Euphorie an der Börse und Panik bei der FED

2. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Claus Vogt

Nichts befeuert die Phantasie der Börsianer stärker als steigende Kurse. Je länger die Aktienpreise steigen, desto zuversichtlicher werden die Anleger, dass der Aufwärtstrend anhalten wird. Je teurer, desto besser, scheint die Devise zu lauten…

und überaus teuer sind Aktien bei einem KGV des Weltleitindex S&P 500 von 19,3 Punkten und einem Shiller-KGV von 24,6 Punkten ja längst…

Aber Banalitäten wie die fundamentale Bewertung, Risikokennzahlen oder schwache Wirtschaftsdaten können euphorisierte Börsianer natürlich nicht beeindrucken. Sie sind in Feierlaune und der festen Überzeugung, dass diese Party niemals enden wird.

Und warum auch nicht? Wer sagt denn, dass jede Party enden muss? Vielleicht hat ja tatsächlich eine neue Menschheitsepoche begonnen. Eine paradiesische Epoche, in der Wohlstand nicht mehr durch harte Arbeit entsteht, sondern durch die magischen Kräfte eines ehemaligen Princeton University-Professors, der die Kunst des Gelddruckens auf eine völlig neue Ebene gehoben hat.

Immerhin gab es schon Zeiten, in denen Menschen noch sehr viel absurdere Dinge zu glauben bereit waren: Dass die Erde eine Scheibe sei zum Beispiel. Oder ein Kaiser ein Gott. Oder die Deutsche Telekom ein dynamisches Wachstumsunternehmen. Und heißt es denn nicht, der Glaube könne Berge versetzen?

Sentimentindikatoren zeigen extrem einseitiges Bild

Wie auch immer dem sei, Tatsache ist, dass die Börsianer zurzeit so bullish sind wie selten zuvor. Beispielsweise befindet sich die Cash-Quote der US-Aktienfonds mit 3,7% in der Nähe historischer Tiefs. Und in den vergangenen drei Wochen erlebten diese Fonds Mittelzuflüsse von 41 Mrd. Dollar. Das ist der höchste Wert der vergangenen 10 Jahre. Die Bull/Bear-Ratio der Rydex-Fondsfamilie zeigt, dass für jeden Dollar, der hier auf fallende Kurse gesetzt wird, Wetten in Höhe von 5 Dollar auf steigende Preise abgeschlossen werden. Die niedrigen Put-Call-Ratios bestätigen dieses Bild.

Der folgende Chart zeigt Ihnen den Kursverlauf des S&P 500 seit 2007 sowie die Investors Intelligence Bull/Bear-Ratio, ein Sentimentindikator, der auf einer Auswertung der unabhängigen US-Börsenbriefe basiert. Dieser Indikator hat einen Extremwert von 3,19 Punkten erreicht. Wie selten und wann genau das in der Vergangenheit der Fall war, sehen Sie auf dem Chart.

S&P 500 und Bull/Bear-Ratio, 2007 bis 2013

cv-01-11-2013

Die Stimmung ist so bullish wie am Top des Jahres 2007. Quelle: www. decisionpoint.com

Spekulieren auf Kredit wie nie zuvor

Abschließend zum Thema Sentimentindikatoren möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die US-Wertpapierkredite lenken. Diese wichtige Kennzahl hat im September ein Allzeithoch von 401 Mrd. Dollar erreicht. Der Höchstwert des Jahres 2000 belief sich auf 278 Mrd. Dollar und fiel mit dem Höhepunkt der damaligen spektakulären Aktienblase zusammen… (Seite 2)

 

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