Exodus an der Börse

11. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) „Die Massen haben sich bereits vor langer Zeit aus dem Aktienmarkt zurückgezogen. Sie sind in alternative Investments mit höherer Verzinsung und damit größerem Schutz vor Inflation eingestiegen. Jetzt haben auch Pensionsfunds die Erlaubnis erhalten, Aktien und Anleihen zugunsten von Immobilien, Futures, Gold und sogar Diamanten fallen zu lassen. Der Tod der Aktien sieht nach einem beinahe permanenten Zustand aus; irgendwann umkehrbar, aber nicht in der nahen Zukunft.“

Am 13. August 1979 erschien jener berühmt-berüchtigte Artikel „The Death of Equities“ in der „Business Week“. Ende der 70er Jahre hielt der Bärenmarkt Wall Street und Investoren in seinem eisigen Griff; seit 13 Jahren war jeder Versuch gescheitert, die 1000-Punkte-Grenze im Dow Jones Index zu überwinden. Der S&P 500 konnte die 100-Punkte-Marke nicht überwinden.

Der schwarze senkrechte Strich bezeichnet das Erscheinungsdatum des Artikels. Der Artikel gilt deshalb als Mutter aller Kontraindikatoren, weil der S&P 500 nur wenige Monate später die 100-Punkte-Marke hinter sich lassen konnte. Dies geschah mit steigendem Volumen (ein Hinweis auf die Nachhaltigkeit der Bewegung). Zwei Jahre später wurde die 100-Punkte-Marke von oben getestet. Anschließend begann der Bullenmarkt der 1980er und 1990er Jahre.

Ein Rückgang des Handelsvolumens konnte in den 1970er Jahren zu keinem Zeitpunkt festgestellt werden. Dies ist jetzt anders. Seit den Jahren 2007/08 fallen die Handelsumsätze kontinuierlich.

Seit dem Beginn der Finanzkrise in den Jahren 2007/08 ist das tägliche Handelsvolumen an der NYSE um etwa 50 Prozent gefallen. An der Nasdaq ist der Rückgang weniger stark, aber 30 Prozent dürften es allemal sein (folgender Chart).

Die New York Times hat zum Thema Handelsvolumen einen interessanten Artikel veröf-fentlicht. http://tinyurl.com/cbxr758. Darin heißt es sinngemäß: „Der Rückgang des Handels-volumens trifft nicht nur die 13 offiziellen Börsen der USA. Auch die inoffiziellen Börsen wie die so genannten Dark Pools verlieren Volumen.“

Man könnte meinen, das Desinteresse sei auf die Börsen beschränkt. Dies ist aber nicht so. Seit dem Jahr 2008 dominiert die Zahl der Monate mit Kapitalabflüssen (folgender Chart).

Dargestellt sind die Kapitalbewegungen zu und aus US-Aktienfonds. Ob diese Fonds in einheimische oder aus US-Sicht ausländische Märkte investieren, spielt bei dieser Be-trachtung keine Rolle. Stellt man den Kapitalfluss kumuliert dar, so erhält man den folgenden Chart.

Zunächst ging das Desinteresse der Anleger mit fallenden Märkten einher. Als sich die Märkte im Frühjahr 2009 erholten, stoppten die Abflüsse. Es gelang den Fonds jedoch nicht, netto neues Kapital anzulocken. Der August-Crash von 2011 verdüsterte die Situation der Fonds. Obwohl die Märkte anschließend stiegen, werden Kapitalabflüsse registriert. Daran änderte auch die Frühjahrsrallye nichts….(Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Exodus an der Börse"

  1. gilga sagt:

    Dieser Artikel des Autors gefällt mir schon viel besser als der letzte… 😉

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