EZB-Politik bereichert einige zu Lasten vieler

18. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Durch das Herunterdrücken der Zinsen und das Ausweiten der Geldmenge schafft die EZB keine Wohlstandsmehrung im Euroraum. Auf einer Konferenz erzählte mir ein Anleger (nennen wir ihn Herrn X) freude-strahlend, wie „wunderbar“ die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) doch sei…

EZB-Präsident Mario Draghi sei sein „bester Freund“, er habe ihn „reich“ gemacht. Und das kam so: Am 27. Juli 2012 erfährt Herr X über die Nachrichtenagenturen, Herr Draghi habe in London gesagt, die EZB werde alles tun, um den Euro zusammenzuhalten. Für Herrn X ist die damit verbundene “Botschaft“ klar.

Die EZB kauft bald Anleihen maroder Staaten, koste es, was es wolle. Also kauft Herr X diese Papiere, weil er damit rechnen kann, dass deren Kurse ansteigen werden. Er kauft die Schulden von Griechenland, Spanien, Portugal und natürlich auch von Italien. Das habe sich für ihn ausgezahlt, so Herr X. Die Kursgewinne waren immens: Beispielsweise erbrachten ihm allein die Kursgewinne der griechischen Staatsanleihen eine Rendite von sage und schreibe 390 Prozent.

Doch, so raunte mir Herr X zu, seine Rendite sei noch viel höher ausgefallen. Denn er habe die Anleihen auf Kredit gekauft. Schließlich hätte ja Herr Draghi versichert, die EZB werde die Euro-Zinsen dauerhaft niedrig halten. Die Rendite, die er durch den kreditfinanzierten Kauf von Griechenlandanleihen verdient habe, belaufe sich auf atemberaubende 3.898 Prozent. Mit dem Kauf von deutschen Staatsanleihen auf Pump habe er immerhin noch 1.147 Prozent erzielt.

Was Herr X mir da berichtete, ist symptomatisch für die Wirkung der EZB-Geldpolitik. Sie führt eine gewaltige, nicht-marktkonforme Umverteilung von Einkommen und Vermögen herbei, bei der einige wenige auf Kosten vieler gewinnen. Wer seit Sommer 2012 keinen derart großen Zuwachs seines Konto- und Depotvermögen zu verzeichnen hat, ist bereits ein Opfer der EZB-Politik geworden. Doch Halt! Ist eine solche Sicht nicht zu einseitig?

Die EZB-Geldpolitik verhindert Zahlungsausfälle von Staaten und Banken und wendet eine schwere Rezession-Depression ab. Ist das nicht positiv? Wer kurzfristig denkt, wird das vermutlich bejahen, nicht aber, wer die längerfristigen Konsequenzen der EZB-Politik vor Augen hat. Die Tiefzins- und Geldmengenvermehrungspolitik wird nämlich bestenfalls einen neuerlichen Scheinaufschwung („Boom“) in Gang setzen, der nachfolgend in einem noch schwereren Zusammenbruch („Bust“) enden wird.

Durch Zinsherabdrücken und Geldmengenausweitung schafft die EZB keine Wohlstandsmehrung. Sie setzen vielmehr einen Bereicherungswettlauf unter den Wissenden in Gang, die die Unkenntnis der breiten Masse auszunutzen suchen. Das bleibt nicht folgenlos. Die Geschädigten werden sich gegen ihre Verarmung wehren. Wenn sie dabei nicht ein Anhalten der elektronischen Notenpresse, sondern „korrigierende“ Eingriffe des Staats verlangen, wird das bisschen, was von der Marktwirtschaft noch übrig ist, auch noch zerstört werden.

polleit-2015-04-17

Quelle linker Chart: Thomson Financial, eigene Berechnungen. *Kauf Juli 2012, gehalten bis März 2015.
Quelle rechter Chart: Thomson Financial, eigene Berechnungen. *Kauf Juli 2012, gehalten bis März 2015.

Der Kauf der Anleihen wurde mit 10% Eigenkapital und 90% Fremdkapital finanziert.

© Prof. Thorsten Polleit – Auszug aus dem Marktreport Degussa Goldhandel


 

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6 Kommentare auf "EZB-Politik bereichert einige zu Lasten vieler"

  1. cource sagt:

    die menschheit ist wirklich geplagt – jede generation ist scheinbar gezwungen, dass „rad“ (Kapitalismus die „ausbeutung des menschen durch den menschen“Marx/Engels) immer wieder neu zu erfinden – dieses niederträchtige „demokratische“ system schafft es immer wieder seine freiwilligen sklaven zu verarschen – und jeder ist zutiefst davon überzeugt, es gäbe keine alternative

  2. Michael sagt:

    Der Ausfall von Kredit ist ja der Mechanismus der die Bereinigung von nicht zukunftsfähigen Modellen herbeiführt. Mir kommt vor der Zins hätte die Eigenschaft die Kapitalumschlagshäufigkeit im Wirtschaftsraum relativ konstant zu halten. Die Hebel hält sich in grenzen. Bei Blasen wird an sich eine Kapitalumschlagshäufigkeit vorgegaukelt die weiter hinter jener liegt die sich ergibt würden Bedarfe gedeckt. Fremdkapital in der Realwirtschaft dient meiner Ansicht nach dazu eben in Harmonie mit der Umschlagshäufigkeit der Einkommen Güter bereitszustellen. Die ist bei jedem Geschäft ein wenig anders. Blasen suggerieren eine höhere Triebigkeit im Markt als eigentlich notwendig wäre. Keiner entkommt am Ende der Kapitalumschlagshäufigkeit im Wirtschaftsraum.

    Investition rechnet sich immer – Vermögen schlägt 1mal im Jahr um. Kapital investiert in die Realwirtschaft öfter. Mehr Mittel bereitgestellt aus Vermögen heißt weniger Hebel. Das Risiko der Investition ist eher das Auseinanderdriften von der Umschlagshäufigkeit der Eigenmittel vs. der Umschlagshäufigkeit die im Wirkungsumfeld des investierten Kapitals angetroffen werden kann.

  3. falke sagt:

    Hallo,
    kann mir jemand erklaeren warum die Gewinnspanne bei Staatsanleien bei einigen hundert prozent liegt?
    Und zweitens wieso sie bei einigen 1000 prozent liegt wenn man auf kredit kauft???

    • Mäsi sagt:

      @falke

      Das lässt sich folgendermassen erklären:

      Eine Anleihe eines quasi bankrotten Staates steht wegen des hohen Ausfallrisikos im Kurs bei 50%. Anleger A kauft für einen Kurswert von 10’000 Euro Anleihen am Markt (also Anleihen im Nennwert von 20’000 Euro). Nun kommt der ehrenwerte Herr D. von der EZB und verkündet, dass die EZB bereit ist, ebendiese Anleihen zu jedem Kurs aufzukaufen. Die EZB kann jederzeit beliebig viele Euros aus dem Nichts erschaffen und ist somit – zumindest theoretisch – bei diesen Kaufgeschäften immer zahlungsfähig. Sofort findet aufgrund der Ankündigung von Herrn D. bei der Anleihe ein Kurssprung statt. Nach einem Monat liegt der Kurs bei 60%. Der Anleger A hat innerhalb eines Monats 20% Gewinn auf seinen Einsatz gemacht, denn er kann sie für einen Kurswert von 12’000 Euro wieder verkaufen. Die Rendite bezieht sich auf ein Jahr, d.h. 20% Gewinn innerhalb eines Monat ergibt einen auf das ganze Jahr hochgerechneten Gewinn von 12 *20% = 240%, welcher die Rendite darstellt.

      Nun nehmen wir an, der Anleger A kauft nicht bloss für 10’000 Euro Anleihen sondern für 100’000 Euro, wovon 10’000 Euro Eigenkapital und 90’000 Euro Fremdkapital (= von ihm aufgenommener Kredit) sind. Die Rendite auf die investierten 100’000 Euro Gesamtkapital ist immer noch 240%. Da er aber nur 10’000 Euro eigenes Geld eingesetzt und den Rest als verzinsten Kredit (zu einem Zinssatz von 3% p.a., entspricht 0,25% pro Monat) aufgenommen hat, wird sich seine Rendite bezogen auf das von ihm selbst investierte Eigenkapital von 10’000 Euro nahezu verzehnfachen; er erzielt eine Rendite von fast 2’400% (exakt 2373%), da der bezahlte Zins für den Kredit in einem Monat kaum ins Gewicht fällt (90’000 Euro * 0,25% = läppische 225 Euro Kreditkosten pro Monat). Der Gewinn (ohne Gebühren und Abgaben für Wertschriftenkauf und –verkauf) beträgt somit sagenhafte 19’775 Euro bei 10’000 Euro investiertem Eigenkapital – innerhalb eines Monats, nota bene.

      Dass der Anleger A für den von ihm aufgenommenen Kredit nur 3% Zins pro Jahr bezahlen muss, hat er übrigens ebenfalls dem ehrenwerten Herrn D. von der EZB zu verdanken, der die Zinssätze seit Jahr und Tag künstlich tief hält, weil er so angeblich den Konsum und damit auch die Wirtschaft ankurbeln will.

      Man kann die geballte Wirtschaftskriminalität, welche von Zentralbanken mit ihren Zinsmanipulationen ausgeht und die gesamte Wirtschaft korrumpiert, gar nicht hoch genug einschätzen. Das FED macht das beispielsweise schon seit über 30 Jahren. Dagegen ist selbst die mächtigste Mafiaorganisation eine kleine Strassengang. Die Errichtung einer staatlichen Zentralbank war übrigens eine der Forderungen im Kommunistischen Manifest des ehrenwerten Herrn K.M. So kann man den herrschenden sogenannten ‚Neoliberalismus‘ politisch auch gleich richtig einordnen – mit Liberalismus hat er jedenfalls nichts zu tun. Nichtstaatliche Währungen, die im freien Wettbewerb zueinander stehen (= Liberalismus), würden diesem Treiben der staatlich besoldeten Wirtschaftskriminellen in der Tat einen starken Riegel vorschieben.

      • falke sagt:

        Besten dank dafuer! Wow, die Rechnung ist harter tobak. So viel mal wieder zum „freiem Markt“

        Ich dachte das staatsanleien so schlecht laufen?
        Habe hier was gefunden:
        http://www.boerse.de/konjunkturdaten/staatsanleihen/
        Ausser bei griechenland (12,7%) befinden sich die Renditen um die 1% fuer 10Jahre!
        Heist das 1% auf zehn jahre, oder 1%/monat 10jahre lang?

        Bin alles aber kein finanzmensch… dieses System ist mir mehr als nur ein Raetsel! Waren in 5 jahren zu einem jetzt festgelegten Preis zu kaufen…
        Schuldscheine zu buendeln und als Anlage zu betrachten… Leerverkaeufe…
        Naja, eines steht fest: die Rechnung gibts am Ende des Abends immer!

        • Mäsi sagt:

          @falke
          Renditesätze sind grundsätzlich immer bezogen auf ein Jahr. D.h. bei einer Rendite von 12,7% bei griechischen Staatsanleihen würde das bedeuten, dass Sie pro Jahr einen Gewinn von 12,7% auf das investierte Kapital erzielen würden, wenn Sie gerade jetzt eine solche Anleihe kauften und die Anleihe bis zur ordentlichen Rückzahlung am Laufzeitende behielten – vorausgesetzt natürlich, dass Griechenland nicht bankrott geht. Die Rendite einer Anleihe setzt sich normalerweise aus zwei Komponenten zusammen:

          1. einem (meist jährlich) ausbezahlten Zins zuzüglich

          2. einer erzielten Kursdifferenz zwischen Kaufkurs und dem Rückzahlungskurs; die Kursdifferenz kann übrigens auch negativ sein (Kaufkurs > Rückzahlungskurs).

          Je nach Marktlage kann sich der Kurs recht stark verändern. Wenn die Aussichten für Griechenland schlecht sind und sich dessen Bankrottrisiko erhöht, werden deren Anleihen in ihrem Kurs sinken, weil die Halter der Anleihen diese in stärkerem Ausmass verkaufen, da sie einen Totalverlust befürchten – als Folge davon steigt gleichzeitig die Rendite. Eine hohe Rendite bei einer Anleihe weist somit häufig auf ein hohes Ausfallrisiko hin. Eine hohe Rendite kann aber auch Ausdruck einer hohen Inflation der Währung sein, in der die Anleihe ausgegeben wurde; im letzteren Falle hat die Anleihe normalerweise auch einen hohen Zinssatz. Als Faustregel gilt: je höher die Rendite gegenüber dem nominellen Zinssatz ist, desto unsicherer ist die Anleihe.

          Da Griechenland durch die gemeinsame Währung etwa die gleiche Inflation aufweist wie z.B. Deutschland, ist der Unterschied in der Rendite zwischen deutschen und griechischen Anleihen auf ein wesentlich höheres Ausfallrisiko bei letzteren zurückzuführen.

          Unnötig zu sagen, dass ein plötzlicher Bankrott Griechenlands jegliche Renditeberechnung sofort obsolet machen würde. Renditen spiegeln immer nur die aktuelle Situation wider, die sich jedoch jederzeit ändern kann.

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