Euro in Turbulenzen, Gold in neuem Glanz

16. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Bis zum Freitagabend habe ich etwa zwei Dutzend ernst zu nehmende Versionen zur Kenntnis genommen, was nach der Griechenland-Wahl vom Sonntag mit dem Euro und mit Ihrem Geld geschehen könnte. Am Ende erscheint mir die von Friedrich Merz, Vorstand des Vereins Atlantik-Brücke und im Nebenberuf unter anderem Aufsichtsrat von Borussia Dortmund, besonders plausibel…

„Griechenland sei unter den jetzigen Bedingungen wirtschaftlich „nicht überlebensfähig“, doch wie der Austritt des Landes aus der Eurozone vonstatten gehen solle, bleibe offen. „Ich glaube nicht, dass der Euro in der heutigen Konstellation noch in einem Jahr bestehen wird“, gab Merz am Freitag den Teilnehmern eines Mittelstandsforums von GE Capital in Frankfurt mit auf den Weg.

Zur Erinnerung: Merz war vor zehn Jahren in der CDU der ärgste Rivale von Angela Merkel. Durch sein Wirken in der Atlantik-Brücke verfügt er über eine ganze Reihe von exklusiven Informationen zum transatlantischen Verhältnis und als Partner der internationalen Anwaltskanzlei Mayer Brown LLP sowie durch einige weitere Aufsichtsratsmandate auch über intime Kenntnisse der europäischen Unternehmenslandschaft.

Nun werden Sie sich als Beobachter der Finanzmärkte sicher fragen, warum der Euro ausgerechnet in den vergangenen Tagen gegenüber dem Dollar stark geworden ist. Hat ihn die Hoffnung nach oben getrieben, Griechenland werde sich nach der Wahl vom Euro trennen und dadurch eine Last von ihm nehmen? Unwahrscheinlich, denn zum einen machen die Griechen nur einen Mini-Bruchteil im Eurosystem aus, und zum anderen ist ja immer noch nicht ausgeschlossen, dass ihr Abschied vom Euro eine neue Spekulationswelle gegen ihn auslösen könnte.

Plausibler ist da eher, dass es sich um eine sogenannte technische Reaktion handelt, das heißt, dass die Anti-Euro-Spekulanten ihre Gewinne mitgenommen haben, um schon bald die nächste Attacke gegen den Euro zu starten. Diese Erklärung passt auch besser zu einer weiteren These von Merz, der sich besonders große Sorgen um Frankreich macht: Was der neue Präsident Hollande versprochen habe, sei „nicht finanzierbar“.

Welche Rolle spielt Gold in dieser Gemengelage der beiden Währungen? Aus Anlegersicht eine ziemlich wichtige. Sein Preis tendiert unter Schwankungen nach oben; dabei wird es bleiben, und zwar in Euro wie in Dollar. Die Ursachen sind dieselben wie bereits vor einem Jahr: Staatsschulden, negative Realzinsen, Flucht in die Sicherheit. Der nächste Gold-Hype ist allerdings noch einige Monate entfernt. Damit er kommt, bedarf es einer Eskalation der Währungsprobleme und einer neuen Geldschwemme.

Letztere war unter Börsianern ja schon am Freitag das herausragende Gesprächsthema, als man die Aktienkurse mit einem seltsamen Argument steigen ließ: Komme es in Griechenland zu einem Wahlausgang, der den Austritt des Landes aus der Eurozone zur Folge habe, würden die wichtigsten Zentralbanken zur Vermeidung eines internationalen Börsenkrachs sehr viel Geld in die Märkte pumpen. Seltsam ist dieses Argument deshalb, weil es allein auf dem Wunschdenken einiger Börsenspieler beruht… (Seite 2)

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6 Kommentare auf "Euro in Turbulenzen, Gold in neuem Glanz"

  1. cubus53 sagt:

    Gold verblasst und Apple glänzt (alles sarkastisch gemeint !).

    Die Apple Aktie stand bis ins Jahr 2000 bei ca. 10 Euro, Kurs heute 450 Euro, macht Faktor 45.

    Gold stand bis ins Jahr 2000 bei ca. 250 Euro, Kurs heute 1600 Euro, macht den schlappen Faktor 6,4.

    Würde man den Zuwachs der Apple-Aktie auf Gold übertragen, würde Gold heute bei 11250 Euro stehen.

    Nun wird auch noch über eine Goldblase geredet. Apple dagegen soll noch weiter steigen.

    Deshalb habe ich mir überlegt, anstatt 100 Goldbarren 100 iPads zu kaufen, in der Hoffnung, dass die in 3000 Jahren auch noch einer braucht.

    • Karl Napp sagt:

      Davon würde ich dringend abraten und sich statt dessen einmal mit Unternehmensbewertung zu beschäftigen. Der Großteil der Bewertung entfällt auf den sog.terminal value, d.h. die ewige Rente. Die ist abhängig natürlich u.a. von der Wachstumsrate des Unternehmens. Wächst Apple in der Ewigkeit mit derzeitigen Wachstumsraten. Ganz schön kühn das anzunehmen. Immerhin ist Apple nicht von Fremdfinanzierung abhängig. Apple hält Berge von cash.Was passiert damit?

      Ich für meinen Teil habe mich schon vor geraumer Zeit dazu entschlossen, Gold zu halten. Ich kann damit leben, wenn mich gute Unternehmen kurzfristig outperformen. Ich bin nämlich nicht so gut darin, eben diese 1% der Unternehmen zu identifizieren. Viel Glück damit!

  2. Karl Napp sagt:

    Schon lustig die Meinung von M. Gburek zu Goldminen. Da wird Gold in physischer Form gekauft, weil man dem Staat nicht traut, weil man das Gegenparteirisiko nicht eingehen will, schlicht weil man allen Unwägbarkeiten aus dem Wege gehen will. Wer so denkt, für den verbietet sich der Kauf von Minenaktien, diese sind nämlich das genaue Gegenteil von physischem Gold. Die Aktie, die einen Miteigentumsanteil an der Mine verbrieft ist auch nur ein bunt bedruckter Zettel, bedroht von Enteignung, Mißmanagement, Besteuerung, Kapitalerhöhungen, Zinserhöhungen u.v.a. Vielleicht liegt ja gerade hier der Grund für die schlechtere Kursentwicklung der Minen gegenüber physischen Gold in Zeiten zunehmender Unsicherheit.

    • samy sagt:

      Hi,

      ja, denke ich auch. Es gibt ein Risiko, dass sich Staaten dazu entschliessen die Besitzer von Minen zu enteignen, falls Gold wieder heran gezogen wird um Währungen zu decken.

      Hinzu kommt wohl, dass Minenunternehmen derzeit relativ schwer an Kredite heran kommen (wem wundert es, bei der derzeitigen Unsicherheit) um die zunehmend teurer werdende Förderung zukünftiger Förderstätten zu finanzieren. Insbesondere weil es immer das Risiko gibt, dass die Adern doch nicht ergiebig sind. Hiervon seien vor allem kleinere Unternehmen betroffen. Größere lauern und warten darauf um diese aufzukaufen. So Marc Faber, der selbst im Vorstand mind. von einem Mineur sitzt. Frag mich jetzt nicht mehr nach dem Link.

      VG

  3. EuroTanic sagt:

    „„Ich glaube nicht, dass der Euro in der heutigen Konstellation noch in einem Jahr bestehen wird“,“
    Was für eine intellektuelle Glanzleistung? Genauso gut könnte man behaupten: „So jung werden wir nie wieder zusammenkommen.“
    Wenn Menschen mit solcher Intelligenz in gutbezahlten Spitzenpositionen sitzen ist es kein Wunder, das unsere Gesellschaft wirtschaftlich, intellektuell, moralisch und überhaupt den Bach runter geht LOL

  4. Technische Analyse der Finanzmärkte - Lehrbuch und zahlreiche InfosTechnische Analyse der Finanzmärkte sagt:

    […] das Erreichen des fünften Tabellenplatzes in der Saison 2009/2010 die … Doc Wiedergewinnung Auf dieser Seite finden Sie die unterschiedlichsten Informationen zu den Themen Technische Analyse …ch veraltet sind. Dafür möchten wir uns entschuldigen.   [contentbox width="400" borderwidth="3" […]

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