Falken, Tauben, Rohrkrepierer

23. September 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Debatte um den Vorsitz der Fed ist ungefähr so spannend wie die Wiederholung des Wetterberichts der Vorwoche. Immerhin springt für Vogelkundler etwas dabei heraus, denn der gemeine Volkswirt findet noch in jedem Taubenschlag einen Falken…

Nachdem Larry Summers ganz bescheiden auf die Möglichkeit einer Nominierung verzichtet hat, herrschte große Freude im Taubenschlag. Nun sei der Weg frei für eine Taube, wie auch immer diese heißen mag.

Wieso Summers zu den Falken gezählt wurde bleibt ungeklärt, es genügt dafür jedoch heutzutage bereits ein kurzes Zögern bei der Frage, ob man monetär nur zu allem oder zu noch mehr bereit sei. Seisdrum, angesichts der üblichen Katastrophen in Phasen diverser Fed-Chefs a.D. sollte man sich nicht allzu sehr um das Gerede kümmern. Die Nahtoderfahrungen der Finanzmärkte unter den gefeierten Auguren Greenspan und Bernanke sind den meisten sicherlich noch in bester Erinnerung.

Über die fragwürdigen Erfolge der Beratertätigkeit Greenspans sollte man die Beratenen ebenfalls besser nur bei niedrigem Blutdruck ausfragen.

Was sich in den hundert Jahren, in denen das Federal Reserve System nun existiert, getan hat, zeigt der Vergleich mit den einhundert vorangegangenen Jahren. Betrachtet werden die Daten aus den USA – Ein Traum für die Freunde der nominalen Betrachtung.

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Das reale BIP Wachstum war von 1814 bis 1914 deutlich höher, beim nominalen Wachstum aber hatten die hundert Jahre unter Fed-Begleitung die Nase vorn. Um mehr als zwei Prozentpunkte höher lag das nominale Wachstum in diesem Zeitraum. Kaufen konnte man sich davon natürlich im wahrsten Sinne nichts, aber die Kombination von schwächerem realen aber höherem nominalen Wachstum ist bemerkenswert.

Bei den Erträgen, die in den genannten Zeiträumen mit Aktien eingefahren werden konnten, zeigt sich ein etwas anderes Bild. Die realen Erträge sind in den beiden Zeiträumen in etwa gleich. Nominal hingegegen wurden seit 1913 die bekannten Fantasierenditen eingefahren, die noch heute viele als Grundlage ihrer Planungen heranziehen.

Es zeigt sich, dass die Inflation unter Zentralbänkern und Politikern nicht nur heute salonfähig ist, sondern im Grunde schon immer das Mittel der Wahl war. Wer wenig erwirtschaften kann, der sorgt zumindest dafür, dass es nach viel aussieht. Mehr ist es nicht, man sollte sich diesbezüglich nicht von pseudowissenschaftlichen Vokabeln in die Irre führen lassen. Die Schieflage ist umso interessanter, als zur Adjustierung der durchaus zu Recht kritisierte offizielle Konsumentenpreisindex eingesetzt wird.

Angesichts des bisher global weitgehend verhinderten Deleveragings und der weiter steigenden Verschuldung von Schuldnern, denen man besser nichts leihen sollte, wird der Götze Inflation wohl auch weiterhin hoch gehalten werden. Die mediale Freudenpolka wird als Begleitmusik mittlerweile auch von so genannten Chefanalysten gespielt, denen wohl bewusst ist, dass das mediale Finanzentertainment ebenso am Tropfe hängt wie andere Sektoren. Wenn sich sonst nichts ändere, so die halbseidene Einschätzung, dann sei Inflation nichts Schlechtes… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Falken, Tauben, Rohrkrepierer"

  1. Lickneeson sagt:

    Danke, wertes Bankhaus.

    Inhaltlich und sprachlich wie gewohnt Balsam für die geschundene Bürgerseele.
    Man kann nur hoffen, das die Verantwortlichen des Zinscasinos in Bälde ähnlich blass und geistig entleert vor die Mikros treten müssen wie die FDP -Führung im Laufe des Tages, um ihr Versagen zu erklären.

    Über die Beraterergebnisse des „Alten Sacks“ wüsste man natürlich gerne mehr…

    Weiter so mit Sätzen wie diesem:

    “ Von Inflation ohne Seiteneffekten auszugehen, ist absurd und sollte im Grunde für die Aberkennung von Titeln ausreichen.“

    MfG

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