einer Nachrichtensendung anprangern. So wird der jammernde Verbraucher gezeigt, der mit einem Pfund Butter in der Hand die hohen Lebenshaltungskosten beklagt woraufhin der nächste Filmschnipsel Bilder eines Milchbauernprotests gegen zu niedrige Preis beisteuert. Nun kann man in diesem Falle noch über die Marge des Zwischenhandels diskutieren, an der Grundthematik ändert sich wenig. Noch putziger wird es beim Thema Inflation… (Seite 2)

 

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8 Kommentare auf "Fallende Preise sind toll, steigende auch"

  1. Sandra sagt:

    Liebe Politiker, Liebe Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammern, Liebe Verbände, Liebe Lobbyisten, Liebe strategieorientierte Manager,

    wann begreift ihr bitte, das man eine Wirtschaft nicht durch einen Top-Down-Ansatz, der sie zerstört hat, retten kann.

  2. bluestar sagt:

    „Miete auf dem Niveau der 80er“ – wäre das nicht ein toller Wahlspruch für meine Lieblingspartei SPD ? Aus Mietpreisbremse wird dann Mietpreisfresser und alle sind glücklich, bis es keinen neuen Wohnraum mehr gibt. Daran sind dann natürlich die sogenannten Reichen und Spekulanten Schuld, gegen die man unter Beifall der besitzlosen Masse mit staatlichen Verordnungen und Bestrafungen konsequent vorgehen muss.

  3. Layman sagt:

    Der Effekt an der Tankstelle hat etwas mit zuviel Öl und zuwenig Verbrauch zu tun. Der Ölpreis fällt ja auch in USD und nicht nur in EUR. Den Kommentar der St.Galler Nationalbank verstehe ich in der Tat nicht. Billige Güter (also billiges Kreditgeld und billiges Öl) verleiten zu mehr Konsum und wirken stimulierend. Das klingt ja einleuchtend, setzt aber dann wohl doch die beschworene Deflationsspirale in Gang. Es kann nur eine Weisheit auch wahr sein. Ich denke: Wir brauchen eine Deflation. Der einzige Weg das große Fressen an uns und dem Planeten endlich zu beenden.

  4. Michael sagt:

    Der Mietpreis hat aber mal mit den Hauspreisen wenig zu tun, wenn die gestiegenen Hauspreise ursächlich auf die Inflation zurückgehen von der in der Realwirtschaft wenig ankommt und bei den Einkommen. Wer teuer baut mit billigem Geld, dem ist mal nicht zu helfen.

  5. mohrfan sagt:

    Aber einem Land mit massiven Exportüberschüssen sollte eine schwache Währung doch helfen, oder? Natürlich nicht jeder einzelnen Person in dem Land. Wenn Benzin oder andere Importgüter teurer werden, dann hat der einzelne natürlich „verloren“.
    Unter der Voraussetzung, dass teurere Importgüter auf der Konsumseite nicht das Mehrwachstum auf der Exportseite auffressen. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

  6. Michael sagt:

    Die Inflation und Deflation von der ein Mario Draghi spricht ist der Zufluss und Abfluss von Kapital. Der Staat wird das Argument aufgreifen und versuchen die Preise zu treiben, wie in Österreich angedacht über Mehrwertsteuererhöhung im Tourismus und bei den Speisen im Restaurant. Man kann sich alles ruinieren und einen fetten Staat weiterfinanzieren. Die Alternative für Europa ist, dass die Leut auswandern. Europa ist attraktiver als Syrien im Krieg … gut, damit war es das auch schon.

  7. bluestar sagt:

    @Michael. Auswandern ist eine gute Idee. Haben Sie Favoriten ???

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