Euro-Gold auf Allzeithoch

30. Januar 2009 | Kategorie: RottMeyer

Wie witzig, wieviele Experten auf einmal zum Thema Gold auftauchen. Sie glänzen mit dem Charme von Katzengold, wenn sie ihre Expertisen und Erklärungen abliefern. Sollten sie dabei etwas abgehetzt aussehen, dann war es die 180-Grad-Wendung, die ihnen der steigende Goldpreis aufgezwungen hat. Ein Hort des Durcheinanders und der Heiterkeit…

Die Banker haben es wirklich nicht leicht. Sie werden angefeindet für Dinge, die sie im Auftrag der Vorgesetzten erledigten, selbst oft nicht wissend, was sie da taten und warum. Es sicherte Gehälter, Provisionen und Sonderausschüttungen. Jetzt werden sie alle in Sippenhaft genommen. Manche legen ihre Krawatte erst im Büro an, wenn sie vorher in der U-Bahn saßen, hat mir ein befreundeter Bankangestellter erzählt. „Ja, wir müssen zu den Wurzeln unserer Arbeit zurück. Doch das kann dauern“, sagte er.

Ich habe oft gelesen, dass Fachleute vor Gold warnten, es als hoch spekulativ einstuften und als Hirngespinst abtaten. Es galt als unschick, echtes Gold zu kaufen, das man nicht essen könne und keine Zinsen bringt. Wie lustig, wenn der Preis dann steigt, während Dividendenpapiere fallen und die Bonds Gleiches vorhaben.

Zugleich haben viele Fachleute öfters mal beim Münzhändler vorbeigeschaut, gerade in Frankfurt…

Unsere Scheinchen sind heute schon wieder weniger wert als gestern. Man kauft damit die Brötchen und die Milch, zahlt eine Bahnkarte oder schickt eine Überweisung an jemanden. Wozu sich Sorgen machen? Nur an den Ankern dieser Welt lässt sich in Erfahrung bringen, wie löchrig die Papierscheine inzwischen geworden sind. Unsere Anker sind die anderen Währungen und sie treiben in rauher See – auf Wogen des Vertrauens. Je weniger Vertrauen, desto größere Mengen an Währungen gibt es auf dieser Welt – als vertrauensbildende Maßnahme. Ein seltsames Spiel.

Der Euro ist heute gegenüber dem Gold wieder auf ein neues Tief gerutscht. Eine echte Feinunze kostet beim Händler 770 Euro und damit 40 Euro mehr als gestern. Was ist da los?

Wie heißt dieses Ding da draußen, das die Welt gerade in Atem hält? Ist es eine Deflation? Ja!, ruft die Börse. Ja! ruft der Autohändler. Ja! ruft der Einzelhandel. Doch die täglichen Dinge werden nicht wirklich billiger. Vielleicht fällt der Spritpreis, doch die zu überweisenden Steuern und Abgaben bleiben in etwa gleich hoch. Noch. Währenddessen spielt Gold das Thema Inflation. Wer hat recht? Ich weiß es nicht, aber werde es am Goldpreis ablesen – wenigstens einem Experten, der sich nicht beirren lässt und sich in Halbwahrheiten sonnt…

Geld ist schon länger nicht mehr das wert, was es mal war. Selbst die Postbank hat unlängst einen Tresor mit 170.000 Euro Inhalt entsorgen lassen wollen. Ein fataler Irrtum, berichtet der ORF. Beim Entladen des Schrotttransporters im Stahlwerk Henningsdorf bei Berlin flatterten den Arbeitern viele Geldscheine entgegen, als sie den Tresor der Schrottpresse übereignen wollten. „Der Tresor sei bei der Übergabe durch einen Mitarbeiter nicht vollständig geleert worden“, hieß es.


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