ESM, BVG, OMT und der lange Weg zum Crash

13. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Wenn man sich die Pressestimmen zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsschirm ansieht, hat man den Eindruck, als sei jetzt das letzte Hindernis zur Lösung der Euro-Krise aus dem Weg geräumt. Und natürlich soll nicht nur genau dieser Eindruck in der Öffentlichkeit erweckt werden, nein, manch ein Politiker glaubt das wahrscheinlich sogar selber…

Gut, vordergründig ist damit der stetige Fluss billigen bzw. virtuellen Geldes in die Kapitalmärkte sichergestellt. Die Auflage des Gerichts, dass eine Ausweitung der bisher vereinbarten Haftung nur über die Zustimmung des Bundestages erlaubt ist, ist im Prinzip zweitrangig. Denn sobald der ESM aktiviert ist, kann und wird die europäische Zentralbank ebenfalls aktiv. Und die unterliegt keiner Limitierung hinsichtlich des Umfangs ihrer Kapitalspritzen.

Und, noch viel schöner: Hier geht es dann nicht mehr um Steuergelder und erst recht nicht um eine Erhöhung der Staatsschulden, nein, die EZB „schöpft“ das notwendige Geld einfach und kein EU-Land hat es als Staatsschuld in der Bilanz. Anders ausgedrückt: Sie macht es nach Belieben. Und niemand wäre momentan in der Lage, sie auszubremsen. Das ist gefährlich, das ist keine gute Entwicklung. Aber wer schaut schon im Augenblick über den Tellerrand hinaus – Hauptsache Geld fließt, wo es nötig wird. Und wer weiß, ob es überhaupt fließen muss?

Denn das OMT (Outright Monetary Transactions), wie die EZB ihr neues Programm getauft hat, dient in erster Linie der ganz gezielten Abschreckung. Da man sich nicht im Vorfeld auf bestimmte Renditeniveaus festlegt, zu denen man einzugreifen bereit ist und die monetäre Größenordnung ebenso wie die Laufzeit des OMT unbegrenzt ist, haben die, die versuchen würden, gegen die Anleihemärkte der unter dem Rettungsschirm befindlichen Länder zu spekulieren, letzten Endes keine realistische Chance. Normalerweise sind solche Manipulationen der Kapitalmärkte nicht von Erfolg gekrönt. Ob es die Aktienkäufe der japanischen Notenbank vor 20 Jahren waren oder die Versuche, den Devisenmarkt gezielt zu steuern, die Spekulation war stärker. Aber in diesem Fall, wenn die Notenbank bereit ist, beliebig oft auf Knopfdruck neue Milliarden oder gar Billionen zu erschaffen, sitzt man in der Tat am kürzeren Hebel.

Insbesondere die US-Anleger gewinnen so offensichtlich den Eindruck, dass in Europa wieder alles im Lot ist. Denn sie waren es, die aus einer moderat positiven Reaktion am vergangenen Donnerstag nach der Pressekonferenz der EZB einer Rallye machten. Und sie waren es auch, die am Dienstag im Vorfeld der Entscheidung des Verfassungsgerichts bei DAX und Euro mal so richtig auf die Tube drückten. Aber dort hat man die tiefergehende Problematik der Eurokrise auch mehrheitlich nie recht verstanden. Denn alles, was ich vorstehend an positiv klingenden Aspekten schrieb, ist nur bedingt richtig, denn es gibt, wie so oft, ein dickes „aber“.

So ist beispielsweise der vorauseilende Gehorsam der Spekulanten, die insbesondere an den Anleihemärkten in Italien und Spanien auf einmal wie wild auf steigende Kurse und fallende Renditen spekulieren, ein wenig kurzsichtig. Denn die Sache hat einen Haken: Die EZB hat ganz klar unterstrichen, dass zunächst einmal der Rettungsschirm aktiv werden muss, bevor die EZB unterstützend eingreift. Nun sind aber beide Länder nicht unter diesen Schirm geschlüpft, sondern wehren sich mit Händen und Füßen dagegen. Unbegrenzte Stütze am Anleihemarkt und damit die Sicherheit, sich zu einigermaßen akzeptablen Zinsen refinanzieren zu können, gibt es aber nur, wenn man unter eben diesem Schirm sitzt. Nun könnte man einfach unterstellen, dass Italien und Spanien in Windeseile unter das Schirmchen hüpfen werden, wenn es eng werden sollte. Ja … aber! Täten sie es, würde es dummerweise noch enger. Warum?

Weil man sich mit dem Schritt unter dem Rettungsschirm automatisch die garstige Troika ins Haus holt. In dem Augenblick, in dem man die Hand aufhält, können andere in Form von EU, EZB und IWF einem in den Geldbeutel reden, sprich Sparauflagen erteilen und bei den Einnahmen und Ausgaben Einfluss nehmen. Das wiederum würde dazu führen, dass sich die ja faktisch unverändert fatale konjunkturelle Situation in Spanien und Italien noch zusätzlich verschärft. Wie so etwas ausgeht, sehen wir momentan in Griechenland, wo die Troika aktuell noch schärfere Sparmaßnahmen fordert, weil diese „Buchhalter“ offenbar kein Verständnis für die Konsequenzen ihrer Auflagen haben, sondern ausschließlich auf die Bilanzen starren. Dass Spaniens Premierminister Rajoy jetzt verkündet, dass er einen Antrag auf Anleihekäufe durch die EZB erwäge, ein vollständiges Rettungsprogramm aber nicht infrage käme, ist die Reaktion auf genau diese Problematik. Geld will man schon haben, aber nicht, das einem jemand dafür auf die Finger schaut. Natürlich dürfte ein solches Ansinnen bei den Geldgebern für zügellose Heiterkeit sorgen. Zumal. Würde man das zugestehen, würden Länder wie Irland, Portugal und Griechenland zu Recht sofort auf die Barrikaden gehen.

Aber das ist ja nicht das einzige Problem. Momentan gelingt es, den Fokus der Marktteilnehmer so gezielt auf den Faktor Anleihemarkt und Geld zu lenken, dass ihnen offensichtlich mehrheitlich gar nicht mehr bewusst ist, dass diese Maßnahmen nichts anderes können als Zeit zu kaufen. Zeit, die die Politiker nutzen müssten, um die grundlegenden Probleme der Europäischen Union beziehungsweise der Eurozone zu lösen. Wir haben keine zeitweilige Geldknappheit. Und wir haben nicht nur eine Schuldenkrise. Das sind nur die Symptome. Die Basis ist eine strukturelle Schieflage. Das ganze Konstrukt eines Europa, das in Wirklichkeit aus ganz unterschiedlichen Mentalitäten und Ansichten besteht, aber unter der Verlockung einer gemeinsamen Währung unter einen viel zu schlampig geschneiderten Hut gestopft wurde, ist die Basis der Probleme. Wir haben eine strukturelle Krise, die aufgrund der höchst fragwürdigen Praktiken, mit denen Europa vor Jahren zusammengeschustert wurde (siehe die letztlich durch Wegsehen gebilligte kreative Buchführung in Griechenland im Vorfeld des Beitritts) zu einer tiefgreifenden Vertrauenskrise wurde. Und da liegt der Hase im Pfeffer!

Die meisten Menschen mögen vielleicht glauben, dass durch die Zusicherung unbegrenzter Geldmittel zur Stützung der schwächeren Anleihemärkte eine unmittelbare Verschärfung der Situation abgewendet ist. Aber deutlich weniger dürften den Daueroptimisten abkaufen, dass Europa dadurch aus der Rezession, in die es sich selbst hineinmanövriert hat, auch nur ansatzweise in Richtung eines stabilen Wachstums geführt wird. Schließlich ist ein einigermaßen erträgliches Refinanzierungsniveau nur imstande, den Anstieg der Verschuldung der unter Wasser liegenden Länder zu bremsen. Aber da das Geld weder in der Industrie noch bei den Bürgern ankommt, bleibt die wirtschaftliche Lage fatal.

Und wenn man dann auf die Schnapsidee kommt, wie beispielsweise in Frankreich die Steuern zu erhöhen oder in den schwächeren Ländern Pensionen zu kürzen und Staatsbedienstete zu entlassen, um die Ausgabenseite zu entlasten, hat das zur Folge, das die Einnahmenseite in Form immer spärlicher einlaufender Steuern auch immer schwächer wird. Hier hat man also ein perpetuum mobile erfunden, was dämlicherweise eine konstante Bewegung in die Katastrophe bedeutet. Respekt!

Und auch der scheinbare Trost, dass dadurch wenigstens die Aktienmärkte stabil bleiben oder sogar weiter steigen werden, weil so weiterhin für ein unattraktives Niveau am Anleihemarkt gesorgt wird, ist eine Schnapsidee. Denn wenn spanische und italienische, portugiesische und griechische Anleihen tatsächlich zur Stabilisierung des Zinsniveaus auf einem bestimmten Kurslevel gestützt werden, gibt es doch gerade das:

Attraktive Zinsen von sagen wir fünf oder sechs Prozent, die auch noch durch die Hintertür durch ESM und EZB abgesichert werden! Wer wollte da nicht in solche Anleihen investieren, die in dieser Situation dann deutlich risikoloser erscheinen als Aktien? Was wiederum den Gedanken der Abschreckung von Spekulanten unterstützt. Denn so sorgen ja schon die Scharen der renditegierigen Anleger dafür, dass die EZB womöglich gar nicht erst eingreifen muss. Alleine diese Kaufwellen in italienischen und spanischen Anleihen sprechen doch Bände – da gibt es nicht einmal wirklich eine Absicherung der Zentralbank, und trotzdem wird gekauft wie verrückt. Aber um den Bogen zum Aktienmarkt zurück zu schlagen:

Diese Käufe mögen zwar das Wachstum der Verschuldung der betroffenen Staatshaushalte abbremsen, aber das Ziel ist ja, die Schuldenquote zu verringern, nicht, sie nur langsamer steigen zu lassen. Wenn die europäische Union sich nicht vollends lächerlich machen will, müsste sie diese Sparvorgaben eisern und konsequent über Jahre hinweg durchziehen. Und schließlich hat sie ja schon entsprechende Obergrenzen für das Haushaltsdefizit der unter dem Rettungsschirm befindlichen Ländern auf Jahre hinaus festgelegt. Was bedeutet, dass das perpetuum mobile, welches das Geld sukzessive aus Unternehmen und Bevölkerung heraussaugt, weiterlaufen wird. Und damit ist die einzig entscheidende Perspektive aus mittelfristiger Sicht, die in dieser Situation für Käufe am Aktienmarkt sprechen würde, dahin:

Nämlich nachhaltiges Gewinnwachstum. Im Gegenteil werden die Unternehmensgewinne insbesondere in Europa fallen, weil die Basis in Form konsumfreudiger Bürger langsam weggespart wird. Und davon abgesehen, dass die USA das selbe Problem haben, es aber im Gegensatz zu Europa gar nicht erst angehen (und uns trotzdem in die Krise hineinreden), werden selbstverständlich, wie immer – und der Logik entsprechend – auch die Unternehmen in Asien und den USA dadurch unter Druck geraten. Um genauer zu sein: Sie sind es bereits.

Die einzige Chance, sich aus dieser Zwickmühle zu befreien, wäre die, dass sich die Politiker in Europa darüber klar werden, dass „OMT“ keines der grundlegenden Probleme lösen wird, sondern ihnen nur eine kurze Frist einräumt, um die eigentlichen, grundlegenden Probleme eines Europa der zwei Geschwindigkeiten und der zahllosen Ungerechtigkeiten anzugehen. Aber genau da sind wir wieder beim Thema Vertrauenskrise: Nach über zwei Jahren falscher und teilweise alberner Maßnahmen glaubt niemand mehr daran, dass man sich auch nur an die Lösung der tatsächlichen Problematik herantasten wird! Und auch, wenn es mit Blick auf die Börsen so aussieht, als wäre die Lage wieder im Griff, so gärt es unter der Oberfläche doch massiv.

Der Grund, warum die Aktienmärkte trotzdem immer weiter gestiegen sind, wobei sie gerade dort, wo die Probleme am größten sind, am schnellsten steigen, liegt an zwei Aspekten:

Erstens, weil die vorbeschriebene Problematik so komplex ist, dass sie über eine normale Rezession deutlich hinausgeht. Selbst gestandene Börsianer – und das wohl auch bei mancher großen Adresse – lassen sich daher nur zu gerne durch die Entwicklungen an der Oberfläche ablenken. Das nahe liegende wird registriert, die Grundproblematik ignoriert. Und so reagieren die Akteure wie Pawlowsche Hunde immer und immer wieder auf die oberflächlichen Verheißungen durch billiges Geld und realisieren schlichtweg nicht, dass das eigentliche Problem im Hintergrund ungelöst weiterläuft. So zeigen Umfragen ja, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer zwar auf der einen Seite nicht daran glaubt, dass die Politik imstande sein könnte, die Krise als solche zu lösen, auf der anderen Seite aber davon ausgeht, dass die Börsen davon nicht betroffen sein werden. Selbst die Tatsache, dass all die Billionen virtuellen Geldes durch Regierungen und Notenbanken nicht bei den Anlegern ankommen und eben diese Anleger letzten Endes ja die Basis der Aktienmärkte sind, wird mehrheitlich nicht erkannt.

Wobei die Psychologie natürlich hier eine besonders große Rolle spielt: Je größer die Bedrohung ist, desto eher ist der Mensch bereit, sie vollkommen auszublenden. Allerdings wissen wir aus der Vergangenheit, dass diese Form der Angstbekämpfung immer fatal geendet hat. Spätestens in dem Moment, in dem klar wird, dass auch diese Maßnahmen der Notenbanken (wobei ich einfach mal QE III der US-Notenbank im Vorgriff als gestartet ansehe) keinen Deut dazu beitragen können, die Wirtschaft wieder ins laufen zu bringen … in dem Moment, in dem Arbeitsmarktdaten oder Auftragseingänge den schon lange abwärts weisenden Frühindikatoren wie beispielsweise dem Baltic Dry Index hinterher rutschen, wird den Marktteilnehmern das nasse Handtuch ins Gesicht geklatscht.

Zweitens sind die Aktienmärkte momentan noch stabil, weil sich die großen Adressen ihre Performance, die mittlerweile deutlich über dem liegt, womit man zu Beginn des Jahres gerechnet hatte, nicht kaputtmachen wollen. Wer hier jetzt in nennenswertem Umfang aussteigt, verringert zwar seine Exposition an den Märkten, drückt aber durch die eigenen Verkäufe auch die verbleibenden Bestände. Ohne konkrete Hinweise auf eine mögliche Abwärtsbewegung, die über einen kurzen Rücksetzer hinausgehen würde, will niemand einen solchen ersten Schritt tun. Das ist völlig nachvollziehbar. Und je höher die Kurse steigen, desto geringer ist die Bereitschaft, durch eigene Gewinnmitnahmen das fragile Kartenhaus ins Wanken zu bringen. Mit ein Grund, warum in den letzten Wochen nicht einmal kleine Rücksetzer in nennenswerter Größenordnung aufgetaucht sind. Andererseits aber sind sich alle Entscheider bei den großen Adressen dieser Problematik natürlich bewusst und stehen Gewehr bei Fuß, um umgehend zu reagieren, falls irgendjemand anders aus dem Kreis der „Großen“ den ersten Schritt macht.

Diese beiden Aspekte führen dazu, dass der gerade aufgrund der Ausweglosigkeit dieser Situation der Weg zu einer logischen Reaktion an den Börsen, ob es nun um Rohstoffe oder Aktien geht, besonders lang ist. Auf der anderen Seite kann sich natürlich jedermann denken, dass dieses ausblenden der Realität dazu führen wird, dass der Kurseinbruch gigantische Ausmaße annehmen wird, sobald die Realität unüberhörbar an die Tür klopft. Gegenüber der augenblicklichen Größenordnung, in der die tatsächliche Situation ignoriert wird, war die Anfangsphase der Immobilien- und Subprimekrise ein Kindergeburtstag. Und hinzu kommt, dass die Größenordnung an teilweise unkontrollierbaren Derivategeschäften seitdem sogar noch zugenommen hat. Dies in Verbindung mit den Risiken des High-Frequency-Trading bedeutet eine explosive Mixtur unkalkulierbarer Sprengkraft. Der Flash Crash am 06. Mai 2010, als der Dow Jones binnen zwei Stunden plötzlich um 1.000 Punkte einbrach, sollte allen eine Warnung sein, die mit vollen Depots glauben, dass all das virtuelle Geld dafür sorgt, dass ihrem Vermögen nichts passieren kann.

Es ist immer ein langer Weg zu einer Trendwende nach unten, denn vorgenannte Aspekte führen seit jeher dazu, dass die Börsen nicht, wie immer gerne behauptet wird, die Zukunft handeln, sondern sich an Hoffnungen klammern. Aber gerade der Umstand, dass der lange Weg diesmal ein besonders langer ist, bedeutet, dass auch die Reaktion umso extremer ausfallen wird. Meine Ende Juli geäußerte Erwartung, dass wir irgendwann in den Monaten August und September einen massiven Kurseinbruch insbesondere an den Aktienmärkten erleben werden, hat sich bislang noch nicht bestätigt. Aber gerade in diesen Tagen glaube ich, wäre es noch zu früh, diese vermutete Zeitzone bereits nach hinten zu verschieben. Denn noch hat der September nicht einmal Halbzeit – und ich bin mal gespannt, ob die Märkte auch weiterhin so scheinbar unbesorgt weiter nach oben laufen, wenn am Donnerstagabend mit der Entscheidung der US-Notenbank das letzte große Ereignis, auf welches man im Vorfeld wochenlang vorgekauft hat, über die Bühne ist.

Mit besten Grüßen
Ronald Gehrt
(www.system22.de)


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5 Kommentare auf "ESM, BVG, OMT und der lange Weg zum Crash"

  1. 4fairconomy sagt:

    „aber das Ziel ist ja, die Schuldenquote zu verringern“

    Das ist mit dem heutigen Geldsystem auf Dauer nicht möglich. Dafür müsste die Wirtschaft wenn schon ewig exponentiell wachsen können. Denn eine Stabilisierung, geschweige denn eine Reduktion der Schuldenstände ist auf Dauer mit dem heutigen Geldsytem nicht möglich.

    Zinsezinsbedingt müssen Geldmenge sowie Schulden und Vermögen stets exponentiell zunehmen.

    Es ist ganz einfach: Wenn Liquidität 0% Zins ergibt, wird überschüssige, d.h. gesparte Liquidität im Schnitt nur weitergegeben gegen einen genügend attraktiven positiven Zinssatz. Sobald genügend Zinseinnahmen nie mehr für den Konsum verwendet werden, läuft das zerstörerische, einem Krebswachstum entsprechende Wachstum der Vermögen und Schulden zwanghaft immer weiter.

    Würden Vermögen und Schulden nicht mehr exponentiell wachsen können, käme es zu einer Deflation, zu einem Zudrehen des Geldhans.

    Weil ein ewiges exponentielles Wirtschaftswachstum nicht möglich ist, wachsen zwangsläufig die Schulden & Vermögen irgend wann schneller als die Wirtschaft. Die exponentielle Vermögen&Schuldenvermehrung liesse sich nur zum Preis einer gewaltigen Deflation aufhalten. Will man dies vermeiden, müssen Schulden und Vermögen weiter expoentiell wachsen, auch wenn die Wirtschaft nicht mehr entsprechend wächst. Dann muss man ein exponentielles Schulden- und Vermögenswachstum weiterhin ermöglichen, damit die Wirtschaft stabilisiert werden kann und nicht zusammenbricht. Eine absurde Situation.

    Der Mindestzins von 0% für Liquiditätshaltung ist das Krebsgen in unserem Wirtschaftssystem.

  2. FDominicus sagt:

    „Der Mindestzins von 0% für Liquiditätshaltung ist das Krebsgen in unserem Wirtschaftssystem.“

    Egal wie oft Sie es wiederholen, es wird dadurch nicht wahrer. Liquiditätshaltung wird sogar heute mit Abzügen nicht unter 2 % „bestraft“

    • 4fairconomy sagt:

      Was meinen Sie mit Abzügen nicht unter 2%?

      Es kommt nicht auf den absoluten (realen )Zinssatz auf Liquidität darauf an, sondern auf die Differenz zu Investitionen in realwirtschaftlichen Projekten. Wächst die Wirtschaft genügend, sind 0% kein Problem, weil der Anreiz die Liquidität zu nutzen bzw. zur Nutzung auszuleihen gross genug ist (Opportunitätskosten). Das Problem dieser starren Untergrenze bei 0% ist, dass sie mit einer Abschwächung der Konjunktur nicht kompatibel ist. Flexibilität müsste hier mindestens so selbstverständlich sein wie für die Arbeitsmärkte.

      2% Kosten für die Liquiditätshaltung kann je nach konjunkturellem Umfeld zu wenig sein, damit Investitionen attraktiv bleiben.

      „Egal wie oft Sie es wiederholen, es wird dadurch nicht wahrer“

      Können Sie erklären, was daran nicht stimmt an der Problematik eines fixen Mindestzins von 0%?

      • FDominicus sagt:

        „Was meinen Sie mit Abzügen nicht unter 2%?“

        Teuerung. Alles unter 2% ist doch nach den Aussagen der Zentralbanken keine Inflation. Sie möchten den Leuten also durchaus noch mehr als 2 % abnehmen? Nun ich schätze, darüber werden die Meisten nicht begeistert sein.

        Ich jedenfalls kann dem gar nichts abgewinnen.

        Den 3 Absatz von Ihnen verstehe ich nicht. Niemand braucht ein exponentielles Wachstum. Und es gibt nur einen Platz in dem wir exponentielles Wachstum haben. Das ist bei der gedruckten Papiermenge. Es gibt reichlich viel mehr Papier heute als vor 30 Jahren, ohne entsprechendem Warengegenwert. Warum sonst sollten es die Teuerung geben.

        Mit einer (nahezu) konstanten Geldmenge wäre eine generelle Teuerung (auf Dauer) nicht möglich. Es käme selbstverständlich immer mal wieder zu Fehlinvestionen aber nicht zu Exzessen wie derzeit. Auch Blasen wären nicht ausgeschlossen, nur könnten Sie sich nicht derartig aufblähen…

        Vor allem könnten die Staaten sich nicht einfach so immer mehr der produzierten Leistungen aneignen. (Ohne entsprechende Gegenleistung)

        All das wäre in der Form keine Thema wenn nur die Politiker nicht unser Geld hätten. Dazu kann man nur schreiben:
        “Die Politiker benutzen unser Geld um Probleme zu lösen, die wir nicht hätten, wenn die Politiker nicht unser Geld hätten. “

        Und Ihre Abgabe ändert an diesem fundamentalen Problem gar nichts.

  3. 4fairconomy sagt:

    „Sie möchten den Leuten also durchaus noch mehr als 2 % abnehmen?“

    Also nur auf Liquiditätshaltung, nicht auf Vermögenswerte, auf dem Lohn usw. Das wäre der Preis für ein Geldsystem, welches funktioniert ohne Deflation und Inflation zu produzieren. Deflation und Inflation nimmt je nach dem wie die Leute positioniert sind, letztlich viel mehr ab, meist dann aber auf einen Knall – oder eben in die Zukunft. Dumm wer dann den schwarzen Peter zieht.

    „Den 3 Absatz von Ihnen verstehe ich nicht. Niemand braucht ein exponentielles Wachstum.“

    Ein exponentielles Wachstum ist ein Wachstum nach dem Zinseszinsprinzip. Vermögen, welche nach diesem Prinzip wachsen, wachsen exponentiell. Ich bin auch der Meinung, dass dies niemand braucht. Wenn aber die Vermögen exponentiell wachsen müssen, damit sie immer wieder reinvestiert werden und nicht blockiert bleiben, dann ergibt sich für die Wirtschaft ein Zwang zu exponentiellem Wachstum d.h. Wachstum in % gerechnet. D.h. eine Verdoppelung von Produktion und Konsum alle (70/Wachstumprozent)-Jahre. Geht nicht allzu lange gut.

    „Mit einer (nahezu) konstanten Geldmenge wäre eine generelle Teuerung (auf Dauer) nicht möglich.“

    Damit würde auch jeder Aufschwung mit einer (kleinen) deflationären Krise frühzeitig beendet. D.h. die wirtschaftliche Entwicklung würde durch die Geldmenge immer wieder stark beeinträchtigt. Wesentlich sinnvoller ist eine strikte Geldmengenanpassung an das Sozialprodukt, wobei durchaus „hiterher“ gehinkt werden sollte.

    „Vor allem könnten die Staaten sich nicht einfach so immer mehr der produzierten Leistungen aneignen.“

    Die Staaten als die Schuldigen zu sehen, greift viel zu kurz. Sie versuchen „nur“ das System aufrecht zu erhalten und zum Zusammenbruch zu verhindern. Sobald sich die Staaten nicht mehr verschulden würden, käme es immer wieder früher zu einem Reset wegen einer Deflation.

    “Die Politiker benutzen unser Geld um Probleme zu lösen, die wir nicht hätten, wenn die Politiker nicht unser Geld hätten.“

    Der Satz ist Unsinn. Oder dann so zu verstehen, dass wir heute die Probleme, die wir haben nicht hätten, hätten die Staaten 2008 nicht eingegriffen. Dann würde nämlich heute das Chaos herrschen und die meisten wären damit beschäftigt, ums nackte überleben zu kämpfen: Nahrung, Kleider, Wärme…

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