Euro: Kaufkraft adè…

2. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ja herrlich! Nach Ansicht von Goldman Sachs wird der Euro bis 2017 weitere 30 Prozent seiner Kaufkraft gegenüber dem US-Dollar verlieren. Das wird die Sparer aber freuen! Und auch die Exportindustrie. Und erst die EZB… Wenn das nicht beste Aussichten sind…

Man hätte vor einem Jahr schon all seine gesparten Euros bei 1,40 USD verkaufen sollen, sagte ein Parketthändler… in etwas tauschen, solange man noch so „viel“ für die Einheiz-Währung bekommt. Es riecht nach Flucht aus dem Euro. Oder nach einer gewollten Schwäche? Oder gar um eine gewollte Stärke des US-Dollars? Vielleicht passiert das ja alles gleichzeitig? Und wenn Goldman etwas sagt, sollte man immer schön auf die Gegenseite schauen. Erinnern sich noch jemand an Öl 200 USD? Es fiel dann auf 40 Dollar. Oder Gold 1.050?

Nachdem also die Kaufkraft des Euro in diesem Jahr schon so erfolgreich um sieben Prozent geschrumpft wurde, kann ich mir sieben Prozent weniger USA-Urlaub leisten. Dann fahre ich eben nach Kiew oder Buenos Aires. Da bekommt man immer mehr Urlaub für seine Euronen.

Mal ehrlich… Wer möchte schon in die USA? Es gibt inzwischen so viele potentielle Terroristen, geschätzte 7,2 Milliarden, dass statistisch gesehen jeder bei der Einreise mit Schwierigkeiten rechnen muss. Zudem ist der Urlaub längst vorbei, bevor die Bundesrepublik jeden Festgenommenen freigekauft hat. Ach, das ist ja Zukunftsmusik…

Das Hauptanliegen der EZB, unserer „Währungshüter“ ist, dass der Euro schwächer wird. Warum sollten die Goldmänner mit ihrer Prognose nicht richtig liegen? 30 Prozent in drei Jahren sind ein Wort. Wenn 2017 wirklich die Parität zum Dollar erreicht sein sollte, fällt endlich das lästige Umrechnen von Dollar und Euro und umgekehrt weg. Das ist für einfache Leute ein klarer Vorteil. Sollte der US-Dollar ebenfalls abwerten, dann kommt das rechnerisch auf die Schwäche des Euro hinzu, was den Jubel noch verstärken dürfte. (Euro, 1 Jahr, Quelle: comdirect.de)

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Was mir nicht einleuchten will, ist, dass eine schwächer werdende Währung eine gute Währung sein soll. Zudem will die EZB allem Anschein nach gezielt den Euro weichklopfen. Für Donnerstag sind weitere Schritte geplant. Sicherlich ist ein schwacher Euro ein Vorteil für alle Exporteure, ihre im Ausland erlösten Umsätze in die heimische Schwachwährung umtauschen. Die meisten Europäer sind aber keine Exporteure, sondern sind auf Importe angewiesen, die teurer werden.

Das aus dem Ausland eingekaufte Zeug wie Rohstoffe (Europa ist ja bekanntlich ein Rohstoffland) wird teurer, da es nach aller Voraussicht nach eine Zeit lang in US-Dollar bezahlt wird. Außer es kommt ganz anders, was den USA gar nicht gefallen dürfte. Oder wollen die USA zur Verteidigung ihrer grünen Zettel mit einer demokratischen Befriedung der Welt verteidigen? Das wird sich zeigen, wie die Sache mit Russland verläuft, ob Putin damit durchkommt, sich vom Dollar zu lösen. Er ist ja nicht der Einzige. Das ist m.E. nach der Hauptgrund für den Krach auf der politischen Bühne. Je mehr sich die Europäer vor den Karren der USA spannen lassen und je heftiger es auf der eurasischen Platte raucht und kriselt, desto attraktiver wird ihr US-Dollar. Aber wer versteht schon diesen Zusammenhang?

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Sollte ich die EZB-Politik richtig verstanden haben, den Euro schwach zu halten, dann ist die Botschaft klar. Bevor die Kaufkraft weiter sinkt, sollte man die jetzige Kaufkraft gut nutzen und sie eintauschen in…

Das hätten die Argentinier damals auch tun sollen. Der Peso zerfällt immer schneller.

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Wer ihn früher schon beispielsweise in Gold getauscht hat, der kann dem Treiben etwas gelassener zuschauen. Gleichzeitig erreicht das gelbe Metall in Peso ein preisliches Allzeithoch. Zu feiern gibt es da eigentlich nichts, aber die Goldbugs wünschen sich (befürchten) ja schwächere Währungen, da auch deswegen ihre heimischen Goldpreise in die Höhe schnellen. Später sind vielleicht sogar die ersten, die sich über die Folgen beklagen.

Ich weiß nicht, wie das die Goldbugs in der Ukraine sehen. Die dortige Grywna ist inzwischen so schwach, dass Gold in Grywnas auch fast auf Allzeithoch notiert. Das nur nebenbei. Von daher könnte man die Goldpreise in heimischer Währung auch als Warnzeichen für weiter auftauchende Schwierigkeiten sehen. Die Leser des Blogs kennen das ja schon. Die Frage wird ohnehin nur sein, in was man spart. Der Euro ist es offenbar nicht…


 

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2 Kommentare auf "Euro: Kaufkraft adè…"

  1. Lickneeson sagt:

    Gut das immer mehr Leute in der Eurozone gar nicht mehr vor dem Dilemma stehen, wo sie ihre Ersparnisse anlegen oder investieren. Sie haben ja gar keine mehr. Am Ende des Geldes ist für viel noch reichlich Monat übrig. Da sind Rendite etc. zweitrangig, Luxusprobleme eben. Die Finanzpolitik der USA, Japans und der Eurozone ist der krönende Abschluss, das Sahnehäubchen auf einer sozialen und finanziellen Langzeittrendwende an deren Ende soziale Unruhen und Massenverarmung und im schlimmsten Falle Krieg stehen werden. Aber was interessiert das schon Leute wie Draghi & Konsorten.

    MfG

  2. Michael sagt:

    Ich war schon shoppen. Solange man für den EURO noch etwas bekommt.

    So ca. 1:1 wird es werden 🙂 Gar nicht so unmöglich, obwohl so 1:1,10 vermutlich eh schon am Limit ist möchte ich mal vermuten. 1:1,2 hatten wir schon mal in so vor schwach 2 Jahren als Gold bei 1580 bis 1600 so ca. stand. Herbst 2012 wenn ich mich nicht irre. Unmöglich ist nichts.

    Das Maß für den EURO ist Frankreich kommt es mir vor. Und in Frankreich gehen die Uhren anders, dort wissen die Leute was Stil ist. Kreativität geht vor Fleiß … aber das ist ok. Wenigsten ein Lichtblick auf unserem Kontinent.
    https://www.youtube.com/watch?v=mv37Gdidla0

    Selbst mir blinden Huhn ist nicht entgangen, dass sich ein Aufwärtstrend zu Gunsten des Dollars hat herausgebildet relativ zum EUR, der zeichnet sich langsam ab wahrlich nachhaltig zu werden.

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