Experten: Intelligenter Nonsens

7. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Glosse von Frank Meyer

Das Wort „Experte“ findet Google 31,1 Millionen mal. Man kann ihnen also heute nicht mehr aus dem Weg gehen, vor allem im Finanzbereich. Vermutlich gibt es hierzulande mehr Experten als Arbeitslose…Sie analysieren den ganzen Tag Dinge, wahrscheinlich weil sich mit ihnen nicht gerne jemand zum Mittagessen oder zu einem Bier verabredet. Wenn dem so ist, treffen sich Experten untereinander. Viele Experten wissen gar nicht, dass sie Experten sind. Es wird ihnen oft angedichtet. Und das fühlt sich gut an. Sie würden doch sonst protestieren. Oder? Und denjenigen, die keine wirklichen Experten sind, schmeichelt es ungemein.

Das Wort Experte stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „erprobt“. Wikipedia führt aus, dass es keine „Erlaubnisprüfungen“ gibt, die zum Führen eines Titels „Experte“ befähigen. Von daher dürfte es nicht wundern, dass die Experten heute immer jünger werden.

Experten begegnen einem ständig und überall. Meine Kollegen an der Börse suchen ständig nach diesen Spezialisten in Sachen Finanzmarkt, Kursentwicklung oder Einschätzungen zu aktuellen Dingen. Chefvolkswirte werden besonders gerne als Gesprächspartner bemüht, weshalb die in Börsenkreisen auch Expertenexperten genannt werden. Sie erklären dem Zuschauer ausführlich, warum das eine so ist und das andere nicht so sein kann und warum ihre Prognosen gar nicht haben eintreten können.

Analysten sind dort auch oft anzutreffen. Nur Zyniker behaupten, sie würden mit Knochen oder Vegetarier mit Kohlrabi werfen oder würfeln und in Glaskugeln nachschauen. Ihre Kursziele sollen sie aus dem Jenseits zugeflüstert bekommen. Die Kunst der Analysten besteht aber im Gegensatz zu den anderen Experten im Anpassen ihrer Kursziele.

Ich will nicht ungerecht sein. In Sachen Wissenschaft gibt es wirklich viele Experten mit ausgesprochen fundiertem Wissen. In der Regel essen sie aber auch oft allein und werden bis auf die Ärzte von den meisten gemieden. Nur Experten unterscheiden Kunstfehler. Wissenschaftler besitzen viel Expertise in ihrem Bereich, heißt es. Unsere Kanzlerin beispielsweise kennt sich bestimmt bestens mit Physik aus und vielleicht auch mit Energieerhaltungssätzen, Fallgeschwindigkeiten und Atomreaktoren. Sie hätte es dabei belassen sollen – wobei das mit der Fallgeschwindigkeit in ihrer Koalition schon ganz gut klappt.

Die Experten in Sachen Ökonomie und Finanzen sind ein besonderes Volk und werden besonders gerne eingeladen. Sie geben vor, von immer weniger Dingen immer mehr zu wissen. Und sie bedienen sich oft einer besonders ausgefeilten Verschleierungstaktik. Diese besteht darin, möglichst viele Anglizismen in ihre Sätze einzubauen. Etwas Arroganz unterstreicht ihre Bedeutung.

Die meisten der rund zwei Millionen Leute, die sich mit dem Thema Finanzen weltweit beschäftigen, sind wohl der Grund dafür, dass sich die Märkte über sie lustig machen und dann genau das Gegenteil von dem tun, was die Expertenschaft vorher sagt.

Als Finanz-Experte lässt sich viel Geld verdienen, wenn man es schlau anstellt – also mit vielen Worten nichts sagen und sich die reichlich vorhandenen Hintertürchen offen halten. Die Kunst der Experten besteht zudem darin, das Nichteintreffen von Prognosen dezidiert begründen zu können. In diesem Punkt ähneln sie stark den Leuten aus diversen Astro-Shows – nur mit deutlich weniger Unterhaltungswert.

Rechtlich kann man sie nicht belangen. Das Vortäuschen von nicht vorhandenen Eigenschaften bzw. das Ignorieren des normalen Menschenverstandes lässt sich nicht einklagen – nur beklagen. Sie sind lediglich die bemitleidenswerte Folge ausbleibender Einladungen zum Mittagessen oder zum Bier am Abend.

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19 Kommentare auf "Experten: Intelligenter Nonsens"

  1. Frank2 sagt:

    1A!
    Das Wort „Experte“ leidet unter extremer Inflation bei ausbleibender Teuerung.
    Grad Anfängern machen die Experten zu schaffen, weil sie sich widersprechen und so das eben getätigtes Investment (Expertentipp), als völlige Geldvernichtung titulieren (auch Expertentipp). Man muß also selber zum Experten werden. Ich brauchte etwa vier Jahre um jene Experten herauszufiltern, die aus meiner Sicht Experten sind. Von denen versuchte ich dann zu lernen. Ich sei nun auch ein Experte, sagt meine Frau und meine Freunde verstehen mich nicht mehr. Sie sind eben keine Experten. 😉

    • stonefights sagt:

      Das Interessante an Wörtern ist ja immer die Interpretation, also die Auslegung und damit auch die Übersetzung des Gesagten.
      Wenn man z.B. eine französische Hörneurose besitzt, dann liest man oben immer wieder zwei Worte, nämlich „Ex“ und „perte“.
      „perte“ im Sinne von „Verlust“, und „ex“ als Präposition im Sinne von „ehemals“ ergäbe somit beim gehörten Satz „von Ex~perte zum Experten“: „von ehemals Verlust zum Experten“ 🙂

    • Fnord23 sagt:

      Das kenn ich. Ich fing 2008 an mir meine Fragezeichen im Kopf selbst zu beantworten und mich durch die Themen: Geldsystem, globale Zusamenhänge, gesellschaftliche Auswirkungen, Geschichte, Alternativen, usw. zu arbeiten.

      Damit begann genau das: Keiner meiner Freunde und die Familie verstand mich mehr, weil ich zu tagesaktuellen Themen halt meinen anderen Senf, alternativ Sempf, dazu geben musste.
      Einige Freunde und die engere Verwandschaft konnten mir folgen. Es fanden sich aber auch neue Gleichgesinnte.

      VG aus Sachsen

  2. Fnord23 sagt:

    Wie schnell man zu Experten wird:

    Wie ich ja schon mal sagte,bin ich ehrenamtlich tätig. Im Bereich Kinder/Bildung.
    Aus diesem Grund werd ich hin und wieder mal zu einer Veranstaltung ins Podium geladen. Angekündigt werde ich als: Experte!

    Das muss ich dann leider zurückweisen, weil ich einfach nur 2 Kinder groß und erzieh und einen gesunden Menschenverstand besitze. So glaube ich.

    Das mit dem Experten hätte für mich zum Selbstläufer werden können. Leider sage ich nicht das, was die Politiker und die Verwaltungsvertreter hören wollen. Ich bin einfach nur meinem gesunden Menschenverstand verpflichtet.
    Aus diesem Grund werden die Einladungen weniger, weil ich als Störer empfunden werde.
    Schade, meine Laufbahn als Experte begann so viel versprechend – und nun das.

    Ich wollte mir sogar noch einen Dr. zulegen. Dr. Experte

    VG aus Sachsen

    PS: Als Störer hat man mich so in den Jahren vor 1989 auch schon mal bezeichnet. Ab Herbst 1989 hatte ich dann Recht. Na so was.

  3. matt06 sagt:

    @ Fnord 23,
    ich mag Störer mit gesundem Menschenverstand.Schau dir unsere Uni`s an wo unsere Experten wie Sojasprossen gezüchtet werden.Äusserlich sicher gut anzusehen aber mit gewaltigen Nebenwirkungen…wie Sojasprossen eben…L.G Matt06

  4. paddelbootheizer sagt:

    @ Frank Meyer:

    Genial! Einfach nur genial!
    Es ist immer wieder ein Labsal diese mit Fach-und Sachverstand,
    als auch mit umwerfenden Humor geschriebenen Texte zu lesen!

    Vielen Dank und weiter so!

    Viele Grüße

    Paddelbootheizer
    (im Dienst)

    • Frank Meyer sagt:

      Ich bin felsenfest davon überzeugt, man kann nur noch lachend durch die Schlagzeilen eilen, wohl wissend, dass es ernst ist. In 10 Jahren werden wir uns – oder sich unsere Kinder – nur noch an den Kopf fassen und schwören, es besser zu machen.

      Aber wir können wir später sagen, dass wir manchmal sogar so laut lachen konnten, dass die Tauben auf dem Dach des Nachbarn einen Hörsturz bekommen haben.

      Das Problem: Man kann heute gar nicht mehr so schnell schreiben und denken, wie es nötig wäre.

      • retracement sagt:

        Das ist viel zu schwarz gemalt. Immer wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Ja, dieser Spruch klebte über dem Wohnzimmer meiner Oma. Jeder hat halt die Seine.
        Wir liegen seit 2008 hier auf dem Blog viel zu weit vor der Kurve und machen uns so manch fetten Spass kaputt – bis der Spass nimmer ist. Das habe ich gelernt!

        • retracement sagt:

          Ähm, was wird nun aus der Interview-Serie mit Nobbe? Jedes Mal wenn ich ihn vor einem Mikro sehe, denkt ein Teil von mir, ja der hat doch recht was er da sagt. Und dann drehts mir anschließend immer den Magen um.

  5. quest sagt:

    „Sie haben völlig recht!“

    Nein, das ist kein Kommentar zu Frank Meyers Kolumne, sondern es ist die Begrüßungsformel unter Experten. Am Gesprächsende wird das zusammenfassend wiederholt. Dazwischen ist nichts, glauben Sie mir, egal wie lange das Palaver dauert.

  6. VickyColle sagt:

    Wunderschöne Glosse Frank! :-).

    Dazu brauchen wir jetzt nochmal den Link von Volker Pisper bzgl. der Anal-lysten:
    http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY
    🙂

  7. Fnord23 sagt:

    So kommt ein Seitenbetreiber zu hoher Frequenz seiner Page:

    Man nehme einen Meyer, in diesem Fall sich selbst, und lasse diesen einen intelligent humoresken Aufsatz verfassen.

    Das führt dazu, dass bestimmte sächsische Nutzer aus purem Spaß am Witz diese Aufsätzlichkeit mehrfach an surfen.

    AHA:
    „Der Name Meier entstand aus dem lateinischen Wort maior, der Steigerung von magnus (groß). Meier bedeutet also „der Größere, der Höhere“…….. Quelle: http://www.winmeyer.de/meyer.htm

    Frank Meyer fehlt hier noch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Meyer

    Vielen Dank für diese und ähnliche Wortschätzchen an alle Verfasser. Sonst wäre es manchmal nicht mehr zum Aushalten. Wie sagte heute ein Freund zu mir, der im Werkzeuggroßhandel tätig ist:

    „Das draußen herrscht Krieg! Die kapitalistische Überproduktion muss in den Markt. Egal wie.“

    Da gab es doch auch ein paar Experten, für die alles nur AUFWÄRTS geht, oder?

    VG aus Sachsen

    • Frank Meyer sagt:

      Ich dachte und hörte immer, „Meyer“ sei ein Schimpfwort oder ein Zustand. Oder aber die Maßeinheit zwischen zwei Fettnäpfchen. Ach nee, das war ein Kohl 🙂

    • stonefights sagt:

      …ja bevor „unser“ Frank ins „Größere Höhere“ abhebt…
      Frappierend auffällig gegenüber dem als „MeIer“ geschriebenen „Größeren Höheren“ ist SEIN Ypsilon („Y“).
      Davon ausgehend, dass das Ypsilon aus dem Griechischen stammt (erst später ins lateinische übernommen…) fragt sich meine VST-Synapse gleich wieder, ob der Blogwart ein verkappter, wiedergeborener Grieche ist und uns hier nur zum Narren hält.
      Ich glaub ich versuche mal rauszukriegen, welche Nationalität seine berühmte Oma hatte 🙂
      lg, stonefights

  8. paddelbootheizer sagt:

    Gegenüber anderen Blog-Seiten mit freier Kommentarfunktion schätze ich hier sehr das recht hohe Niveau der Kommentatoren. Diese Seite ist eine der wichtigtsten die ich frühmorgens als erstes aufschlage um zu schauen was in der Welt los ist. Oft lese ich auch nahezu alle Kommentare um einfach mal zu schauen welche Reaktionen der jeweilige Artikel auslöst. In fast allen Fällen fühle ich mich in meiner persönlichen Meinung bestätigt. Ist das nun eine Folge der Meinungsbeeinflussung oder ist das was da „Draußen“ so alles abläuft wirklich so irre, dass man es sich kaum noch vorstellen kann? Leider habe ich den Eindruck, dass sich viel zu wenige Menschen sich kaum im Detail mit unserer aktuellen Lage auseinandersetzen. Sinnesäußerungen wie: ist doch alles Sch…e ist mir einfach zu blöd.

    In Hoffnung auf noch viele aufbauende, humoristische Artikel (Herr Meyer sollte eigentlich mal Kabarett-Texte schreiben) verbleibe ich
    mit vielen Grüßen an alle Leser und Autoren dieser Seite.

    Paddelbootheizer
    (schon wieder im Dienst)

  9. Silberdax sagt:

    Das perfekt verkettete Pyramidenspiel :
    Der „Standard“ aus Österreich traut sich was….
    er läßt jemanden sprechen, der die Wahrheit sagt, aber niemand hört ihm zu – noch nicht zumindest…
    bitte, lesen Sie selbst:

    Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, erläutert im österreichischen „Standard“, dass die Zeit der Banken und des Geldes vorbei sei. „Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und “ dinglich “ absichern lässt, dann ist das in Wahrheit ein Enteignungsmodell.“

    In ungewöhnlicher Deutlichkeit erläutert der Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann in einem Massenmedium die Hintergründe des Geldsystems: Warum das Finanzsystem ein Betrugsmodell ist, was Bilanzen damit zu tun haben und warum der ultimative Crash droht.

    Für Hörmann ist die Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Ein Paradigmenwechsel sowohl in den Wirtschaftswissenschaften als auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht ist für ihn unumgänglich. In den nächsten drei Jahren drohe der Zusammenbruch des gesamten Systems.

    Ausschnitte aus dem Interview mit derStandard.at:

    derStandard.at: Sie gehen davon aus, dass sich Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren völlig verändern werden. Hat unser derzeitiges Finanz- und Wirtschaftssystem ausgedient?

    Franz Hörmann: Definitiv in jeder Hinsicht. Weil wir aus Sicht der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Modelle verwenden, die auf die alten Römer zurückgehen. Das Zinseszinssystem stammt aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, die doppelte Buchhaltung aus dem 15. Jahrhundert. Und es gibt keinen Bereich unserer Gesellschaft und der Wissenschaften, wo Methoden dieses Alters überhaupt noch ernst genommen werden. Aber es dient dazu, gesellschaftliche Eliten mächtig und reich zu erhalten, deswegen ändert sich nichts.

    derStandard.at: Läutete die Krise nun ein Umdenken ein?

    Hörmann: Das denke ich schon. Die heutige Krise geht von den Banken aus. Banken erfinden im Kreditprozess Geld. Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell. Das ist auch der Hintergrund des Bankgeheimnisses. Banken können überhaupt nicht offenlegen, wo beispielsweise die Zinsen für Sparbücher, Bausparverträge oder Sonstiges herkommen. Denn wenn sie das täten, müssten sie zugeben, dass das alles in Wirklichkeit verkettete Pyramidenspiele sind. Diese verdeckte Geldmengenausweitung hat mit der doppelten Buchführung begonnen. Weil wenn man mit Geld eine Sache kauft, dann wechselt das Geld in Wahrheit den Besitzer. Der Verkäufer hat das Geld, der Käufer hat die Sache. Ab dem Moment ist die Sache aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr in Geld bewertbar. Trotzdem schreiben wir diese Geldbeträge in Bilanzen rein.

    derStandard.at: Den Banken und dem Finanzsystem zu vertrauen ist also ein Fehler?

    Hörmann: Das Vertrauen ist ja in den letzten Jahren von den Banken systematisch missbraucht worden. Es gibt ein systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird. Solange man mit Eigenkapital als Sicherheit zur Bank geht und die erzeugt aus Luft echtes Geld, das eine Zahlungsmittelfunktion hat, haben wir ein Problem. Eigenkapital ist eben kein Geld, es ist eine Rechengröße. Nach irgendwelchen Regeln wird die Aktivseite bewertet und dann die Schulden abgezogen. Wenn ich ein drei Meter langes Brett habe und ziehe ein zwei Meter langes Brett ab, dann hab ich immer noch kein ein Meter langes Brett, ich habe eine Differenz. Wenn ich ein ein Meter langes Brett haben will, dann muss ich die zwei Meter abschneiden. Ökonomisch heißt das, ich muss die Aktiva liquidieren, damit ich das Geld kriege. Zu Liquidationserlösen sind aber alle Unternehmen weltweit pleite. Auch Staaten können sich daher in Wirklichkeit gar nicht verschulden. Ein Staat, wenn man ihn als Summe des gesamten Geldflusses versteht, wo soll sich der verschulden? Warum gerade bei einer Privatbank? Ein Staat müsste sein Geld eigentlich selbst erzeugen, und zwar basisdemokratisch.

    (…)

    derStandard.at: Noch nehmen wir das Geld aber sehr ernst. Währungskrieg und Währungskrisen geistern durch die Medien.

    Hörmann: Der wirkliche Skandal ist, dass unser gesamtes Geldsystem auf Schulden basiert. Das heißt, die Geldschöpfung funktioniert zu 97 Prozent in den Geschäftsbanken. Auch Staaten nehmen so Kredite auf: Die Zentralbanken machen das durch eine Bilanzverlängerung. Über eine Bilanzverlängerung kann man aber kein Geld erzeugen. Die chinesische Staatsbank erfindet auch Geld aus Luft, nur lustigerweise, ohne dass eine Staatsschuld entsteht. Das sollten wir auch machen. Der chinesische Wirtschaftswissenschafter Wu hat bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität gesagt: Er werde oft gefragt, warum es in China so viele Unternehmensgründungen gegeben hat. Die chinesische Staatsbank habe Gründungskredite hergegeben, die waren unverzinst und mussten nicht zurückgezahlt werden. Das kann man natürlich nur als Zentralbank machen, wenn man einseitig bucht und nicht gleichzeitig Schulden erzeugt. Und wenn man dann sagt: Um Gottes Willen, dann gibt’s ja Inflation! Das haben die Chinesen über eine Preisregulierung gesteuert und waren damit wieder die Schlaueren. Das will aber bei uns keiner hören, weil das geht gegen das Dogma der freien Märkte, die Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten sind.

    • stonefights sagt:

      Danke für den Ausschnitt !
      Genial, wenn man auch noch den Namen dieses Mannes liest: HÖR MAN !
      Da soll nochmal jemand sagen, Namen sind „alles-schallundrauch“ 🙂

    • VickyColle sagt:

      Hörmann ist sehr gefährlich.
      Wenn man sich seine gesamten Ergüsse anschaut wird man sehr schnell erkennen, das er lediglich das Geldschöpfungsmonopol verlagern will.
      Wie sämtliche Gsellanhänger der ein oder anderen Schattierung.

      Nicht der Zinseszins ist das Problem (den es in einer Gesellschaft mit freiem Marktgeld gar nicht geben würde), sondern das Geldschöpfungsmonopol, welches (im Zusammenspiel) mit dem fractional Reserve Banking noch den Turbo eingeschaltet hat.

      Selbst fractional Reserve Banking wäre für eine Gesellschaft zu ertragen, wenn es nicht mit einem Geldschöpfungsmonopol kombiniert ist, da es einer automatischen Bereinigung unterliegen würde unter jenen Marktteilnehmern die es überreizen.

      Gruss Vicky

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