Esst Äpfel! Sonst kommen die Russen!

10. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es ist ein schlimmes Jahr! Zeit, dass es endet. Doch zuvor muss noch die Apfelernte unter Dach und Fach. Die Götter meinen es diesmal besonders böse mit uns. Sie bestrafen Deutschland mit einer Apfelschwemme. Was nun? 
Die botanische Bezeichnung für Apfel heißt: „Malus“. Das ist bezeichnenderweise auch das Gegenteil von „Bonus“. Schon daran erkennt man den Zynismus der Götter.

Mit dem Apfel schicken sie den fünften apokalyptischen Reiter ins Rennen. Bevor wir alle sterben, werden wir uns aber nochmal richtig an Äpfeln satt essen können. Außerdem weiß Wikipedia noch zu berichten, dass es sich bei den Trägern und Produzenten dieser Früchte um „laubwerfende Bäume“ handelt. Das ist Unsinn, denn in diesem Jahr werfen die Bäume nur Äpfel und gar kein Laub. Für Blätter war gar kein Platz mehr am Baum.

Wie Sie sicherlich wissen, gilt „Malus domestica“ hierzulande als der „Kultur-Apfel“, wobei „domestica“ stark an Domestos bzw. an einen Rohrreiniger erinnert. Die Ähnlichkeiten sind frappierend und beängstigend bezüglich Geschmack und Wirkung.

Diese uns heimsuchende Apfel-Plage ist nicht nur hausgemacht, sondern durch das Apfel-Importverbot eines russischen Präsidenten erst ausgelöst worden. Zudem wachsen in diesem Jahr besonders viele Äpfel an den Bäumen. Daran kann wie so oft nur Putin Schuld sein. Wilden Gerüchten zufolge haben im Frühjahr geheime russische Bestäubungsdrohnen mit jeder Apfelblüte mehrfach kopuliert. Diese Schlagzeile fehlt übrigens der BILD noch.

Wie dem auch sei, der deutsche Agrarminister, der sich sonst auf Messen den Bauch vollschlägt, ist längst informiert und versuchte neulich die Lage mit einem „One Apple a day, keeps the Putin away“, zu eskalieren. Die Sache ging nach hinten los, denn die Leute aus dem Land der Dichter und Denker sind in die falschen Apple-Stores gelaufen. Hätte er in die Kameras gebrüllt: „Esst Äpfel, sonst kommen die Russen!“ wäre das verständlicher gewesen. So aber nervt man mich jetzt ständig mit so seltsamen Fragen nach der „Apfel-Taste“ auf dem Mac.

Bald werden schon die ersten 30 Millionen Euro aus der Kasse der EU-Kommission eine Werbekampagne anschieben, um die Geschmacksknospen der Deutschen auf Äpfel umzuprogrammieren. Man hätte das Geld auch einfach wegwerfen können. Oder einige der vielen maroden Brücken sanieren können. Hier geht es aber um höhere Ziele. Zudem verschenkt die EU an die Apfelbauern in einer Aktion „Besonders weiche Birne“ lächerliche 180 Millionen Euro als Kompensation für ihre Exportverluste. Allein schon der Gedanke daran bewirkt beim Autor dieser Zeilen einen Würgereiz… gemeint ist natürlich der Gedanke an irgendwelche Äpfel. Doch das ist erst der Anfang…

Gute Europäer

Was macht heute eigentlich einen guten Europäer aus? Ganz einfach! Er verdrückt täglich seine von oben befohlenen fünf Kilogramm dieser Früchte und spült diese mit literweise Apfelkorn hinunter. Sollte es dadurch überraschenderweise zu Verstopfungen kommen, so hat sich Apfelmus als zuverlässiges Abführmittel bewährt – vor allem, wenn die Äpfel etwas zu früh geerntet wurden.

Dazu gibt es Apfeltaschen, Apfelkuchen, Apfelbrot, Apfel-Burger mit Mayonäpfel oder Ketchapf und als Nachtisch Mouse à Apfelat oder Apfel-Eis als Durchfall-Beschleuniger. Wie wäre es mal mit einer Ice-Apfelsaft-Dusche zur Erfrischung zwischendurch? Ich sehe schon, wie sich unser geliebter Landwirtschaftsminister Christian Schmidt nen Kübel Granny Schmith (!) durchs schüttere Haar schüttet.

In der ARD ging neulich Frank Plassberg mit einem Apfelkorb auf anwesende Zuschauer los. Habe ich mir sagen lassen. Ich schaue sowas nicht. Aber sehr originell! Das könnte Schule machen. Vermutlich steht auch er mitten im Kampf gegen Putin. Bald schon werden die Europa-Kochbücher auf die Verwendung von Äpfeln umgeschrieben. Aus Krapfen werden Krapfel, aus Karpfen Kapfel, Brötchen mit echten Apfelkernen sind ohnehin der Renner. Apfel-Bowle liegt voll im Trend! Mit den verbliebenen Apfelkernen werden im Winter die Straßen und Plätze ökologisch und politisch korrekt gestreut. Aufgrund der zu erwartenden Gas-Engpässe im Winter werden Biogasanlagen auf Äpfel umgestellt. Die Autoindustrie verkauft nur noch Fahrzeuge mit einer Apfel-Ablage neben dem Apfelsaft-Halter.

Jeder Beitrag zur Bekämpfung der Apfel-Plage ist willkommen. Oder wollen Sie etwa Krieg? Na sehen Sie! Gerüchten zufolge arbeitet auch die Waffenschmiede Rheinmetall an einer panzerbrechenden Apfelkanone. Biologisch abbaubare Munition mit durchschlagender Wirkung!

Mich erinnert das etwas an die alte DDR. Dort kam es häufiger zu Energieengpässen. Es gab zu wenig Öl und zu viel Braunkohle. Kurzerhand wurde alles, aber wirklich alles, auf heimische Braunkohle umgestellt. Hätte die DDR zehn weitere Jahre bestanden, wären auch Herzschrittmacher mit Braunkohle als Brennstoff gelaufen. Deshalb wird es Zeit, unsere Industrie auf Äpfel umzustellen. Unsere Kanzlerin könnte so bald schon das erste Apfel-Kraftwerk einweihen und erste Erfolge gegen Putin feiern. Hoffentlich setzt der Präsident nicht auch noch die Erd-Äpfel auf die Sanktionsliste. Niemand könnte dann soviel Brei essen, wie jeder dann speien möchte.

Ja, liebe Leser… Die Geschichte wiederholt sich, nur diesmal mit Äpfeln. Sie haben in geschichtlicher Hinsicht schon öfters für Unheil und Zwietracht gesorgt. Die Frucht des Streits spielte schon vor 2.000 Jahren eine bis heute tragende Rolle. Fast wäre sogar Schneewittchen an einer solchen Frucht gestorben. Also Vorsicht beim Verzehr! Und die Politik hat längst ihr Tun und Handeln auf das Kultivieren von Zank – und Stechäpfeln umgestellt.

Front Deutscher Äpfel

2004 kam es zu einem weiteren epochalen Ereignis. Damals wurde in Leipzig, wahrscheinlich in weiser Voraussicht auf die Zukunft, die „Front Deutscher Äpfel“ (FDÄ) gegründet. Wikipedia dazu:

Die Front Deutscher Äpfel, bisweilen auch verkürzt Apfelfront genannt, ist eine … satirische Organisation, die rechtsextreme Parteien, insbesondere die NPD parodiert. Sie unterteilt sich in Anlehnung an ehemalige oder existierende rechtsextreme Organisationsstrukturen in zahlreiche Untergruppen wie die Jugendorganisation Nationales Frischobst Deutschland (NFD), die Frauenorganisation Bund weicher Birnen (BWB) und zahlreiche lokale Gaue… Der Name geht zurück auf den ehemaligen NPD-Politiker Holger Apfel.

Holger Apfel? Besagter Herr Apfel wurde neulich auf Mallorca aufgespürt. Als Ausländer in Spanien versuchte er den deutschen Apfel in seiner Kneipe bekannt zu machen, was allerdings misslang.

Etwas Statistik?

Allein die deutsche Apfelernte wird in diesem Jahr auf 330.000 Tonnen geschätzt. Da die französischen und polnischen Apfelbauern ihre Putin-Bomben nicht nach Russland verkaufen dürfen, kippen sie diese jetzt auf dem deutschen Markt ab. So wird Deutschland im Herbst unter einer Million Tonnen Äpfel verschüttet. Um diese Menge zu vertilgen, müsste jeder Deutsche 12,5 Kilo dieser doch so widerlichen Frucht verdrücken. Stündlich! Und dazu auch noch die aus Neuseeland eingeflogenen Äpfel im Volumen von mindestens viereinhalb Milliarden Tonnen. Aber was bleibt uns übrig, wenn uns der Russe in Ruhe lassen soll? Wohl bekommt’s!



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