EZB hält Kurs – die Entwertungspolitik geht weiter

8. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Keine Überraschung auf der heutigen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Rat der Geldbehörde hat den Leitzins unverändert gehalten: Der Hauptrefinanzierungszins liegt unverändert bei 0,0%, der Einlagenzins bei minus 0,4%.

Der Rat sieht allerdings keine „Abwärtsrisiken“ mehr für die Euro-Wirtschaft. Gleichzeitig sieht er jedoch im jüngsten Inflationsanstieg noch keinen aufwärtsgerichteten Inflationstrend – und damit auch keinen Anlass, die Geldpolitik zu straffen.

Die Schuldpapieraufkäufe gehen weiter: Gekauft werden pro Monat 60 Mrd. Euro, und dadurch wird die Euro-(Basis-)Geldmenge in gleichem Umfang erhöht – bis Dezember 2017 oder bei Bedarf auch darüber hinaus.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte auf der Pressekonferenz, der Ausstieg aus den Wertpapierkäufen („Tapering“) sei im Rat nicht diskutiert worden.

Die EZB hat zudem für das laufende Jahre die Prognose für die Inflation der Konsumentenpreise gesenkt. In 2017 soll sie nur noch 1,5% betragen von zuvor geschätzten 1,7%, und in 2018 soll sie auf 1,3% fallen gegenüber den bisher prognostizierten 1,6%. Auf diese Weise erlaubt sich die EZB quasi selbst, die Zinsen niedrig zu halten.

Für Sparer und Anleger bedeutet das, dass die meisten Zinsen im Euroraum nach Abzug der Inflation weiterhin negativ bleiben. Mit anderen Worten: Die Entwertung des Euro und der in Euro ausgewiesenen Ersparnisse geht weiter.

Berücksichtigt man zudem, dass eine erhebliche Zeitverzögerung zwischen Geldmengenausweitung und Preisauftrieb besteht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass die EZB zu spät (wenn überhaupt) auf die geldpolitische Bremse treten wird: Denn wenn sie ihre Geldpolitik an der laufenden Inflation orientiert, ist es schon zu spät zu reagieren, wenn die Inflation anzieht.

Zudem ist zu beachten, dass die wahre Inflation schon in vielen Bestandsgütermärkten in Erscheinung tritt. Zu denken ist beispielsweise an die merklich steigenden Preise für Häuser, Grundstücke und Aktien in vielen Ländern im Euroraum. (Das ist die Vermögenspreisinflation).

Blickt man auf die Kredit- und Geldmengenentwicklung, so deutet einiges darauf hin, dass die Inflation im Euroraum künftig stärker ausfallen dürfte, als es den Sparern und Geldhaltern lieb sein kann – vor allem dann, wenn die EZB an ihrem aktuellen Kurs festhält.

Im April 2017 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 4,9%, die der Geldmenge M1 sogar 9,2% – und damit lagen sie deutlich über der Wachstumsrate der Realwirtschaft.

Hinter dem kräftigen Geldmengenwachstum verbarg sich vor allem eine beträchtliche Kreditausweitung an die Euro-Staaten: Sie nahm um 9,7% gegenüber dem Vorjahr zu, das Kreditwachstum an den privaten Sektor nur um 2,9%. Die Geldmengenvermehrung scheint also im Kern aus einer Monetisierung von Staatschulden zu stammen – einer Geldschöpfung, der keine produktive Leistung gegenübersteht, und die sich als besonders preistreibend erweisen sollte.

Unter diesen Bedingungen bleibt Gold eine attraktive Alternative für Sparer und Anleger aus dem Euroraum. Die „Währung Gold“ kann durch geldpolitische Maßnahmen nicht entwertet werden. Gleichzeitig trägt sie – anders als Bankeinlagen und Anleihen – kein Zahlungsausfallrisiko. In Zeiten wie diesen macht es Sinn, Gold als Versicherung für das Portfolio einzustufen – eine Versicherung mit Wertsteigerungspotential.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Degussa Goldhandel GmbH

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