EU-Enteignung? Wir verfressen unserer Oma ihr klein Häuschen?

13. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sie haben Guthaben? Also Vorsicht vor künftig größeren Begehrlichkeiten. Nach diversen IWF-Papieren und ähnlichen Äußerungen über eine Wegnahme gibt es Gerüchte, wonach nun unsere EU-Oberen einen groß angelegten Enteignungs-Coup planen. Das berichtet Reuters, ohne das Papier zu zeigen. Was ist dran an den Gerüchten?

Wir wissen es nicht, sind aber schon länger auf der Hut. Und wir gehen davon aus, dass Reuters diese Meldung nicht einfach so erfunden hat. Das wäre nämlich peinlich. Wobei…

Es ist das alte Spiel. Die einen haben Schulden. Die anderen haben Guthaben. So funktioniert unser Geld. Wir wissen auch, dass diejenigen an der Macht  immer Geld brauchen können – wessen auch immer. Mit Durchgriffsrechten und guten Argumenten ausgestattet, könnten sie unter Jubel der mittellosen Masse der Guthaben habhaft werden. Doch das ist Quatsch, solange die Variante der Freiwilligkeit angeboten wird. Einfach so wegnehmen, wäre etwas plump. Dafür gäbe es elegantere Wege, wenn man diese gehen würde. Was halten Sie davon?

Wie wäre es, künftig auch Guthaben der EU-Bürger als Sicherheit für neue „Investitionskredite“zu hinterlegen? Damit könnte die Wirtschaft angekurbelt werden. Und wenn es schief geht? Aufgrund der Unfehlbarkeit von Politikern ist das ausgeschlossen wie das Kinderkriegen für den Papst. Sonst hätte man nämlich Pech, wenn jemand mit Ansprüchen daher käme.

Oder anders ausgedrückt:

Die Sparguthaben könnten künftig als Sicherheit für neue Kredite genutzt werden, heißt es. Das wäre so, als nähme ich einen Kredit auf und der Nachbar stellt, ohne dass er es will, die Sicherheit. Unsinn! Zunächst gilt es, die Spargelder in diese Form der Investitionsmöglichkeit zu bringen. Freiwillig mit einem lauten Hurra!

Erfunden haben die Verbriefung übrigens die Amerikaner. Von Freunden lernen, hieße auch hier siegen lernen. Aber darum geht es noch nicht. Es geht vielmehr darum, Sparguthaben umzuleiten. Wo liegen diese Spargelder? Unter anderem bei den Versicherungen.

Dennoch: Wenn man vorgibt, etwas wäre für (fast) alle hilfreich, werden wohl (fast) alle zustimmen. Und demokratisch legitimiert soll es auch noch sein, wenn „Ersparnisse der EU-Bürger „mobilisiert werden“. Wie auch immer. Dabei passen demokratisch und EU zusammen wie Skilanglauf in der Sahara. Niemand hat sie gewählt, die Karlspreis-Träger, aber wem fällt das schon auf? Der Mehrheit ohne Guthaben? Nicht doch!

Man könnte es freiwillige Enteignung nennen, aber es heißt Investitionsfonds. Hey, das Enteignungs-Thema ist wieder da! Ich hatte es schon vermisst. Und es wird so hoch gekocht, weil es sich gut klickt. Es geht um einen Fonds, der gespeist werden soll mit Spargeldern – abseits der Banken. Die protestieren schon mal. Versicherungen sitzen auf Milliardenbeträgen und fragen sich – wohin damit…


Die Meldung von Reuters hätte an den Märkten für Unruhe sorgen können. Tat es aber nicht. Vielleicht fließen deshalb mehr Gelder aus den Guthaben an die Börse? Oder in den Konsum? Vielleicht. Auch wenn die Aktienmärkte, Gold und Silber heute teurer wurden, nein, es ist so unglaublich, was da Reuters gemeldet haben soll. Deshalb wird es auch nicht gehandelt. Dabei könnte man künftig schon vom Unglaublichem ausgehen, wenn die Kommissare aus Brüssel ihre Hände mit ihren guten Absichten im Spiel haben.

Die Kommission will bis Jahresende die Einführung eines „europäischen Sparkontos“ prüfen. Das dort angelegte Geld könnte dann zur Finanzierung mittelständischer Firmen genutzt werden.

Ich habe die Nachrichten verfolgt. In den Hauptnachrichtensendungen war nichts von allem zu hören, dass das EU-Politbüro mal wieder eine Idee hatte. Das kommt dort öfters vor. Die meisten werden hierzulande ohnehin vom Problem der zu vielen Guthaben kaum betroffen sein.

Vielleicht war die Reuters-Meldung auch nur ein Weckruf für diejenigen mit großen Guthaben? Wir wissen es nicht, erinnern uns aber daran, als schon im Herbst 2012 Zypern in Verruf kam. Ein paar Monate später wurde auf die Konten zugegriffen. Das große Geld wähnte sich längst in Sicherheit. Zudem konnten zypriotische Gelder noch im Ausland noch abgezogen werden – wie in London geschehen.

Wer die Warnung als Warnung gehört hatte, der hat sie verstanden und entsprechend gehandelt.

Es klingt absurd, dass eine Enteignungswelle unterwegs sein soll. Und wenn sie dennoch kommen sollte, dann umso besser. Dann wird es die mittellosen Bürger freuen, wenn die Reichen ent-reichert werden. Zum anderen bekäme doch jeder Dank des neuen Investitionsfonds seinen eigenen Flughafen in jeder Stadt – und seine eigene Brücke. Wer träumt nicht davon

Sobald aber die EU-Oberen wirklich Kredite mit der Sicherheit ihrer Bürger verkaufen, dann werden sie bald mehr Kredite benötigen. Besser ist künftig, überhaupt keine offiziellen Guthaben zu haben. Und wenn, dann außerhalb dieses irren Finanzsystems und deren Bewacher.


 

9 Kommentare auf "EU-Enteignung? Wir verfressen unserer Oma ihr klein Häuschen?"

  1. quicksilver sagt:

    Offensichtlich ist die Masse eingeschlafen, Interessiert Keinen mehr, was so geliefert wird an Wirtschaftsdaten…
    – gefakte Wirschaftsdaten aus China
    – Meldungen(IWF , EU etc) über Vermögensabgaben
    – Auftragsrückgänge bei Maschinenbauern

    Spielt alles keine Rolle am Aktienmarkt oder etwa doch??
    Handelt es sich um eine Beschleunigung im Endstadium bei der Flucht in Sachwerte?

    • crunchy sagt:

      Ja, aber in die Falschen. Leute kaufen, was gerade gut läuft, nicht das, was in den Keller gefallen ist. The trend is your friend! Aber der wechselt gerade hin zu den Edelmetallen.
      Gold hat heute, erstmalig in seiner Konsolidierung, ja so nennt man die Bereinigung der vorangeganenen Übertreibung bei 1.9oo Dollar, die 200-Tage-Linie geküßt, der Nachzügler Silber seinen Widerstand. Wer jetzt noch Aktien kauft, ist selber schuld.

      • Frank Meyer sagt:

        Ich wäre bei Gold und Silber (noch) nicht so optimistisch 🙂

        • FDominicus sagt:

          Ich bin hier auf der Seite von Herrn Meyer. Die Aktienkurse sind schon seit ein paar Tagen wieder ziemlich nach oben geschossen, wird sind noch (was Börsenkurse) angeht weit von Kolumbien oder Venezuela entfernt. Dort ging es letztes Jahr um 500 % in Landeswährung hoch. Ich weiß nicht ob es einen solchen Ausbruch vor dem Zusammenbruch wirklich geben muß. Meines Erachtens bewegen wir uns seit 5 Jahren schon in einem absurden Aufwärtsstrudel, nur bisher wurde jeder „Verlust“ durch Gewinne auf dem Papier ausgeglichen.

          Was natürlich nichts daran ändert, daß man als „normaler“ Mensch Gold haben „muss“. Fiat-Geld Einheiten von einem Konto einzuziehen, fällt Staaten sehr leicht, physisch an alles Gold heran zu kommen erfordert schon noch etwas „mehr Aufwand“.

          Ich weiß noch nicht einmal ob jetzt schon eine gute Zeit wäre Aktien wirklich zu verkaufen oder weiter drin zu bleiben. Niemand weiß wie weit es noch nach oben gehen kann und genauso wenig weiß man wo sich der Boden befinden wird. Liegt ein „fairer“ Preis bei 1000 im Dax oder bei 20 000 ? Im Augenblick scheint mir gewinnt noch der Glaube an die „Wunder der Zentralbanken“.

        • Michael sagt:

          Wir sind noch weit entfernt von Entwarnung. Bleibt die Frage was macht der Dollar und wie steht der EURO…

  2. Lickneeson sagt:

    Gold sieht im Wochenchart doch recht konstruktiv aus. Allerdings ist die Woche noch nicht zu ende. Ein Schlusskurs über 1300/1305 sollte weiter Käufer bis 1400 anlocken.Da ungefähr wartet der Abwärtstrend. Positionen würde ich bei 1235 absichern. Positiv dazu zeigt sich auch USD/Yen. Schlusskurse über 102,80 sind zu vermeiden, Platz wäre erstmal bis 100.Zudem winkt ein Fall aus dem Aufwärtstrend, der wohl auch fallende Aktienbörsen, insbesondere den Nikkei mit sich bringen sollte.

    MfG

  3. Skyjumper sagt:

    Wer sollte denn bitteschön aufwachen?

    Wie bereits von Herrn Meyer gut erläutert gibt es eine grosse Menge an Menschen die glauben nicht über Guthaben zu verfügen und daher nicht betroffen zu sein. Diesen Kreis interessiert es entweder nicht oder sie begrüssen die Entwicklung.

    Beim Rest, also denen mit Guthaben, hat sich doch schon vor Jahren eine Teilung vollzogen. 20 % sind informiert und glauben daran das alles in Ordnung ist. Die sind also wach, aber glauben richtig positioniert zu sein. Weitere 20 % sind informiert und glauben daran das nichts in Ordnung ist. Die werden bereits in den vergangenen Jahren ihre Weichen entsprechend gestellt haben und glauben gleichfalls richtig positioniert zu sein. Die verbleibenden 60 % werden nie aufwachen, denn sie wollen sich nicht damit auseinandersetzen.

    Ich erwarte daher bis auf weiteres keine dramatischen Bürgerreaktionen.
    Und Gold/Silber? Nun. Die Edelmetalle sind nicht in einem einzigen Rutsch in den Keller gefallen, und sie werden auch nicht in einem einzigen Rutsch wieder auferstehen. Auf dem Weg nach oben gibt es für die Professionals noch viel zu gewinnen. Natürlich auf Kosten der Normalos.

  4. Michael sagt:

    Gestern dazu in Euronews. 5 Mio Arbeitsplätze über die Entwicklung Apps. Die Idee mit den Konten ist mit Vorsicht zu genießen …

    Eines sollte jedoch zu denken geben. Können die Banken nicht verleihen, da die sog. Kapitalvorschriften ihnen die Kreditvergabe verwehren, dann wird das traditionelle Bankensystem gewürgt. Keiner will mehr in Europa investieren respektive junge Unternehme, denn Private Equity hat schon lange umgestellt auf kaufen von fertigen Unternehmen mit Produkt und Kundenstock. Oder die Kreditvergabe ist zu unsicher, dann ist der Ofen sowieso aus. Es geht ums letzte Gefecht.

  5. Argonautiker sagt:

    Ich würde sagen, der Keks ist schon lange gegessen. Mit dem ersten Crash 2008 war es eigentlich allen Maßgeblichen Leuten klar, das der Zinsfluss zur Neige geht. Das Betreiben des Systems fängt an mehr zu Kosten als abzuwerfen. Ein Zinssystem fließt immer am Anfang und am Ende langsam. Sitzt man an der Mündung des Zinsflusses, muss man nicht sehr schlau sein, um zu merken wenn es weniger wird. Ein Auf und Ab, von Gewinn und Verlust gibt es NUR für die, die später eingestiegen sind, für die Urheber des Systems, ist das anders.

    Die Geldquelle läuft langsam an, fließt dann ihrem Höhepunkt zu, bis es diesen irgendwann unweigerlich überschreitet, und das Betreiben des Systems eben mehr Kostet, als es einbringt. Zeit es neu zu starten. Seit 2008, sitzt meines Erachtens nur noch ein Strohmann auf einer toten Börse und reitet sie, während man sich im Hintergrund aus der Börse verabschiedet, um in wichtige Sachwerte wie Energie, Land, Wasser, Edelmetalle, Rohstoffe, etc zu wechseln.

    So ein Wechsel braucht Zeit. Zeit die man ob der brisanten Lage eigentlich nicht hat. Außerdem benötigt man frisches Geld, denn wenn die Systemrelevanten Betreiber ihre Investments im großen Maße abzuziehen würden um in Sachwerte zu gehen, würde das auffallen und einen Banken-Run hervorrufen. Man braucht also Zeit, unbegrenzte Geldmittel, und viele Strohmänner, die im Auftrag kaufen.

    Erstes und Zweites erschafft der ESM wie von Zauberhand. Das gegenseitige Bürgen für die Schulden der Anderen verschafft einem die Zeit, dass das System nicht vorzeitig und ungeplant kollabiert, und das Recht zur unbegrenzten Geldschöpfung erschaffen einem die unbegrenzten Geldmittel, um einerseits in die Sachwerte zu gehen, ohne sein Geld aus der Börse abziehen zu müssen. Zum Anderen kann man damit, mittels einer Herzlungenmaschine die tote Börse künstlich am Leben erhalten.

    Und da es nie geplant war, dieses Finanzsystem weiter zu halten, braucht man sich um Inflation und ähnliche Dinge, die durch das übermäßige Gelddrucken entstehen auch keine wirklichen Gedanken machen. Die alten Währungen werden irgendwann sowieso, außer dem, was ihr Heizwert hergibt, nichts mehr wert sein.

    Ist diese Umschichtung von Börse zu Realwerten vollzogen wird man es kollabieren lassen. Man ist dann wieder im Besitz aller Werte, die man im neu entstehenden Finanzsystem in jede auch nur erdenkliche neue Währung beleihen kann, um so wieder Kredite gegen Zinsen vergeben zu können, die einem weiterhin ein nahezu leistungsloses Einkommen sichern. Jetzt hat man allerdings ausnahmsweise einmal viel zu tun.

    Eventuell ist ein Krieg notwendig, denn dieser sichert einem, dass das neue System schnell anläuft, denn eigentlich begänne der Zinsfluss eines neuen Systems eher träge. Durch einen Krieg kann man ihn jedoch künstlich anschieben. Denn nie muss mehr investiert werden, als in der intensiven Zeit des Krieges. Exzessives Zerstören kostet, und das Aufbauen ebenfalls. Und die Verlierer sind im allgemeinen durch die zu leistenden Reparationszahlungen über die Ohren verschuldet, und damit sehr Kreditanfällig.

    Zudem kann man im Krieg herrlich alle hinterlassenen Spuren verwischen. Ist er vorbei, will niemand ernstlich wissen, wie es hat bloß dazu kommen können, man will einfach nur raus aus den Trümmern.

    Sich jetzt also Gedanken um die Börse zu machen ist ungefähr so sinnvoll wie sich um ein totes Pferd zu kümmern. Man scheint sich hier zwar darüber bewusst zu sein, dass so genanntes Fiat-Money Unfug ist, aber irgendwie scheint man immer noch Hoffnung zu hegen, das tote Pferd würde wieder auferstehen. Tut es nicht. Tot ist Tot, auch wenn eine Herzlungenmaschine und eine Blutinfusion nach der Anderen etwas anderes simuliert. Man muss nicht sehr clever sein um zu verstehen, dass ein Zinssystem IMMER ein Ende hat. ES IST DA.

    Gruß aus Bremen

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