Größter Copyshop Europas

25. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

EZB-Sitzungen finden immer donnerstags statt, wohl wegen des Donners. Wie es der Zufall wollte, klemmte diesmal erst der Fahrstuhl und Draghi kam zu spät. Die Götter hatten ihren Spaß…

Einen Feueralarm gab es während der EZB-Sitzung auch noch – und einen an der Börse. Und dann aber heizten Graf Draghila und Kollegen unserer Einheiz-Währung mächtig ein. Die sogenannten „Geldhüter“ werden ab März monatlich 60 Milliarden Euro aus dem Nichts drucken und die EZB damit der größte Copyshop Europas. Sie wird die Euro-Suppe mit Frischgeld weiter verdünnen, wohl bis zur Geschmacklosigkeit. Dem Euro wurde übel.

1,1 Billionen frische Euro sollen die Realwirtschaft ankurbeln, heißt es. Dabei hat Geld noch nie auf Befehle seiner Produzenten gehört. Das neue Geld pumpt wahrscheinlich lieber die Kurse an den Börsen auf und weniger die reale Wirtschaft. In einem See voller Geld steigt dann jedes Boot, selbst die mit großen Löchern.

Der arme Euro. Erinnern wir uns. Damals hat man ihn bei 1,18 US-Dollar „verteidigt“ (dabei ging es nicht um ihn sondern um mögliche Verluste der Banken) jetzt wird seine Kaufkraft beseitigt. Er erinnert immer mehr an die einstige italienische Lira und notiert jetzt so tief wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Ach ja, Mario Draghi ist ja Italiener…

Man wird im hohen Haus nicht müde zu betonen, man wäre dort der „Geldwertstabilität“ verpflichtet. Das ist erheiternd, wenn gleichzeitig die Kaufkraftstabilität den Bach hinunter geht. Komischerweise wurde das Haus der EZB direkt am Main, also nahe des Wassers gebaut. Seit man da eingezogen ist, geht die Kaufkraft des Euro im Ausland buchstäblich den Bach hinunter. Eben. Götter verstehen Spaß!

Die Kaufkraft des Euro im Ausland ist binnen eines halben Jahres um 20 Prozent gefallen, als hätten sie Vampire ausgesaugt. Den DAX freut es. In US-Dollar sieht er da schon mager aus. Und in Gold erst recht. Gold in Euro wurde seit Jahresbeginn 18 Prozent teurer. Zufall? Dabei wirft es keine Zinsen ab, warnen Experten. Anleihen übrigens auch nicht mehr. Diese kosten sogar unterm Strich, mit Garantie sogar. Bald lohnt es sich, Kredite aufzunehmen, wenn man von den Zinsen gut leben kann. Übrigens…gegen Vampirismus sollen ja Knoblauch und Gebete helfen. Ich verlasse mich da lieber auf Gold.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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2 Kommentare auf "Größter Copyshop Europas"

  1. Avantgarde sagt:

    Gut möglich, daß QE eine Art Falle ist aus der wir nur noch schwer wieder herauskommen können. Die Zinsen könnten vor allem am langen Ende sehr schnell steigen falls ein Ende des QE für wahrscheinlich angesehen wird – was dann wiederum zu einem Problem führen würde.

    Andererseits ist so etwas halt auch immer eine Frage der Alternativen.
    Welche haben wir denn ?

  2. Berufsinkontinent sagt:

    Habe letztens meinen Banker gefragt, ob ich mein Darlehen aufstocken kann unter der Bedingung, dass ich dann Zinsen von der Bank bekomme dafür, dass ich das Darlehen weiterführe. Seltsam, hat er nicht verstanden – er bestand darauf, dass weiterhin ich die Zinsen bezahle.

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