Europa 2016: Ein Blick in die Zukunft

3. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) 3. Juli 2016. Wir befinden uns in der fernen Zukunft. Uns wurde der Text einer Nachrichtensendung der „Euro-Schau“ zugespielt, der erst in drei Jahren von einer glücklichen Nachrichten-Moderatorin verlesen wird – in einer Zeit, in der die Eurokrise offiziell als ausgerottet gilt und Europa blüht und gedeiht. Zumindest offiziell…

Kritikern Europas konnte bis dahin offenbar mit viel gutem Willen und auch entsprechendem Nachdruck die Vorzüge des gemeinsamen Europas beigebracht werden. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe in Höhe von 500 € pro Fall belegt.

Die EU-Zentralregierung hat ganze Arbeit geleistet und zeigt sich gewohnt optimistisch. Ein erneut glücklicher Tag für Europa, sagt die Nachrichtensprecherin im Euro-TV, dem Zusammenschluss von ARD und ZDF. Die neue Euro-Station nahm pünktlich am 1.1.2016 den Sendebetrieb auf. Zuvor wurde noch das Sandmännchen in das „Euromännchen“ in einer viel beachteten Feier umbenannt, welches dann in alt gewohnter Weise kurz vor der Hauptnachrichtensendung nicht nur den Kindern Sand in die Augen streuen darf. Die Einschaltquote der Euro-Schau überschreitet übrigens planmäßig die Marke von 100 Prozent.

Im Hintergrund der Hauptnachrichtensendung leuchten übrigens 38 Europa-Sterne. 2016 sind Libyen und Israel der EU beigetreten. Über den Beitritt von Brasilien und Südafrika wird noch verhandelt. Unserer Redaktion liegt das für die Sendung vom Presserat zur Überwachung europakonformer Berichte (PREKB) genehmigte Manuskript vor.

* * *

Guten Abend, liebe EuropäerInnen und Europäer. Ein erneut guter Tag für Europa.

Brüssel: Auf Kurs!

Das Zentralkomitee der Vereinigten Staaten Europas (VSE) hat auf seiner Tagung am Wochenende die überaus glücklichen Erfolge des Umbaus Europas betont. Der Wirtschaftsminister bestätigte mit Nachdruck seine Planungen. Das im Fünf-Jahresplan avisierte Wachstum von sechs Prozent wird mit acht Prozent übererfüllt. Ehrenpräsident Jean Claude Trichet betonte in seiner Rede an den Kontinent die Stabilität und forderte EZB-Präsident Lloyd Blankfein auf, in seinen Anstrengungen niemals nachzulassen.

Brüssel: Brasilien mit Forschritten

Die Verhandlungen zum Beitritt Brasiliens zur Eurozone machen weitere Fortschritte. Spätestens zum 1.1.2017 wird Brasilien als 39. Mitglied der Eurozone aufgenommen. Die Konvergenzkriterien wurde nach Angaben des Zentralrats zur Beglückung offizieller Statistiken schon jetzt übererfüllt. Am dem 1. August können BürgerInnen und Bürger Brasiliens ihr Starter-Kit bei den örtlichen Banken Brasiliens in Empfang nehmen.

Brüssel: Pluto tritt dem Euro bei

Der Ehrenvorsitzende der Kommission zur Umleitung verirrter Kometen gibt bekannt, dass der Euro spätestens 2019 auch auf dem Pluto eingeführt wird. Das Defizit der Plutojaner und PlutojanerInnen hat Ende Juni die Drei-ProzentInnen-Hürde unterschritten. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, den Euro in seinem Lauf halten weder Mars und Venus auf.

Luxemburg: Die Glühbirne gilt als ausgerottet

Die klimaschädliche Glühbirne hat in der Zukunft keine Chance, das Weltklima künftig mit schrecklichem CO2 zu belasten. Die Kommission Lumos LUX (LL) teilt mit, der Glühbirnenanteil in der Eurozone liege aktuell bei -2,3 Prozent. Kohleöfen sind seit dem 1.1.2016 verboten. Die Erfolge geben den Experten recht. Der CO2-Anteil in der Luft ist auf 0,0 Prozent gesunken. Pflanzen wurden erfolgreich auf den in der Luft verbliebenen Stickstoff umgestellt und das Atmen der Bürger Europas klimaneutral umgestellt…

Prag: Arbeitslos war gestern.

Erstmals ist es Euro-Tschechien gelungen, die Arbeitslosenquote unter Null Prozent zu drücken. Der Wirtschaftsminister begründete die überaus gute Nachricht mit der Zuversicht auf die Zuversicht. Im kommenden Jahr rechnen Experten mit einer Fortsetzung des Jobwunders. In den Jobcentern komme es nun darauf an, auch die über 90-Jährigen besser zu integrieren und die Gleichstellung älterer ArbeitnehmerInnen zu fördern.

Berlin: Ehrenpreis für Ursula von der Leyen

Auf einem festlichen Bankett wurde der früheren Arbeitsministerin Deutschlands der Preis für die Eliminierung sozialer Missstände verliehen. Im festlichen Rahmen schloss Frau von der Leyen das letzte Arbeitsamt Deutschlands.

Oslo: Spontane Auferstehung in E.Honecker und G. Orwell

In Oslo wurden am Morgen Erich Honecker und George Orwell beim Frühstücken in einem Restaurant festgenommen. Experten der Zukunftsvision vermuten bei diesem Vorfall eine spontane Auferstehung der beiden Herren. Amtsleiter Sören Blickyard erklärte gegenüber Plumpsklo-TV: „Der Sozialismus zeigt ein eindrucksvolles Zeichen seiner Durchsetzungskraft. Die magischen Momente häufen sich in den letzten Wochen.“

Frankfurt: DAX auf Erfolgskurs

Die Notierungen an Europas größte Aktienbörse zeigten sich heute erneut positiv. Der DAX gewann aufgrund überraschend erfreulicher Wirtschaftsdaten 3,6 Prozent auf 56.763 Punkte. Analysten begründen das Kursplus mit den optimistischen Rahmendaten und der Zinssenkung der EZB auf -5,5 Prozent. Die Analysten der Banca Euphorica rechnen mit weiteren Zinssenkungen.

Palma: Baumaßnahmen der 57. Autobahn auf Mallorca beendet

Das Verkehrsministerium teilt mit, dass die Verbindungsstraße von Palma nach Santanyi auf 11 Fahrstreifen erfolgreich erweitert wurde. Verkehrsminister Rösler sieht drin einen Beweis für die Überlegenheit europäischer Architektur.

Helsinki: Kein Bargeld mehr ab 2017

Im Kampf gegen die Kriminalität hat Schweden einen weiteren Erfolg zu verbuchen. Das umstrittene Bargeld wird zum 1.1.2017 abgeschafft. Unter großem Beifall der Bevölkerung werden Kriminelle bald noch einfacher zu identifizieren sein.

Budapest: Terroristen keine Chance!

Zur Bekämpfung der Kriminalität beschloss der Zentralrat zur Überwachung öffentlicher Plätze (ZÖP) eine Verdoppelung der Anzahl digitaler Kameras zur Erkennung krimineller Elemente. Die Sicherheit des öffentlichen Lebens bleibt gewahrt. Unterdessen melden ungarische Forscher auch beachtliche Fortschritte beim Erkennen von falschen Gedanken in der Öffentlichkeit. Die Testphase zum Einsatz von Gedankenauslesegeräten beginnt planmäßig im Stadtzentrum von Budapest ab dem 1.9.2016. Weitere Tests der zukunftsweisenden Technik werden zeitnah in London, Berlin, Madrid, Athen, Den Haag und Paris erfolgen.

Wetter: Sonnig bis ausgelassen sonnig

Zum Wohl der Bauern und zur Förderung des Wachstums auf den europäischen Feldern hat der Ministerialrat der EU-Wetterorganisation heute den Sommer um drei Monate verlängert.


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13 Kommentare auf "Europa 2016: Ein Blick in die Zukunft"

  1. JayJay sagt:

    Super, große Klasse 🙂

    Ich freue mich schon auf die EUDSSR, wie Honi schon sagte, den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs, noch Esel auf. 😉

    Vorwärts Genossen und lasst uns alle mit großen Schritten, dieses Werk vollenden. 😉

    Gold & Silber Ahoi

  2. Skyjumper sagt:

    You made my day …… aber

    Da ist so ein hartnäckiges Bohren in meinem Bauch. Ob Orwell wohl ahnte, dass seine Utopie von der Realität überholt werden könnte? Und ob man auf die Zeilen von Frank M. eines Tages genauso mit einem verklärten Lächeln zurückdenkt.

    „Hach was waren wir damals noch frei! Damals, 2012“

    • Hauki sagt:

      „Ob Orwell wohl ahnte, dass seine Utopie von der Realität überholt werden könnte?“

      Wahrscheinlich schon, denn er und Huxley gehörten zu den Wenigen, die erkannten, wie diese Gesellschaft und das politische System, mit allem was dazu gehört (Schulen, Universitäten, Medien) tatsächlich funktionieren.

      Das einzige, was mir als Lesestoff auf Anhieb zu dem Thema einfällt, ist ein Vortrag von Noam Chomsky – Der Mythos der freien Presse. Warum die Mainstreammedien “Mainstream” sind

      http :// le-bohemien.net/2011/02/12/der-mythos-der-freien-presse/

      „Später stellte sich heraus, daß er eine Einleitung zu Animal Farm geschrieben hatte, die aber nicht gedruckt wurde. Sie erschien erst dreißig Jahre später, als sie in seinem Nachlaß gefunden wurde. Thema dieser Einleitung war die “Literarische Zensur in England”. Orwell sagt dort, daß er sich in seinem Buch natürlich über die Sowjetunion und ihre totalitäre Struktur lustig macht. Aber zudem schreibt er auch, daß England sich gar nicht so sehr davon unterscheidet.“

      Interessanter Text, wie ich finde …

      Gruß, Hauki

      …..

  3. optimist007 sagt:

    Prima – also weiter auf bewährten Kurs!

  4. rolandus sagt:

    Lol * * * * *

    Ein genialer Meyer mal wieder (gib zu 2 oder 3 Tasten sind bei dem Text bestimmt zersprungen,-)

    Da fehlt beim Wetterbericht nur noch die aktuelle Chemtraildichte in Nordeuropa, die alle Verschwörungstheoretiker meiden sollten.

    Schoen Gruss ins Ried
    rolandus

    Schreibs Du uns auch etwas ueber den Warburg Preis den den Schmidt bekommen hat und wo er unser aller FdJ Vorsitzende lobt?

  5. Austrian sagt:

    🙂 Klasse! ProzentInnen… böse und subtil.

    Die Nachrichten werden aber wohl eher so lauten: Der Bürgerkrieg in Nordamerika geht nun schon ins fünfte Jahr mit nunmehr 7 Millionen Toten. Die 14. US-Flugzeugträgerflotte weitet seine Mord- und Erpressungstouren in Südamerika aus. Panama steht vor der atomaren Auslöschung, wenn nicht sofort alle Knaben und Mädchen ausgeliefert werden.

    An der Mauer zu Nordeuropa wurden wieder mehrere spanische und italienische Mundräuber erfolgreich vernichtet.

    Das Königreich Bayern gibt die Vermählung von Prinz Miasanmia mit der Gräfin Habnochweizen bekannt.

  6. EXE sagt:

    Schön wird es sein!!!
    Wohlstand für alle!!!

    Aber Herr Mayer wenn dieser Bericht in Falsche bzw. in Brüssler Hände gerät wird das wohl nicht bis 2016 dauern.

  7. […] viaEuropa 2016: Ein Blick in die Zukunft | Rott & Meyer. Share| Juli 3, 2012 at 8:20 pm by admin Category: Allgemein, EU-Wahnsinn, EUDSSR […]

  8. saxo sagt:

    Herr Mayer, Sie machen mir Angst! Nein, nicht wirkliche Angst, denn das tun unsere Volkszertreter im „Bundestag“ schon viel länger und besser. Ihre Zukunftsvision, die leider auf nachvollziehbaren Daten beruht, ist sowas von real, daß man sich am liebsten in sein Auto setzen und sich den nächsten BRÜCKENPFEILER auf der Autobahn aussuchen möchte.
    Nein-nein, ganz so böse ist es nicht, denn: An fast all diesen Pfeilern stehen ja gottseidank Leitplanken. Naja, an allen Pfeilern stehen die Leitplanken noch nicht… Ich kenne da so ein paar…

    Wie wäre es übrigens, wenn sich die Leser Ihrer Seite mal mit denen von hartgeld.com und goldseitenblog.de und ähnlichen zusammenschließen würden? Vielleicht könnte man auch Herrn Müller hinzugewinnen?

  9. stonefights sagt:

    Wir könnten doch ALLE (ups, meinte a-l-l-e 😉 ) mal ganz klein anfangen und die Namen zu aller erst richtig schreiben.
    Da fiele mir ein M mit Eier ein, oder aber auch ein Dr. Philipp mit kurzem l und kräftigem p 🙂

    Aber, eigentlich ist es ja auch egal.

    Nach eienr Stidue der Cmabridge Uinverstiaet, ist es eagl in wlehcer Reiehnfogle die Bchustebaen in Woeretrn vokrmomen. Es ist nur withcig, dsas der ertse und lettze Bchusatbe an der ricthgien Stlele snid. Der Rset knan total falcsh sein und man knan es onhe Porbelme leesn.

    Vielleicht geht das ja demnächst in der europäischen Pisa-Unordnung auf…

    lg, stonefights

  10. saxo sagt:

    Lieber stonefights!
    Ja, da ist mir doch tatsächlich ein Buchstabe falsch herausgerutscht! Ich meinte natürlich Herrn Meyer! Wahrscheinlich hatte ich das aus dem Posting meines Vorschreibers einfach so übernommen. Das hat aber überhaupt nichts mit der Verballhornung der deutschen Rechtschreibung durch eine sog. Rechtschreibreform zu tun, laut der jetzt plötzlich Wörter wie „zuallererst“ auseinander geschrieben werden.
    Und rein sachlich betrachtet hat Ihre Antwort eigentlich gar keinen Inhalt.

    Schönen Abend noch

    saxo

    PS: Oder haben Sie – was ich bisher nicht wußte – die Deutungshoheit auf dieser Seite übernommen?

    PPS: Übrigens hat mir ein Dresdener Augenoptiker bereits 2004 erklärt, warum man Wörter, bei denen nur die Anfangs- und Endbuchstaben an der richtigen Stelle stehen, ohne weiteres lesen kann.

  11. Barbara sagt:

    Lieber Frank,

    ich dachte, es ist 19.30 Uhr, als ich Dein Posting las. Zurück in die Zukunft 😉
    Herrlich.

    Herzlicher Gruß

    Barbara

    PS: Zeit die nie vergeht (original 1985) michael barakowski
    http://www.youtube.com/watch?v=COF681WV-xg&feature=related

  12. ortner online » Europa 2016 sagt:

    […] Was die Europäer in den Fernsehnachrichten des Jahres 2016 erfahren könnten, beschreibt eine Satire, die witzig wäre, wäre sie völlig an den Haaren herbeigezogen. Zu lesen hier. […]

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