Europa: Vorsätzlicher Vertrauensverlust

13. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Frau Merkel fliegt vierstrahlig mit einem Raketenabwehrsystem durch die Welt. Wie schnell und wohin unser Euroraum unterwegs ist, weiß keiner. Dich auch er hat jetzt ein „Krisenabwehrsystem“, das keine Krisen verhindert, sondern erst schafft…

Jede dieser inzwischen so vielen Rettungen sollte doch nichts kosten. Es sollte sogar ein Geschäft werden. So hieß es früher jedenfalls. Für wen? Moment! An dieser Stelle meldet sich mein Archivprogramm:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen […] werde. So wahr mir Gott helfe.“ (Amtseid der Bundeskanzlerin Angela Merkel, 22.11.2005)

Heute redet man über Atomkraft und den vielleicht teurer werdenden Dieselkraftstoff. Von Atomkraftwerken umzingelt, wird den Leuten klar, dass sie mit dieser Technik aus der Teufelsküche nichts zu tun haben wollen. Weniger hysterisch, vielleicht sogar mit einem Hauch von Gleichgültigkeit, nimmt man dagegen den „Euro-Pakt“ zur Kenntnis, dessen erklägliche Summe inzwischen 1.542 Milliarden Euro beträgt, wobei der deutschte Anteil alternativlose und sicherlich auch noch aufstockbare 391 Milliarden Euro beträgt.

„Momentan ist richtig, momentan ist gut , nichts ist wirklich richtig, nach der Ebbe kommt die Flut“ (Herbert Grönemeyer)

Man kann gar nicht so schnell schreiben, wie die Neuigkeiten eintreffen. Gerade weist der Bundesrechnungshof auf eine Nachschusspflicht hin, wenn der Rettungsfonds Forderungen seiner Geldgeber begleichen muss, weil ein Land nicht in den Fonds einzahlen kann. Reichen die 80 Milliarden Bar-Kapital für diesen Fonds nicht aus, wird automatisch Kapital von den Mitgliedstaaten abgerufen.

„Darüber hinaus könnte es auch in der Zeit des Kapitalaufbaus in den Jahren 2013 bis 2016 zu einer schnelleren und damit höheren Zahlungsverpflichtung der Mitgliedstaaten als vorgesehen kommen“,

so die Rechnungsprüfer.

Perfekter (Aufwärts)Trend

Haben Sie das auch gesehen? Binnen eines Jahres steigen die Garantien und inzwischen auch Barzahlungen Deutschlands beharrlich an. Doch nicht nur das. Die „Target-2-Forderungen“ der Bundesbank gegenüber anderen Notenbanken sind inzwischen auf 321 Milliarden Euro angewachsen. Macht nix! Es sind nur elektrische Einheiten auf Buchungskonten. Kein Baum musste dafür sterben. Alles Öko…

„Wir tun das nicht für andere“…

„Wir tun das in unserem eigenen Interesse!“

„Wir tun das für unsere Kinder“ (Wolfgang Schäuble, Finanzminister)

Wer solche Eltern hat… Die früher getroffenen Vereinbarungen zwischen den Ländern der Eurozone im Maastricht-Vertrag ohne Zustimmung derjenigen, die es betrifft, sind zum großen Teil missachtet worden wie in einer schrecklich netten Familie. Einigkeit gab es, solange der Kredit reichte. Kaum wurde der gemeinsame Mittagstisch verlassen, gingen manche Verwandten ganz eigenen Interessen nach. Die erste Dekade des neuen Millenniums hat sich als eine Geschichte aus Defiziten, Betrug, Wegsehen und warmer Worte erwiesen. Dem gescheiterten Unterfangen in Sachen Stabilität und Verlässlichkeit musste nun ein weiterer Pakt zur Seite gestellt, der weitere Krisen verhindern soll, der den entstandenen Vertrauensverlust durch einen „Euro-Pakt“ ersetzt.

„Der Euro ist für Deutschland eine Schicksalsfrage.““ (Peer Steinbrück)

Sicherlich gibt es Sparanstrengungen in Irland, Portugal und Griechenland, ganz im Gegensatz zu den USA. Doch letztlich stellt sich auch die Frage, ob diese Maßnahmen nicht viel zu spät kommen. Verhindert der Pakt neue Krisen? Mitnichten. Er sorgt für eine Atempause durch Umverteilung der Lasten, baut aber das Fundament für noch größere Krisen. Dauerhaft. Selbst Hans Werner Sinn hat inzwischen so seine Zweifel…

„Das Rettungssystem ist vielmehr eine tickende Zeitbombe, deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt.“

Mit Portugal kam es jetzt zu einem weiteren Ausfall. Zum Glück gibt es aber den „Schutzschirm“, kommentierte man diese Angelegenheit – aufgespannt für alle Ewigkeit wie das Wort Gottes in der Kirche. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass es nicht wirklich um den Euro geht, sondern um diejenigen, die an die maroden Staaten Kredite verliehen haben, deren Zahlungsunfähigkeit droht. Vielleicht kann man das mit einem defekten Atomkraftwerk vergleichen, über das eine weitere Schutzhülle gestülpt wird….—–>

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