Experten schon wieder sicher: Großes Lohnplus voraus!

18. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es ist fast schon unheimlich… Kurz vor der Europawahl wird den Deutschen auch noch das größte reale Lohnplus seit 15 Jahren angedroht. Pippi Langstrumpf ist außer sich. Und wenn Experten etwas sehen, dann meist eine Fata Ökonomica oder etwas anderes Verrücktes…

Glück kann heute so einfach sein. Seit 15 Jahren fallen die Leute immer wieder auf den gleichen Gag herein und jetzt auch noch auf ein sagenumwobenes Wunder im Geldbeutel. Alle Jahre wieder.

2014 kommen die guten Nachrichten des Jahres alle zusammen direkt vor der Europawahl. Das Glück wird tonnenweise in die medialen Kanäle gekippt, bis der Honig aus den Geräten läiuft und die Stube verklebt – dass man darauf ausrutscht und sich die Knie aufschlägt. Lächelnd steht man dann wieder auf und freut sich über das nächste Wunder… ein „reales Lohnplus“ – während unsere Kanzlerin von den Plakaten lächelt.

In vielen Branchen wurden Lohnabschlüsse von mehr als drei Prozent gemeldet. Abzüglich der offiziellen Pippi Langstrumpf-Inflation bleiben real mindestens anderthalb Prozent übrig. Davon abziehen muss man dann noch die höheren Beiträge zur Sozialversicherung und die höhere Lohnsteuer. Blöde kalte Progression!

Bleibt da wirklich noch etwas in den Taschen übrig? Ein schlechter Geschmack auf der Zunge, auch wenn diese gereichten Witze ohnehin geschmacklos sind.

Zudem frohlockt ja auch schon die Senkung des Rundfunkbeitrags um 48 Cents im Monat die verschütteten Reste der Hoffnung aus ihrer Gruft. Man weiß gar nicht, was man künftig mit dem vielen Schotter anstellen soll. Ich rate, es sich mal so richtig gutgehen zu lassen, eine Kugel Eis zu essen oder sich täglich eine zusätzliche Kilowattstunde Strom zu leisten.

Die „Welt“ schreibt: „Die ostdeutschen Gebäudereiniger freuen sich über einen der höchsten Tarifabschlüsse.“

In der Tat! Ihre Lohnzuwächse jagen in diesem Jahr um 5,3 Prozent nach oben. In der „Lohngruppe 1“ werden statt 7,56 Euro dann erfreuliche 7,96 Euro pro Stunde gezahlt, also 40 Cents mehr. Mit den Freudentränen der Putzkräfte lässt sich spontan das Putzwasser einsparen. Acht Stunden Putzarbeit bringen so 3,20 Euro mehr am Tag mehr. Ist das kein Grund zur Freude? Nein, zynisch.

Da kann man sich schon mal ein überteuertes Heißgetränk „to go“ leisten und zur Freude der Ökonomen damit den Konsum so richtig anschieben. Allerdings muss man auf das Heißgetränk leider zwei oder drei Tage warten, denn die 3,20 Euro am Tag mehr sind brutto und nicht netto. Aber Vorfreude ist bekanntlich immer noch die schönste Freude.

Ach ja… Putzen, Wischen, Wegräumen, Fegen und Winterdienst heißt heute übrigens auf hochdeutsch… (Quelle)

Innen- und Unterhaltungsreinigungsarbeiten, insbesondere Reinigung, pflegende und schützende Behandlung von Innenbauteilen an Bauwerken und Verkehrsmitteln aller art, Gebäudeeinrichtungen, haustechnischen Anlagen und Raumausstattungen; Reinigung und Pflege von maschinellen Einrichtungen sowie Beseitigung von Produktionsrückständen; Reinigung von Verkehrs- und Freiflächen einschließlich der Durchführung des Winterdienstes.

Auch die Leute im Hotel – und Gaststättengewerbe jubeln über drei Prozent mehr Brutto – und auch die Zeitarbeiter – sofern überhaupt noch tariflich bezahlt. Wenn das kein Aufschwung ist. Apropos tariflich bezahlt… Die Hans Böckler Stiftung liefert interessante Zahlen… (Quelle)

Impuls

Da seit 1995 die Reallohnsteigerungen hierzulande um zwei Prozent gestiegen sind, also um zwei Prozent in 19 Jahren, gehen wir hierzulande endlich sonnigeren Zeiten entgehen. Dem Zahlenwerk liegen die offiziellen Inflationszahlen zugrunde. Pippi Langstrumpf lacht schon wieder. Hauptsache, die Experten sind außer sich vor Freude und überschlagen sich vor Optimismus. Es wird das größte Reallohn-Plus seit 15 Jahren. Wenn dann am Ende dieses Jahres eine schwarze Null heraus kommen würde, hätten die Experten sogar Recht. Es wäre die größte Reallohn-Steigerung ever ever ever….

Ein Wort des Trostes… Jetzt nur noch ein paar Woche anstrengen, nur noch bis zum 11. Juli… Bis dahin arbeitet man noch für „Vater Staat“. Danach klingeln die Gelder in der eigene Tasche. Und es gibt tatsächlich Leute, die benutzten diesen Begriff „Vater Staat“ für einen Dieb, der Zuckerbrot ins Schaufenster legt. Jeder, der daran schleckt, spuckt das salzige Zeug schnell aus und wendet sich dem nächsten Zuckerbrot zu. Irgendwann muss es doch mal klappen….



 

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Ein Kommentar auf "Experten schon wieder sicher: Großes Lohnplus voraus!"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Schlimme finde ich nicht, dass die Regierung und die ihr nachgeordneten Behörden alles in rosarotes Licht tauchen. Politik ist eben nun einmal zunächst und zuletzt Selbstdarstellung und Eigenwerbung der Akteure.

    Schlimm jedoch finde ich, dass die unabhängigen Medien, dass die unabhängigen Medien, also das Fernsehen und die großen Zeitungen bzw. Wochenmagazine, diese Selbstdarstellung und Eigenwerbung praktisch eins zu eins transportieren, ohne sie kritisch zu hinterfragen.

    Die Printmedien schaufeln sich auf diese Weise ihr eigenes Grab. Sie haben ohnehin durch die übermächtige Konkurrenz des Internets schwer zu kämpfen. Da sie sich auch heute noch in gewohntem Trott einfach nur als Transmissionsriemen der politischen Klasse bzw. der mächtigen Verbände verstehen und bereitwillig instrumentalisieren lassen, wie man nicht zuletzt an der vollkommen einseitigen Berichterstattung in der Ukrainekrise beobachten kann, und offenbar überhaupt nicht daran denken, für ihre Leser zu schreiben, sondern sie einfach nur bevormunden und erziehen wollen, werden immer mehr Leser ihrer überdrüssig und kündigen die Abonnements.

    Das öffentlich-rechtliche Verdummungsfernsehen ist noch gegen diese Konsequenz geschützt, weil es sich durch Zwangsgebühren finanzieren darf. Aber auch das wird nicht ewig halten. Die AfD fordert schon als erste nennenswerte Partei eine Abschaffung der Zwangsgebühren, andere Parteien werden folgen. Auf Dauer werden sich auch die Verdummungsstrahler nicht gegen den wachsenden Unmut der Menschen behaupten können.

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