Euro-Absturz und Goldpreis

14. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Seit Jahresanfang ist der Goldpreis in Euro gerechnet um 12 Prozent gestiegen. Gold ist eine „Schutzimpfung“ gegen den Wertverfall des Euro. Von April 2008 bis heute ist der Außenwert des Euro gegenüber dem US- Dollar um etwa 24 Prozent gefallen. Die Einheitswährung hat jedoch nicht nur gegenüber der Weltleitwährung deutlich an Wert verloren…

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Der Euro hat auch merklich gegenüber allen anderen Handelspartnerwährungen an Wert verloren: Seit Anfang 2008 bis heute betrug die Euro-Abwertung hier etwa 18 Prozent. Der Verfall des Euro-Außenwertes lässt sich durch eine Reihe von Gründen erklären.

(1) Das Vertrauen in die Erholung der US-Wirtschaft hat zugenommen. Anleger interessieren sich wieder verstärkt für Anlagen im US-Dollar-Raum.

(2) Die US-Zentralbank stellt Zinserhöhungen in Aussicht. Angesichts einer lang anhaltenden Niedrig- oder gar Negativzinsphase im Euroraum erhöht vor allem das die Nachfrage nach US-Dollar.

(3) Die Europäische Zentralbank (EZB) ist auf eine „QE“-Politik eingestiegen. Sie wird die Euro-Basisgeldmenge drastisch erhöhen, und allein das wird (weil das QE großvolumig ausfallen wird) den Euro-Außenwert unter Druck setzen.

(4) Die EZB wird vermutlich viele Euro-Zinssätze extrem herabdrücken, viele davon in den Negativbereich. Das wird vor allem institutionelle Anleger aus dem Euro vertreiben und in andere Währungen wechseln lassen.

Wirkung der QE-Politik für den Euro-Außenwert

Mit Beginn März 2015 kauft die EZB monatlich Wertpapiere in Höhe von 60 Mrd. Euro. Insgesamt soll dadurch die Euro-Basisgeldmenge um 1,14 Billionen Euro ausgeweitet werden. Welche Wirkungen davon kurzfristig auf den Außenwert des Euro daraus resultieren, lässt sich nicht verlässlich abschätzen. Es könnte sein, dass die Umsetzung der QE-Politik die Sorgen vor einem Auseinanderbrechen des Euroraums vertreibt – und das würde den Außenwert des Euro begünstigen. Denkbar ist aberauch, dass das Ausweiten der Euro-Basisgeldmenge Fantasien weckt, dass es nachfolgend zu steigenden Preisen auf den Euro-Aktien- und -häusermärkten kommt. Dies wiederum könnte die Euro-Nachfrage des Auslandes erhöhen und Aufwertungsdruck auf die Einheitswährung ausüben.

Nimmt man hingegen eine längerfristige Perspektive ein, gibt es über die Wirkung der QE-Politik auf den EURUSD keine Zweifel: Der Euro-Außenwert wird nachgeben. Der Grund: Die EZB beginnt ihre QE-Politik in einem Umfeld, in dem die Renditen vieler Schuldpapiere bereits auf sehr niedrige Niveaus gefallen sind. Durch die Wertpapierkäufe der EZB werden die Renditen nun noch weiter fallen – und vielfach sogar negativ werden. Das wird so manche Sparer und Investoren aus dem Euro vertreiben, und zu Kapitalflucht führen. Die Nachfrage nach Auslandswährungen (wie vor allem US-Dollar) steigt relativ zur Nachfrage nach Euro – und das übt Abwertungsdruck auf den Außenwert der Einheitswährung aus.

Abwertungsstrudel

Doch nicht nur der Euro befindet sich auf Abwertungskurs gegenüber dem US- Dollar. Auch viele andere Währungen – wie Japanischer Yen, Britisches Pfund und Chinesischer Renminbi – geben gegenüber dem Greenback nach. Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass eine ganze Reihe von Währungen unter Misstrauen leidet, und Sparer und Investoren sich aus diesem Grunde wieder verstärkt dem US-Dollar zuwenden.

Der Euro könnte dabei unter besonders starken Abwärtsdruck geraten. Normalerweise steigen die Zinsen in dem Währungsraum, aus dem das Kapital flieht, und das dämpft die Abwertung der heimischen Währung gegenüber der Währung, in die das Kapital drängt. Steigende heimische Zinsen wirken der Kapitalflucht entgegen und mildern den Abwertungsdruck auf den Außenwert der heimischen Währung. Wenn jedoch ein Zinsanstieg durch die EZB verhindert wird, entlädt sich die Kapitalflucht im Verfall des Wechselkurses.

Mit Blick auf eine andauernde extreme Tiefzinspolitik im Euroraum steht die Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro, die bereits gegen Ende 2012 eingesetzt hat, vermutlich erst noch am Anfang.



Auswirkung auf den Goldpreis

Viele Sparer und Investoren erblicken im Greenback einen „sicheren Hafen“, der US-Dollar wertet auf. Die Rückbesinnung auf den US-Dollar kommt nicht von ungefähr. Seit den frühen 1970er Jahren hat sich weltweit ein US-Dollar-Standard herausgebildet. Der Dollar ist die unangefochtene Weltreservewährung. Im Grunde sind die meisten Währungen der Welt auf dem US-Dollar aufgebaut, ihr Wohl oder Wehe hängt in letzter Konsequenz an der Entwicklung der US-Währung. Aktuell zeigen Anleger wieder hohes Vertrauen in den US-Dollar. Das schmälert ihre Nachfrage nach Gold zu Absicherungs- beziehungsweise Versicherungszwecken – und dämpft den Goldpreis, in US-Dollar gerechnet. Der Goldpreis wird natürlich auch dadurch gedämpft, dass der Boom auf den Rohstoffmärkten – der in den letzten Jahren auch den Goldpreis erfasst hatte – bis auf weiteres zum Erliegen gekommen ist.

polleit-2015-03-13-2Die Zentralbanken haben zudem durch ihre Zinsmarktmanipulationen und das Ausweiten der Basisgeldmengen die Kreditausfallsorgen vertrieben. Gleichzeitig zeigen sich bislang noch keine Inflationssorgen der Anleger. Auch das vermindert die Goldnachfrage zu Versicherungs- und Absicherungszwecken.

polleit-2015-03-13-3Das alles mag erklären, warum der Goldpreis in US-Dollar gerechnet seit Ende 2012 gefallen ist. Dass der Goldpreis jedoch in anderen ungedeckten Papiergeldwährungen gerechnet (vor allem jüngst) wieder gestiegen ist, deutet vor allem auf eines hin: Weltweit verlassen sich Sparer und Investoren nicht nur auf den US-Dollar, sondern auch auf das Gold. Das Gold, nicht der US-Dollar, ist das ultimative Zahlungsmittel. Seit Jahresanfang ist der Goldpreis in Euro gerechnet um 12 Prozent gestiegen. Für Euro-Sparer ist Gold eine „Schutzimpfung“ gegen den Wertverfall des Euro.

Überdosis Euro

Die EZB-Geldpolitik droht, einen echten Vertrauensverlust in den Euro auszulösen, der, wenn er sich einstellt, sich kaum mehr rückgängig machen lässt.

Die Europäische Zentralbank macht ernst. Sie kauft jetzt Anleihen in Höhe von 60 Mrd. Euro pro Monat. Die Käufe bezahlt sie mit neuen, „aus dem Nichts“ geschaffenen Euro. Dadurch sollen – zunächst einmal – bis Herbst 2016 1,14 Billionen (in Zahlen: 1.140.000.000.000) Euro geschaffen werden. Die EZB wird durch ihre Käufe die Anleihekurse in die Höhe treiben und deren Renditen absenken. Sie will die Anleihen selbst dann noch kaufen, wenn ihre Verzinsung bis auf den Einlagenzins, der aktuell –0,2 Prozent beträgt, gefallen ist. Dadurch macht sie nicht nur Verluste – die natürlich, wie alle „Rettungsmaßnahmen“, von den Steuerbürgern zu tragen sind.

Sie zwingt damit auch viele Euro-Anleiherenditen, über alle Laufzeiten hinweg, auf oder sogar unter die Nulllinie. Kapitalfehllenkungen und Spekulationsblasen auf den Vermögensmärkten, die ohnehin schon auflaufen, werden dadurch verschlimmert. Das Anleihe-Aufkaufprogramm („QE“) führt vor allem zu einer „monetären Überdosis“. In einer ersten Stufe kommt es vermutlich zunächst zu einer Vermögenspreisinflation. In einer zweiten Stufe werden auch die Lebenshaltungskosten ansteigen, und zwar stärker, als es die EZB-Politiker in Aussicht stellen. Warum, so sollte an dieser Stelle gefragt werden, soll die QE-Politik überhaupt verfolgt werden?

Die aktuell sinkenden Lebenshaltungskosten signalisieren keine Deflation. Die Konsumgüterpreise sinken, weil der Ölpreis stark verfallen ist. Der Effekt ist vorübergehend, nicht dauerhaft. Die Faktoren, die langfristig die Inflation bestimmen, deuten auf künftige Preissteigerungen: Die Bankkredite im Euroraum (adjustiert) wachsen längst schon wieder. Im Januar 2015 stiegen sie um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Geldmengen steigen bereits merklich: Im Januar wuchs die Geldmenge M3 um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Geldmenge M1 sogar um 9 Prozent. Hinter der QE-Politik der EZB steckt Kalkül: Man weiß, dass der Euroraum nur zusammengehalten werden kann, wenn der Euro inflationiert wird und die Schulden von Staaten und Banken entwertet werden. Dafür sorgt die EZB.

Ultratiefe Euro-Zinsen und die Aussicht auf eine Aushöhlung der Kaufkraft des Euro werden den Außenwert der Einheitswährung – insbesondere gegenüber dem US-Dollar – weiter abwerten lassen. Zum Schaden der Bürger im Euroraum. Denn was immer auch quacksalberische Ökonomen der Öffentlichkeit an konjunkturbeflügelnden Wirkungen versprechen: Eine Politik der Währungsabwertung – hinter der sich nichts anderes verbirgt als die Zerrüttung des Währungswertes – macht die Volkswirtschaft nicht reicher, sondern lässt sie verarmen.

Und wer meint, die Kräfte, die die EZB-Geldpolitik heraufbeschwört, seien beherrschbar, der wird vermutlich sehr bald eines besseren belehrt werden: Die EZB-Geldpolitik hat das Zeug dazu, einen kaum mehr einzufangenden Vertrauensverlust in den Euro auszulösen, der zu einer großangelegten Kapitalflucht und zu einem „Crash“ der Einheitswährung führen kann. Schwindet das Vertrauen in den Euro, kann die EZB kaum mehr mit Zinssteigerungen dagegenhalten – denn dann würde der Euro-Schuldenturm kollabieren.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH




 

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2 Kommentare auf "Euro-Absturz und Goldpreis"

  1. FDominicus sagt:

    Ich habe schon folgende Wett angeboten. Im September 2016 wird das „Aufkaufprogrammm“ korrekterweise die Finanzierung von Staaten ausgeweitet. Ob es eine Verdoppelung wird, wie ich mir das dachte, kann ich nicht wirklich sagen. Aber eines ist sicher diese QE war mit Sicherheit nicht das Letzte.

    Solange noch geglaubt wird, die Zahlungsmitteln seien Geld, kann es nur ein Rennen in den Abgrund werden. Mal liegt der USD vorne und so wie es aussieht wird es im Augenblick der EUR.

  2. moneydak sagt:

    Ich denke die wahre Absicht der EZB ist es noch mehr Schulden zu generieren um dann im richtigen Moment die Zinsschraube richtig anzuziehen damit das Chaos perfekt ist. Dann kann die NWO locker durch gesetzt werden. Das gleiche gilt in den USA für die FED. Die Zeit wird es weisen.

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