EZB liebäugelt mit Negativzins

8. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner Sitzung am 6. Juni 2013 beschlossen, den Leitzins bei 0,5 Prozent zu belassen. Doch weitere geldpolitsiche Lockerungsübungen sind damit nicht vom Tisch. Die EZB ist für die Sparer zur ernsten Belastung geworden…

Die Niedrigzinspolitik und die damit verbundene Aufblähung der Geldmenge drücken die Zinsen unter die Inflationsrate und sorgen auf diese Weise für einen negativen Realzins.

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Der negative Realzins entwertet bereits Sicht-, Termin- und Sparguthaben. Nun diskutieren die Geldpolitiker auch noch über einen negativen Nominalzins für Einlagen, die Banken bei der Zentralbank unterhalten. Die Folgen würden nicht nur Banken, sondern vor allem auch Sparer zu spüren bekommen.

Im August 2009 erhob die Schwedische Zentralbank einen negativen Zins von –0,25 Prozent auf Guthaben (im Fachjargon: „Überschussreserven“), die Banken bei ihr unterhielten. Es sollte eine „Strafsteuer“ sein und Banken dazu bewegen, ihre Kassenguthaben zur Kreditvergabe zu verwenden.

Im Juli 2012 zog die dänische Zentralbank nach. Sie senkte den Zins auf Kronen-Guthaben, die Geschäftsbanken bei ihr unterhielten, auf –0,20 Prozent p.a. Mit diesem Schritt sollte die steigende Nachfrage nach der dänischen Währung und der damit verbundene Aufwertungseffekt verringert werden.

Ein Negativzins für Einlagen, die Euro-Banken bei der EZB halten, könnte vor allem vier Effekte nach sich ziehen… (Seite 2)

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