Es riecht nach US-Verhältnissen

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Reich wird man nicht, indem man Geld ausgibt, sondern indem man spart. Die Älteren unter uns wissen noch um diese Binsenweisheit. Wohl dem, der am Ende des Monats noch ein paar Euro übrig hat. Aber über die Hälfte der Deutschen hat kein Vermögen. Tatsache ist, dass die Reallöhne auf dem Niveau der 80er Jahre verharren. Wen wundert’s, dass das Weihnachtsgeschäft so schlecht in die Gänge gekommen ist?

Ist es wirklich nur der fehlende Schnee, wie uns der Einzelhandelsverband kürzlich zu erklären versuchte? Vielleicht fehlt dem Bürger auch einfach das Geld zum fröhlichen Konsumieren. Von anderer hoher Stelle erfährt man, dass ausgerechnet der Binnenhandel im kommenden Jahr den Aufschwung weitertragen soll. Fragt sich bloß, woher das Geld kommen soll. Für viele ist es jetzt schon mehr als eng. Über sieben Millionen Deutsche gelten als inzwischen überschuldet. Ein Teil davon ist selbst daran schuld. Wer die Zins- und Zinseszins-Götter herausfordert, landet meist auf dem Hosenboden. Schulden-Shows boomen. Viele kommen nur mit Kreditkarten über die Runden. Es riecht nach amerikanischen Verhältnissen.

Sinkende Arbeitslosenzahlen lassen Politiker und Volkswirte aufjubeln. Jedoch nicht die Millionen, die durchs Raster der Arbeitsmarktstatistik gefallen sind und sich mit Niedriglöhnen oder sonst wie durchschlagen müssen. Fast elf Millionen Deutsche, so rechnet das Statistische Bundesamt, sind arm oder von Armut bedroht, das sind 13 Prozent der Bevölkerung. Über eine Million Menschen leben inzwischen von Hartz IV. Davon sind 440.000 Vollbeschäftigte. Auch die Rentner drehen Nullrunden bei steigenden Preisen. Wundert es, dass in einer n-tv -Umfrage 75 Prozent angaben, kein Vertrauen in den Aufschwung zu haben?

Wer zu den Glücklichen gehört, die etwas zur Seite legen können, kämpft mit der Inflation, die immer heftiger durch die Geldbeutel fegt. Das passiert immer dann, wenn immer schneller Geld produziert wird. Die Geldmengen wachsen mit immer höherer Geschwindigkeit, so dass nur ein Schelm Böses dabei denkt, wenn die Amerikaner diese Daten schon nicht mehr bekanntgeben (aus Kostengründen!) In Europa weitet sich die Geldmenge M3 um jetzt 12 Prozent jährlich aus. Die Notenbanker plagen Inflationssorgen. Sie müssten doch wissen, was in den Lehrbüchern steht. Die Höhe der Inflation errechnet sich demnach, indem man von der Steigerung der Geldmenge das Wirtschaftswachstum abzieht. Man käme auf ungefähr 9 Prozent Inflation. Das korrespondiert in etwa mit der gefühlten Inflation.

Übrigens… 9 Prozent ist auch genau das, was sich unsere Politiker auf ihre Diäten draufgesattelt haben. Zufall?

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