Euro-Schweiz: Über den (Thomas) Jordan gegangen!

15. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Thomas Jordan ist Ökonom und seit 2012 Chef der Schweizer Nationalbank. Noch. Stammt der Begriff „über den Jordan gehen“ von seinem Namen? Wir wissen es nicht, aber die SNB steht jetzt ziemlich nackig in den Erbsen, nachdem sie einen offenkundigen Fehler korrigierte…

Zuerst einmal: Gratulation, liebe Schweizer! Der Schweizer Franken hat über ein Mittagessen hinweg 15 Prozent gegenüber allen Währungen aufgewertet. Schweizer Bürger besitzen plötzlich 15 Prozent mehr Kaufkraft. Diese hat ihnen die SNB mit ihren Devisenspielereien bislang vorenthalten. 

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Ziemlich peinlich für die Schweizer Nationalbank, dass ihre Interventionen im gigantischen Stil gescheitert ist, als sie am Donnerstag die Bindung des Franken an den Euro bei 1,20 Franken aufgab. Der Glaubwürdigkeit wird das wenig genutzt haben. Vielleicht hat man sich in Zürich aber auch überlegt, die monetäre Schicksalsgemeinschaft mit dem Euro aufzugeben, bevor Mario Draghi… Ach, das erinnert an die  Eurozone…

Griechenland, Deutschland, Frankreich und die anderen in einem gemeinsamen Bett… Niemand darf es verlassen, selbst wenn jemand Krätze hat. Die Schweiz ist noch rechtzeitig von der Bettkante gesprungen, bevor die EZB in den kommenden Tagen die Kissen aufschüttelt. Sicherlich weiß man bei der SNB genau, was Draghi und Kollegen demnächst vorhaben. Von daher ist das Loslösen vom Euro folgerichtig. Man hätte es ohnehin nie tun sollen! Aber wer hört schon auf Blogger?



Aus Gewinn wird Verlust

Vor wenigen Tagen verkündete die SNB stolz, sie könne für 2014 gigantische Gewinne mit ihren „Anlagen“ von 39 Milliarden Schweizer Franken ausweisen. Das wird 2015 nicht mehr der Fall sein, denn nach jetzigem Stand hat sie im Ausland viel zu teuer eingekauft, zum Beispiel deutsche Staatspapiere in…  in Euro! Und der ist binnen weniger Minuten um 15 Prozent gefallen. Ein schwarzer Tag in der SNB-Bilanz. Warnungen gab es genug. Die negativen Einlagezinsen werden jetzt noch negativer.

Gemeinsam mit dem Euro, der ohnehin gegenüber dem Dollar schwächer wurde, hat es in den letzten Monaten auch den Schweizer Franken künstlich in die Tiefe gezogen. Das ist jetzt vorbei mit dem Ende der künstlichen Bindung an die europäische Einheiz-Währung. Und die Gewinne der SNB für 2015 sind auch sprichwörtlich über den Jordan gegangen.

Der Schweizer Aktienindex SMI gab binnen weniger Minuten 1400 Punkte oder 18 Prozent auf 7.870 Punkte ab. Die Delle im SMI wird künftig als „Jordan-Delle“ in Erinnerung bleiben und Berühmtheit erlangen. In Euro sieht der SMI gar nicht so schlecht aus.

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Mühsam ging es nach oben und im freien Fall nach unten. Das betrifft auch Gold in Schweizer Franken. Das Blechzeug wertete entsprechend ab, von 1255 SFR auf 871 SFR pro Feinunze, also fast 400 Franken weniger.

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Wer in nominalen Zahlen rechnet, wird schnell merken, dass seine Buchgewinne wie die der SNB auf dem Papier weg sind. Das ist ärgerlich, aber nur nominal. Nestle sieht in Schweizer Franken heute übel aus. Andersherum hat der Schweizer Franken jetzt mehr Kaufkraft, so dass auch der Einkauf von Gold wieder Spaß machen dürfte. Wie wir wissen, ist Gold für die SNB Teufelszeug. Ausführliches dazu auch in unserer Ausgabe der „Metallwoche“.

Ein Blick auf Nestle… Die Aktie sieht in Schweizer Franken heute übel aus…

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Nicht aber für Anleger in Euro..

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Ob der Schweizer Franken so stark bleibt, weiß man ja nicht. Man sollte seine gegenwärtige Kaufkraft doch jetzt auch entsprechend nutzen können. Wie wäre es mit einem Einkauf in Konstanz? Der Euro ist für die Schweizer jetzt 15% billiger geworden. Konstanz wird wohl einen Boom im Einzelhandel erleben. Die Grundstücke in dieser schönen Gegend sind jetzt für 15 Prozent billiger zu haben. Aber wer möchte schon in Konstanz wohnen? Egal, aber zumindest billiger tanken und mit Schweizer Franken bezahlen… Wenigstens etwas! (Seite 2)




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