Europa und die Büchse der Pandora

15. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Europa gleitet sukzessive dorthin, wohin diejenigen, die die EU-Krise losgetreten haben, es haben wollen. Das ist ein Gedanke, der mir immer wieder hochkommt. Immer verbunden mit dem unguten Gefühl, dass jemand auf einen verbotenen roten Knopf gedrückt hat, der Dinge auslöst, die wir nicht absehen können…

Europa wird sukzessive geschwächt, das Konstrukt als solches zu Recht in Frage gestellt, ja. Aber können wir, kann irgend jemand, einschätzen, wohin das am Ende dieses Weges führen wird? Damit meine ich nicht meinen schon seit langem gehegten Gedanken einer Euro-Kernzone mit Nicht-Euro, aber EU-Staaten in der Peripherie, die am Ende noch schwächer dastehen werden als vor diesem Experiment eines Euro-Europa. Ich meine die Problematik einer nicht mehr kontrollierbaren Schulden- und Schuldenausfallspirale. Wann und wie endet das? Welche Bedeutung hat das für uns alle?

Wir sind in Europa in einem Stadium angekommen, in dem es schwierig wird, das neue Geld zu beschaffen, das nötig ist, um alleine die Zinsen nebst zur Rückzahlung fällige alte Schulden zu bezahlen. Selbst Deutschland, wo immer wieder von politischer Seite von einer Reduzierung der Schuldenlast gesprochen wird, steckt natürlich mit im Strudel, weil man um ein Mindestmaß an Solidarität gegenüber den Staaten, bei denen die EZB schon bei Neuemissionen von Anleihen mitkaufen muss, um Desaster zu verhindern, nun einmal nicht herumkommt.

Immerhin steht Deutschland auch deswegen besser da, weil es zuvor durchaus seine Vorteile aus der Schwäche der anderen ziehen konnte. Aber diese schwächeren Staaten … wie sollten die jemals aus dieser Problematik herauskommen, will man nicht in Jahrhunderten rechnen? Was hätten Schuldenschnitte in hinreichender Größenordnung für Konsequenzen? Für die Länder, die danach ja wirtschaftlich trotzdem noch schwach sein werden? Für die Banken, die vorher fleißig diese Anleihen kauften und nun auf einmal ob zu niedriger Kapitaldecke wieder einmal in die Bedrouille geraten … was ja jetzt schon einige sind?

Und was sind die Konsequenzen für uns Bürger?

Andererseits: Was würde in diesem jetzt erreichten Stadium geschehen, wenn man einfach noch mehr Geld drucken würde, um die Schuldenspirale weiter laufen zu lassen? Wann erreicht diese Vermehrung des Geldes seinen inneren Wert, sprich wann entstünde eine Inflation, die das momentan noch normale Maß sprengt und dann nicht mehr zu stoppen wäre?

Noch können es sich die Unternehmen nicht leisten, die Preise zu sehr zu erhöhen. Noch müssen sie es auch nicht, weil die, die noch in normalem Maß konsumieren können, noch zahlreich genug sind. Aber wenn die wirtschaftliche Instabilität, die wir schon jetzt haben und das ohnehin hohe Maß an Arbeitslosen außerhalb Deutschlands (und wir sind nun mal keine Insel!) ausufert, dann ist natürlich damit zu rechnen, dass die Unternehmen versuchen werden, noch so viel wie möglich an Gewinnen mitzunehmen und, wie oft unmittelbar vor Rezessionen, durch Preiserhöhungen die Lage verschärfen.

In einer Situation, in der das Geld zwar immer mehr wird, aber nicht in den Händen der Bürger liegt, ein höchst brisantes Szenario. (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , , ,

14 Kommentare auf "Europa und die Büchse der Pandora"

  1. vegaman sagt:

    Klasse Artikel.

    Aber direkt darunter Werbung zu 10 Euro Münzen von MDM? Das muss man auch erst mal bringen…

  2. Frank Meyer sagt:

    Das ist unabhängig und wird automatisch gefeuert. Davon bezahlen wir einen Teil unseres Servers 🙂

  3. Dreamer sagt:

    Eine solche „hysterische Fluchtbewegung“ gibt es allenfalls weg von Staatsanleihen der PFIIGS hinein in Bunds und Treasuries sowie in Immobilien in Toplagen und nicht in Gold und Silber!

    Ich rechne zwar mit einem langsamen Dahinsiechen der Wirtschaften der Eurozone über mehrere Jahre, trotzdem kann der Euro ganz plötzlich und unerwartet von heute auf morgen Geschichte sein.

  4. wolfswurt sagt:

    Deutschland und seine Bürger werden die letzten sein die von der EU-Fahne gehen werden.

    Glaubten am 7.Mai 1945 und am 8.11.1989 besagte 90% an den Sieg der jeweiligen Ideologie/Staatsform und so werden an jenem Tag an dem die EU/EURO zerbrechen werden auch wieder 90% der Deutschen völlig desorientiert vor ihrem Scherbenhaufen stehen.

    Bei solcher Massenverblödung und bedingungslosem Obrigkeitsgehorsam ist es geradezu zwangsläufig, daß unser Land wiedereinmal den größten anzunehmenden Schaden erleidet.

  5. mfabian sagt:

    —„“ist es in meinen Augen jedoch nicht angeraten, voller Furcht für den gesamten Sparbestand Grundstücke, Häuser, Autos, Bilder und Goldmünzen zu kaufen.
    Erstens, weil deren Wert sinkt, sobald die Nachfrage danach fällt. Und das wird ausgerechnet am Höhepunkt solcher Krisen passieren, weil dann alles und jeder bereits zu jedem Preis dort hinein geflüchtet ist,““—

    Per Definition wird das Top im Goldpreis mit dem Tief des Wertes von Papiergeld einhergehen. Das ist ja der Grund, weshalb wir Goldbugs bis es so weit ist, unser überzähliges Papier regelmässig in Physisches tauschen.

    —„Und zweitens, weil man sein Brot nicht mit Krügerrands und Rembrandts bezahlen kann.“—

    Wollen wir wetten, dass ich in der Krise mein Brot und auch mehr mit Krügis zahlen kann? Bei Euros, Franken, Dollar wäre ich da nicht so sicher!

    • Dreamer sagt:

      Bon Appetit beim Verzehr von bunten Zettelchen, seien es nun Aktien, Zertifikate oder Geldscheine, Herr Gehrt. Nagut, man kann sie noch verfeuern, was einen gewissen Heizwert ergibt, wenn es dann mal soweit ist. Nahrungsmittel gibt es dann jedenfalls keine mehr dafür.

  6. amoratis sagt:

    Also wenn ich mir ein paar Silberunzen kaufe, dann weil es so ziemlich das Einzige ist was ich tun kann um Vorsorge zu betreiben. Das wertvolle Bild, ein teures Auto, das Wohneigentum – das ist eine ganz andere Gehaltsklasse 🙁 und ich kann mich noch sehr gut an Geschichten meiner Mutter, und meiner Oma erinnern, die mit ihrem Schmuck zum Bauern sind (hamstern), insofern ist ein bischen EM durchaus sinnvoll. Kann ja sein das das Gold auch fällt, aber das betrifft mich nicht, denn kaufen kann ich mir das eh nicht mehr…

  7. timesystem sagt:

    Ach, Herr Gehrt, ich wünsche mir auch so vieles, aber es triftt leider immer dann doch nicht ein. Und Sie werden lachen, Gesundbeten hilft auch nicht.
    Tja, WER hat denn nun die Büchse der Pandorra geöffnet? ICH WAR’S NICHT!!!
    Ein wenig!! erinnert mich Ihr Aktikel an die Aktion vom Handelsblatt-„Jetzt Griechenland-Anleihen kaufen“, das war diese lustige Solidaritätsaktion…ich glaube, da standen die Anleihen noch bei 90…heute bei 40…ein gutes Geschäft. Der Chefredakteur kaufte für 5.000,00 Euro , mein Gott,was für ein Vertrauensbeweis und schaute nett in die Kamera..
    Ich teile ja Ihre Einschätzung, Haus ohne Schulden usw…aber das mit den „Put’s“ können Sie nicht lassen, oder?
    Und sollten alle Stränge reissen- was ich nicht glaube!!!- werden Sie beim Bäcker aber sowas von gut – mit einer Silbermünze bezahlen können-aber das wünschen wir uns sicherlich gemeinsam nicht!!!
    Und das mit den Sichtweisen „kurzfristig“ und „langfristig“ …darüber müssen wir noch einmal sprechen, ich glaube die Einschätzung über die Dauer dieser Zeiträume…das ist auch nicht mehr so wie immer…
    Nicht so ängstlich, nicht nur abwarten und erst einmal gar nichts machen…in Bewegung bleiben!!!

  8. Avantgarde sagt:

    Ich bin mit meiner Einschätzung bekanntlich nicht so schrecklich weit weg von Ronald Gehrt.

    Nun hat er das Wort Silber in den Mund genommen und einige denken er wäre negativ auf Silber eingestellt – ich vermute mal das etwas falsch verstanden wurde.

    Er hat Silber im Zusammenhang mit allen möglichen anderen Sachwerten gebraucht und schlicht davor gewarnt alles auf eine Karte zu setzen und nun dem Markt hinterherzulaufen!!

    Und diese Warnung halte ich auch für absolut gerechtfertigt.
    Denn die, die sich so absolut sicher sind, daß sie als die großen Gewinner aus der Krise hervorgehen und das alles nur als Finanzspiel begreifen haben letztlich nicht verstanden was hier vor sich geht.

    Ach ja – Portugal bitte nicht vergessen:
    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/11/10/drw_201111100651_portugals_armee_ist_auf_der_seite_87658d15.mp3

    • MARKT sagt:

      Schade in diesem Blog ist, dass inzwischen gilt: Wer nicht bedingungslos „All in “ für die beiden Edelmetalle ist, der wird angegriffen und „bewußt“ ?! (von den anderen „Kommentierenden “ falsch interpretiert)

      Im Prinzip wird genau dasselbe gemacht wie von unseren Volksvertretern : Wer nicht bedingungslos unserer Argumentation folgt, wird mit „totschlagargumenten“ niedergeknüppetlt. Schade um die immer noch vorhandene Diversifikation in der Auswahl der Berichte.

      Vermutlich wird aber der Fisch bald nur noch Köder bekommen , die im schmecken. Ich könnte es bedingt verstehen.

      Übrigens Herr Gehrt hat sich in keinster Weise als Gegner von Edelmetallen geoutet. Er hat lediglich dafür plädiert, diese nicht als einzige und definitive Lösung für sein ganzes vorhandenes Vermögen zu suchen. Aber in den Augen der Goldbugs kommt dies offensichtlich wie eine Beleidigung Ihrer Person an. Auch das könnte zum Nachdenken anregen, muss es aber nicht.

  9. VickyColle sagt:

    Es ist schon abenteuerlich nen Picasso mit Warengeld in einen Topf zu werfen. 🙂

    Aber so sind se halt die Börsenschreiberlinge (mit Herrn Gehrt vereint uns mancher Disput 🙂 ), wenn ihnen die Aktien („Sachwerte“) unterm Arsch wegbrennen, sie vor Puts (fürs Hobby) und Shorts aber Schiss haben, da die QEs wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen hängt … und ihnen nichts weiter übrig bleibt als auf alles und jeden in Politik, den bösen Bankstern, Eurokraten u.a. zu schimpfen!

    Perfide an der Sache finde ich: Sie selbst sichern sich ab!
    Nur nach draußen zelebrieren Sie die Büchse zu einem Thema, so Sie doch eigentlich ganz genau wissen das das was passiert, die logische Konsequenz dessen ist was passiert ist und kommen MUSS, sowie es kommt.

    „Beim Bäcker mit KRs zu bezahlen“ ….. was für ein Tenhagen-Niveau ist das denn bitte …. (ist der Frust so groß ?)

    echtes Kopfschütteln
    Vicky Colle

    • Avantgarde sagt:

      Nicht den Kopf schütteln 🙂

      Berufsmäßige Trader arbeiten emotionslos – müssen sie auch – denn sonst klopft bald Mr. Margin an die Türe.
      Risiken über verschiedene Wege zu hedgen ist völlig normal.
      Emotionen oder Meinungen sind Gift – nur die Parameter/Algorithmen zählen.
      Kurse machen Nachrichten und nicht umgekehrt.

      Ich weiß es ist schwer nachzuvollziehen.
      Es gibt Leute, die durchaus erfolgreich nach Charts traden und noch nicht mal eine Ahnung haben welchen Rohstoff sie da genau handeln.

      Aber er hat wohl auch eine private Meinung die nicht dem aktuellen Chart entspricht und die irgendwann durchaus Realität werden kann – und das drückt er eben aus.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.