Preis und Wert: Essen ist pfertig!



20. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Eigentlich wollte ich nichts mehr über Lasagne aus Rest-Pferden, Schuhbecks feinen Pferdegulasch oder über die empörten Gesichter der ach so getäuschten Verbraucher im Fernsehen schreiben. Jetzt, da ich eine Kartoffelsuppe selbst gekocht – und auch noch gegessen habe – kommt es mir schon wieder hoch. Nicht, dass das an der Suppe lag…

 

Jetzt sollte langsam die Sache mit den Kühen aus Pferden oder umgekehrt mal zu Ende gegangen sein. Das haben wir uns doch wirklich verdient. Redlich! Gibt es keine größeren Skandale? Dioxin in Eiern? Ach, hatten wir ja schon. Altreifen in Hühnerfrikassee? Gab es meines Erachtens auch schon. Und wenn nicht, dann bald.

Altöl… kalt gepresst, in irgendeinem Salat-Fertig-Extra-Mampf-Dressing? Ich bitte Sie!

Die Welt des Essens aus dem Discounter besteht offenbar immer mehr aus verklapptem Giftmüll. Und wir machen gerne mit. Jeden Tag ein bisschen schlechter, vor allem aber billiger.
Wir stopfen heute fast alles in uns hinein. Ekelhaftes Essen, miese Fernsehsendungen, verdeixelte Nachrichten, stinkende Anlagetipps und geölte Wahlversprechen. Nicht zu vergessen die teuren Medikamente, bezahlt von den Gesundheitskassen, um wieder gesund zu werden.



Während wir uns mal wieder kollektiv vor dem Gang zu Kühlschrank und Gefriertruhe fürchten, erinnere ich mich an einen Satz, den ich sinngemäß früher irgendwo gelesen hatte: Schlecht bezahlte Menschen produzieren schlechtes Essen, das von den schlecht bezahlten Menschen gekauft wird, die Schlechtes produzieren. Ein Teufelskreis. Ja, ich bitte Sie!

In Deutschland gibt es laut statistischem Bundesamt millionenfach diese biologisch korrekt benannten Einhufer, auch Pferde genannt. Die müssen doch weg, wenn sie klapprig oder überflüssig geworden sind – irgendwo hin. Am besten dorthin, wo sie als Müll noch etwas wert sind. Es gibt schließlich genügend Dummköpfe, die sich durch Müll erst gestört fühlen, wenn davon in den Zeitungen steht. Dabei sind Pferde gar nicht gefährlich…

Was an den in sie verspritzten Schmerzmitteln schädlich sein soll, das fragt sich auch so manches Rennpferd. Ist doch Medizin! Rein damit!

 Doch es kommt noch schlimmer…

Jetzt wurden auf den Rückenseiten der Pferde auch schon menschliche DNA-Spuren gefunden, stellt der Postillon fest. Und nicht nur dort. Menschliche Rest-DNA wurde auch bei Politikern gefunden. Das grenzt allerdings schon an ein Wunder und ist biologisch nicht erklärbar. Es hält diese aber nicht davon ab, mit neuen Gesetzen, neuen Verordnungen und Mienen voller Empörung ans Werk zu gehen und das Volk zu schützen.



Wer, bitte schön, kümmert sich heute noch um die armen Hunde? Ist der des Nachbarn deshalb so unerträglich, weil ihm vielleicht Reste von Katzen in sein Futter gemischt wurden? Und die Katze der anderen Nachbarin hat offenbar Hundefleisch in ihrem Fressen gefunden, was auch einiges erklären würde – zugleich aber auch die Frage aufwirft, wann diese Katze geschnetzelt als Ravioli, frisch und lokal vermarket, aus Ihrer lokalen Abdeckerei im Topf der Nachbarin landen wird. Bio, versteht sich.



Nahrung, Essen, oder nennen Sie es wie Sie wollen, hat heute keinen Wert mehr, nur noch einen Preis. Und wer fragt sich schon, wie man für 1,39 Euro eine Portion Gulasch oder für weniger als drei Euro ein halbes Hähnchen herstellen kann. Der Produzent verdient etwas, wenn er etwas verdient. Dieser Zuchtmüll muss irgendwie auch transportiert werden – am besten quer durch Europa, gut gekühlt und finanziell unterstützt aus EU-Töpfen. Und dann wird der Abfall mit Energie auf Genusstemperatur gebracht. Wohl bekomm ‘s!

Wir essen diesen Dreck und wundern uns, dass es nicht nur den Tieren, sondern auch uns dreckig geht.



Um den Wert einer Sache zu begreifen, könnte man den selbst heraus bekommen – wie es ist, wenn man selbst Marmelade kocht, Brot bäckt, Salat anbaut, Kartoffeln schält und für die Zubereitung von Nahrung etwas mehr braucht als zwei Minuten auf Stufe Zehn in der Mikrowelle.

Wert und Preis – das eine vom anderen zu unterscheiden, wurde den meisten inzwischen abgewöhnt. Nicht nur beim Essen…

Den einen, weil sie sich ordentliches Essen nicht mehr leisten können, den anderen, weil sie keine Zeit haben, sich um echtes Essen zu kümmern. Andere sind zu faul, um sich um irgendetwas kümmern zu wollen, schon gar nicht um irgendwelches Essen. Und einer weiteren Gruppe, weil ihr niemand gezeigt hat, was man überhaupt essen sollte – und was nicht. Worüber regen wir uns auf? Über falsche Pferde? Um unzureichende Etikettierung? Rein damit, solange ein Gütesiegel drauf steht. Meine Güte!



Ja, es ist ein Skandal. Einer von vielen. Trotz immer mehr Kontrollen haben diese offenbar nichts gebracht. Strafen sind wenig abschreckend, auch nicht, wenn man Kühe mit den aufbereiteten Leichenresten ihrer Artgenossen füttert, Fische mit Hühnerresten und Hühner mit Fischresten.

Wir wollen es doch alle. Mahlzeit! Und jetzt kommen Sie mal wieder runter vom hohen Pferd! Ich glaub, mich tritt ein Döner!



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10 Kommentare auf "Preis und Wert: Essen ist pfertig!

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  1. exc530 sagt:

    Hallo Frank

    Vor lauter Frust an dieser grausamen Mitläufergesellschaft, die jede Eigenverantwortung ablehnt, habe ich fast nichts mehr für meine Hintergrundinformation getan. Aber eben mal wieder Deinen Artikel gelesen und erneut, wie schon so oft festgestellt, dass es in unseren vollverblödedenden Medienwelt doch noch Vertreter des klaren Blickes gibt! Ich bin wohl doch nicht alleine in dieser Robotergesellschaft, es gibt doch noch sehende und dafür muss ich mich mal wieder bedanken mit diesen Zeilen!
    Ganz nebenbei ärgert mich besonders an der ganzen Diskussion, dass absolut niemand das System der Massentierhaltung und Vermarktung überhaupt anprangert und es unisono als DER Indikator für Armut in allen Gesellschaftsformen gilt, wenn Menschen sich NUR einmal die Woche Fleisch „leisten“ können!!!!
    Die Verblödung durch die Fleisch-„Produztenten“ ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, um mal eine, sonst in einem anderen Zusammenhang gerne benutzte Floskel, zu bemühen.
    Ich koche mir heute Abend auch erst mal ne Kartoffelsuppe 😉

    Gruß Felix

  2. cubus53 sagt:

    Bei diesem Thema wird oft eines übersehen : die Mitschuld des Verbrauchers. Der Verbraucher setzt mit seinem „Geiz ist geil“ Wahn die Hersteller unter Druck, immer billiger zu produzieren.

    Solange der Verbraucher sein Essen dort kauft, wo es am billigsten ist, dann soll er sich bitte nicht wundern, wenn er nur noch Müll dafür bekommt.

    • Lickneeson sagt:

      „Bei diesem Thema wird oft eines übersehen : die Mitschuld des Verbrauchers. Der Verbraucher setzt mit seinem “Geiz ist geil” Wahn die Hersteller unter Druck, immer billiger zu produzieren.“

      Sorry, aber das ist Quatsch.Wenn Sie beim Händler einen VW Golf kaufen, der als Angebot günstig angeboten wird und man ihnen einen Tata vorsetzt, der zudem nicht anspringt, hat meiner Meinung nach der Händler Sie verarscht.

      Das viele Leute kulinarische Billigware kaufen hat viele Gründe, die Herr Meyer u.a. auch aufgezählt hat. Muss m.M. nach jeder selber entscheiden.Das aber Altöl, Klärschlamm, Sägemehl oder andere Scheisse unter das Produkt gemischt werden, ohne dies dem Kunden mitzuteilen(hihihi) ist schlicht Betrug und sollte mit „dem Schwedentrunk“ für den Verursacher bestraft werden.

      Über den Unsinn von Fleischkonvois(lebend oder gefroren) durch ganz Europa oder weltweit sollte man sich aufregen indem man Produkte aus der eigenen Region kauft.

      MfG

      • Peter Hieber sagt:

        Also ich bin auch der Meinung, das letztlich der Verbraucher durch sein Kaufverhalten entscheidet was im Supermarkt angeboten wird. Auf der anderen Seite muß ich mich als Verbraucher auch darauf verlassen können, das was drauf steht auch drin ist.
        Rein rechtlich haftet eigentlich der „Supermarkt“ bzw. der der die Ware verkauft und es sollten harte Strafen verhängt werden, wer falsch deklarierte Waren in den Handel bringt. Solange jedoch nichts passiert und letztlich keiner zur Rechenschaft gezogen wird (der Händler), wird es diese Skandale auch in Zukunft geben.Ich bin mir sicher, wenn Rewe, Aldi … eine Geldstrafe i.H. von je 500T€ bezahlen müssten, wären die Kontrollen sehr schnell viel besser.

        Eine kostengünstige Ernährung ist auch ohne Fertiggerichte möglich, auch wenn es im Trend liegt Zeit zu sparen, muß man ja nicht bei jedem Trend dabei sein.

        Wir wollen alles immer billiger haben und vergessen dabei, das durch diese Geiz ist Geil-Mendalität die Qualität auf der Strecke bleibt, ganz besonders bei Lebensmitteln.

        In diesem Sinne, einen guten Appetit und weniger ist mehr!

  3. EuroTanic sagt:

    Während der Verbraucher brav wie dressiert ob der Skandälchen wiehert, werden anderswo, unbemekrt vom MSM, Fakten geschaffen.
    Wie ein europäisches Gericht nun fesstellte, muss ein Staat nicht für die Einlagen der Bürger zahlen: http://www.start-trading.de/blog/2013/02/15/gerichtsurteil-zur-einlagensicherung-staat-muss-nicht-zahlen/

    Sowas sind Informationen die man in den ö.r. Bedürnisanstalten verbreiten muss.

  4. Holla sagt:

    Deine Nahrungsmittel sollen deine Heilmittel sein,
    deine Heilmittel sollen deine Nahrungsmittel sein.“ – Hippokrates

    Saatkartoffeln liegen im Keller, Tomaten-,Salat-,u.a.pflanzen wachsen auf der Fensterbank und warten geduldig bis es Frühling wird !
    Ich kann nur darüber lachen wie sich Menschen eine Tiefkühllasagne und das andere fertige Zeugs kaufen können. Alleine der Gedanke verursacht bei mir Übelkeit !!!

    schönen Tag allen lesern

    LG aus Sachsen

  5. wolfswurt sagt:

    Schlechte Menschen erzeugen schlechtes Geld mit dem schlechte Produkte erschaffen werden die von schlechten Menschen mit schlechtem Geld gekauft werden.

    Eine Wirtschaftsform in der die Getreideproduktion subventioniert wird, danach die Transporte subventioniert werden, anschließend die Lagerhaltung subventioniert wird und alle am Prozeßbeteiligten Abgaben, welche für die Subventionen verwendet werden, zu entrichten haben um am Ende 0,25€ für ein Brötchen zu bezahlen haben wobei der Anteil des Mehles dem Wert von 1 Cent entspricht, also 1/25tel des Kaufpreises, ja so eine Wirtschaft kann man nur noch als Luftnummer bezeichnen.

    Die heutige Wirtschaft ist dermaßen aufgeblasen durch künstlich erzeugte Bewegung, daß, sollte der Ballon platzen, schlagartig Ruhe im Land einkehrt.

    Bringt man die aufgeblasenen Bilanzen der Staatshaushalte sowie der Notenbanken, die für die aufgeblasene Wirtschaftsform Voraussetzung sind, auf den Boden der Tatsachen zurück, bekommt man ein Brötchen hochwertiger Qualität wo der Preisanteil des Mehles wieder bei über gesunden 50% liegt.

  6. chinese sagt:

    Schuld ist doch eindeutig der Käufer. Man kann doch auch im Bioladen oder beim Landwirt usw. Kaufen. Tut nur fast keiner. Die Industrie liefert immer genau das was der Verbraucher will. Nennt sich Marktwirtschaft.

    Kriminelle Auswüchse mal ausgeschlossen, die können in jeder Preis und Qualitätslage vorkommen.

  7. MARKT sagt:

    @ chinese

    wenn man davon ausgeht das jeder Käufer die uneingeschränkte Wahl hat, stimme ich Ihnen zu. Ich bezweifle aber ernsthaft, dass dem tatsächlich so ist. Grund dürfte tatsächlich vielfach mangelnde Kaufkraft sein.

    Nicht zu verachten ist außerdem der Status. Verglichen mit den Konsumgütern die „vorzeigbar“ sind, genießt die Ernährung in Deutschland bei weitem nicht den Stellenwert wie beispielsweise ein KFZ oder auch eine neue Küche.

    Fakt dürfte sein, dass viele Mitbürger gezwungen sind ihren Nahrungsmittelbedarf möglichst kostengünstig zu decken und andere dies tun, um den eigenen sozialen Status nach aussen möglichst lange aufrecht zu erhalten. Dass dies nicht lange gelingen kann/wird, dürfte jedem klar sein, doch Zeit zu gewinnen ist eben auch „in“ und somit ist dieses Verhalten in gewisser Weise verständlich durchaus verständlich, liegt es doch absolut im Trend.

    Wenn alle wichigen Institutionen wie z. B. Regierungen, Notenbanken versuchen Zeit zu gewinnen, kann man es dem Normalbürger nicht verübeln. Nur sollte ein Ziel in Aussicht sein, dass mit einem entsprechenden Verhalten verfolgt wird. Zeit zu gwinnen allein dürfte überall fatal enden.

  8. Beobachter sagt:

    Deshalb lieber frisch geschlachteter Dackel

    https://www.youtube.com/watch?v=lUJDVRXhbUI

    😉

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