Etikettenschwindel der EZB…

23. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Historisch“ ist der einzig passende Begriff, mit dem sich die Ereignisse dieser Woche beschreiben lassen. Ganz besonders gilt das für die zu erwartenden Folgen…

Rückblende, Sommer 2012: „Solange ich am Leben bin, wird es keine Euro-Bonds als gemeinschaftliche Haftung für Schulden der Euro-Länder geben“. Der markige Satz stammt von Angela Merkel und sorgte seinerzeit für einige Unruhe im medialen Blätterwald. Wie konnte die Kanzlerin der wichtigsten Volkswirtschaft Europas es bloß wagen, eine gemeinschaftliche Haftung innerhalb der Europäischen Union (EU) derart kategorisch auszuschließen? Das fragten sich seinerzeit viele Kommentatoren. Denn Eurobonds schienen vor dem Hintergrund der Lage in vielen EU-Ländern schon damals unausweichlich…

Nun wird genau das passieren, was die deutsche Bundeskanzlerin noch vor zweieinhalb Jahren mit größter Vehemenz ausgeschlossen hatte – und niemand scheint sich noch an die Worte von Angela Merkel zu erinnern. Warum auch. Schließlich hat die Europäische Zentralbank das Kind sehr geschickt umgetauft:

Statt von Eurobonds ist lediglich von „Quantitative Easing“ (QE) die Rede. In den USA und Japan wird diese Form der Geldvernichtung ja bereits seit längerer Zeit „erfolgreich“ praktiziert. Vielleicht ist das der Grund, warum man jetzt auch in Europa hiervon spricht – und eben nicht von Eurobonds.

Der Einzige, der diesen Etikettenschwindel durchschaut hat, scheint der Volkswirtschaftsprofessor Bernd Lucke zu sein. Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD) sagte in dieser Woche, dass durch QE die gefürchteten Eurobonds durch die Hintertür eingeführt werden.

Genau so ist es, denn nach den EZB-Beschlüssen von dieser Woche wird zumindest ein Teil der aufgekauften Staatsschulden zu Lasten der europäischen Steuerzahler vergemeinschaftet werden.

Man muss sich noch nicht einmal wundern, dass zumindest diese Konsequenz der großen EZB-Party vergleichsweise wenig Beachtung findet. Das dürfte teilweise an der ausufernden Berichterstattung zu den Pegida-Demonstrationen liegen, die derzeit den Blick auf das Wesentliche vernebeln (sollen?).

Ein anderer Grund dürfte in der weit verbreiteten Unkenntnis über die Folgen der jüngsten Notenbank-Beschlüsse zu suchen sein. Ein Kollege schrieb in dieser Woche im Brustton der Überzeugung, QE sei doch gar kein Problem. Der Staat müsse sich eben mal wieder auf Kosten der Steuerzahler entschulden. Anschließend käme wieder eine ungedeckte Papierwährung und das Spiel gehe von vorne los. Also alles in bester Ordnung.

Wer die aktuellen Entwicklungen derart verniedlicht, dar hat entweder noch keine Währungsreform mitgemacht oder er hat von der Geldgeschichte der vergangenen 5.000 Jahre keine blasse Ahnung. Oder beides.

Schlimm genug, dass so genannte Finanzexperten jetzt solche Dinge von sich geben. Wie mag es da erst dem Mann auf der Straße gehen, der sich jetzt von Pegida- oder einer der zahlreichen Gegendemonstrationen vereinnahmen lässt, und dabei gar nicht bemerkt, wie unsere Politiker unsere Zukunft verspielen?

In Wahrheit bedeutet „Währungsreform“ – denn nur darum geht es am Ende historisch betrachtet immer, wenn sich der Staat über die Druckerpresse so wie jetzt via QE entschuldet – dass die kleinen Leute ihre Lebensersparnisse verlieren. Was daran harmlos oder „in bester Ordnung“ sein soll, erschließt sich uns nicht.

Überhaupt nicht nachvollziehbar ist auch das Argument, das viele Geld der EZB werde jetzt Aktienkurse und andere Assetpreise steigen lassen und so für einen allgemeinen Wohlstandszuwachs sorgen, der wiederum die Wirtschaft ankurbeln werde. Nach dieser Logik müssten Argentinien und Simbabwe die wohlhabendsten Länder der Welt sein, denn nirgendwo sonst wurde in der jüngeren Vergangenheit die Geldvermehrung derart vehement auf die Spitze getrieben.

Zum Beschluss der Europäischen Notenbank selbst lässt sich folgendes festhalten:

Erstens scheint die Begründung für QE nur vorgeschoben, denn von der vielfach beschworenen Deflation ist derzeit überhaupt nichts zu sehen. In Wahrheit sprechen die jüngst veröffentlichten Inflationsraten für sehr moderate Preissteigerungen im Euroraum. Man könnte sogar von Geldwertstabilität sprechen.

Zweitens übertritt die EZB mit dem Schritt vom Donnerstag ganz eindeutig ihr Mandat: Der Auftrag der Währungshüter lautet Preisstabilität. Aus allem anderen hat sie sich herauszuhalten, insbesondere aus der Wirtschafts- und der Finanzpolitik.

Die zu erwartenden Folgen der EZB-Bazooka lassen sich recht anschaulich mit folgendem Bild beschreiben:

Wenn die europäischen Konjunkturpferde wegen der rekordtiefen Zinsen seit Jahren schon bis zum Hals im Wasser stehen und trotzdem nicht saufen, was wird dann passieren, wenn die EZB nun im ganz großen Stil Anleihen kauft und die Pferde damit bis zu den Ohren unter Wasser drückt? Werden sie dann saufen?

Die Annahme ist doch einigermaßen verwegen. Viel eher ist zu befürchten, um im Bild zu bleiben, dass die Pferde – und damit wir alle – am Ende absaufen werden.

© Andreas Hoose  – www.antizyklischer-börsenbfrief.de



 

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9 Kommentare auf "Etikettenschwindel der EZB…"

  1. Argonautiker sagt:

    „wenn sich der Staat über die Druckerpresse so wie jetzt via QE entschuldet“

    Entschuldet sich der Staat wirklich damit, oder verschuldet er sich damit nicht eher bei denen, die das Geld aus dem Nichts generieren? Und liefert er sich dabei nicht denen aus, bei denen er sich dadurch verschuldet, und muß folglich das tun, was diese von ihm wollen?

    Und was wollen DIE?

    Man will TTIP und Konsorten einführen, und uns am besten in einen Krieg gegen Rußland hetzen. Wäre für DIE ja auch schön, wenn hier alles kaputt ginge, und dann gleich Gesetze bereit stünden, die DEREN Maßstäbe hier einführen, um dann alles nach IHREM gut Dünken wieder aufzubauen. Gemeinsame Währungsreform natürlich eingeschlossen.

    Eine Frage wäre also, sind die Unsrigen wirklich so blöd, oder arbeiten sie bewußt für die Andere Seite? Wäre doch mal was Neues, nicht ein einzelner Spion in den Reihen der Regierung, der für die Anderen arbeitet, sondern, bis auf wenige Ausnahmen, eine komplette Regierung unter Untreue Verdacht gegenüber ihres Volkes.

    Auweia.

    Schönen Gruß aus Bremen

  2. bluestar sagt:

    Lieber Frank Meyer,

    ich find Sie sollten das coole Interview, was Julia Jentsch mit Ihnen zu diesem Thema geführt hat hier einstellen. Ich habe es gesehen und muss sagen: Große Klasse !!!

    VG aus Sachsen

  3. FDominicus sagt:

    Ich stoße mich etwas an historisch. Denn für das was die Zentralbanken machen gibt es durchaus Beispiele. Es ist ja nicht so daß die FED, EZB oder BOJ den Ankauf von Anleihen „angefangen“ hätte. Monetarisierung der Staatschulden war doch immer der Beginn vom Untergang. Und der Untergang wurde umso schlimmer je länger die Finanzierung des Staates durch die Zentralbank anhielt.

  4. paulipanter sagt:

    „Rückblende, Sommer 2012: “Solange ich am Leben bin, wird es keine Euro-Bonds als gemeinschaftliche Haftung für Schulden der Euro-Länder geben“.

    Huch! Lebt Angela Merkel nicht mehr?

    Lese gern Ihre super Kommentare! Herzlichen Dank! Bin ein großer Fan der bissigen und manchmal auch erschreckend traurigen wahren Beiträge.

  5. Argonautiker sagt:

    Achtung Satire!

    Kommt ein Verschuldeter zur Bank:

    „…, ich find das echt scheiße, daß du es benutzt, daß ich bei dir verschuldet bin,…, aber hast du vielleicht noch mal ’n Euro?“

    Wie jetzt, ich hab doch gesagt, daß es Satire ist. 😉

  6. Czako-Pap sagt:

    Frank Meyer: „Ich bin Zeitzeuge inmitten einer Zeitenwende“ https://www.youtube.com/watch?v=4Aun0LgoNUQ

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