Eurodämmerung

26. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt

Am Montagmorgen wurde gemeldet, dass die Eurogruppe den modifizierten Rettungsplan für Zypern akzeptiert. Damit wird nun allgemein gemeldet, dass Zypern „gerettet“ ist. Wenngleich ich keine Nachrichten finden konnte, die mir ins Auge springende Fragen wie Umfang und Dauer der Kapitalverkehrskontrollen oder das Schicksal der Einlagen über 100.000 Euro bei Banken außerhalb der Laiki Bank und der Bank of Cyprus betreffen…

…so ist doch mit den Nachrichten des frühen Morgens transportiert worden, dass die EU nunmehr die unbedingt benötigten ca. zehn Milliarden Euro herausrücken wird, weil das Land wie gefordert seinen Eigenanteil an der „Rettung“ leistet.

Das klingt wunderbar. Doch man staunt, dass man sich an den Aktienmärkten nicht ein wenig mehr freut und auch am Devisenmarkt offenbar die Herrlichkeit dieser wunderbaren Nachricht nicht verstanden hat und versehentlich den Euro nach kurzen, anfänglichem Kursanstieg in der Nacht ins Minus drückt. Ei, was haben die nur?

Nun, davon mal abgesehen, dass man eine Woche gebraucht hat, um am Ende relativ geringfügige Modifikationen durchzubringen, deren Notwendigkeit bereits vor der Veröffentlichung der Forderungen der EU an Zypern vor über einer Woche hätte klar sein müssen … davon abgesehen, dass die Höhe der Zwangsabgabe bei Konto- und Anleiheinhabern der Laiki Bank und zum Teil der Bank of Cyprus noch gar nicht sicher ist (außer, dass sie brutal ausfallen wird) … davon abgesehen, dass man hier auch Menschen mitbestraft, die von einer eventuellen Geldwäsche, niedrigen Steuern und relativ hohen Zinsen wenig oder gar nicht profitiert haben, sondern einfach nur mit harter Arbeit ein kleines Vermögen erworben haben … so mag manch einem doch mittlerweile klar werden, dass man sich seitens der EU bei der Bekämpfung der Eurokrise immer wieder ins Knie schießt, egal, wie man es anfängt.

Es mag drei Gründe geben, warum die Aktienmärkte an diesem Montag nicht gerade euphorisch reagierten und anfängliche Gewinne auf einmal dahin schmolzen. Nummer eins:

„Sell on good news“. Diejenigen, die nach dem ersten Schock am vergangenen Montag kauften, weil sie darauf bauten, dass man in jedem Fall eine Lösung finden werde und die Märkte dann wie immer völlig unkritisch mit steigenden Kursen reagieren werden, sehen ihr Ziel erreicht und bauen ihre Positionen wieder ab. Da es sehr oft so ist, dass alle glauben, ein wenig schlauer als die anderen zu sein, treffen solche Verkäufe auf wenig Kaufinteresse, weil nahezu jeder bereits vorher eingestiegen ist und kaum jemand abwarten wollte, bis das (aufgrund des Termindrucks seitens der EZB auf die zyprischen Banken vom Zeitpunkt her ja vorhersehbare) Ereignis wirklich eintritt.

Nummer zwei: Große Adressen haben versucht, in den anfänglichen Kaufdruck hinein Positionen abzubauen, weil sich ihnen diese Gelegenheit aufgrund der über kurzfristiges Trading hinausgehenden, geringen Nachfrage in den vergangenen Wochen gut wie nie bot, die Notwendigkeit dafür aber sehr groß ist. Dass das Kaufinteresse auch noch an diesem Montag trotz des scheinbar freudigen Ereignisses nicht besonders groß war, mag manch einen bewogen haben, auch in fallende Kurse hinein lieber zuzusehen, dass man Land gewinnt, bevor es womöglich sehr schnell noch deutlich ungemütlicher wird.

Aber ich glaube, es spielt auch ein dritter Aspekt immer mehr mit hinein, je länger diese Krise dauert und desto weniger echte Lösungen auf den Tisch kommen. Denn mit diesem Beispiel Zypern wird immer deutlicher, dass die momentane Situation keine „humanen“, fairen Lösungen ermöglicht. Sicherlich will man versuchen, diejenigen, die von der bisherigen Situation profitiert haben, auch am meisten zur Ader zu lassen. Das ist richtig so. Aber es trifft eben auch unschuldige Bürger. Denn es ist eben nicht so, dass der sogenannte „kleine Mann“ im Zypern nun keine Folgen dieser Situation und der Entscheidung der EU zu tragen hätte… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Eurodämmerung"

  1. FDominicus sagt:

    „Entweder sparen oder wachsen. “

    Egal wie oft es wiederholt wird, es wird dadurch nicht wahrer. Sparen ist die Basis für ein fundiertes Wachstum. Alles andere sind Taschenspielertricks im günstigsten und Betrug im normalen Fall.

  2. Fraxinus sagt:

    Gestern „hart aber fair“ gesehen? Wohl das erste mal, dass ich die Sendung sehenswert fand. Anja Kohl und Olaf Henkel haben Klartext geredet, gut so!

    Ansonsten, die undifferenzierte Reduzierung der Debatte auf Austerität vs. neokeynesianischer Wachstumsphantasie führt regelmäßig zu nichts.

    Sparen bei Unter- und Mittelschicht bringt wirklich selten das Versprochene, überblähte Bürokratie ist aber noch keiner Bilanz zuträglich gewesen.
    Und das „Wachstum über alles“ Gefasel glaubt doch längst keiner mehr in einer Welt, in der irrer Gigantismus an die Stelle von ökonomischer Vernunft getreten ist. Alternativlosigkeit, to big to fail, „Rettungen“ mit Steuergeldern… das sind nicht die Pfade zum Erfolg.

  3. Skyjumper sagt:

    „Neues Wachstum in der Eurozone werden wir auf diesem Wege nicht erreichen. Und das ist eine höchst ungesunde Perspektive für den Euro ebenso wie für die Aktienmärkte“

    Die Schlußfolgerung ist leider nicht richtig. Den durch die EZB und die Euromantiker in Brüssel, wie auch den nationalen Politkasperltheatern, gestützte und verteidigte Euro ficht es überhaupt nicht an wo und wie er steht. Den Euro und die EZB interessiert letztlich nur eines …….. das es sie gibt.

    Höchst ungesunde Perspektiven ergeben sich lediglich für die Menschen in den euroverseuchten Ländern. Und wen bitte schön interessieren in diesen Zeiten schon die Menschen? Wenn die wegsterben oder sonstwie nicht wollen ……. na und? Importiert die Politik eben neue ……Menschen und andere Rohstoffe gibt es schließlich genug auf der Welt.

  4. markku sagt:

    Der Artikel suggeriert, dass es andere Optionen gäbe als Sparen & Gesund-Schrumpfen und verweist als Beleg darauf, dass es kurz- und mittelfristig immer schlimmer wird.

    UNSINN!

    Einen Junkie kuriert man langfristig auch nur durch einen echten Entzug: Dieser ist schmerzhaft & langwierig, aber der einzige Weg zur Genesung.

    Zur vollst. Genesung der Patienten GR und CY gehört selbstverständlich nach der unvermeidlichen Deflation auch ein umfassender Schuldenerlass, da die nominellen Schulden natürlich untragbar sind, selbst für die „gesundgeschrumpfte“ Wirtschaft. Dass man diese Schuldenschnitte nicht bereits jetzt durchführt, hat rein taktische Gründe.

  5. braindead sagt:

    die Islandlösung bitte sofort und flächendeckend würde ich mir wünschen

    alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/02/island-hat-fbi-agenten-die-kamen.html

    ———————
    natürlich haben die hier Probleme überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden …

    Jegliche direkte Eingriffe in das Eigentum, wie direkte Steuern (zum Beispiel Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Abgeltungsteuer) sind verboten. Der Staatshaushalt ist ohne Neuverschuldung zu finanzieren. Hoheitliche Aufgaben dienen allein dem Schutz des Lebens, der Freiheit und des Eigentums und werden durch indirekte Steuern finanziert. Die Bürger bestimmen so den individuellen Finanzierungsbeitrag über ihren Konsum selbst. Diese Ausgaben für innere und äußere Sicherheit entsprechen derzeit etwa drei Prozent des Gesamteinkommens der Bundesrepublik.

    …Anhand des staatlichen Geldmonopols lassen sich die dramatischen Auswirkungen eines uneingeschränkten staatlichen Handelns besonders anschaulich verdeutlichen. Durch dieses Monopol wird ungedecktes Geld ausschließlich durch Aufnahme von Schulden geschaffen und zugleich per Gesetz mit einem Verwendungszwang versehen. Das Monopol beinhaltet das Recht zur beliebigen Ausweitung der Geldmenge und führt somit zu Inflation. Das bedeutet eine Enteignung durch Entwertung der Sparguthaben und eine andauernde Reduzierung der Kaufkraft. Hiervon sind insbesondere
    die Schwächsten einer Gesellschaft betroffen.

    aus parteidervernunft.de/parteiprogramm

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