EU – ein Dach ohne Haus

18. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Ein Haus, dessen Dach von einem Sturm abgedeckt wurde, kann ganz schön ungemütlich sein. In einem solchen Fall stehen die Bewohner, wollen sie nicht im Regen sitzen bleiben, vor einer wichtigen Entscheidung…

Entweder das alte Haus aufgeben und anderswo ein neues Dach suchen, oder schnellstmöglich dafür sorgen, dass das Haus neu – und vor allem besser eingedeckt wird. Mieter werden vermutlich eher dazu neigen, auszuziehen, Eigentümer werden eher versuchen, die Reparatur in Angriff zu nehmen. Diese Gedanken sind trivial und brauchen nicht weiter verfolgt zu werden. Sehr viel interessanter ist die Frage, was mit einem Dach geschieht, dem das zugehörige Haus abhanden gekommen ist.

In Brüssel berät das Dach gerade über seine Zukunft.

Die EU, als Dachorganisation der in Europa ansässigen Wirtschaft, sieht sich vollkommen überrascht mit der Tatsache konfrontiert, dass die Nationalstaaten immer noch weit mehr sind als nur statische Elemente, die – nahezu unkenntlich in den Bau integriert – die Last des Daches bereitwillig tragen. Die Nationalstaaten leben – und sie bewegen sich. Einige dieser Pfeiler der EU geben nach, weil sie den auf ihnen lastenden Druck nicht mehr aufnehmen und in die Fundamente ableiten können.

Von der Kathedrale von Saint Pierre in Beauvais ist überliefert, dass es nach Fertigstellung des ersten Bauabschnittes immerhin neun Jahre dauerte, bis die fehlerhafte Statik sich rächte und das Bauwerk im Jahr 1284 n.Chr. zum Einsturz brachte. Knapp dreihundert Jahre später, am Himmelfahrtstag 1573, kam eine neue Katastrophe über das inzwischen wieder aufgebaute und vollendete Bauwerk. Diesmal war es der kühne Turm, den die Statiker mit mehr Euphorie als Rechenkunst rund 150 Meter hoch in den Himmel hatten wachsen lassen. Er brach in sich zusammen und verwüstete dabei auch weite Teile des eigentlichen Kirchenbaus. Einige andere Pfeiler erkennen, was über ihnen noch alles aufgetürmt werden soll und weichen vorsorglich zurück, aus begründeter Sorge, sonst selbst zermalmt zu werden.

Auch hierzu gibt es technische Vorbilder in Form sogenannter „Sollbruchstellen“, die im Überlastfall gezielt versagen um einen Schaden am Gesamtsystem zu vermeiden oder möglichst gering zu halten. Dazu gehören z.B. die Schmelzssicherungen in elektrischen Stromkreisen, mit denen ein Überhitzen der Leitungen und das daraus unter Umständen folgende Abbrennen des gesamten Hauses verhindert wird. Übrigens… Manche Katzen tragen auch Halsbänder mit Sollbruchstellen, damit die Katze sich nicht erdrosselt, wenn sie mit dem Halsband irgendwo hängen bleibt.

Nicht vergessen werden dürfen jene Pfeiler, die nur dekorativen Zwecken dienen, ohne wirklich Lasten aufzunehmen. Zum Teil haben sie ein nützliches Innenleben: Ver- und Entsorgungsleitungen, zum Beispiel, oder andere Elemente der technischen Infrastruktur, die sich hinter dem dünnen Verblendwerk verstecken, das äußerlich vom echten Pfeiler nicht zu unterscheiden ist. Zum Teil handelt es sich aber auch um dekorative „Vollpfosten“, die der Architekt als Schnäppchen billig einkaufen konnte, in der Annahme, irgendwie würden sie sich schon in den Bau integrieren lassen.

Versucht man nun die architektonischen Analogien mit konkreten Ländern in Verbindung zu bringen, dann schlage ich folgende Einteilung vor:

Zu jenen Ländern, die – wie bei der Kathedrale von Beauvais – schon zusammengebrochen sind oder jeden Augenblick zerbersten werden, gehören zwei Gründungsmitglieder der EU, nämlich Griechenland, das schon am Boden liegt, und Belgien, das – außerhalb der Schlagzeilen des Boulevards – gelähmt von unversöhnlichen politischen Zwistigkeiten bis hin zur Unregierbarkeit mit starker wirtschaftlicher Schieflage zu kämpfen hat, was unter anderem in den folgenden – sehr höflich formulierten – Empfehlungen des Europäischen Rates an Belgien zum Ausdruck kommt:

1. eine Haushaltskorrektur von mindestens 0,6 % des BIP in Richtung auf das mittelfristige Ziel für 2015 und 2016 vornimmt; unerwartete Mehreinnahmen nutzt, um die öffentliche Schuldenquote auf einen angemessenen Abwärtspfad zu bringen; die Altersversorgungsreform mittels einer Verknüpfung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ergänzt; sich auf eine durchsetzbare Streuung der haushaltspolitischen Ziele auf allen Regierungsebenen einigt;
(Anmerkung EWK: Das heißt im Klartext: Ausgabenkürzung und Rentenkürzung)

2. eine umfassende Steuerreform annimmt und umsetzt, mit der die Steuerbemessungsgrundlage ausgeweitet, die Steuerlast vom Faktor Arbeit auf andere Grundlagen verlagert und ineffiziente Steueraufwendungen beseitigt werden;
(Anmerkung EWK: Das heißt im Klartext: stärkere Besteuerung des Konsums, Entlastung der Einkommen)

3. die Funktionsweise des Arbeitsmarktes verbessert, indem finanzielle Anreize zum Fernbleiben vom Arbeitsmarkt vermindert, der Zugang zum Arbeitsmarkt für bestimmte Gruppen verbessert und Qualifikationsdefizite und Schieflagen angegangen werden;
(Anmerkung EWK: Das heißt im Klartext: Kürzungen beim Arbeitslosengeld, Niedriglohnsektor schaffen, Fordern und Fordern)

4. die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellt, indem in Abstimmung mit den Sozialpartnern und im Einklang mit nationalen Gepflogenheiten sichergestellt wird, dass die Entwicklung der Löhne und Gehälter der Produktivitätsentwicklung folgt.
(Anmerkung EWK: Das heißt im Klartext: Lohnkürzungen auf breiter Front, vorläufig keine Lohnerhöhungen)

Außerdem gehören zu den Kandidaten für den baldigen Zusammenbruch m.E. Portugal, Spanien, Bulgarien und Rumänien. Länder mit Sollbruchstellen und bereit zum Ausscheren sind derzeit erkennbar Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Slowakei, die Tschechische Republik und Ungarn.

Als Dekorationselemente mit Innenleben würde ich vor allem das Vereinigte Königreich bezeichnen, das sich noch nie wirklich als der EU voll zugehörig betrachtet hat, den Euro verweigerte, sich immer Sonderregelungen ausbedungen hat und wohl in besonderer Weise bereit ist, sich für die Durchsetzung US-amerikanischer Interessen in der EU stark zu machen.

In gänzlich anderer Hinsicht trifft dies auch für Luxemburg zu, jenem Zwergstaat, der sich insbesondere der globalen (Finanz-) Wirtschaft verbunden fühlt und sich für deren Interessen immer wieder stark macht. So ist gerade auch Jeaun Claude Juncker einer der glühendsten Verfechter der Freihandelabkommen mit den USA, obwohl sein Zwergstaat davon kaum profitieren könnte.

Auf Halde eingekaufte Dekorationselemente sehe ich in Estland, Litauen, Lettland und der Slowakei, aber auch in Kroatien, Malta und Zypern. Bleiben als bisher nicht zugeordnete Staaten noch übrig: Dänemark, Deutschland, Finnland, Irland, Niederlande und Schweden. Wer davon wird sich wie verhalten, wenn es morgen um die Verteilung der Flüchtlinge auf die europäischen Staaten und damit um eine Vorentscheidung für den Fortbestand der EU geht?

Finnland hat gerade erst Massenabschiebungen angekündigt. 20.000 Flüchtlinge sollen des Landes verwiesen werden. Nur 12.000 Asylbewerber sollen bleiben dürfen. Hier ist nicht mit einer Zustimmung zu einer höheren Quote zu rechnen.

Schweden war unter den Skandinaviern der Vorreiter. Nach einer Phase der intensiven Willkommenskultur beschloss Schweden noch vor Finnland, die Hälfte seiner 160.000 Asylbewerber abzuschieben. Auch hier ist keine große neue Aufnahmebereitschaft zu erwarten.

Irland hat schon länger eine Sonderregelung mit der EU ausgehandelt. Die Iren müssen keine Flüchtlinge aufnehmen, wenn sie das nicht wollen. Welchen Grund sollten die Iren haben, sich von dieser Position wieder zurückzuziehen? Keinen.

Dänemark hat gerade die Verschärfung seiner Asylgesetze beschlossen und die Sozialhilfe für Flüchtlinge halbiert, um sie abzuschrecken. Damit ist sichergestellt, dass – bei weiterhin offenen Grenzen – kein Flüchtling in Dänemark bleiben wird, solange Deutschland seine Grenzen offen hält. Dies, obwohl Dänemark, wie Irland, mit einer Sonderregelung gesegnet ist, die Hamlets Nachfolgern Freiwilligkeit bei der Aufnahme zusichert.

Niederlande – In Holland ist die Stimmung der Bevölkerung unübersehbar gegen weitere Zuwanderung. Bürgerwehren formieren sich gegen Flüchtlinge, Unterkünfte gibt es faktisch nicht, der Plan, Flüchtlinge von den griechischen Inseln aus mit Fähren direkt wieder in die Türkei zurück zu expedieren stammt von der niederländischen Regierung.

Deutschland

Es wurde oft erklärt, Deutschland sei der Zahlmeister der EU, Deutschland sei jener Atlas, auf dem ganze Last dieses Daches lastet, während ebenso oft – und sonderbarerweise von den gleichen Meinungsführern, je nach Bedarf, erklärt wurde, Deutschland sei der Hauptnutznießer dieser Konstruktion und strotze nur deshalb vor Kraft, weil ihm das gemeinsame Dach erst die volle Entfaltung seiner Leistungskraft ermögliche.

Bei Licht betrachtet, stellt sich heraus, dass Deutschland nicht der Atlas ist, auf dem die EU noch ruht, während ringsum alle wichtigen Stützen und Pfeiler wanken und zerbrechen. Das Gegenteil ist der Fall. Deutschland klammert sich mit seinem ganzen Gewicht an das Dach, an den Europäischen Rat, an die Kommission, an die Vertragswerke.

Der Sturm, der über die EU hinwegfegt, weil Deutschland sich selbst zu seinem Zentrum gemacht hat, als sei unser Staat ein meteorologisches Tief, hat gezeigt, dass dieses Dach von den Pfeilern zwar getragen wurde, solange die Sonne schien oder warmer Geldregen fiel, dass dieses überdimensionierte Dach, mit seiner aberwitzigen Spannweite aber in keiner Weise an diesen Pfeilern auch so verankert war, dass es einem Sturm standhalten konnte. Es lag nur lose auf.

Nun fliegt das Dach davon. Deutschlands Regierung klammert sich daran fest wie weiland der fliegende Robert (Struwwelpeter) an seinen Schirm – und wird, wie dieser steuerlos davongetragen.

Deutschland, so betrachtet die Rest- und Kern-EU, hinterlässt einen Scherbenhaufen im ehemals so einig erscheinenden Europa. Wenn Angela Merkel heute in Brüssel noch einmal Zustimmung ernten sollte, was ich durchaus für möglich halte, weil die Gemeinschaft auch bisher durch teure Zusagen immer wieder noch einmal an den gemeinsamen Trog getrieben werden konnte, dann wird auch dieses „Einvernehmen“ nicht von langer Dauer sein.

27 von 28 Staaten haben mit der Planung und/oder dem Bau eigener Außenmauern bereits begonnen. Wenn die Mauern erst stehen, kommt der Zimmermann mit 27 Dachstühlen – und kurz darauf der Dachdecker.

Das hat Juncker klar erkannt, als er (sinngemäß) sagte, wenn Schengen fällt, fällt auch die EU. Doch dass das gemeinsame Dach schon abgehoben hat, dass die Mauern innerhalb der EU nicht etwa gegen eine funktionierende EU wachsen, sondern errichtet werden, weil das gemeinsame Dach un-er-träglich geworden ist und nur die Rückbesinnung auf die nationale Eigenverantwortung noch Sicherheit verheißt, das hat Juncker nicht gesagt. Wissen wird er es schon.

Ja, was macht nun also das Dach ohne Haus?

Die dauerhafte Überlebensfähigkeit von Organisationen, deren Daseinszweck entfallen ist, ist von der Qualität einer Naturkonstante. Kommission und Europäischer Rat, der Europäische Gerichtshof und die Europäische Zentralbank, die Rettungsfonds ESM und ESFS werden nicht kollabieren, wenn ihre Geschäftsgrundlage entfallen ist, sie werden so tun als sei nichts geschehen und sich neue Verträge, neue Regelungen, neue Verordnungen und Ausnahmeregelungen ausdenken, die dann eben so gestrickt sind, dass die 28 Mitglieder auf irgendeine Weise zustimmen, und sei es, indem man einzelnen Sonderrechte zugesteht.

Die Situation der EU wird damit noch komplexer, die Beratungen werden noch aufwändiger, die Ergebnisse noch sonderbarer, doch diese EU, diese Dachorganisation der in Europa ansässigen Wirtschaft, wird sich dieses Instrument nicht aus der Hand nehmen lassen. Auch mit einem verbogenen Löffel lässt sich noch gut Suppe essen, man muss ihn nur an der richtigen Stelle packen.

Merkel, die schon gestern, am Mittwoch vor der Sitzung, aufgegeben hat, Quoten zu fordern, ist sozusagen das Meneterkel für die künftige Arbeit der europäischen Institutionen. Es geht nicht um die Sache, es geht um Vorteile, und wenn die nicht zu haben sind, um den Machterhalt, um das Überleben.

Einen Schritt vor, und wenn es keinen Aufstand gibt, machen wir den nächsten. So Juncker, vor geraumer Zeit, über die Funktionsweise der EU. Inzwischen haben sich die Aufstände von den Oppositionellen der einzelnen Staaten direkt in das Herz des Europäischen Rates verlagert. Die Regierungschefs der Mitgliedsländer sind heillos zerstritten. Von der Bereitschaft, nach Kompromissen zu suchen oder sich einer Mehrheitsentscheidung zu beugen, ist nichts mehr zu erkennen. Ein Einlenken, um der gemeinsamen Sache willen, ist nicht mehr zu erwarten.

Die Zuwanderungsproblematik ist die erste Herausforderung, der sich die EU stellen muss, die weder mit Geld oder Gelddruckerei zu bewältigen ist, noch mit eisernem Zusammenhalten der Anführer gegen die berechtigten Wünsche und/oder die berechtigte Kritik der Bevölkerung.

Die EU hat diese Bewährungsprobe nicht bestanden. Es gibt hinter der dünnen Fassade von Lippenbekenntnissen keine gemeinsamen Werte. Es gibt nur gemeinsame (Profit-) Interessen, bei deren Realisierung jeder nach seinen Kräften und Möglichkeiten und soweit es dem eigenen Vorteil dient mittun will. Es gibt vielleicht auch gemeinsame Ängste, die man gemeinsam mit geheimdienstlicher, polizeilicher und militärischer Zusammenarbeit zu unterdrücken versucht. Doch die EU ist deswegen noch lange kein einheitliches Ganzes. Die EU ist kein Staat und schon gar keine Nation, sie entspricht noch nicht einmal der Vorstellung die man von der erfolgreichen Mannschaft eines Sportvereins hat, sie gleicht heute mehr einer zerstrittenen Erbengemeinschaft am Tag nach der Beerdigung.

Es handelt sich um das gemeinsame Erbe von rund 750 Millionen Europäern, innerhalb und außerhalb der EU, das in Jahrhunderten gewachsen ist. Immer wieder waren es kleine und große Kriege, in denen die Völker gegeneinander antreten mussten, um den Machtgelüsten ihrer Anführer zu dienen, die das Gemeinschaftsgefühl der Europäer untergraben haben und nationalistische Identitäten in den Vordergrund rückten.

Heute, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist es bizarrerweise nicht der Krieg gegeneinander, der die nationalen Ideen neu beflügelt, sondern die unerträgliche Form jener gleichmacherischen Gemeinschaft, die selbst keine Lösungen hervorbringt, aber nationale Alleingänge aus Prinzipienreiterei verpönt und damit die Selbstverständlichkeit des Handelns eines souveränen Staates als vertragswidrig kriminalisiert.

Könnte in Europa Wohlstand herrschen, wenn es die EU nicht gäbe?

Fragen, die kaum zu beantworten sind, weil wir nur dieses eine Europa haben, und kein zweites daneben, in welchem man parallele Entwicklungen ablaufen lassen könnte.

Es scheint mir aber zulässig, zu behaupten, dass Frieden und Wohlstand in Europa nicht von der EU abhängen, dass es eine ganze Reihe von Konflikten und schwerwiegenden Problemen ohne die EU nicht gäbe, und dass in allen Stadien der Entwicklung, hin zu dieser EU, das größere Maß der Souveränität der europäischen Schaden keines der Probleme hervorgebracht hat, wie sie in der EU heutigen Zuschnitts zutage treten.

Es gilt den Rückbau der EU in Angriff zu nehmen. Vorsichtig, wohlüberlegt und Schritt für Schritt. Das Dach fliegt nicht davon, es hängt gewohnheitsmäßig und der eigenen Trägheit gehorchend freischwebend noch über uns.

So verrückt es klingt, die Trägheit und das Beharrungsvermögen der EU verschaffen uns die Zeit für eine vernünftige Neuorganisation. Diese Neuorganisation wird nicht von Brüssel ausgehen können. Nicht vom Rat, nicht von der Kommission und schon gar nicht vom so genannten „Parlament“. Sie muss von den Bürgern, von den oppositionellen Parteien und Bündnissen ausgehen, die sich überall in Europa mit ähnlichen Zielsetzungen entwickeln.

Wieviel Zeit dafür bleibt, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass das freischwebende Dach dem Gesetz der Schwerkraft eines Tages nicht mehr entkommen kann. Je weiter es bis dahin zurückgebaut ist, desto geringer der Schaden.
Egon Wolfgang Kreutzer – Homepage

 

6 Kommentare auf "EU – ein Dach ohne Haus"

  1. Insasse sagt:

    In jedem Punkt eine absolut zutreffende Analyse! Persönlich bin ich nicht der Ansicht, dass die Zeit für einen geordneten Rückbau bleibt. Ohnehin wüsste ich nicht, wie das bei all der Uneinigkeit noch funktionieren soll. Ich sage dazu immer: Das wird noch „eine ganz lustige Veranstaltung“…

    • Avantgarde sagt:

      Wir alle sollten hoffen und vielleicht beten, daß der Rückbau langsam, kontrolliert und in kleinen Schritten erfolgt.
      Jede Ruckartige Bewegung kann zu einem ganz fürchterlichen Desaster führen.
      Ich erinnere nur mal an die Target2-Salden
      https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html

      Besser wäre es freilich die EU sinnvoll umzubauen – aber mir fehlt dazu inzwischen auch der Glaube.

      • Insasse sagt:

        Das Problem liegt in der Frage begründet, WER die EU kontrolliert zurückbauen soll. Die Leute, die den ganzen Schlamassel eingerührt haben, sind es ganz sicher nicht. Wie jedermann sehen kann, machen die alles noch schlimmer. Wer also soll das sein?

        Schaut man mal in den Rückspiegel der Geschichte, findet man auch nicht wirklich viele Beispiele dafür, dass undemokratische und / oder diktatorische Systeme „kontrolliert“ zurückgebaut wurden. Eine Ausnahme war der Untergang des Ostblocks, der quasi friedlich, aber auch nicht eben kontrolliert vonstatten ging.

        Dieses Mal gibt es allerdings kein (noch laufendes) System, dass das fallende, bankrotte System auffangen kann. So unschön es auch sein mag: Das Desaster lässt sich kaum noch vermeiden und hat zudem bereits seinen Anfang genommen. Ob Hoffen und Beten da noch hilft? Schaun mer mal…

        • Avantgarde sagt:

          Mag sein, daß es tatsächlich in einem großen Schlamassel endet.
          Aber wir sollten es uns nicht herbeiwünschen – wirklich nicht.

          Vielleicht beginnen die anderen europäischen Staaten sich 2017 auch endlich mal gegen D und Merkel zu wehren
          https://www.youtube.com/watch?v=Vzck93VSOWw
          Dann müsste man die Konstruktion Europas notgedrungen doch noch mal überdenken.
          Und wer weiß: Möglicherweise entdeckt man dann auch wieder das Europa der Vaterländer.

  2. Lickneeson sagt:

    Die EU – ein Walldorfkindergarten mit absurdem Regelwerk!

    Ähnlich dem Euro ist auch die politische Union eine Fehlkonstruktion. Übereilt installiert und (fast) nur auf wirtschaftliche Interessen gebaut. Lassen wir die Schmankerl für den Pöbel mal beiseite (kein Exchange mehr und offene Grenzen nebst freier Arbeitsplatzwahl).

    Ohne fiskalische Union und gleichem juristischen Unterbau ein sinnloses Unterfangen, das die Einzelstaaten stets trennt. Das wissen im Übrigen auch die Flüchtlinge zu schätzen – die wollen alle zu uns. Sicher nicht aus Symphatie. Insofern ist die dänische finanzielle Kürzung ein Augenöffner. Auch erinnere ich mich, das nur 3 Wochen nach europaweiter Ächtung des ungarischen Präsidenten die ersten Zweifel aufzogen, ob er die Situation vielleicht doch nicht ganz falsch analysiert hatte.

    Der polnische Aussenminister hat treffend gesagt, das es von Frau Merkel zwar ein starkes Signal war, die Grenzen zu öffnen, aber ein Falsches. Und zwar weil es eine Alleinentscheidung über alle Eu – Staaten war. Absolut inakzeptabel. Man stelle es sich einfach andersherum vor. Und hinterher beschweren wir uns, das die “ Anderen“ da nicht mitmachen.

    Und wenn man sich das “ Wünsch Dir Was“ der Briten anschaut ,nebst Ultimatum, Brexitdrohung etc. dann darf man sich fragen, ob die EU jemals etwas anderes war als eine Interessenvertretung der Wirtschaft. In die gleiche Richtung geht übrigens TTIP.

    Also, vielleicht sollten alle mal gemeinsam an einem Fundament arbeiten als über gewagte Dachkonstruktionen nachzudenken. Mehr Realitätssinn statt Konsenssosse.

    MfG

  3. Argonautiker sagt:

    Ein schönes Gleichnis vom Autoren des Artikels, allerdings merkt man daß er vom Häuslebauen eher theoretisch etwas versteht, denn auf wirklicher Erfahrung gegründet ist. Leider läuft es dadurch darauf hinaus, daß Herr Kreutzer meint diese Situation durch Stellschräubchendreherei richten zu können.

    Um bei dem hübschen Bild zu bleiben, ist es alles andere als nur das Dach Europas und dessen fehlendes Haus, was das Übel Hervorgerufen hat. Es liegt vielmehr schon am Fundament, und weitergehend sogar an denen welche das Fundament erzeugt haben.

    Leider wurde das Fundament Europas durch dieselben Anwälte gelegt, welche schon die Interessen der IG Farben bei den Nazis vertreten hatten, um nicht zu sagen, welche dem Nationalsozialismus erst zu seiner Größe verhalfen, indem die IG Farben den Wirtschaftmotor des 3. Reiches stellten.

    Einer von ihnen, Walter Hallstein, ist dann zum Gründer der EWG, dem Vorläufer der EU geworden. Natürlich weitgehend unerkannt, denn das Kartell IG-Farben, hatte sich nach dem Krieg wieder zu ihren einzelnen Firmen auseinander dividiert. Um nur Einige zu nennen, sind Bayer, Hoechst, und Basf aus den IG Farben hervorgegangen.

    Wen wundert es also, daß Helmut Kohl, als DER Mann, der das Konstrukt Europa maßgeblich mitbestimmte, ein Zögling der Basf war. Wen wundert es weiter, wenn Europa dessen Grundstein durch Walter Hallstein, einem Nazi Anwalt gelegt wurde, nichts anderes, als eine Fortsetzung eines Nazi/Großkonzern Kartells ist, sodaß durch das Konstrukt EU, auch nie andere, als wirtschaftliche Interessen vertreten wurden.

    Wenn Herr Kreutzer also meint, daß man die EU mit ein paar Stellschräubchen zu einem Land umbauen könnte, in dem Menschen lebenswert leben können, dann liegt er mit seiner Einschätzung meines Erachtens sehr daneben. Hervorgerufen durch Konzerninteressen ist es nichts anderes als ein Konzerndiktat.

    Meines Erachtens liegt man hingegen in der Annahme treffender, wenn man den Vorgang, den man hier im Konstrukt Europa Blüten treiben sieht, sogar noch wesentlich weiter zurückverfolgt, sodaß man die komplette Industrialisierung als nichts anderes ansehen kann, als den Versuch, jeglich Gewachsenes durch etwas gehorsam Konstruiertes zu ersetzen.

    Dieser Weg wird unweigerlich dahin führen, daß das Leben zum Sklaven des Maschinellen werden wird. Und da sind die, die man jetzt als die Betreiber dieses Systems bezeichnet, nicht ausgenommen. Denn auch jemand, der an der Spitze solch eines Systems steht, wird unweigerlich zu seinem Diener, denn wenn er der Funktion nicht nachkommt, die vom System erforderlich ist, wird er immer einen kompletten Zusammenbruch riskieren. Werter Herr Kreuzer, also Stellschräubchendrehen à la Punkt 1 bis wieviel auch immer, wird da nicht herausführen können.

    Der Mensch wird nicht umhin kommen, als sich aus sich selbst zu orientieren, und diesen Weg zu gehen. Ein von Menschen gemachter Erlösungsplan, dem dann alle Menschen folgen, kann niemals Zielführend sein, weil alles was wächst, sich auch nach den Gesetzen des Wachsenden zu richten hat. Das schließt ein Folgen nach einem externen Plan aus.

    Jeder Mensch muß wieder Anteil an der Gestaltung der Welt haben, dann wird sie wieder zu einer Welt der Lebenden. Alles Folgen nach einem von oben erlassenen großen Plan, führt final in ein Zuchthaus, in dem das Leben nach dem Plan einiger Weniger gezogen wird. Man kann Europa nicht konstruieren, sondern man wird nicht umhinkommen, es wachsen zu lassen. Läßt man es nicht aus allen Menschen erwachsen, kann es zu nichts Anderem, als einem identitätslosem Regelwerk werden.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.