Quantitative Easing: EZB sorgt für wertlose Stabilität

4. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Dank der EZB kommt bald schon die Zerstörung der Kaufkraft des Euro voran. So ein Prozess verläuft allerdings nicht linear, sondern wie ein Fieber in Schüben mit viel Jubel. Die EZB-Pressekonferenz vom Donnerstag hatte was.. und kann durchaus als historisch gelten…

 …denn ein paar Dinge waren auffällig. So ist die Lage mit der offiziellen Inflation „unsicher“, da das Osterfest in diesem Jahr so spät liegt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Warum schafft man dann Ostern nicht einfach ab? Tektonische Feiertagsverschiebungen führen künftig also zu mehr Unsicherheit…

Das sind Zeiten, in denen auch der nächste Sandsturm aus der Sahara eine Zinssenkung oder der Einsatz vom angekündigten Quantitative Easing rechtfertigen würde. Schließlich stellt sich immer die Frage: Schuldenschnitt und Inflation. Was ist Ihnen lieber?

Doch es kommt noch besser…

„Der Einsatz von Wertpapierkäufen sei vor allem deshalb erwogen worden, weil mit zunehmender Dauer einer niedrigen Inflation die Wahrscheinlichkeit steige, dass Verbraucher und Unternehmen das Vertrauen in die Stabilität des Euro verlören. Das ist der Grund, warum wir über ‚Quantitative Easing‘ diskutiert haben“, sagte DJ Draghi.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann verliert man das Vertrauen in den Euro, wenn die Inflation zu niedrig ist. Dementsprechend steigt es dann mit steigender Inflation. Richtig? So gesehen war das Vertrauen in die Mark 1923 am höchsten, als Kleinigkeiten Milliarden Mark kosteten. Oder auch neulich in Simbabwe… Als der Simbabwe-Dollar nichts mehr wert war, feierte man am lautesten.

Zudem gehen Notenbanker kaum noch einkaufen, jedenfalls nicht die ganz oben. Die weiter unten aber wissen schon um die Lage. Deshalb fordert die EZB-Gewerkschaft einen Inflationsschutz für ihre Altersvorsorge, während nach außen die gleichlautenden halben Wahrheiten bzw. halben Lügen geschleudert werden, man hätte alles im Griff. Das gehört dazu. Und vor allem: Es funktioniert.

Man muss den Leuten nur oft genug ein Märchen erzählen, bis es nach ein oder zwei Generationen zum Allgemeinwissen wird. Die Kirche hat das mit der Geschichte, die Erde sei eine Scheibe, jahrhundertelang erfolgreich praktiziert, damals aber noch die Zweifler verbrennen lassen. Glücklicherweise leben wir da in modernen Zeiten.

Normalität herrscht künftig offenbar dann, wenn alles auf dem Kopf steht. Auffällig hierbei auch die Zusammenhänge zwischen der gefühlten Inflation und den gefühlten Temperaturen. Und wenn das böse Inflationsmonster zum Kuscheltier wird, ist auch die Erde endlich wieder eine Scheibe.

Doch freuen wir uns! Mario Draghi hat geliefert – zwar keine letzte Zinssenkung, sondern ein weiteres Strohfeuer. Das Dumme an Strohfeuern ist, sie brennen und wärmen nur kurz. Und dann wird weiteres Stroh nachgeliefert, bis das Feld leer ist, dann aber die Fantasie Feuer fängt und man zur Tat schreitet.


 

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8 Kommentare auf "Quantitative Easing: EZB sorgt für wertlose Stabilität"

  1. Skyjumper sagt:

    Manchmal schein mein Hirn einfach falsch verdrahtet zu sein. Statt mich so richtig vorbehaltlos zu freuen, was ja in Anbetracht der ganzen tollen Nachrichten mindestens so angebracht wäre wie übers Wetter (verdammt, dass passt jetzt grad nicht, es regnet ja) – sprang mich spontan folgender Liedtext an:

    „Ah ah an Weihnachten liegen alle rum und sagen Puh
    der Abfalleimer geht schon nicht mehr zu
    die Gabentische werden immer bunter
    und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder“

  2. Avantgarde sagt:

    Ohne eine bestimmte Preissteigerungsrate kommen wir unweigerlich in die Deflation.
    Unser Wirtschaftssytem funktioniert schlicht nicht mit einer Deflation – das ist nix Neues und hat der Dokorvater von Ackermann Prof. Binswanger vor geraumer Zeit mal in der Enquetekommission des Bundestages erklärt.
    Wen es interessiert und mal wirklich was etwas tiefgründigeres hören will
    http://bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/34785242_kw26_pa_wachstum/index.html
    Auch wenn es nicht sinnvoll ist auf Teufel komm raus zu wachsen gibt es schon so eine Art Wachstumszwang.

    2% als EZB-Ziel sind durchaus sinnvoll und sollten auch weiterhin anvisiert werden.

    • FDominicus sagt:

      @Avantgarde. Egal wie lange und oft Sie es wiederholen das ist Unsinn. Dazu hat sogar das Bankhaus vor kurzem etwas geschrieben. Aber wie schreib er hier so passend:
      „Man muss den Leuten nur oft genug ein Märchen erzählen, bis es nach ein oder zwei Generationen zum Allgemeinwissen wird. Die Kirche hat das mit der Geschichte, die Erde sei eine Scheibe, jahrhundertelang erfolgreich praktiziert, damals aber noch die Zweifler verbrennen lassen. Glücklicherweise leben wir da in modernen Zeiten.“

      Sie sind, wenn Sie sich so anhören und so schreiben in diesem Fall der lebende Beweis.

      Das Bankhaus würde es so nicht schreiben, ich schon: qed.

      • Avantgarde sagt:

        Vor dem Lospoltern würde ich Ihnen doch mal empfehlen sich den Binswanger mal anzuhören.
        Der ist schließlich nicht irgend jemand – und hat wirklich Ahnung von dem was er spricht.

        Er ist wirklich alles andere als ein blinder Wachstumsfetischist – und er hat auch sehr wohl verstanden, daß ein falsches Wachstum was den Ressourcenverbrauch angeht unweigerlcih in die Katastrophe führen wird.

        Mit Ihrem Text haben Sie höchstens bewiesen, daß Sie vorschnell ohne Prüfung alles aburteilen was Sie nicht gleich verstehen können.

        Also – auch wenn es Überwindung kostet ist eine neue Erkenntnis vielleicht doch mal noch von Vorteil.

        • FDominicus sagt:

          „falsches Wachstum“

          Bezeichnende Wortwahl. Falsches Wachstum, richtiges Wachstum. Und trotzdem meilenweit von der Realtität entfernt. Stellen Sie sich vor Menschen entscheiden immer noch was Sie gerne hätten und brauchen und wieviel davon. Und es ist Ihnen so was von egal wie Sie daran kommen. Ob durch Wachstum oder ohne Wachstum ist völlig egal.

          Das Bankhaus hatte mal wieder völlig recht.

    • Skyjumper sagt:

      Und das aus gutem Grund. Man muss das bestehende System nicht gut finden um zu verstehen und um zu akzeptieren wie es funktioniert.

  3. FDominicus sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer ich möchte Sie auf folgenden Link verweisen:
    http://www.zerohedge.com/news/2014-04-04/christine-lagarde-clueless-70-words-pure-keynesian-claptrap

    Ich zitiere von dort:

    The first obstacle is… the emerging risk of what I call “low-flation,” particularly in the Euro Area. A potentially prolonged period of low inflation can suppress demand and output—and suppress growth and jobs. More monetary easing, including through unconventional measures, is needed in the Euro Area to raise the prospects of achieving the ECB’s price stability objective. The Bank of Japan also should persist with its quantitative easing policy.“

    Lowflation – darauf muß man auch mal kommen.

    Price stability objective – 2 % Preissteigerung im Jahr bedeutet eine Halbierung des Geldwertes in
    36 Jahren.

    Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie weit und wie lange Gehirnwäsche funktioniert. Oder wie Sie schreiben:
    „Man muss den Leuten nur oft genug ein Märchen erzählen, bis es nach ein oder zwei Generationen zum Allgemeinwissen wird. “

    Und hier kann ich nur festhalten, was zu beweisen war. Es ist so deprimierend.

  4. bluestar sagt:

    FDominicus

    Ja, es ist deprimierend tagtäglich diese verrückte Märchen zu hören.
    Und bei manchen Geschichten dauert die Inkubationszeit nicht einmal eine Generation.
    Es ist unglaublich, welche Ergebnisse dauerhafte Gehirnwäsche und Manipulation erzeugen
    können.
    Darauf bauen die jetzigen Systemprofiteure und sind (bis jetzt) sehr erfolgreich.

    VG

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