Eurogrippe: Hat Draghi uns verraten?

11. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Tolle Wurst, das mit dem Euro… Während die EZB im Weichklopfen große Erfolge feiert, verliert das Zeug mehr und mehr Kaufkraft im Ausland. Mit jedem Import holen wir uns den Virus der Teuerung ins Haus. Diese Grippe scheint gewollt zu sein…

Im Fernsehen berichtete man am Morgen über den Untergang der Währung in der Ukraine. Schließlich hat sich die Grywna binnen eines Jahres halbiert bzw. in diesem Jahr ist sie um 27 Prozent abgestürzt – gegenüber dem US-Dollar. Gegenüber dem Euro sieht die Sache nicht ganz so schlimm aus, denn der Euro stürzt ebenso ab. Vermutlich wird das Morgenmagazin in den kommenden Tagen über den Untergang des Euro orakeln. Moment! Hierzulande ist ja eine schwache Währung eine gute Währung. In der Ukraine dürfte man diese Angelegenheit etwas anders sehen. Gold in der ukrainischen Währung erzielte übrigens neulich ein Allzeithoch – und nicht nur dort. Aber Gold ist ja Quatsch gewesen, selbst in der Ukraine. Nicht wahr?

Dabei hieß es neulich erst, Edelmetalle hatten einen fulminanten Start ins Jahr 2015. Der Staub hat sich inzwischen wieder gelegt und führende Experten meinen inzwischen, Gold habe seine Rolle als Krisenmetall verloren. Zumindest taugt es aber als Mittel gegen einen schwachen Euro. Und so schaut man zu, wie erfolgreich der Euro verkommt, trotz aller offiziellen Strukturveränderungen, Sparbemühungen und grünen Pflänzchen, die inzwischen aus jedem Ofenrohr wachsen. Mit dem Absturz der Einheiz-Währung bleibt alles noch viel besser. Wetten?euro1jx

Zumindest gleichen Gold aber auch der DAX die Euroschwäche aus. Dabei sagen Experten, der Goldpreis werde in US-Dollar berechnet und ist in diesem Jahr gefallen. Logisch! Man kauft ja hierzulande das Gold … in US-Dollar. Muss man vorher tauschen … Experten eben. Sie werden auch nicht müde zu behaupten, Edelmetalle bringen keine Zinsen. Klar, wer nur so faul herumliegt wie angeblich die Griechen, erwirtschaftet auch nichts. Europäische Staatspapiere werfen übrigens auch nichts mehr ab, selbst nicht die mülligen Südeuropa-Anleihen.

Ich möchte Sie jetzt gerne etwas überfordern, wenn Sie erlauben…

Soweit ich mich erinnere, ist die EZB im letzten Jahr nie müde geworden zu betonen, sie wird Unmengen frisches Geld erzeugen. Inzwischen ist es soweit. Seit dem 9. März läuft ihr billionenschweres Aufkaufprogramm für Staatsanleihen gegen frisch erzeugtes Geld. Folgerichtig ist der Euro eingebrochen, um ganze 24% innerhalb eines Jahres und die PIIGS-Anleihen notieren höher als Anleihen in den USA und auch Japan. Regt sich jemand auf? Alles gut!

Erste Grüße von der Tankstelle

Allein in diesem Jahr wurde die Kaufkraft des Euro gegenüber dem Ausland um 13% geringer. Wenn das keine Erfolge sind! Diese gewollte Abwertung hat Folgen. Ja, der Export sollte anspringen. Die neuesten Zahlen zeigen aber etwas anderes. Dafür verteuern sich die Importe. Ist das nicht toll? Oder der Urlaub in den USA. Bloß wer will schon dorthin?

Jedenfalls notiert Gold in Euro 13% höher als Ende 2014. Das ist leider auch nur die halbe Wahrheit. Denn richtig ist ebenso: Der Euro ist gegenüber Gold um 13% eingebrochen.

Das Dumme ist, Preis und Wert haben zwei Seiten. In einer verrückten Welt der besonders großen Zahlen muss man Kopfstand können, um die Dinge klarer zu sehen. Aber fangen Sie damit gar nicht erst an, sondern sehen Sie zu, wie Sie die Euroschwäche kompensieren können. Was halten Sie davon? Kaufen Sie Müll! Je mülliger das Zeug ist, desto höher werden seine Preise steigen. Es muss nur systemrelevanter Müll sein. Dann werden Sie glücklich, wenn nichts dazwischen kommt. Und bitte den Verstand ausschalten. Intellektuell mögen Sie ja richtig liegen, aber preislich bekommen Sie so niemals Recht in diesen Zeiten!



Im modernen Finanzkrieg der Neuzeit geht es nicht nur um den billigsten Flug, sondern offenbar auch um die billigste Währung … wegen der Exporte … wegen der Wirtschaft … Blah, Blah, Blah… Komisch nur, dass eine vermöbelte Kaufkraft einer Währung gegenüber dem Ausland toll sein soll. Und alle wollen das. Dann sollte man doch sofort den entwerteten Rubel einführen oder eine andere schwachsinnige Schwachwährung.

Zwar ist der US-Dollar noch die mächtigste Währung der Welt, aber eben auch nicht stabil. Auf kurze Sicht zeigt er sich sogar bärenstark. Vielleicht ist das einem Irrtum oder den vielen Interventionen geschuldet. In den letzten zehn Jahren wurde Gold gegenüber der vermeintlich stärksten Währung 163 Prozent teurer. Wie kann das sein? Ist diese Weltleitwährung wirklich so leitend, wenn selbst die US-Amerikaner jetzt die doppelte Menge Geld für eine Einheit Gold bezahlen müssen als 2005? Oder das Vierfache im Vergleich zum Jahr 2000? Ich habe da meine Zweifel. Der Euro hat gegenüber Gold wesentlich mehr Kaufkraft verloren bzw. Gold in Euro wurde in zehn Jahren um 230 Prozent teurer.

Geschichtlich gesehen war Gold ein guter Maßstab. Ihm gegenüber hat jede Papierwährung seine Kaufkraft bis zum Nichts abgewertet. Gerade sind Venezuela, Russland und die Ukraine dran. Wenn der Goldpreis steigt, bedeutet das nur, dass man mehr Papiergeld bezahlen muss, um die gleiche Einheit des gelben Metalls zu kaufen. Aber das ist zugegebenermaßen zu kompliziert.

Noch ein kleines Experiment?

Nehmen wir an, die Kaufkraft des Euro würde sich gegenüber dem US-Dollar halbieren. Eine Unze Gold würde dann das Doppelte in Euro kosten, während Gold in US-Dollar stabil bliebe. Aber das ist dem Gold egal. Wie teuer aber wäre eine Unze, wenn der Euro scheitern würde und es keinen Preis in Euro gäbe? Ich weiß es nicht, nur, wenn der Euro weg sein sollte, Gold wäre dann vermutlich noch da.

Was macht Draghi?

Der EZB wie auch dem Papst wird inzwischen Unfehlbarkeit nachgesagt. Nur mit der Geldwertstabilität klappt es noch nicht, was alte Quittungen beweisen. Ich musste neulich lachen, als es aus der EZB hieß, das Wichtigste wäre, dass der Euro stabil sei. Bravo! Im Supermarkt merkt man das noch nicht. An der Börse schon und beim Gold in Euro.

Wenn der Euro eines Tages weg sein sollte – oder seine Kaufkraft auf mikroskopische Größe geschrumpft – dann sollte man nicht mehr viele davon haben und sie rechtzeitig vorher in etwas Beständigeres getauscht haben. Und auch wenn es derzeit heißt, sparen lohne sich nicht mehr, ist das Unsinn. Die Frage ist in verrückten Zeiten, wie und in was man spart. Sich auf den Euro zu verlassen wäre fahrlässig.

Und warum steigt der DAX? Weil der Euro fällt. In US-Dollar aber gesehen, krümmt sich der DAX wie ein Würmchen im Frühlingswind. Die Amerikaner können jetzt mit ihrem starken Dollar DAX-Aktien kaufen, zum gleichen Preis wie vor einigen Monaten. Und sie kaufen, hört man aus dem Handel. Hat Mario Draghi uns verraten?



 

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6 Kommentare auf "Eurogrippe: Hat Draghi uns verraten?"

  1. bluestar sagt:

    Ist doch toll, dass die Amis jetzt günstig deutsche Aktien kaufen können, da hat Mario als GS- Mann doch alles richtig gemacht. Und der Deutsche Michel ? Interessiert sich sowieso nicht für Aktien, vertraut als manipulierter Untertan dem Staat und als infantiler Typ natürlich Mutti. Und Gold ist erst interessant, wenn die Bildzeitung eine Empfehlung ausgesprochen hat. Aber das ist wiederum ganz gut so.

  2. Argonautiker sagt:

    „Hat Draghi uns verraten?“
    Ich komme nicht umhin, diese Frage noch etwas zu erweitern. Es juckt mir einfach in den Fingern. Es ist wie ein Zwang, wie sollte es auch anders sein, als Regierter befindet man sich ja automatisch unter Zwang, folglich bleibt einem ja nichts anders übrig als ebenso zwanghafte Ventile zu finden.

    Also, hat Draghi uns verraten?
    Hat uns Irgendeiner der Menschen auf Führungsebene NICHT verraten und verkauft?

    Man kommt da doch nur noch hin, wenn man sich zu Mindest darin einig ist. Anders ist das nicht zu erklären, was da gerade vor sich geht, denn man kann braun sein, und immer noch für Grün Schwarz Rot, oder gelb, gelten. Ach nein Gelb gibt’s ja nicht mehr. Es ist echt übel, jeder leidlich ethische Mensch, meidet es doch mittlerweile, sich in dieses Milieu zu begeben.

    Und falls sich doch mal Einer aus Übermut dorthin verirrt, wird er doch gleich bis zur Unerträglichkeit gemobbt. Wirkliche Opposition ist dort doch gar nicht mehr zulässig, und findet nur noch zur Schau vor laufenden Kameras statt. Sind diese ausgeschaltet, schunkelt man in bester Eintracht miteinander. Sie meinen es gibt Ausnahmen? Selbstverständlich, nur bleibt eine braune Suppe eine braune Suppe, selbst wenn sie ein paar Tupfen hat.

    Farbenlehre:
    Mischen sie mal die Farben unsere Parteien zu einer Farbe zusammen. Was kommt raus? Genau.

    Ein Freund von mir sagte einmal dazu, es ist nie anders gewesen, in der Führungsebene sind schon immer die Psychopathen gewesen, heutzutage ist nur alles wesentlich mehr geführt anstatt frei, und das machst sich bemerkbar, trotzdem bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Leben zu leben. Recht hat er, man muß das Leben trotz aller Führungsansprüche einiger Leute leben, die nun mal aus krankhaft bedingten Gründen meinen, sie bräuchten einen gottgleichen Status und dürften bestimmen.

    Mal ganz im Ernst, ist einer von Ihnen gefragt worden, ob Sie überhaupt bestimmt werden wollen? Nein? Selbst die Kirchen fragen, wenn sie erwachsen werden, ob sie den Glauben nun wirklich annehmen wollen. Aber von dieser Seite aus, sackt man sie einfach ein. Sie können ja wählen. Wählen sie nicht, sackt man sie trotzdem ein.

    Das Geldsystem ist ein ähnliches, äußerst perfides System. Erst erschleicht man sich ihr Vertrauen, und vertrauen sie erst mal in ein System, welches Leistung und Güter in ihrem Wert mit Papierscheinchen gleichsetzt, dann wird abgezockt bis die Balken biegen und schließlich brechen. Seltsamerweise vertrauen die meisten Menschen immer noch.

    Und da sind wir dann wieder beim neurotischen Zwang. Unentwegt wiederholt man den gleichen Blödsinn, schließt dreimal wieder die Tür auf und schaut nach ob der Herd auch aus ist, obwohl man gar keinen Herd mehr hat, gepfändet, aber man kann einfach nicht anders, und die Psychopathen reiben sich die Hände und flüstern einander zu, guck mal, was die alle schön nach unserer Pfeife tanzen, und sie zahlen uns auch noch so schön dafür, das wir sie belügen und betrügen. Wir müssen Götter sein, wir können tun und lassen was wir wollen.

    Schönen Gruß aus dem äußerst sonnigen Bremen

  3. Bernd sagt:

    Ok, wenn sich also die Geschichte schon wiederholen soll, dann bitte richtig mit Revolution und Beseitigung der Verantwortlichen durch das vor Wut rasende Volk.

  4. cheguevara88ch sagt:

    @Bernd : Welches Volk soll denn da rasen ? Der bierseelige. fußballverdummte, mainstreammedienverblödete und obrigkeitshörige Blödzeitungleser etwa ??
    Seit es Geld gibt, wird der arbeitende Mensch belogen und beschissen und da wird sich, befürchte ich, auch in Zukunft nicht viel ändern !!

    • Bernd sagt:

      @ cheguevara88ch

      ach Mensch Du hast Recht, das waren ja die Franzosen 😉
      Irgendwie ist von der Zeit der Dichter und Denker nicht viel übrig geblieben – muss gestehen lese kaum noch Meldungen, weil diese mein Gemüt nur schaden würden. Deswegen liebe ich den bissigen Humor von Frank Meyer.
      Nur mit Satire lässt sich dieses „goldene Zeitalter der Idioten“ noch einigermaßen ertragen.

  5. JayJay sagt:

    Ein Zitat von Napoleon, das sagt alles aus über die meisten von uns.
    Napoleon I. (Napoleon Bonaparte) (1769-1821), Kaiser der Franzosen über die Deutschen:

    …“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen.

    Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden.

    Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“ …

    🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

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