Europa am Scheideweg…

14. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Im Ringen um Krieg oder Frieden zeigen sich einige interessante Entwicklungen, die darauf hindeuten, dass die Vernunft am Ende siegen könnte…

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sah sich US-Außenminister John Kerry kürzlich genötigt, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, es gebe in der Ukraine-Frage keine Spaltung zwischen Europa und den USA. An der Aussage ist vor allem die Tatsache interessant, dass sie überhaupt gemacht wurde.

Denn gäbe es diese Spaltung tatsächlich nicht, dann wäre das Statement des US-Außenministers vollkommen überflüssig gewesen. Wenn genau dies nun aber derart vehement öffentlich abgestritten wird, nämlich Differenzen zwischen Europa und den USA in der Ukraine-Frage, dann lautet die Schlussfolgerung:

Selbstverständlich gibt es in diesem Punkt eine Spaltung zwischen beiden Parteien. Bei näherer Betrachtung wird das allmählich auch immer offensichtlicher:

Sieht man sich etwa die „Erfolge“ der Sanktionen gegenüber Russland an, dann wird deutlich, dass diese vor allem Europa selbst, sehr viel weniger aber die USA treffen. Europäische Landwirte etwa gehören bislang zu den Hauptleidtragenden dieser Politik.

Neben Frankreichs Staatschef Francois Hollande hatte sich daher vor einiger Zeit auch Außenminister Frank Walter Steinmeier sehr zurückhaltend zu weiteren Sanktionen geäußert.

Auch auf der politischen Bühne sind derzeit wichtige Aspekte erkennbar, die auf ein Zerwürfnis zwischen Europa und den USA in der Ukraine-Frage hindeuten. Während etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel einer militärischen Lösung des Konflikts bereits mehrfach eine klare Absage erteilt hat, wird auf der anderen Seite des Atlantiks in dieser Frage kräftig gezündelt.

Ginge es etwa nach den Hardlinern in Washington, würden die USA längst auch ganz offiziell Waffensysteme in die Ukraine liefern. Dass man dies schon längst tut, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, wird schnell offensichtlich, wenn man sich mit dieser Frage einmal etwas eingehender beschäftigt.

Doch die Differenzen zwischen Europa und den USA gehen offenbar weit über mögliche militärische Planspiele hinaus: Das zeigt etwa die Tatsache, dass in dieser Woche mit Angela Merkel und Francois Hollande die beiden wichtigsten europäischen Regierungschefs zum Krisengipfel nach Minsk gereist sind, um dort mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Regierungschef Petro Poroschenko über die Lage in der Ukraine zu sprechen.

Ein Vertreter der US-Regierung war bei diesem bedeutendsten politischen Treffen der vergangenen Monate nicht anwesend. Das ist vielleicht der bemerkenswerteste Aspekt an diesem Krisengipfel. Die am Donnerstagmittag greifbare Waffenruhe für die Ost-Ukraine wäre zwar nur ein kleiner, wenn auch sehr wichtiger Erfolg dieser Gespräche.

Die Entwicklungen könnten darauf hindeuten, dass Europa endlich (!) begreift, dass es auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Russland angewiesen ist. Alles andere als eine Kooperation mit dem wichtigen Nachbarn im Osten könnte sich in der Tat zu einer Katastrophe von historischen Ausmaßen auswachsen.

Man kann deshalb nur hoffen, dass Sergei Arutonow, Chefredakteur der russischen Wochenzeitung Novij Den, mit seiner Einschätzung vor wenigen Tagen nicht Recht behält, als er sagte:

»Mir kommt es vor, als ob die Menschen in Europa und den USA entweder gleichgültig zuschauen oder sich sogar darauf freuen, wie die Apokalypse aufzieht. Für viele ist es eher ein Schauspiel, das im Fernsehen abläuft und nicht echt ist. Erst wenn die Realität sie aufschreckt, ein Atompilz über ihrer Stadt aufsteigt, ihre Häuser wegfliegen, es Hunderttausende Tote gibt, werden sie die Frage stellen: ›Wie konnte das nur passieren?‹ Dann ist es aber zu spät.«

Und dann ist da ja noch die Griechenland-Frage: Hier sind die Fronten inzwischen so verhärtet wie noch nie. Die neue griechische Regierung bleibt stur bei ihrem Konfrontationskurs gegenüber der EU. Die Beharrlichkeit, mit der Griechenlands Finanzminister Varoufakis die Eurogruppe in dieser Woche erneut hat auflaufen lassen, lässt den Schluss zu, dass die Griechen längst einen Plan B in der Schublade haben. Auch bei diesem Plan könnte Russland eine zentrale Rolle spielen.

Für die Börsen bedeutet das einstweilen nichts Gutes, denn eine Staatspleite Athens wird unter den gegebenen Umständen immer wahrscheinlicher. Doch das muss keineswegs die allumfassende Katastrophe sein, vor der in der Vergangenheit immer wieder gewarnt wurde. Historisch betrachtet sind Staatspleiten nämlich nicht die Ausnahme sondern die Regel. Namentlich die Südeuropäer, Spanien vor allem, haben sich hier immer wieder hervorgetan. Und bekanntlich dreht sich die Welt immer noch…

Letztlich kommt es darauf an, dass Europa die Zeichen der Zeit erkennt, und endlich Entscheidungen trifft, die auch im Sinne nachfolgender Generationen sind.

Steuergelder für notleidende Staaten und deren Bankensektor im dreistelligen Milliardenbereich sowie Kriegsspiele in der Ukraine gehören definitiv nicht dazu…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief




 

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4 Kommentare auf "Europa am Scheideweg…"

  1. Salim Spohr sagt:

    786 – Ein sehr schönes Posting, lieber Andreas Hoose, das auch etwas Beruhigendes hat, dazu von klarer Stringenz ist. Tatsächlich hätte es vom US-Außenminister gar nicht betont zu werden brauchen, daß es zwischen seinem Land und Europa keine Spaltung in der Ukraine-Frage gäbe, wenn es da nicht wirklich ein Problem gäbe. Mir war der Satz auch aufgefallen, und er hatte mich gefreut. Auch die angesprochene Nähe zwischen Griechenland und Rußland stimmt hoffnungsfroh. In-shâ Llâh wird der Kelch eines Krieges erst einmal an uns vorüber gehen.

  2. fruuf sagt:

    In der Tat, auf den ersten Blick macht die Entwicklung von Minsk unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs Hoffnung. Es erinnert ein wenig an damals, vor dem Irakkrieg. Europa distanziert sich von der amerikanischen Kriegstreiberei und betreibt eigenständige Außen- und Krisenpolitik. Welch ein Schauspiel! Aber ach, ein Schauspiel eben nur ….

    Die USA wollen diesen Krieg in der Ukraine führen, die USA wollen, ja müssen jetzt die Vorherrschaft gegenüber Russland auf dem europäischen Kontinent festigen, wenn sie weiterhin Weltmacht bleiben wollen. Grundsätzlich ist es nämlich ein eurasisches Zeitalter, das entstehen würde. Das Wissen und die Technik Europas im Verbund mit den Ressourcen Russlands, darin liegt eine natürliche Zukunft, für die man die USA kaum benötigen würde. Aus dem Grund wird nun mit US-Marionetten und -Günstlingen in Europas Eliten daran gearbeitet, eine solche Zukunft zu verhindern.

    Im Moment sind Europa und die USA nicht in der Lage, auf militärischem Weg eine Entscheidung in der Ukraine herbeizuführen, das sind nur die Russen und man fragt sich, warum sie es nicht tun. Der Waffenstillstand zum momentanen Zeitpunkt ist im Interesse der USA, die weitere Geländeverluste Kiews befürchtet. Allerdings will die USA keine friedliche Lösung, wenn diese nicht die völlige Kontrolle der gesamten Ukraine durch ihre jetzige Kiewer Regierung bedeutet. Somit kommt Merkel zusammen mit Hollande ins Spiel.
    Das „alte Europa“ man erinnere sich anno 2003, das auch jetzt wieder, scheinbar souverän, sich gegen die amerikanischen Kriegspläne zu wenden scheint; diesmal mit neuer Besetzung. Doch das war geplant und wird nun genau so inszeniert, so mein Eindruck. Die Angst in Deutschland vor einem Krieg mit Russland ist groß, das wissen auch die Amerikaner. Ebenso ist die Zustimmung zu Merkel nach NSA-Spionage, TIPP und Waffenlieferungen in den Irak alles andere als Zustimmung. Dennoch, Merkel wird für die USA weiter gebraucht um den Einfluss in Europa zu behalten, noch ist TTIP nicht unter Dach und Fach und Deutschland nicht weit genug eingebunden, internationalisiert, deindustrialisiert und entmachtet, und nur Merkel scheint den USA für dieses Gelingen der Hoffnungsträger zu sein. Sie darf jetzt nicht, womöglich weil sie Waffenlieferungen in die Ukraine befürwortet und auch dann im Zweifelsfall deutsche Truppen hinschicken müsste, durch ein Misstrauensvotum oder andere Widerstände in Deutschland von der Macht genommen werden, sie braucht den Bonus, den Schröder sich 2002 mit seiner Haltung erwarb. Sie muss den Deutschen in der Stunde der Gefahr als „wahre, souveräne Staatslenkerin“ präsentiert werden. Und den armen Hollande gleich mit, auch der braucht Unterstützung, denn wenn der Front National die Mehrheit gewinnt, dann haben die USA ein „französisches Problem“ in Europa.
    Natürlich wissen beide, Merkel und Hollande, dass sie hier ein Schauspiel auf ganz großer Bühne zu spielen haben. Die USA ist bewusst nicht dabei, übernimmt keine Zusagen für Frieden, sondern überlässt dies den beiden europäischen Statisten in dieser US-Strategie. Denn sobald man in den USA meint, Poroschenko wieder soweit aufgerüstet zu haben, dass diesmal seine „Großoffensive zur Befreiung des Donbass“ Erfolg haben wird, spätestens dann wird es zu einem Bruch des Waffenstillstandes kommen, für den Putin auch ohne Beweise ebenso verantwortlich von der Propaganda erklärt wird wie für den Abschuss von MH-17. Und Merkel und Hollande werden betreten vor ihr Volk treten und verkünden, man habe „alles versucht“ um eine politische Lösung zu finden, doch Russland hat sich für Gewalt entschieden, Waffenlieferungen der USA sind nun alternativlos, ja man selbst erwägt sogar, nun auch militärisch Verantwortung für die Freiheit und territoriale Integrität der Ukraine zu übernehmen.

    Ja und wer will dieser bis zum Letzten um Frieden ringenden und bis zur Erschöpfung dafür verhandelnden „großen, souveränen deutschen Politikerin“ dann noch widersprechen?
    Nur Putinversteher, Antiaamerikanisten und andere Pegidaisten – „ansonsten liegt Merkel laut Meinungsumfragen natürlich wie immer an erster Stelle“ – Hurra!!!

    Ja so rechnet man sich wohl in US-Thinktanks die deutsche Befindlichkeit aus. So gesehen war Merkel in Minsk wieder einmal eine nützliche Helferin für amerikanische Interessen, für einen von den USA benötigten Waffenstillstand zur Aufrüstung der Ukraine, zu dem sich Amerika selbst aber nicht eingebracht oder verpflichtet hat, bei gleichzeitiger Festigung der Position und Ansehen des eigenen Vasallen bei seinem Volk. Macchiavelli hätte wohl seine Freude daran gehabt.

  3. bluestar sagt:

    @fruuf
    Ausgezeichnete Analyse der Situation !!!
    Ich befürchte, dass die oben erwähnte Aussage des Herrn Arutnow leider zutrifft.

    • Ingo sagt:

      @fruuf

      === hier wie Russen denken ==

      Die Analyse ist zu 100 % korrekt; die gekauften Medien werden dafür sorgen das alles in die richtige Richtung gelogen wird und der TV-Zuschauer zufrieden mit seiner eigenen Meinungsbildung in den TV stiert und Anne Will und Maybritt Illner lauschen.

      Putin kann nur das Gefahrenpotential für Rußland ausschalten und das sind die US-Basen in seiner unmittelbaren Nähe (Moakau). Die wichtigsten befinden sich in Baden Würtenberg, diese Basen werden durch gezielte Atomschläge ausgeschaltet werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 %; da die Amerikaner diese Basen Opfern werden um Deutschlands Produktion, und den Euro endgültig zu Kippen für einen stabilen Dollar.

      Das hat Merkel + Hollande + die Deutsche Bevölkerung noch nicht verstanden–die Entschlossenheit einer Nation die man feindlich übernehmen will. Es geht hier aber nicht um die Führungselite Rußlands sondern um das ganze Volk. Denen ist das voll Bewußt und die werden das volle Risiko gehen, da Sie zu 80 % hinter Putin stehen.

      Alles oder nichts.

      Hierbei werden Teile Europas vollständig eingeäschert werden.

      Wer würde für Frau Merkel kämpfen ?

      Ich las im Spiegel vor 2 Jahren mal diesen Kommentar. (Heute überfliege ich nur noch die Überschriften im Spiegel warum ist bekannt.)

      “ Wenn Frau Merkel in Brand stehen würde, dann würde ich die nicht mal auspissen “

      Warten wir jetzt auf die kommenden Ereignisse, die Amerikaner werden nicht warten auch nicht mit einer Aufrüstung, keine Monate mehr keine Wochen. Das wird jetzt hop la hop gehen.

      Warum ?

      Die Gunst der Stunde jetzt oder nie–sie waren Ru niemals so Nah wie heute.

      Und das werden Sie nutzen.

      Jeder in D hat jetzt noch die Möglichkeiten vorkehrungen zu treffen sich bei Zeiten aus dem Staub zu machen.
      Das Aufmarschgebiet wird nicht D sein auch die Polen werden das am Anfang nicht wollen, da man Distanz zum Krieg haben möchte wie ein kläffender Bobik. Es wird im Baltikum beginnen Lettland / Litauen. vielleicht Estland. Sich dann bis nach Deutschland durchfressen.

      Die Russen wissen, das es vielleicht Ihr letzter Kampf um Freiheit und das Überleben sein wird.

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