Euro-bond-age! Und später was auf den Hintern.

28. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Zinsen sind eine fesselnde Angelegenheit. Kredite auch. Wenn dann Not auf Elend trifft, sind die Notenbanken auch nicht weit weg. Bald könnten sie die bösen Zinsen nach Belieben festbinden oder auch Zinsbänder anlegen. Genießen Sie die Zeit bis dahin und auch darüber hinaus. Willkommen im Zinssozialismus! Da ist für jeden was dabei…

The Age of Bond Controll – ist so etwas wie Euro-Bondage oder Eurobonds festgezurrt und zinsmäßig verklebt. Genaues weiß man noch nicht. Aber da könnte etwas kommen. Dann heißt es angekommen im Zeitalter kontrollierter Zinsen. Du willst es doch auch, Genosse…

Die Sache mit festen und zu niedrigen Zinsen hat sich in der Geschichte als gefährliche Angelegenheit heraus gestellt. Nach einer gewissen Zeit sind die Leute früher oder später verrückt geworden. Und das Geld auch. Zum Glück aber vergisst der Mensch und fragt dann später, wie es dazu hat kommen können.

Um in den Genuss dieser Sache zu kommen, setzen Sie am besten eine rosarote Brille auf und schalten das Hirn ab. Lassen Sie sich vom Aufschwung auf Kredit mitziehen. Nachdenken verhindert nur, im Strom der Masse mitgespült werden zu können – synchronisiert, da alle das wollen und eifrig ans Werk gehen.

Feste Zinsen, derb ausgeteilt…

Ach wie herrlich! Kredite werden planbar und vor allem erschwinglich, auch für alle, die gar nichts haben. Warum erst jetzt? Zukunft kann so einfach sein. Voraussetzung ist, jemand kümmert sich um die tiefen Zinsen des Glücks in freundlicher Absicht und mit südländischer Manier. In der EZB wurden neulich erst neue Mitarbeiter eingestellt. Vermutlich liegen dort die Pläne für Zinsobergrenzen längst in den Schubladen, womit man allerhand anstellen kann: Finanzierung staatlicher Schuldenorgien und Befeuerung von privaten Konsum auf Pump. Und bist Du zu teuer, dann greife ich ein.

Wenn aus Währungshütern Zinshüter werden

Zwischen Währungshütern und Hütchenspieler ist der Unterschied inzwischen gar nicht mehr so groß. Nur Hütchenspieler reden nicht so viel. Beide wollen nur das Beste. Was für eine großartige Idee, die Märkte auszuschalten, waren diese doch meist nur lästig und in der Umsetzung der politischen Ideen hinderlich. Sämtliches Flehen, doch endlich vernünftig zu sein, wurde von ihnen ignoriert und die Märkte blieben böse. Die bisher willkürliche aber ökonomisch einleuchtende Festsetzung von Kosten über den Leitzins für Kredite an Banken war gestern. Bald könnten schon Zinsgrenzen als Waffe aus dem Klempnerkoffer der Notenbanken springen. Es trifft ja nur die bösen Spekulanten, also diejenigen, die Pleitiers kein Geld leihen wollen, zumindest nicht für aktuelle Zinssätze bei steigenden Schuldenbergen und entsprechend größerem Risiko. Diese graue Theorie des Marktes sollte ausgedient haben. Italienische Kurzläufer für 0,5 Prozent haben was. Alles, was über gewisse Schwellen hinaus geht, wird von der EZB und den angeschlossenen Organen EFSF und ESM weg gekauft. Die Börse freut`s. Die Preise auch.

Was bedeutet für den Alltag?

Vermutlich wird Geld kaum mehr etwas kosten – und das dauerhaft. Wer am nahesten am Geldtopf der Notenbank steht, bekommt am meisten ab. Daher wohl auch der Spruch, dass der Teufel immer auf den größten Haufen macht. Und es ist schon ein Unterschied, ob ein Staat mit zwei Billionen Euro Schulden wie Deutschland bei einem Prozent mehr oder weniger Zins 20 Milliarden Euro mehr oder weniger zahlt. Im Moment noch bekommt der Finanzminister Geld für Umme. Wie soll das Italien stemmen? Mit einem italienischen EZB-Chef ginge das auch für Europa. Je niedriger die Finanzierungskosten sind, desto mehr bleibt für die Bürger übrig. Kleiner Scherz.

Doch auch das Glück der Bürger könnte größer werden, wenn auch Dispozinsen und Kreditkosten gedeckelt werden. Solche Leute, die das fordern, wählt man doch gerne. Und die Diskussionen ist nicht neu. Wenn Banken dennoch keine Kredite vergeben, ist es lange nicht ausgeschlossen, dass das der Staat auch noch übernimmt. Nein, jetzt komme ich aber ins Schwärmen… (Seite 2)

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29 Kommentare auf "Euro-bond-age! Und später was auf den Hintern."

  1. FDominicus sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer, es ist schon interessant, vor gar nicht langer Zeit schrieb ich:
    fdominicus.blogspot.com.es/2012/08/der-fluch-der-niedrigen-zinsen.html

    Auch beim Geld gilt Angebot und Nachfrage und wenn das Angebot günstig ist geht auch die Nachfrage nach oben. Ich kann nur sagen die Preise für Häuser sind in manchen Bereichen schon unanständig hoch.

    Warum das so ist? Nun ich denke auch die Verkäufer wissen nach dem Verkauf nicht wohin mit dem Geld und wenn man mit einer hohen Geldentwertung rechnet wird man sich ungern von seinem Haus trennen.

    Es gibt ja auf der anderen Seite auch keine „risikofrei“ Anlage mehr, sondern die Leute sind ja bereit für die Aufbewahrung von Geld zu bezahlen.

    Alles dank eines ausgeschaltetem Markt. Was wird wohl passieren wenn weitere Märkte verschwinden?

  2. Ashraf Khan sagt:

    Ihr Artikel hat mich doch wieder zum Schmunzeln gebracht, Herr Meyer – Vielen Dank.

    Am besten ist eigentlich die Pointe am Schluss: Entweder ich mache das Spiel mit und kaufe mir von Geld das ich nicht habe Sachen, die ich eigentlich nicht brauche. Oder aber der Staat kauft von Geld, das er nicht hat, von mir aber eintreiben wird, Sachen die ich ganz bestimmt nicht brauche ^^
    Achja, und von der Inflation merke ich auch in beiden Fällen was, also Inflation mit befeuern oder einfach nur drunter leiden? 😉

    • stephan sagt:

      Für eine solche Situation gibt es den zutreffenden Spruch: Mitgehangen, mitgefangen.

      Will man die Inflation nicht selbst mit befeuern, muss man sehen, wie man (soweit möglich) nicht darunter leidet. Das ist eindeutig der beschwerlichere Weg. Wobei Verhandlungen über permanente, deutliche Gehaltserhöhungen in aller Regel wohl als Gegenmittel ausscheiden (DAX-Vorstände ausgenommen). Die Möglichkeiten beschränken sich also im Wesentlichen nur auf die Rettung der Ersparnisse, soweit überhaupt vorhanden.

  3. samy sagt:

    Ich habe da so meine Bedenken, was die Berechnung der 170 000€ für 20 Jahre Miete angeht. Das unterstellt, dass die Mieten nicht auch rasant steigen würden. Gesetze, die die Mietanpassungen regulieren, würden in diesem Szenario weichgewaschen, mit der Argumentation, dass aus den Mieteinnahmen der Substanzerhalt der Immo bestritten werden muß.
    Andererseit, gibt es hier einen Bauboom wie in Spanien, dann würden die Mieten in alten Wohnungen fallen, weil diese mit neuen in Konkurrenz stehen. Dann könnten ältere Häuser an Wert verlieren, während der Mieter einfach umzieht.

    Ansonsten volle Zustimmung, was das die neue Kreation aus dem Mugabekochkurs angeht, nicht gerade bekannt für eine „Schlanke-Küche“.

    Man möge sich nur einmal vorstellen, wie die Staatsqouten dann bald europaweit aussehen, wenn die EZB die Staatsanleihen aufkauft. Der Staat wäre ja kaum noch gezwungen seine Strukturen effektiv und schlank zu halten. Auf in den Staatsdienst, auch wenn die Löhne dort mager sind.

    Und negativer Realzins? Die Gelegenheit für alle Anleihehalter die Dinger endlich los zu werden ohne das eine Blase platzt. Die EZB kauft ja auf. Und wenn die so frei werdende Kohle dann erst mal in die Aktiem- oder Immobilienmärkte wandert, ja dann kauft erst recht niemand mehr Staatsanleihen, außer der EZB. Gibt es schon Überlegungen dazu, wie schnell die Bilanz wie lang würde?

    Und ist einige Jahre später der aufgeblasene Staatsapparat der europäischen Länder erst mal ordentlich verkrustet, und das Strohfeuer der niedrigen Zinsen erloschen, ja dann …? Wer soll bei dann sinkenden Steuereinnahmen noch den Staatsapparat finanzieren, außer die EZB natürlich?

  4. crunchy sagt:

    Ich hab´ den Artikel gerade nur überflogen und muss zustimmen:
    Meyer, bleib´ bei Deinem Leisten!(Was Du Dir leisten kannst). VerunApplen, also Smartphone mal rückwärts, bringt Dich und Mich auf eine Basis, die wir Menschen mögen, für die Wir leben möchten.
    Leider, wird das kurzfristig nicht so empfunden werden: Man kann sich doch wieder sooviehel leisten, weil man sooho kreditwütig (kreditwürdig?) ist. Und, schau an, auch Kinder gebären wir wieder gerne, die dann, kreditwütig wie wir, die Welt GfK-mässig verbessern.
    Mann, oh Mann: Wer soll soviel Bullshit noch glauben?

  5. Frank Meyer sagt:

    22:14 Uhr ist imme eine gefährliche Zeit 🙂 da schleichen die Rechtschreibfehler um einen herum und schlagen, aus welchen Gründen auch immer, gnadenlos zu. Viele Grühse

  6. 4fairconomy sagt:

    „Sparen ist doof. Konsumieren ist gut.“

    Um ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit verdienen zu können, sind nun mal die Menschen auf Konsumenten angewiesen. Eigentlich sollte die Rechnung aufgehen: die Menschen produzieren Güter, weil sie sich Güter kaufen wollen.

    Offenbar schafft es unser Wirtschaftssystem aber nicht, die Güter der arbeitsteiligen Wirtschaft so unter die arbeitswilligen, bedürftigen Erwerbstätigen zu verteilen, dass es nicht immer wieder zu katastrophalen Verwerfungen kommt. Die bedürftigen Erwerbstätigen verteilen sich die Güter eben nicht unter sich. Sie beanspruchen für den Güteraustausch, inkl. Anschaffung von Produktionsmitteln, die Dienstleistung des Finanzsektors. Natürlich bieten die Dienstleister dieses Sektors ihre Dienste nicht umsonst an, auch sie wollen Güter beziehen können um zu leben. Ist ja recht so.

    Die Probleme beginnen, wenn es Menschen gibt, denen mehr Kaufkraft zufliesst, und zwar viel mehr als sie damit konsumieren könnten. Vorher mussten aber Güter hergestellt werden, um diese Kaufkraft zu ermöglichen. Generell gibts ein Problem, wenn Güter hergestellt werden aber die zugehörige Kaufkraft nicht verkonsumiert, sondern gespart werden will oder schlicht werden muss, wenn jemand davon zuviel zu schnell erhält, als er diese ausgeben könnte.

    Zum Glück haben die Menschen, insbesondere nach einem Krieg, so viele Bedürfnisse. Und zum Glück gibt es den technischen Fortschritt, welcher enorme Vorfinanzierungen erfordert für Investitionen in immer effizientere Produktionsmitteln. Die Nachfrage nach Investitionsgüter ermöglicht, dass mehr produziert werden kann als die Bedürftigen mit ihrer Kaufkraft kaufen können. Mit Investitionsgüter werden Güter erworben, welche erst in der Zukunft zu einer Güterproduktion führen. Da haben diejenigen Glück, welche mehr Kaufkraft verdienen, als sie sofort konsumieren möchten. Die Sparer können ihre Mehreinnahmen an Kaufkraft Unternehmer zur Verfügung stellen, welche dafür Investitionsgüter kaufen. Und die Erwerbstätigen haben ebenfalls Glück, dass sie nicht nur Konsumgüter für sich sondern zusätzlich Investitionsgüter herstellen können. Alle haben also viel Glück und es läuft prima: Die Erwerbstätigen können mehr produzieren als sie an Güter nachfragen und diese überschüssige Kaufkraft kann gespart werden wobei damit die Investitionsgüter gekauft werden. Die Rechnung geht für alle auf!

    Das beste dabei: dank technischem Fortschritt kann mit den Investitionsgüter in Zukunft pro Erwerbstätigen immer mehr produziert werden. In Zukunft entsteht somit auch noch mehr durch Güter gedeckte Kaufkraft. Die Erwerbstätigen können immer mehr produzieren, konsumieren und es kann immer mehr gespart werden. Können die Erwerbstätigen immer mehr produzieren und konsumieren? Nein, sie müssen! Sonst läuft da System ins Leere! Was soll dann mit all den auf Pump gekauften Investitionsgüter, wenn nicht immer mehr Konsumgüter verkauft werden? Was passiert dann mit dem Geld der Sparer, wenn Unterneher pleite gehen? Wie sollen immer mehr Kaufkraftüberschüsse gespart werden, wenn weniger Investitionsgüter gekauft werden?

    Wie sollen also die Sparer sparen können? Das Geld horten? Dem Staat das Geld leihen? Im zweiten Fall haben die Erwerbstätigen noch Glück gehabt, jetzt kauf der Staat die Güter, welche sie sich selbst nicht leisten können aber produzieren müssen um ihren Job behalten zu können. Im ersten Fall haben immer mehr Erwerbstätige Pech, da sie ihren Job verlieren, weil weniger Güter nachgefragt werden, als sie produzieren können müssten, um ihren Job behalten zu können. Dann geht die Party zu Ende, das System funktioniert nicht mehr. Gegebenenfalls kann ein Krieg helfen, das System neu zu starten…

    Die Party hat noch einen Hacken: die Sparer wollen für die Überlassung ihrer Kaufkraft an Unternehmer einen Zins. Sonst könnten sie ja das Geld genau so gut horten. Kein Problem, solange die Unternehmer dank den neuen Produktionsmittel immer mehr produzieren können, wobei zumindest ein Teil der Kaufkraft dieser Mehrproduktion dazu dienen kann, die Zinsen zu zahlen. Die Sparer, welche eh schon keine Konsumbedürfnisse mehr hatten, erhalten so noch mehr Kaufkraft. Es muss also immer noch mehr investiert werden, damit das System aufgeht. Hier ist der Begriff Turbokapitalismus treffend.

    Eigentlich ist es jedoch wunderbar: die Marktsättigung wird dank des Zinseszinssystems noch früher erreicht. Pech nur, dass die immense Kaufkraft, das immense Sozialprodukt nicht den Bedürftigen zugute kommt sondern ein immer grösserer Anteil der Bezugsrechte an das Sozialprodukt den Sparer zufliesst.

    Zum Glück gibt es den Staat, welcher sich diese Bezugsrechte bei den Sparern holt…Das nennt sich dann soziale Marktwirtschaft. Das geht aber leider nicht ewig, irgend wann fragt sich, woher der Staat die Bezugsrechte nehmen soll, welche er den Sparern schuldet. Dann ist die Stunde der Zentralbank gekommen… Leider kann die Zentralbank nur Papier drucken aber keine Kaufkraft herstellen. Das können nur die Erwerbstätigen. So kann die Zentralbank eigentlich nur die Kaufkraft pro Papierschein verringern, in dem sie mehr davon druckt. Die vermeintlichen Ersparnisse lösen sich so auf. Das Prima-System ist zum Alptraum für alle geworden: Sparer und Erwerbstätigen. Die sozialen Spannungen und die Unzufriedenheiten wachsen. Das einzige übrigens was noch wächst nebst der Geldmenge.

    Der Kapitalismus ist ein wunderbares System, wenn es nur nicht so rasch zur Marktsättigung käme. Gut, eine Zeit lang können die Probleme in die Zukunft verschoben werden. Diese ist aber dann dafür nicht mehr so toll.

    Wie könnte das System funktionieren? Nehmen wir den Zeitpunkt, an dem es zur Marktsättigung kommt und die Sparer nicht mehr genügend Unternehmer finden, um ihre Ersparnisse gewinnbringend weitergeben zu können.

    Nehmen wir an, der Staat tritt nicht in Aktion mit immer mehr Geldnachfrage bei den Sparern. Nehmen wir nun an, die Sparer verlieren -6% auf Kaufkraft, welches sie bei sich behalten. Sie werden mehr konsumieren, mehr ausgeben für unrentable Projekte wie Renovationsarbeiten, Kunst am Bau, Weiterbildung von Mitarbeiter, Vorauszahlung von Steuern usw. Und wenn das alles nicht hilft, werden sie spenden. Schafft ja bekanntlich Freunde und Freude.

    Und sie werden den Unternehmen günstigere Angebote machen für das zur Verfügung stellen von Kaufkraft. Dass nun Sparer mehr Güter nachfragen, wird die Erwerbstätigen freuen, welche für diese produzieren können statt ihren Job zu verlieren. Sowohl die Konsum- wie auch die Investitionsgüternachfrage wird also nicht einbrechen. Es wird sich ein neues Gleichgewicht einstellen zwischen Spartätigkeit, Zinsen und Kreditnachfrage. Die Erwerbstätigen werden weiterhin so ausgelastet sein, dass sie sich soviel leisten können, wie sie eben bedürfen. Sie müssen aber nicht immer mehr produzieren und konsumieren. Mit sinkenden Zinsforderungen der Sparer werden Investitionen rentabel, welche keine mengenmässige Ausweitung der Produktion zum Ziele haben. Oder dann können es sich die Erwerbstätigen leisten, weniger zu produzieren, d.h. also kürzere Arbeitszeiten. Auch Investitionen welche eine Steigerung der Lebensqualität zum Ziele haben, werden sich rentieren. Damit lassen sich zwar keine Zinsen zahlen, aber es macht Freude, es bringt die Gesellschaft weiter.

    So wird das System übergehen in eine viel Stabilität und Lebensqualität bringende Entwicklung ohne Ausweitung von Produktion und Konsum. Und ohne, dass Produktionsmittel brach liegen und vor allem, ohne dass immer mehr Menschen vom Wirtschaftsprozess ausgeschlossen werden, weil sie zu wenig konsumieren können im Verhältnis zu dem, was sie produzieren. Ein grösserer wirtschaftlicher Unsinn kann es ja kaum geben.

    Und was ist mit den Sparer? Es wird halt nicht mehr gespart werden können, als Unternehmen investieren. Im Falle eines Nullwachstums entsprechen diese Ersparnisse den Ersatzinvestitionen. Aber damit lässt sich auch genügend für die Altersvorsorge sparen. Während des Rentenalters werden diese Ersparnisse aufgelöst, d.h. es wird mehr konsumiert als produziert. Im Gegenzug werden die Erwerbstätigen mehr produzieren als sie benötigen und damit Kaufraft fürs Rentenalter aufsparen. Und zwar in dem sie diese Kaufkraft Unternehmen für ihre Ersatzinvestitionen zur Verfügung stellen. In Zukunft werden die Unternehmen die bedürftigen Rentner, welche nun nichts mehr produzieren, auszahlen. Ob mit Geld oder in Naturalien spielt keine Rolle.

    Geld? Braucht’s das überhaupt? Geld ist als Träger der Kaufkraftsinformation eben schon eine praktische Erfindung. Mehr ist es aber auch nicht und darf es nicht sein. Und so wie ungenutzte Kaufkraft, d.h. Güter welche ungenutzt liegen bleiben, vergammeln, so muss Geld vergammeln, wenn es seinen Weg zu den Bedürftigen nicht findet. Das geschieht auch im heutigen System, nämlich in Form eines Crash oder einer Geldentwertung. Eine Liquiditätsabgabe ist sozusagen ein im Geld eingebauter Dauercrash auf Sparflamme, damit es nicht immer wieder einen ganz grossen braucht, welcher die unproduktiv eingesetzte Kaufkraft vernichtet.

    Der Staat? Wofür braucht es den Staat, wenn die Erwerbstätigen sich ihren Wohlstand selbst erschaffen mit der Kaufkraft welche sie erschaffen und die sich bedingungslos, d.h. zinslos, im Dienst der wirtschaftlichen Kreisläufe stellt, weil sie sonst vergammelt?

    Sparen ist doch nicht doof! Konsumieren aber auch nicht. Doof ist nur ein Geld welches ungenutzt liegen gelassen werden kann ohne zu vergammeln.

    Eine schöne Geschichte, nicht wahr? Warum kann sie nicht wahr werden?

  7. FDominicus sagt:

    „Sparen ist doch nicht doof! Konsumieren aber auch nicht. Doof ist nur ein Geld welches ungenutzt liegen gelassen werden kann ohne zu vergammeln.“

    Das ist so ziemlich das Letzte was man sich wünschen kann. Aber gut, legen Sie Ihr Vermögen in Weizen an, der vergammelt und dann haben Sie nichts mehr. Dann geht es Ihnen sicher besser.

    Ich selber bevorzugte ein Geld was nicht „wertloser“ wird, sondern das man auch noch in 10 oder 20 Jahren benutzen kann um etwas zu kaufen, was man dann braucht.

    Und ich bevorzuge auch ein Geld was man Sparen kann um damit anderen je nach Wunsch einen Kredit gewähren zu können. Ihr zinloses Geld ist ein Albtraum für JEDEN Sparer.

    Ihr Motto ist mir äußerst unsympatisch. Hey verjubele doch alles was Du hast, ist doch was „Gutes“. Mal sehen wie Sie sich fühlten wenn Ihnen Ihre Einnahmequellen mal wegbrächen. Dann ist der Jammer groß. Der Staat MUSS Ihnen doch helfen, Sie können doch gar nichts dafür?

    • stephan sagt:

      @FDominicus:

      4fairconomy will per Zwang zur Abgabe unbedingt die natürlichen Marktmechanismen, zu denen auch Deflation und Inflation als natürlicher Ausgleich zu entsprechenden, vorausgegangenen Übertreibungsphasen gehöhren, ausschalten.

      Dabei sind diese Marktbereinigungsphasen für denjenigen kein Problem, der in guten Zeiten entsprechend vorsorgt. Diese Vorsorge obliegt dem Einzelnen selbst, frei nach dem Motto: Spare wenn Du hast, dann hast du in der Not.

      Im derzeitigen System läuft es allerdings für viele (die meisten!) genau andersherum: Gib aus, was Du hast und wenn es nicht reicht, verschulde dich zusätzlich. Sogesehen sind wir in der Breite der Bevölkerung (mindestens 80 Prozent) schon längst in dem von 4fairconomy praktizierten System angekommen. Allerdings mit der wesentlichen Erweiterung, dass nicht nur bereits vorhandene Tauschmittel verkonsumiert werden, sondern sogar noch nicht erarbeitete (für die sich verschuldet wird). Genau diese Schulden sind aber zum großen Teil die Guthaben der Sparer, die 4fairconomy vermeiden will.

      4fairconomy müsste also auf jeden Fall zusätzlich den Kredit verbieten, also das Schuldenmachen. Denn dann gäbe es auf der Gläubigerseite nicht so hohe Guthaben, welche ihrerseits großteils nicht zum Investieren und Konsumieren eingesetzt werden.

      Für mein Dafürhalten wäre das Verbot des Kredits sogar die effektivere Methode zur Vermeidung von hohen Schwankungen in der Wirtschaftsleistung, da dann immer nur real erarbeitete Tauschmittel im Umlauf wären. Möglicherweise bedürfte es auch keines totalen Kredit-Verbots: Die Einschränkung, dass Kredit nur in der Höhe vergeben werden darf, wie dieser durch Einlagen (= Ersparnisse anderer) gedeckt ist, würde sicherlich auch schon reichen. Die (ökonomische) Blasenbildung durch (immer stärker) gehebelten Kredit würde auf diesem Wege jedenfalls vermieden.

      • 4fairconomy sagt:

        @Stephan

        Inflation und vor allem Deflation führen zu Wohlstandseinbusse bis hin zu Verarmung. Wäre es also nicht sinnvoll, die monetären Ursachen zu beseitigen?

        In einer reinen Tauschwirtschaft gibt es keine Inflation oder Deflation. Dies sind Phänomene, welche vom Geldsystem verursacht werden.

        Statt Verbote sind Lenkungsmassnahmen über den Preis viel sinnvoller. Im heutigen Geldsystem gibt es kein Gleichewichtspreis mehr, zwischen Ersparnisbildung und Geldnachfrage, sobald dieser Preis sich null nähert. Dies wird dadurch korrigiert, in dem Liquidität mit einem Zins im negativen Bereich versehen wird. Ich bin wenn immer möglich für Anreize über den Preis und nicht für Verbote.

        Was ist an einem Mindestzins von 0% auf Liquidität so natürlich? Gibt es stichhaltige Argumente, warum dies nicht genau so gut -5% sein könnte, oder – 2.34% oder… Verordnete Fixpreise sind meines Wissens kein Merkmal einer Marktwirtschaft. Und es gibt genügend gute Gründe, warum genau 0% als Mindestpreis für Liquidität ziemlich viele Probleme und Sachzwänge verursacht.

        • Hauki sagt:

          Hallo 4fairconomy,

          ich glaube, in dieser Gelddiskussion liegt ein ganz fundamentales Missverständnis vor. Du schreibst:

          „In einer reinen Tauschwirtschaft gibt es keine Inflation oder Deflation.“

          Das mag sein, ist dann aber kein Kapitalismus. Deswegen übrigens wehre ich mich gegen die Lehre der Mainstream-, oder Nationalökonomie (oder wie immer man es bezeichnen möchte), die den Leuten Kapitalismus als Tausch-Wirtschaft erklärt.

          Kapitalismus ist aber eine auf Eigentum basierende, unter Schuldendruck (und damit Leistungs- und Zeitdruck) wirtschaftende Gesellschaft.

          Wenn wir also über ein „gerechteres“ System nachdenken, kann man das Wirtschaftssystem nicht losgelöst vom Geldsystem betrachten (oder umgekehrt).

          Es ist schon richtig, die Auswüchse zu hinterfragen. Die Frage ist nur, ob man tatsächlich etwas GRUNDLEGENDES ändern kann, bzw. ob es überhaupt realistisch ist, dass „der Bürger“ oder „das Volk“ irgend einen Einfluss darauf haben kann.
          Ein Blick ins Geschichtsbuch macht da wenig Hoffnung und angesichts der derzeitigen Verhältnisse und der – auch hier im Blog immer wieder angesprochenen – Rechtsbrüche scheint das wenig wahrscheinlich.
          Wir bräuchten also eine fundamentale Diskussion.

          Ich bin mir nicht sicher, ob das hier erwünscht ist, oder ob man jemanden wie mich als Troll betrachtet. Ich hoffe nicht …

          Gruß, Hauki

          …..

      • FDominicus sagt:

        „Die Einschränkung, dass Kredit nur in der Höhe vergeben werden darf, wie dieser durch Einlagen (= Ersparnisse anderer) gedeckt ist, würde sicherlich auch schon reichen.“

        Kein Kredit und Kredit nur in Höhe der Ersparnisse sind zwei völlig verschiedene Ansätze. Ich habe mich gegen keinen Kredit gewandt. Ich bin immer dafür, da jeder nur das verleihen kann was ihm/ihr gehört. Und damit wäre ich mehr als zufrieden. Nur was passiert denn heute Banken erzeugen Geld aus dem Nichts und erhalten dafür Zinsen. Das nenne ich ein perverses System.

        Es sollte schlicht und einfach für Bankenen gelten was auch für normale Menschen hat. Nur was man hat oder einem zur Verfügung gestellt wird darf als Kredit herausgegeben werden.

        Dann wird es immer noch Auf-/Abschwünge geben aber die ganzen Übertreibungen sind nicht möglich. Und das ist ja unser Problem, der künstlich niedrig gehaltene Zinse der Zentralbanken führt zu jeder Menge Verwerfungen auf anderen Märketen. Warum geht das alles weil wir im Geldbereich keinen Markt haben. Und das rächst sich früher oder später.

    • 4fairconomy sagt:

      @ FDomenikus

      Sparen bedeutet, Kaufkraft in der Zukunft zu besitzen. Weizen zu horten wäre zwar eine Option (gut gelagert vergammelt es nicht so schnell und man hätte immer genug zu essen…), aber eine etwas einseitige, mit Lagerungskosten verbunden.

      Die sinnvollste Form des Sparens ist ein breit divertifiziertes Portfolio an Unternehmensbeteiligungen und Obli von Unternehmen. Dies ob mit oder ohne Liquiditätsabgabe. Mit LA bleibt aber diese Sparform auch dann attraktiv, wenn keine Zinsen anfallen wenn die Wirtschaft nicht wächst. Wächst die Wirrschaft, gibts für Sparer Gewinne und Zinsen wie heute. Also alles halb so schlimm, oder?

      Ok, wenn Sie ein Geldsystem bevorzugen, welches immer wieder zu grösseren Katastrophen führt, sobald die Wirtschaft nicht mehr genügend wächst, um die nötigen Gewinnanreize hervorzubringen, welche nötig sind, dass genügend investiert wird um Massenerwerbslosigkeit zu verhindern.

      Unser Geldsystem ist mit einem garantierten Mindestzins von 0% Sparerfreundlich und benachteiligt die Erwerbstätigen, welche auf ein einigermassen regelmässiges Einkommen angewiesen sind. Konjunkturschwankungen führt immer wieder zu Verarmung. Eine LA ist eine diesbezügliche Korrektur.

      Dass mit dem Horten eines werhaltigen Geld gespart werden kann ist eine Illusion. Mit dem Geld wird in Zukunft auch nur ein Anteil des Sozialproduktes bezogen werden können. Wenn die Wirtschaft am boden liegt wird mit dem Geld entsprechend weniger gekauft werden können, als wenn das Sozialprodukt stabil geblieben wäre. Es sollte im Interesse der Sparer sein, mit ihren Ersparnissen zur Stabilisierung des Sozialproduktes beizutragen. Das Horten von Tauschmittel schadet allen. Desshalb muss dem Kosten auferlegt werden.

      • FDominicus sagt:

        Nun es ist für Sie sinnvoll und insgesamt auch. Nur ist da kein Grund jeden zu verpflichten was und wie er mit seinem/ihrem Geld macht. Es ist doch nicht Ihre Problem wenn ich keine Anteile von Unternehmen haben möchte. Es ist aber mein Problem wenn Sie es von mir „verlangen“ oder gar gesetzlich festschreiben.

        Was Sie eben gar nicht beachten, ist daß eben unternehmerische Tätigkeit IMMER mit Risiko verbunden ist. Sollte ich dieses Risiko nicht wollen sondern „nur“ Geld halten ist das eine durchaus gleichwertige Alternative. Das kann ich aber nur wenn ich heute sicher sein kann auch morgen noch was für meine Geld kaufen zu können. Und hier schneidet Papier auf Dauer ganz schlecht ab. Darum ist es ja auch nur ein Zahlungsmittel und kein Geld.

        Unser Geld ist doch schon mit Ihrer Verfallsmarke „ausgezeichnet“. Alles unter 2% ist doch akzeptiert. Und was haben wir für einen Vorteil?

  8. MARKT sagt:

    Grundsätzlich kann ich ihrem Beitrag sehr viel positives abgewinnen.
    Ich bin mir auch sicher, dass dieses System eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen würde. Außerdem würde es der MEhrheit der Bevölkerung (eventl. nach einem kurzen mentalen Umstellungsprozess) ein mehr an Lebensqualität bringen. Ebenfalls wäre es im Gegensatz zu den Fakes die wir derzeit erleben das Beste Programm für die Umwelt.

    aber:

    ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Kaufkraftminderung in der jetzigen Phase, und mit, einem aus meiner Sicht sehr geringem Verständis für das bestehende Geldsystem,bei einer Mehrheit von Bürgern Akzeptanz und Verständis hervorrufen könnte. Es würde eher sogar Angst und Panik hervorrufen und m.E. dann tatsächlich einen Inflationären Schub auslösen.

    Eine „offizielle“ Kaufkraftminderung würde als Art Enteignung wahrgenommen werden, die so, im Gegensatz zur akzeptierten schleichenden Inflation nicht toleriert werden würde. Die Reaktion wäre, Geld in dauerhafte Sachwerte anzulegen, ähnlich nur noch stärkere als derzeit schon von den Hyperinflationisten (gibts dieses Wort überhaupt?) schon praktiziert
    (Folge>Blasenbildung?).

    Dem könnten Sie nur mit Verboten entgegenwirken, was der Akzeptanz sicherlich nicht förderlich wäre.

    Grndsätzlich für einen Neubeginn halte ich aber sehr viel von dieser Theorie, wenngleich ich 6% für deutlich zu hoch halten würde. Ich schon 2% könnten viel bewirken und dürften aufgrund von in der Breite ausbleibenden Preissteigerungen sogar Kaufkraft erhaltend im Gegensatz zu heute wirken.

  9. 4fairconomy sagt:

    @MARKT

    Danke für den wohlwollenden Kommentar. Mal was anders 🙂

    Mit der aktuellen Geldmenge müsste eine Umlaufsicherung sicher sehr behutsam eingeführt werden (z.B. Beginn mit -0.5% während die Geldmenge reduziert wird.

    Am besten wäre es, wenn regional eine umlaufgesicherte Parallelwährung eingeführt würde, welche gesetzlich anerkannt ist, also womit auch Steuern bezahlt werden kann. Dann sollen damit Erfahrungen gesammelt werden. Also ähnlich dem Experiment von Wörgl. Wobei sich die umlaufgesicherte Währung durchaus mit der bestehenden Währung in Konkurrenz treten darf.

    Enteignung? Also jede Form von Steuer kann als Enteignung betrachtet werden. Und so günstig gibt es wohl keine Arbeitslosenversicherung zu haben, welche den Schadensfall abzuwenden vermag. Der Staat könnte Mrd. an Sozialkosten sparen. Die Belastung für Normalverbraucher durch die LA wären Peanuts während die übrigen Steuern gesenkt werden könnten. Eine LA wird zur Belastung je mehr jemand Kaufkraft zugeflossen bekommt, welche er nicht benötigt und diese auf die hohe Kante legen muss.

    Nehmen wir ein Grossunternehmen, welches monatlich hunderte Mio in den Kassen gespült bekommt. Da wird das Liquiditätsmanagement gefordert sein, die Tauschmittel möglichst rasch los zu werden. kein Problem wird es sein, wenn wegen der wachsenden Wirtschaft die Kreditnachfrage entsprechend hoch ist. Dann wird das Geld auch gewinnbringend angelegt werden können, wie heute. Die LA greift umso mehr, je geringer das Wirchtschaftswachstum. Dies eröffnet dann die Chance für Unternehmer, günstiger an Krediten zu kommen. Natürlich werden die Anleger vorgehen wie gehabt, in dem sie die passende Laufzeiten bestimmen und ein möglichst gutes Preis/Risikoverhältnis erzielen wollen. Die Liquiditätsabgabe wird nur die Option, länger Liquidität zu horten, verteuern und somit die anderen Optionen relativ attraktiver erscheinen lassen.

    Die Wirtschaft insgesamt wird entsprechend der Konjunktur von einer geringeren Zinslast profitieren. Im Gegensatz zu heute muss diese geringere Zinslast nicht mit einer unverantwortlichen Geldmengenausweitung einhergehen. Der Zins als Gleichgewichtspreis spielt dann in jedem Bereich der Zinsskala, nicht nur im oberen positiven Bereich.

    Wenn Unternehmen automatisch ihre Einnahmen in eine andere, nicht umlaufgesicherten Währung wechseln, wird dies den Wechselkurd drücken, aber das Geldangebot für Unternehmer – auch ausländische – nicht verteuern.

    Würde die Einführung einer LA zu einer Assetinflation führen? Wichtig ist, dass die Notenbank die Geldmenge auf ein Minimum reduziert. Eine Deflation wird durch die LA verhindert. Eine Inflation muss durch eine restriktive Geldmengenpolitik verhindert werden. D.h. Assetinflationen wird es nicht im heutigen Ausmass geben können, da gar nicht so viel Liquidität in den Kriegskassen und im Umlauf sein wird wie heute. Kleinere Blasenbildungen sind aber nicht ausgeschlossen, werden aber wegen des mangelnden „Nachschub“ an Liquidität rascher platzen. Langfristige Anlagen in Unternehmen und Öbligationen werden da unter dem Aspekt der Sicherheit attraktiver sein als kurze, kleine Asset-Blasen zu reiten.

    Ich bin klar gegen Verbote. Ggf. muss eine marktwirtschaftliche Lösung gefunden werden im Sinne von Lenkungsmassnahmen über den Preis. Eine LA ist eine solche, und zwar bezüglich des wichtigsten Preises einer Marktwirtschaft: dem Zins als Gleichgewichtspreis zwischen Ersparnisbildung und Investition.

    • Avantgarde sagt:

      Auch mal ein Kompliment von mir an dieser Stelle zu dem was Du da so schreibst.
      Deine Gedankengänge sind im positiven Sinne utopisch.

      Nur zweifle ich ob sich so was in der Realität idealerweise global durchsetzen liesse.

  10. 4fairconomy sagt:

    @Avangarde

    Auch danke für die wohlwollenden Worte!

    Utopisch? Eine Utopie ist etwas, was nie erreichbar ist. In dem Sinne betrachte ich das heutige System als utopisch: zu glauben, dass es mit dem heutigen Mindestzins von 0% auf Liquidität langfristig gut kommen kann. Das System wird immer wieder massiv Wohlstand gefährden und vernichten.

    Dass 0% als Mindestzins festgelegt wird, widerspricht übrigens der Taylor-Regel zur Festlegung des optimalen Leitzinses:

    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/geldpolitik-und-finanzkrise-negative-leitzinsen-das-undenkbare-denken-seite-all/3179150-all.html

    Warum soll sich die Gesellschaft diesen sowohl logisch erfassbaren wie wissenschaftlich belegbaren Unsinn eines fixen Mindestzinses von 0% leisten? Das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun sondern mit Planwirtschaft! Da fragt sich, wo die Utopie liegt.

    Aus Sicht des 17 Jahrhunderts wäre die Vorstellung einer Demokratie auch utopisch erschienen. Was ich damit sagen will: eine LA wird sich durchsetzen, weil dies eine logisch zwingende Notwendigkeit im Geldsystem ist, dass es einigermassen störungsfrei funktionieren kann. Die Idee wird vor allem von Interessen bekämpft, welche natürlich daran keine Freude haben. Aber sie wird sich langfristig durchsetzen, da bin ich überzeugt. Die Frage ist allerdings, wieviele leidvolle Erfahrungen mit einem Geldsystem, welches nicht richtig funktioniert, noch gesammelt werden müssen, bis die Einsicht zur Umsetzung reicht.

    • stephan sagt:

      @4fairconomy:

      Die leidvollen Erfahrungen werden für die Umsetzung dieses Systems wohl nie ausreichen, da es ja auch immer Leute gibt, die von dem aktuellen, nicht richtig funktionierendem Geldsystem profitieren, also kein Leid in diesem Sinne erfahren. In der Regel sind das auch die Leute, die (im Hintergrund) bestimmen, wo es in der Politik langgeht. Leute, die mit dem derzeitigen Geldsystem leidvolle Erfahrungen machen, sind in der Regel diejenigen, die nicht viel oder nichts haben. Vorausgesetzt das System „Zangsabgabe auf Ersparnisse“ würde funktionieren, wäre das die Gruppe, die von diesem System profitieren würde. Allerdings: Da sie nichts haben, bestimmen sie nicht, wo es politisch hingeht. Wir sind uns insofern wohl einig, dass wir aktuell bestenfalls in einer Scheindemokratie leben. Schon aus den vorgenannten Gründen wird das System eine Utopie bleiben.

      Soweit ich Ihren Gedanken überblicke, würde das System „Zangsabgabe auf Ersparnisse“ aber auch an sich selbst scheitern, da es außer dem Konsumieren keinerlei Leistungsanreiz (Bildung von Ersparnissen, also Kapital) bietet. Über kurz oder lang wären deshalb keine Tauschmittel mehr vorhanden, die ins System gegeben werden können.

      • 4fairconomy sagt:

        @ stephan

        Also bezüglich der Machtverteilung teile ich Ihre Analyse. Aber auch die Kath. Kirche und die absolutistischen Herrscher mussten mal ihre Macht abgeben. Nicht, dass ich für Revolutionen bin, aber ewig lassen sich die unhaltbaren Zustände nicht halten. Religion und Politik haben bereits die „Demokratisierung“ hinter sich. Die Ökonomie funktioniert noch wie ein Feudalsystem mit Macht- und Nutzenkonzentration bei Wenigen.

        Ein umlaufgesichertes Vollgeld ist ein Baustein um von dieser Machtkonzentration wegzukommen. Ein solches Geld ist verteilungsneutral in dem Sinne, dass der Zwang entfällt für immer genügend Kapitalerträge sorgen zu müssen, damit die Wirtschaft krisenfrei funktioniert. Es kann niemand mehr Macht über den Geldkreislauf, über die Geldversorgung der Gesellschaft ausüben und diese so erpressen.

        Wo ich widersprechen muss ist die Bezeichnung „Zwangsabgabe auf Ersparnisse“. Diese Bezeichnung liegt diametral dem entgegen, was gemeint ist. Ersparnisse werden vor Entwertung geschützt (Preisstabilität), wie auch vor grösseren Verwerfungen. Eine Abgabe soll’s nur auf Liquidität geben, das ist alles andere als mit Ersparnissen gleichzusetzen. Diversifizierte Anlagen in Unternehmen werden sicher sein, sowohl vor inflationärer Entwertung wie auch vor Crashs. Es wird allerdings kaum solche illusionären, realwirtschftlich gar nicht bezahlbaren Kapitalerenditen geben wie heute. Diese sind ja vielfach lediglich die Gegenbuchung von Verluste.

        Mit einem umlaufgesicherten Geldsystem können die Steuern deutlich gesenkt werden, weil es viel weniger Sozialausgaben, Subventionen, Konjunkturstütze usw. brauchen wird als heute. Zudem wird die Kaufkraft der Erwerbstätigen im Schnitt um sagen wir Grössenordnung 25% zunehmen. Natürlich wird ein Teil davon die Zinsen kompensieren müssen, welche auf die Altersvorsorge wegfallen.

        Wobei diese Zinsen sind ja zum grossen Teil illusionäre Versprechen, welche für viele nicht finanzierbar sein werden (zukünftige Verluste). Solch einen Murks, solche Verzerrungen und Illusionen wird es nicht mehr geben, wenn die Notenbank ihre Arbeit gut macht. Heute kann sie gar nicht anders, als dem Zwang des Geldsystems nachzugeben, für eine mindestens stets exponentiell wachsende Geldmenge zu sorgen. Die stets drohende Deflationsgefahr erhöht den Druck zur Geldmengenausweitung über jedes Mass hinaus. Effektiv sind mit dem heutigen Geldsystem die Ersparnisse viel verlustgefährdeter als mit einem umlaufgesicherten Vollgeldsystem. Dieses schützt das selbst erarbeitete Privateigentum – für den Preis einer geringen Abgabe auf Liquidität – letztlich viel besser.

        Wo allerdings hohe Risiken sind, sind auch hohe Gewinne möglich! Man kann nicht alles haben…Im heutigen System sind aber die Risiken und Kosten sowie die Gewinnmöglichkeiten ungleich verteilt, wie unschwer zu erkennen ist. Wenige wissen sehr gut, wie sie die Gewinne maximieren können, „während der Mann auf der Strasse immer die A*-Karte zieht, weil er die A*-Karte ist“ (frei nach Volker Pispers).

        • stephan sagt:

          @ 4fairconomy:

          „Diversifizierte Anlagen in Unternehmen werden sicher sein, sowohl vor inflationärer Entwertung wie auch vor Crashs“

          In der Realität kann ich mir das nicht vorstellen, denn es käme folgender Mechanismus für die liquiden Mittel zum Tragen: Die Abgabe auf Liquidität beträgt z.B. 6 Prozent. Das wäre der Verlust des Sparers (pro Jahr). Nun sucht er nach Möglichkeiten, diese Liquidität gewinnbringend in der Wirtschaft (oder auch in anderen Geldanlagen) anzulegen. Richtig gesagt, sucht er nach Möglichkeiten, seine Liquidität gewinnbringendER anzulegen, denn alles, was besser als -6 Prozent ist, ist für ihn schon besser, als die Abgabe.

          Nun kommt die andere Seite ins Spiel: Jeder Empfänger, welcher die Liquidität zugeführt bekommt weiß, dass der Sparer auf jeden Fall einen Verlust von -6 Prozent hat. Er muss ihm also nur einen geringeren Verlust bieten, um bereis attraktiver zu sein, als die Zwangsabgabe.

          Wo ein solches System in relativ kurzer Zeit endet, habe ich bereits beschrieben. Der oben beschriebene Effekt hat übrigens mit dem von mir angesprochenen Leistungsanreiz (= Erfolgschance) zu tun.

          Das von Ihnen vorgeschlagene System ist das genaue Gegenteil von einem System mit mindestens 0 Prozent Zinsen. Das Positiv-Zins-System führt zu dem allseits bekannten, unerwünschten Effekt. Das Negativ-Zins-System wird meiner Ansicht nach genau zum gegenteiligen Effekt führen: Liquidität wird vernichtet. Schlussendlich steht kein Kapital mehr zur Verfügung, das in die Wirtschaft gegeben werden kann.

          „Im heutigen System sind aber die Risiken und Kosten sowie die Gewinnmöglichkeiten ungleich verteilt, wie unschwer zu erkennen ist. Wenige wissen sehr gut, wie sie die Gewinne maximieren können, “während der Mann auf der Strasse immer die A*-Karte zieht, weil er die A*-Karte ist” (frei nach Volker Pispers).“

          Insoweit gilt bei mir grundsätzlich das Prinzip der Eigenverantwortung. Das bedeutet, dass ich nichts dafür kann, wenn jemand die A*-Karte zieht. Es liegt schon in jedermanns eigenem Verantwortungsbereich, was er aus sich macht (soweit relativ gleiche Startbedingungen herrschen). Ich will insoweit ausdrücklich betonen, dass ich Solidarität in UNverschuldeten Notfällen für völlig richtig halte.

          Ganz nebenbei werden auch von den wenigen, die wissen, wie sie Gewinne maximieren können, viele die A*-Karte ziehen, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Schuldenkrise-Situation richtig umgehen müssen, also sich gegen den damit einhergehenden Vermögensverlust absichern.

          Es ist einfach so, dass immer diejenigen die A*-Karte ziehen, die sich nicht richtig informieren und die dem Markt keine innovative Leistung anbieten können. Ich nehme an, so wird es auch immer bleiben.

          Ob das von Ihnen vorgeschlagene System an der leistungsgerechten Entlohnung (also im schlechtesten Fall nur Sozialhilfe) etwas ändert, bleibt ja ohnehin völlig offen. Wer faul ist, oder kein Know-How besitzt, der wird auch in diesem System materiell „unten“ in der Pyramide stehen und sich nicht viel leisten, also nicht viel konsumieren können. Diejenigen dagegen, die sich gut verkaufen können, müssen um jeden Preis konsumieren, da die Haltung von Liquidität ja defacto verboten ist, zumindest bestraft wird.

          • 4fairconomy sagt:

            @ stephan, 31. August 2012 at 10:39

            Auch Ihnen danke ich für die sachliche Auseinandersetzung und überhaupt das Lesen meiner Beiträgen (deren Verständlichkeit manchmal zu wünschen übrig lässt).

            In dem Sie schreiben: „Nun kommt die andere Seite ins Spiel: Jeder Empfänger, welcher die Liquidität zugeführt bekommt weiß, dass der Sparer auf jeden Fall einen Verlust von -6 Prozent hat. Er muss ihm also nur einen geringeren Verlust bieten, um bereis attraktiver zu sein, als die Zwangsabgabe.“ haben Sie die Sache ja gut erfasst.

            Die Situation, welche Sie da oben beschreiben, ist nichts anderes als die Situation in einer rasch wachsenden Wirtschaft: Jeder weiss, dass der Sparer, welcher auf seine Liquidität sitzen bleibt, ihm Opportunitätskosten entstehen, also erhält man seine Kaufkraft geliehen, in dem man ihm ein gerade genügend hoher Zins anbietet. Und dann entsteht ein Gleichgewichtspreis zwischen den Sparer und der Geldnachfrage, welche natürlich so wenig wie möglich zahlen will. Weil die Wirtschaft wächst, ist es kein Problem, die Zinsen zu bezahlen und wenn möglich dabei selbst noch einen Gewinn zu machen.

            Die Einführung einer LA bewirkt nichts anderes, als dass die Differenz zwischen dem Preis für die Liquiditätshaltung und der Geldnachfrage bestehen bleibt. Damit kann sich ein Gleichgewichtspreis bilden auch dann, wenn konjunkturell bedingt die von Unternehmen bezahlbaren Zinsen sich um null bewegen (ggf. sogar darunter).

            Warum soll dies zu Problemen führen? Also Kapital wird dabei sicher nicht vernichtet, im Gegenteil: durch Verhinderung einer monetär bedingten Deflation wird verhindert, dass, am Ende von einer gut funktionierenden Realwirtschaft (wie heute), ein Scherbenhaufen übrig bleibt.

            Natürlich nimmt die Menge an Liquidität ab, weil ein Teil davon von der LA immer wieder abgeschöpft wird. Selbstversändlich muss dieser abgeschöpfte Anteil neu in Umlauf gebracht werden damit die Geldmenge in konstantem Verhältnis zum Sozialprodukt bleibt. Das ist ja das geringste Problem.

            Das Leistungsprinzip bleibt bestehen: die Ersparnisse gehen wie heute an die meistbietenden Unternehmer, welche entsprechend eine Leistung erbringen werden müssen, um die Kredite zurückzahlen zu können. Dies in einem konjunkturellen Umfeld, welcher der Zinslast entpsricht. D.h. die Unternehmer erhalten zwar günstige Kredite, aber sie können im Schnitt nicht mit einer Produktionssteigerung rechnen, um Gewinne zu generieren. Sie werden weiterhin gute Leistungen erbringen müssen, um am Markt bestehen zu können.

            Eigenverantwortung: erzählen Sie das den 40 Mio Amerikaner, welche auf Essensmarken angewiesen sind, auf die Mio Griechen und Spanier, welche keine Aussicht haben, mit ihrer Arbeit ein Einkommen zu verdienen u.a.

            Prinzip Eigenverantwortung ja, aber dieses versagt im grossen Rahmen, wenn die Besitzer von Kaufkraft bestimmen, der Wirtschaft den Geldhahn zuzudrehen, wenn ihnen die Gewinne, welche sie aus den Erwerbstätigen herausholen können, nicht mehr passen. In einer Deflation oder auch Hyperinflation kann das Prinzip nicht funktionieren bzw. es kommt unweigerlich zu Verarmung und Elend. Es gibt dann schlicht nicht mehr für alle genügend zu verdienen. Eine solche Situation ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, wenn Mio Menschen die Existenzgrundlage entzogen wird. Und dies sicher nicht, weil es an Geld mangelt, wie heute unschwer zu erkennen, sondern nur, weil dieses Geld nicht umläuft. Und dies, weil es sich für eine Minderheit einfach nicht rentiert, dieses Geld in der Realwirtschaft umlaufen zu lassen. Eine LA setzt genau hier an.

            Die, die die A*-Karte ziehen haben kein Vermögen, welches sie schützen könnten, sondern haben einzig ihre Arbeitserzeugnisse als Lebensgrundlage. Ihre diesbezügliche Bemerkung lässt vermuten, dass Sie sich in einer ganz anderen Liga bewegen. Dies sei Ihnen natürlich gegönnt, aber Sie können nicht von Ihrer Situation auf diejenigen schliessen, welche nichts haben und darauf angewiesen sind, mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen zu können.

            Mio Menschen sind darauf angewiesen, dass die Wirtschaft funktioniert, in dem sie mit ihrer Arbeit Güter herstellen, welche ihnen die Kaufkraft gibt, Güter zu erwerben. In diesem Kreislauf hat es aber bei einer nicht mehr wachsenden Wirtschaft kein Platz für leistungslose Kapitaleinkommen, welche nicht unmittelbar wieder zurück in den Kreislauf fliessen. Und zwar zu bezahlbaren 0% Zins im Falle einer Geldausleihe an Unternehmer. Dem Kapital zugeflossene Kaufkraft, welche nicht zurückfliesst, bedeutet ein Rückgang der insgesamt möglichen Erwerbseinkommen. Ok, der Staat kann aushelfen, später auch die Notenbanken. Aber das ist ja nicht, was wir wollen, oder?

            Es ist halt nicht immer so, dass nur diejenigen die A*-Karte ziehen, welche nicht informiert sind. Bzw. was könnte die Information der Mio verarmten Menschen in den USA, in Spanien und Griechenland helfen bzw. geholfen haben? Höchstens eine andere Regierung zu wählen, aber welche? Bieten ja alle im Grundsatz in etwa die gleiche neoliberale Politik an, mit plus oder weniger staatlichem Eingreifen bzw. Umverteilung. Dies kann es nicht sein.

            „Wer faul ist, oder kein Know-How besitzt, der wird auch in diesem System materiell “unten” in der Pyramide stehen und sich nicht viel leisten, also nicht viel konsumieren können.“ Natürlich, das sehen Sie vollkommen richtig! Eine LA ist keine Hängematte fürs Nichtstun, ist kein Kuschelsystem, welches Konsumieren ohne entsprechende Leistung ermöglicht.

            Ein LA ist aber ein Schutz für Mio Menschen, trotz Leistungsbereitschaft zu verarmen, weil sich ihre Arbeit für die Sparer nicht mehr genügend rentiert, dass es sich für sie lohnen würde, die ersparte Kaufkraft der Wirtschaft wieder zur Verfügung zu stellen.

            „Diejenigen dagegen, die sich gut verkaufen können, müssen um jeden Preis konsumieren, da die Haltung von Liquidität ja defacto verboten ist, zumindest bestraft wird.“ Also für sehr viele Menschen wird das konsumieren „müssen“, d.h. sich ein Leben in würdevollen Verhältnissen finanzieren, keine so grosse Strafe sein. Und jedem ist es freigestellt, weniger zu arbeiten, zu verdienen und zu konsumieren! Warum soll jemand mehr arbeiten, wenn er mit weniger mehr als genug verdient? Wenn alle gesättigt sind, wird die Wirtschaft einfach nicht mehr wachsen, wird nicht mehr konsumiert und produziert werden.

            Mit dem zunehmenden Wohlstand auch der weniger begüterten Schichten wird wohl auch bei ihnen das Sparbedürfnis zunehmen. Wie gesagt, Sparen ohne Verluste wird möglich sein. Ein Problem ist, wenn die 10%, welche über 60% des Volksvermögens besitzen, weiterhin immer mehr sparen wollen bzw. müssen (wohin sonst mit den Kapitalerträgen?) und nun die „unteren 90%“ ebenfalls mehr sparen wollen. Mit einer LA wird dies über den Preis gelöst. Entsprechend dem Verhältnis von Ersparnisbildung und Geldnachfrage werden die Zinsen fallen, ggf. auch unter null bei langfristigen Anlagen. Fazit: je mehr jemand sparen will bzw. muss, desto teurer wird es. Die kleinen Sparer werden relativ bevorzugt.

            Eine LA führt langfristig zu einer Erosion der Vermögenspiramide, weil die Attraktivität von immer noch grösseren Vermögen weit über jeglichem Bedarf hinaus, abnehmen wird.

            Wird soviel gespart, dass nur noch negative Zinsen auf Ersparnisse zu erzielen sind, werden auch die Reichen mehr spenden, für Kunsthandwerk, für bessere Arbeitsbedingung der Belegschaft usw. Geld ausgeben. D.h. es wird an der Spitze der Piramide zu einem Vermögensabbau kommen, dies wiederum wird die Güternachfrage stärken, zu höheren bzw. sichereren Einkommen führen und letztlich zu anfänglich bescheidenen, dann aber immer bedeutenderen Sparmöglichkeiten auch bei den unteren Schichten führen.

            Letztlich geht es in der Ökonomie um geben und nehmen. Es können nicht immer nur dieselben mehr nehmen als geben. Das kommt nicht gut. Wer bis zu seinem Lebensende viel mehr erhalten als er gegeben hat, wird verursacht haben, dass viele mehr geben mussten, als sie erhalten haben, bzw. mehr geben werden müssen, falls das Nehmen auf Kosten zukünftiger Generationen stattfand.

            Jeder sollte bis zu seinem Lebensende möglichst gut leben können und sich materiell alles leisten können, was er für sein Glück benötigt – das ist individuell mehr oder weniger. Glück ist nicht vom materiellen Wohlstand abhängig. Es soll auch niemand entscheiden, wie jemand zu leben hat. Aber es soll auch nicht möglich sein, dass jemand auf Kosten der Leistungen anderer sich materiell „ausbreitet“. Dafür muss jeder die entsprechende Leistung erbringen. Wenn jemand ein hoher materieller Wohlstand anstrebt, darf und soll er dafür auch die entsprechenden Leistungen erbringen.

            Nun stellt sich die Frage, ob jemand so viel leisten will, dass davon noch Gernerationen nach ihm fürstlich wird leben können. Im heutigen System beruhen die ganz grossen Vermögen auf die leistungslose Aneignung Leistungen anderer.

            Dies ist kein Vorwurf an die Vermögenden noch Neid, sondern an die Ökonomen, welches nicht fähig waren und sind, die Rahmenbedingungen zu erkennen, welche zu diesen Monstruositäten geführt haben, welche wir heute sehen. Dies Rahmenbedingungen sind im wesentlichen unser heutiges Geldsystem, das geltende Bodenrecht und das Patentrecht.

            Mit entsprechenden Änderungen dieser Rahmenbedingungen können die heutigen Auswüchse verhindert werden.

    • Avantgarde sagt:

      @ 4fairconomy

      Hmmm…

      Zuerst mal die Sache mit der Umlaufsicherung des Geldes.
      Diese könnte man nur dann einführen wenn man gleichzeitig massiv in die Eigentumsrechte eingriffe.
      Dafür sehe ich weder politisch noch gesellschaftlich eine Mehrheit – und global gesehen schon gar nicht.

      Also bitte nicht falsch verstehen – das System an sich könne durchaus gut funktionieren – nur sehe ich die Einführung eben nicht als sehr realistisch an.
      Nichtsdestotrotz lohnen sich die theoretischen Gedankengänge durchaus.

      Nur eine Umlaufsicherung im bestehenden Kreditgeldsystem würde eine Rohstoffblase sondergleichen auslösen.

      Bargeld einfach wertlos machen kann man in der Tat nicht – denn es ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel!

      Ein System mit einer Umlaufsicherung von Geld und einer Bodenreform könnte also „bestenfalls“ nach einem schweren Default des bisherigen Systems stattfinden.

      So einen Systemzusammenbruch sollten wir uns allerdings nicht wünschen.
      Denn was nach der Great Depression folgte wissen wir alle.
      Ich will nicht wissen was uns da heute dann blühen könnte.

      Die Zinsen mögen nominal nicht weiter als Null sinken können – real tun sie es aber.
      Und durch die floatenden Währungen kann Buchgeld ebenfalls/zusätzlich negativ verzinst werden.
      Immerhin werden die Zinsen somit eben doch auf das tatsächlich tiefere Wirtschaftliche Niveau angepasst.

      Die USA haben dazu noch ganz spezielle Hausgemachte Probeleme.

      Das eine ist die Neoliberale Politik seit Reagan.
      Nach einem kurzen Strohfeuer existiert nun ein nicht mehr reversibles Nachfragedefizit – und die Amis tun nichts um dem entgegen zu steuern.
      Man muß im Gegeteil sogar noch darauf hoffen, daß es in Form von einem Herrn Romney nicht n-o-c-h schlimmer kommt.

      Das andere ist der Dollar als Weltwährung.
      Der Dollar müsste eigentlich abwerten – kann er aber nicht weil die ganze Welt in Dollar verschuldet ist. Die Schulden, die nun auszufallen drohen, ausfallen oder zurückgezahlt werden stärken den Dollar sogar noch.
      Gleichzeitig ist der Dollar die Ölwährung.

  11. 4fairconomy sagt:

    @ Avantgarde

    Ich sehe nicht warum ein umlaufgesichertes Geld Eingriffe in die Eigentumsrechte nötig machen würde. Ausser beim Boden allerdings. Aber wie gesagt, ob mit oder ohne Einführung eines umlaufgesicherten Geldes ist Boden als Geldanlage dermassen volkswirtschaftlich schädlich, dass dies verhindert werden muss. Allerdings sehe ich da wenig Einsichten und staune, wie wenig dies thematisiert wird, obwohl nun genügend Immobilienblasen einzelne Länder wie auch die Welt am Rand eines ökonomischen Zusammnbruchs gebracht haben. Aber irgendwie scheint man nicht den Bezug machen zu wollen, zur Problematik des Bodens als Geldanlage.

    Ein umlaufgesichertes Geldsystem sollte regional als Parallelwährung eingeführt werden. Entsprechend dem Greshamschen Gesetz wird sich dieses Geld als Tauschmittel durchsetzen, zumindest regional. Und wenn nicht, dann ist das Experiment eben gescheitert.

    Mit dem Experiment von Wörgl besteht der Hinweis, wie segensreich eine auch nur lokal eingeführte umlaufgesicherte Währung sein kann. Es ist schlicht unverantwortlich, ein solches Experiment nicht zu wiederholen und statt dessen Mio Menschen in die Verarmung versinken zu lassen. Aber solches kenne ich aus der Medizin: Therapien, welche in kleinen Studien nachweislich Krebs zu 100% heilen konnten, werden totgeschwiegen, angegriffen, verfolgt usw. statt weiter erforscht zu werden. Die Parallelen zwischen Medizin und Ökonomie sind diesbezüglich eindrücklich.

    Kreditgeldsystem: deshalb sollte eine Umlaufsicherung im Rahmen eines Vollgeldsystems eingeführt werden.

    Rohstoffblase: So lange Güter (insbesondere Boden) als private Geldanlage dienen können, welche eine naturgegebene Monopolrente ermöglichen, solange wird diese Situation problematisch sein, ob mit oder ohne umlaufgesichertes Geld. Güter, für die es keine Konkurrenz geben kann, welche die Monopolrente zum verschwinden bringt, gehören im Nutzungsrecht abgegeben – unabhängig des Geldsystems.

    Mit einem umlaufgesicherten Geldsystem wird es kaum spekulative Kriegskassen geben, welche auf steigende Preise irgend eines Assets warten. Zudem wird die Geldmenge viel kleiner gehalten werden können als heute – ohne Deflationsgefahr. All dies wird dazu führen, dass Assetinflationen wie sie heute möglich sind, nicht auftreten werden.

    So ein Zusammenbruch können wir uns noch lange nicht wünschen, aber sobald ein Währungssystem eingeführt wird mit einem garantierten Mindestpreis von 0% für Liquidität, sobald sollte klar sein, dass der Zusammenbruch nach 70 bis max. 140 Jahren unausweichlich sein wird – da gibt es kein Entrinnen, so wie es kein perpetuum mobile gibt. Solange man dies leugnet, wird man wohl den Sinn eines umlaufgesicherten Geldes nicht wirklich einsehen. Was man nicht durch Einsicht lehrt, muss man halt durch Erfahrung lernen.

    Die Rechnung ist einfach: um eine Deflation verhindern zu können, muss auf die Ersparnisse im Schnitt dauerhaft ein Mindestzins von 2% garantiert werden können. Dies ist real nur bei 2% Wirtschaftswachstum bezahlbar. D.h. das Sozialprodukt muss sich mindestens alle 35 Jahren verdoppeln, schneller bei höheren Zinsen. Fazit: das System fährt garantiert gegen eine Wand. Die Wand kommt mit einer Deflation früher, mit einer Geldentwertung, staatlicher Umverteilung und Weginflationierung der Schulden und Vermögen kann es länger dauern. Umverteilung verlängert die Party, weil sonst das System an der Ungleichverteilung früher „erstickt“: immer mehr Kaufkraft akkumuliert bei den Übersättigten, während die Bedürftigen sich immer weniger leisten können.

    Real negative Zinsen lassen tatsächlich das System länger am Leben. Mit einer Inflation lässt sich das System eine Zeit lang austricksen, nicht aber auf Dauer retten. Japan ist ein Beispiel, dass es aber mit der Bildung einer (dosierten) Inflation gar nicht so einfach ist.

    Eine Liquiditätsabgabe wirkt gezielt und sofort am richtigen Ort, um eine Deflation zu verhindern. Von einer Entwertung ist nur Liquidität betroffen, insbesondere sind davon keine Nominalbeträge betroffen.

    Mit einem umlaufgesichertes Geld entsprechen die Geschäfte einem Tausch von Ware gegen Ware. Beide Waren vergammeln, wenn sie liegen bleiben.

    Sobald Geld in seiner physischen Form als Wertaufbewahrungsmittel den Waren überlegen ist, hat es die Tendenz, vom Marktgeschehen zu verschwinden, analog dem guten Geld im Greshamschen Gesetz. Es droht stets ein Geldmangel auf den Märkten. Um dies zu verhinern, muss den Geldbesitzern genügend hohe Zinsen bezahlt werden und schliesslich müssen immer mehr Staat und Notenbanken einspringen. Alles nicht nachhaltig.

    Die USA haben vor allem das Problem welches ich oben mit dem „Ersticken“ dargestellt habe: die Kaufkraft sammelt sich immer schneller bei einer Minderheit, welche schon längst keine Konsumbedürfnisse hat, während immer mehr Menschen immer mehr leisten müssen für immer weniger Kaufkraft. Sie können sich immer weniger leisten bzw. müssen immer mehr auf Pump leben. Die Staatsverschuldung ist nichts anderes als die kollektive Verschuldung als Verlängerung der privaten Verschuldung, welche diese Verschuldung niemals stemmen könnte.

    Ob Obama, Romney oder wer auch immer: ohne Reformen, welche an die Wurzel des Problems greifen, wird es eine Katastrophe geben. Allenfalls kracht es früher in China oder Europa und dann wird natürlich darin die Schuld gesehen werden für die Misere.

    Die Eliten versuchen mit fast allen Mitteln das System zu retten. Dabei sind sie sich selbst im Weg, weil sie bzw. das Geschäftsmodell, welches ihr Reichtum und ihre Macht begründet, das eigentliche Problem ist.

    Es könnte spannend werden. Mit einem Obama an die Spitze dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Krieges als letzten Ausweg einer zu Tode verletzten Wirtschaftsmacht geringer sein als mit den Reps an der Macht. Siehe Kriegs- und Machtrhetorik des Mr. Romney. Siehe Bush jr., welcher da schon mal Schritte in diese Richtung gemacht hat.

    • FDominicus sagt:

      Sie können Ihr System schön schreiben wie Sie wollen. Es ist immer mit Eingriffen gegen das Eigentum verbunden und damit ein System was auf Unrecht statt auf Recht setzt. Irgendjemand muß entscheiden was „sinnvoll“ ist und was nicht. Genau das ist das fundamentale Problem, Sie lassen die Leute nur in IHREM vorgegebenen Rahmen entscheiden.

      Das System was ich bevorzuge mit einem Geld als Wert, lässt jedem die Wahl. Konsumiere ich, investiere ich oder spare ich. Ohne Angst das man sein Geld schnell genug und „sinnvolle“ Firmen investiert.

      Mein System hindert Sie nicht daran das zu tun was Sie für richtig halten, Ihr System lässt mir die Möglichkeit einfach nicht konsumieren nicht. Ich muss ja investieren und investieren bedeutet nun einmal Resourcenverbrauch.

      Im Ende lehne ich Ihr System aber nur aus einem Grund ab. Es ist freies System sondern ein Zwangssystem und davon habe ich in meinem Leben schon mehr als genug „bekommen“

  12. 4fairconomy sagt:

    @ FDomenikus

    Zuerst einmal bedanke ich mich für die sachliche Diskussion.

    Grundsätzlich müssen sich die Menschen entscheiden, ob sie eine totale Anarchie wollen oder ob ein Minimum an Regeln, welche zwangsläufig die Freiheiten etwas einschränken, gelten sollen, damit das Zusammenleben besser wird. Ich möchte so wenig Regeln und Einschränkungen wie möglich und möglichst viel Freiheit. Das bedingt aber auch Zukunftssicherheit und Planbarkeit.

    Wenn die Sparer die Freiheit haben, Kaufkraft in beliebiger Höhe und beliebig lang der Wirtschaft vorzuenthalten, bedeutet dies, dass sie die Freiheit haben, über die Einkommen der Erwerbstätigen zu bestimmen. Zu den Erwerbstätigen zähle ich auch alle verschuldete Unternehmer, welche auf ein Einkommen angewiesen sind, um ihre Schulden begleichen zu können.

    Sollen also die Einkommen davon abhängig sein, ob es den Sparern gefällt, ihre Kaufkraft der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen oder nicht? Sollen die Erwerbstätigen nicht geschützt werden vor einer Deflation, ausgelöst durch die Zurückhaltung von Kaufkraft? Eine Deflation schädigt übrigens durch die ausgelöste Konkurswelle auch viele Sparer. Nur wenige können profitieren.

    Im heutigen System kann eine Deflation in einer ersten Phase durch Wirtschaftswachstum verhindert werden, weil dann die Sparer keine Mühe haben, ihre Kaufkraft gewinnbringend weiterzugeben. Dann bedeutet ja das Halten von Liquidität Kosten im Vergleich zu Investitionen und Obligationen. Wenn aber das Wachstum abnimmt, muss die Deflation mit Staatsausgaben auf Pump (siehe Japan u.a.) und letztlich durch Gelddrücken bekämpft werden, alles nicht nachhaltig, wie unschwer zu erkennen ist.

    Eine Liquiditätsabgabe ist wirklich nichts anderes als eine Massnahme zur Verhinderung einer Deflation unabhängig des Wirtschaftswachstum und der Staatsausgaben! Eine Liquiditätsabgabe ist nichts anderes als die Sicherstellung des spreads zwischen Geldhortung und Investition bzw. Geldausleihe, unabhängig davon, wie viel die Wirtschaft in der Lage ist, dafür an Zinsen zu zahlen. D.h. die Zinsen passen sich der Wirtschaftsleistung an und nicht umgekehrt bzw. muss die Wirtschaftsleistung nicht stets genügend hohe Zinsen ermöglichen. Dies ist übrigens auch als ein Zwang anzusehen und hat sicher nichts mit Freiheit zu tun, wenn immer mehr konsumiert und produziert werden muss.

    Es würde Ihnen wohl nicht in den Sinn kommen, für Liquiditätshaltung 5% zu verlangen, weil Sie risikofrei 5% erhalten können, wenn Sie bei guter Konjuktur das Geld investieren. Ihre Forderung ist jedoch genau dies: Sie wollen, dass die Sparer stets 0% Zins garantiert bekommen, auch wenn dies der Preis ist, den sie durch Geldausleihen bzw. investieren erhalten können. Sie wollen also, dass je nach Konjunktur der Investitionsanreiz wegfällt.

    Der Zins muss ein Gleichgewichtspreis darstellen zwischen der Menge an Ersparnisbildung und Investitionen. Wenn dieser Preis bei mind. 0% fixiert wird, ist das frühere oder spätere Scheitern einer Währung bzw. eine grössere Verwerfung unausweichlich. Fragen Sie mal die Mio arbeitslosen und einkommensarmen Menschen, was ihnen lieber wäre, eine Umlaufsicherung auf Liquidität oder ihren jetzigen Zustand – aber ohne staatliche Hilfe, da dieser ja eigentlich pleite ist.

    Aber eben, diese Frage wird den Menschen nie gestellt. Und so lange die Bedeutung dieser Frage nicht verstanden wird, so lange werden die Menschen halt erfühlen müssen, was die heutigen Zustände bedeuten.

    Ein garantierter Mindestzins von 0% auf Liquidität führt logisch zwingend zu wirtschaftlichen Verwerfungen mit viel unfreiwilligem Elend. Ob dies die „Freiheit“ der Sparer wert ist, stets 0% Zins auf Ersparnisse zu erhalten? Entspricht dies nicht einer Planwirtschaft mit fixierten Preisen? Hier zwar nur ein Preis, aber wohl der wichtigste einer Volkswirtschaft.

    • FDominicus sagt:

      Ihre Argumentation läuft m.E. in die falsche Richtung. Sie argumentieren auch mit Nachfraglücken, diese kann es nicht geben. Der Konsument/Kunde entscheidet was er will und was er sich leisten kann. Sollte es ein „Nachfragelücke“ geben, ist es IMMER falsch diese festzustellen. Kein Produzent wird auf Dauer auf Halde produzieren, somit wird sich JEDE „Lücke“ schliessen. Die Dinge werden verkauft und/oder vernichtet und der Produzent realisiert die Verluste. Nur wenn Sie annehmen es könnte Nachfragelücken geben, dann ist die simple Frage. Wie wollen Sie das beurteilen? Und selbst wenn Sie es könnten, warum sollte man den Anbietern die Verluste ersparen? Jede Subvention zeigt doch diese unglaubliche Verschwendung von Kapital.

      Und es ist auch nicht Ihr Problem wie die Leute Ihr Geld halten wollen. Es liegt an jedem selbst zu jeder Zeit zu entscheiden, was brauche/will ich jetzt und wie kann ich mir das verschaffen. Wer nur annehmen kann so etwas wäre zu steuern, ignoriert komplett die menschliche Vielfalt. Das kann NIEMALS richtig sein.

      Ihre 0 % sind kein Argument. Geld was ich nicht ausgebe und nicht investiere hat einfach seinen Wert zu halten. Es kann niemand beurteilen wieviel Geld jemand als Sicherheit gegen die Unwägbarkeiten haben will, es darf und sollte auch von niemanden verlangt werden dieses Geld anlegen zu müssen. Eine Investition ist immer mit Risiko verbunden, darum „rentiert“ sie sich ja, oder auch nicht. Gehe ich kein Risiko ein ist es völlig illegitim jemanden dafür zu bestragen indem man z.B. wie Sie es sagen „Liquidität“ abschöpft. Es ist nichts anders als ein von außen kommender Druck etwas „zu machen“ und das hat nicht mit Markt aber alles mit Kontrolle und „Überwissen“ zu tun.

      Es gibt KEIN schlagendes Argument, daß diese Enteignung rechtfertigen könnte. Das es heute so ist, ist leider und gemeinerweise die traurige Realtität. Ihr System bring da keinerlei Linderung sondern ersetzt einen Zwang nur durch einen anderen. Und das ist falsch.

  13. 4fairconomy sagt:

    @ FDomenikus, P.S.:

    Eine Liquiditätsabgabe lässt jedem frei, was er mit seiner Kaufkraft machen will. Wer gerne (scheinbar!) werthaltige Münzen horten will, soll sich ruhig Gold- und/oder Silbermünzen besorgen. Es soll auch niemand verboten werden, solche Münzen anzubieten bzw. zu erstellen. Das Edelmetallgeld könnte sogar parallel zum umlaufgesicherten Geld als gesetzlich anerkanntes Tauschmittel existieren. Es würde eh in den Tresors verschwinden. Dabei wäre es Wertschwankungen ausgesetzt, was dessen Attraktivität vermindern würde. Würde also als eine Art Not-Wertaufbewahrungsmittel funktionieren und als „goodie“ für die, die unbedingt EM bzw. ein „werthaltiges Geld“ im Tresor haben wollen. Wäre absolut in Ordnung.

    Und da gebe es noch all die anderen, nicht umlaufgesicherten Währungen, welche frei von einer LA gehortet werden können. All diese Sparformen können letztlich die Einkommen der Erwerbstätigen nicht wesentlich gefährden, denn die mit einer LA versehene Kaufkraft (= umlaufgesichertes Geld) bliebe im Umlauf.

    Der Satz „Ob dies die “Freiheit” der Sparer wert ist, stets 0% Zins auf Ersparnisse zu erhalten?“ kann zu Missverständnis führen, besser wäre: Ob dies die “Freiheit” der Sparer wert ist, stets 0% Zins auf Liquidität zu erhalten?

    Denn eine LA ist keine Abgabe auf Ersparnisse bzw. nur auf solche in Form von Liquidität. In dem Sinne ist ein garantierter Mindestzins von 0% auf Liquidität auch ein garantierter Mindestzins von 0% auf Ersparnisse. Mit einer LA werden aber nur die Liquidität und nicht die anderen Sparformen belastet. Eine LA bewirkt zwar eine Senkung der Zinsskala entsprechend der Konjunktur, aber Ersparnisse zu 0%, also kaufkrafterhaltend werden möglich bleiben.

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