Kleiner elitärer Club versucht sich zu feiern

19. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Mächtig steht er da, der neue Turm der EZB. 185 Meter hoch ist er, sichtbar für jeden in Frankfurt und spürbar für jeden in der Eurozone. Zur Eröffnung war eine kleine Feier der Geldgötter geplant, ohne Feuerwerk. Das brannte unten auf der Straße…

Die Herren der Zinssätze und des Papiergeldes konnten ihre Geld-Kathedrale nur heimlich nur über den Main erreichen. Sie schlichen sich sich zu den Schnittchen durch den Hintereingang.

Vor der EZB brannten Autos, war es laut, Wasserwerfer und Tränengas im Einsatz. „Kampf gegen den Kapitalismus“ kommentierte jemand. Bitte? Wer das Kapitalismus nennt, sollte dringend die Medikamente wechseln, denn es ist Zins-Sozialismus mit allen inzwischen sichtbaren Folgen.

Der Ärger beginnt immer mit einem falschen Geld, mit einem, das eigentlich keines ist. Der Rest folgt automatisch. Willkommen im Zeitalter alternativloser Brachial-Interventionen, kosten sie, was sie wollen, whatever it takes… Glauben Sie, es wird reichen…

Auf Facebook schrieb jemand: „An die Krawallhorden in Frankfurt: Ihr macht denselben Blödsinn wie die EZB, ihr zerstört Eigentum.“ 

Überhaupt wird viel Unsinn über die EZB geschrieben wie „Währungshüter“, „Retter“ und „Super-Mario“. Ja, es geht um Geldspiele mit viel Magie und Werbung. Ich habe noch nie brennende Autos vor einer Zentralbank gesehen. Ihr Image hat gelitten und viele werden sich fragen, was haben die jungen Leute bloß, dass sie extra aus Italien und Griechenland angereist sind, die doch so vom Euro profitiert haben. Diese Bilder gingen um die Welt … stundenlang kreisende Helikopter und schwarzer Rauch in der Nähe einer Zentralbank, die zu einer Trutzburg wurde. Die EZB hätte Euroscheine aus den Helikoptern regnen lassen sollen. Das hätte zwar auch für Chaos gesorgt, aber die Lage schnell beruhigt. Kann ja noch kommen. Bis dahin aber schiebt die EZB das Geld den Banken unter dem Türschlitz durch…

Nun gut, die EZB-Feier war diesmal weniger von klassischer Musik umrahmt, vielmehr von musikalischen Klängen der Hubschrauber und einer großen Menge NATO-Stacheldraht, als vertrauensbildende Maßnahme. Und drinnen sprach Mario Draghi und fand es unfair, die EZB in das Zentrum des Protests zu rücken. Ja unfair ist vieles, vor allem wenn man an die alten Abmachungen bzw. Gesetze denkt, oder an die Wahlplakate der CDU, dass kein Land für die Schulden eines anderen Landes einstehen wird. Lange ist es noch nicht her.

Ein paar handverlesene Journalisten waren auch eingeladen. Es lebe die Transparenz. Vorwiegend Agenturjournalisten waren anwesend, heißt es. Das ist eine besondere Berufsgruppe, die zentrale Nachrichten liefert, die dann überall per Cody-Paste über Netz und Zeitung verteilt werden. Sie haben die Hauptberichterstattung übernommen, weil Nachrichten ja so teuer geworden sind und die Leute lieber nichts für fremder Leute Arbeit bezahlen möchten.

In den kommenden Tagen werden wir viel über „Kapitalismuskritik“ hören und unter sperrigen Quasselsendungen darunter leiden, denn der Turbo-Kapitalismus macht vieles kaputt. Doch ist das, was wir haben nicht Turbo-Sozialismus, wenn es kein Scheitern mehr gibt? Man muss nur wichtig sein oder sich wichtig gemacht haben.

Wir leben in einer Zeit der Interventionen. Das hat mit echtem Kapitalismus nicht mehr viel zu tun. Da gäbe es Wettbewerb. Neulich hat der Einlagensicherung-Fonds die Düssel-Hyp übernommen, weil die unter der Last der nicht gezahlten Schulden aus einer österreichischen Bad Bank (HETA) zusammengebrochen wäre. Lone Star als Eigentümer war natürlich wieder fein raus. Scheitern ist keine Option, wenn dann alle, aber erst später. Tausend andere Beispiele für Interventionismus und den Folgekosten spare ich mir und den Lesern.

Der EZB-Turm ist von jeder Ecke Frankfurts aus zu sehen. Seine Kosten schlugen auch wegen der Inflation mit mehr als dem Doppelten zu Buche, was irgendwie lustig ist bei Währungshütern, die auf Geldwertstabilität achten und erst zufrieden sind, wenn sie jährlich zwei Prozent Kaufkraft einer Währung weggesägt haben. Zudem agieren sie inzwischen auf der politischen Bühne. Das bemerkte neulich der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Die EZB hätte keine demokratische Legitimierung. Wozu auch? Die EZB sei die Schattenregierung der Eurozone, merkte Mayer an. Das hätte man mir mal sagen sollen, als Wim Duisenberg noch der Chef war, oder Jean Claude Trichet. Mit Mario Draghi wurde schnell alles anders, denn er hatte sich jetzt auch um die Folgen der falschen Politik zu kümmern.

Die Leute werden sich jetzt öfters fragen, was man dort in diesem hohen Turm eigentlich macht. Es versteht kaum jemand, das Geld. Nicht umsonst ist es eine komplizierte Sache. In der Schule wird wenig darüber gelehrt, und wenn, dann sind es Halbwahrheiten. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass diese Sache niemand versteht, sonst gäbe es noch größere Massenaufläufe als den, über den am Mittwoch viel geschrieben stand. Und vielleicht es es wiederum schlecht, denn ohne die Gefahr zu kennen, kann man ihrer Wirkung auch nicht ausweichen und wird letztlich überrascht sein, wenn man das Falsche getan hat.

Der Tag der EZB-Einweihung zeigt aber eines – die Abgehobenheit des Geldsystems und dessen Auswirkungen – und dass man die Zentralbank vor den Leuten schützen muss, für die das Geld gemacht wurde. Ich glaube nicht, dass die Leute viel vom Geldsystem verstehen, aber sie merken inzwischen viel deutlicher seine Auswirkungen, bis hinein ins heimische Wohnzimmer. Wir werden in Zukunft wahrscheinlich öfters sehen, dass die Sozialisten aneinander geraten, ein großes Missverständnis unter Weltverbesserern.



 

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3 Kommentare auf "Kleiner elitärer Club versucht sich zu feiern"

  1. bluestar sagt:

    Wo war gestern eigentlich Victoria Nuland ? Brandkörper und Pflastersteine gegen Polizisten, da gibt es doch eigentlich Kekse zur Belohnung ? Zumindest war das in Kiew noch so.
    Schön anzusehen, wie beliebt und friedensstiftend der Euro geworden ist, echt alternativlos.
    Demokratieabbau, Zentralismus, Planwirtschaft, Währungszerstörung, Almosenverteilung, Kommissare, Dauerpropaganda, ausgesuchte Schreiberlinge für die unterwürfige und systemtreue Hofberichterstattung – ja das ist Sozialismus. Allerdings gab es im untergegangenen real existierenden Sozialismus weder schmarotzende Superreiche noch bettelnde Leute auf den Straßen.

    • kyniker sagt:

      @Bluestar
      für den letzten Absatz könnte ich Dich umarmen.Das spricht mir aus der Seele und bringt es auf den Punkt.
      Die sich wie wie Mehltau verbreitende Ignoranz gegenüber allen Themen außerhalb der Privatspäre gegenüber ist wohl aber m.E. ursächlich dafür.
      Das eine bedingt das andere.
      Diese Ignoranz gab es im besten deutschsprachigen Sozialismus aller Zeiten aber auch schon.

  2. Zitat sagt:

    Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.

    Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916), österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin

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