Tickende Altlasten

6. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer)

Kaum ist der ESM-Rettungsschirm funktionstüchtig gemacht worden, ist er offenbar schon wieder zu klein, um auch noch den europäischen Zombiebanken zu helfen. Wurde der ESM ursprünglich nicht für klamme Staaten installiert? Vielleicht erwächst aus ihm bald schon die prächtigste Müllhalde der Welt. Natürlich mit Rechtssicherheit…

Tja, so ist das. Legt man Essen in eine Gasse, kommen die Ratten. Legt man Geld ins Schaufenster, kommen die Banken. Im ESM liegen noch ein paar hundert Milliarden Euro herum – ungenutzt – aber nicht mehr lange. Und auch die Summe kann sich ganz plötzlich erhöhen, nicht aber vor der Bundestagswahl.

Während hierzulande über Brüderle und Preisbremsen für Strom, Kraftstoff und Mieten diskutiert wird, läuft es im monetären Hintergrund gerade wie auf Schienen. Ich hatte mich schon gefragt, wann der ESM durch das von der Politik abgesegnete Regelwerk aus dem Dunst seiner Nebelkerzen tritt und den Zombies unter seinem Dach auch noch Platz bietet. Rechtlich wäre das alles in Ordnung. Jetzt ist die Diskussion darüber losgebrochen, ob dieser ESM neben Ländern auch noch Banken retten darf. Darf er. Da die meisten Staaten geldlich ausgemergelt sind, lassen sich dort nicht auch noch Zombibanken durchfüttern.

Muss man sich Sorgen machen? Nicht doch! Die Krise ist neulich höchst offiziell für beendet erklärt worden wie eine schlecht geratene Geburtstagsfeier. Eigentlich interessiert es doch nur, ob der Kettenbrief mit den Schulden weiter läuft oder mangels solventer Nachschuldner in sich zusammen bricht. Fehlt die Solvenz, übernimmt diese jemand anders. Im Privaten wäre das die Oma mit ihrer Rente, die für ihre Pleite-Enkel bürgt und ihnen ab und zu etwas zusteckt.

Mit dem ESM wurde ein gigantisch großer und neuer Nachschuldner geschaffen. Und dann gibt es ja noch die EZB, die als letzte Instanz einspringt, wenn niemand mehr zu springen vermag.

Jetzt aber gibt es plötzlich die Sorge, der ESM wäre zu klein, wenn er die Altlasten der mit Steuergeldern geretteten Banken übernehmen würde. Und das soll er, geht es nach Spanien und Irland. Nach Berechnungen der „Welt“ handelt es sich um die „Kleinigkeit“ von 300 Milliarden Euro. Diese Summe haben die Staaten den Banken überlassen und nannten es Rettung. Verständlich, dass Irland und Spanien ihre Milliarden gerne wo anders hin schieben möchten, wenn sie dürften. Nachträglich. Im Regelwerk des ESM steht drin, dass das machbar wäre.

Was liegt also näher, diesen Schirm zu einem entsprechenden Zeitupunkt dafür einzusetzen, voraus gesetzt, man macht ihn größer, so dass sich auch noch die schmutzigste Bank mit den ekelhaftesten Papieren dort bedienen kann – sich frische Kredite gegen zweifelhafte Sicherheiten bzw. Müll holen darf. Vergleichbar wäre der ESM dann mit einer Waschmaschine: Dreckige Wäsche rein, anschalten, Schleudergang – und sauber ist die Bilanz. Der Weiße Riese würde blass vor Neid. Das Dreckwasser wird in die Taschen der Steuerzahler verklappt, während die EZB die umher fließende Jauche mit frischer Liquidität verdünnt und später als letzte Instanz selbst aufsaugt.

Wer weiß schon, was in den Bankbüchern an faulen Krediten liegt? Kaum ein Staat aus der Peripherie kann mehr Banken beschützen und sich finanziell auch kaum noch über Wasser halten. Fällt nur ein Prozent der Bilanzsumme der europäischen Banken in Höhe von 34 Billionen Euro aus, wären 340 Milliarden Euro abzuschreiben. Bloß nichts anbrennen lassen! Allein in Spanien ist die Summe der notleidenden Kredite auf den Rekord von 192 Milliarden Euro gestiegen. Die Iberer sind unfähig, ihre Schrottbanken auch nur ansatzweise abzuschirmen. Dabei hat Spanien und auch Griechenland schon Geld aus dem ESM für ihre Banken als Kredite erhalten. Sie gingen offiziell als Darlehen an die Staaten – und danach gewitzt zu den Banken. Clever!

Wir erinnern uns: Der 700 Milliarden schwere ESM hat eine Feuerkraft von 500 Milliarden Euro. 200 Milliarden dienen als sogenannte Sicherheiten. Brächten die Altbanken ihre Altlasten ein, wäre dieses Rettungsmonster mit 300 Milliarden Euro überfordert, hat es doch „nur“ eine Kapazität von 500 Milliarden Euro. Bankschulden wiegen schwerer als die der Länder. Von daher dürfte es nicht wundern, wenn man da noch eine Schippe drauf oder einen Hebel um legt, so dass der ESM neben Staatsfinanzrettung auch noch Bankenrettung betreibt. Ach ja, es sind ja immer nur Garantien. Kostet ja nix… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

5 Kommentare auf "Tickende Altlasten"

  1. EuroTanic sagt:

    Es gibt ein einfaches Prinzip aus allen Krisen. Das Verursacherprinzip, das Transparenzprinzip. Das Freiheitsprinzip. Dann erlassen Politiker keine verfassungswiedrigen Gesetze mehr, oder nur einmal. Unternehmen verpesten nicht mehr die Luft, wenn die Abgase in direkt die Vorstandsetage geleitet werden. Wer Solarstrom haben will zahlt das selber. Wer Atomstrom haben will auch, Versicherung ist pflicht. Wer raucht zahlt seinen Lungenkrebs. Wenn jemand GEZ sehen will, oder in einem Solidarstaat mit Giesskannenprinzip leben will, so kann er das freiwllig tun und zahlen. Wer das nicht tu muss selber vorsorgen und zusehen wie er sich informiert. Wer nicht vorsorgt und nicht freiwillig in einem Solidarstaat leben will darf nur auf das Mitleid anderer Menschen hoffen, wenn es fehlschlägt.

    • Skyjumper sagt:

      Allerdings: Das wäre ein simpler und nachhaltig funktionierender Weg aus allen Krisen ……. hätte er nicht 2 gravierende „Nachteile“ die zuverlässig dafür sorgen das er nie beschritten werden wird. Jedenfalls nicht solange es nicht zu einem totalen Zusammenbruch staatlicher Strukturen kommt.

      Zum einen die Tatsache dass sich unsere sogenannten Volksvertreter, und damit sind nicht nur Politiker, sondern auch Beamte gemeint, ganz trefflich in der Nische der Umverteiler, Zwangsvorsorger und Mainstreamerzieher eingerichtet die wir ihnen geschaffen haben. In einer libertären Gesellschaft wären sie nahezu alle höchst überflüssig ……. und wer macht sich schon selbst überflüssig.

      Zum anderen bleibt die Tatsache bestehen, dass bei einer Staatsquote von etwa 50% die Mehrheit auf eben diesen Staat angewiesen ist und gar nicht auf den Solidarstaat verzichten kann.

      Und daher wird es bei der Diktatur der Schwachen und der Profiteure über die weiterhin schwindende Minorität derjenigen bleiben die Eigenverantwortlich leben wollen und das auch könnten. Demokratie ist nun einmal auch nur eine Diktatur, nur hübscher verpackt.

      • John Doe sagt:

        Hi,

        gleich vorneweg: Auf mich muss verzichetet werden!

        Wen würden Sie aber gerne mit nach Galt´s Gulch mitnehmen?

        Meine beispielhafte Nennung: Ackermann, Madoff, Middlehoff, Jamie Damison, Piech, Merkel, Brüderle, Midas Mulligan, Dagny Taggart, Cameron, Ozzy Osborne?

        Vorletzte Frage: Wo kriegen die Gulcher eigentlich die benötige Energie her?

        Letzte Frage, eine Petitesse: Was trägt eigentlich Atlas auf seinen Schultern?

        Nebenbei bemerkt: Glenn Beck will auf seinem Grundstück in Texas eine Art Galt´s Gulch errichten. Als Grundstückeigentümer wird er sich sicher wie Midas (Michael) Mulligan verhalten und die Parzellen gegen „Rendite“ verpachten. Sicher gibt es dann, wie im Plot, nur Monoolisten: 1 Gemüsehändler, 1 Metzger, 1 Eisenschmelze, 1 Fischhändlerin (A. R. herself). Wettbewerb Fehlanzeige.

  2. JayJay sagt:

    Das war doch alles von Anfang an klar, nur wollten es die wenigsten wahrhaben. Die Rechnung wird noch präsentiert, sobald die 5 Billionen Euro deutschen Volksvermögens umverteilt sind an die Südschiene um Frankreich und ihrer Schrottbanken.

    Armer Steuerzahler

    Gold & Silber Ahoi

  3. purity sagt:

    Das hier auch schon besprochenen Volumen der Derivate wurde jetzt auch wieder von den deutschen Wirtschaftsnachrichten aufgegriffen. Hier der Link dazu:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/31/derivate-erste-explosionen-im-umfeld-der-700-billionen-dollar-bombe/
    Da kann man viel retten…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.