Es muss funktionieren…! Wird es das auch?

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare

Eigentlich ist alles gesagt. Und auch die Messen sind gesungen. Rechnet man die Höhe des angekündigten Aufkaufplans der US-Regierung mal zusammen wird klar, dass es der letzte Ton aus der Wundertrompete des Herrn Paulson war, der am Wochenende verklang.

Er wurde in einem Interview auf ABC News gefragt, was passiert, wenn dieses 700 Mrd. Dollar schwere „Rettet die Banken“-Paket nicht funktionieren sollte. Darauf meinte er: „Es muss funktionieren.“ (When asked what will happen if the emergency bailout fails, Paulson asserted, „this is something that has to work. I very much believe it will work.“) Doch das wird es vielleicht nicht, spucken Taschenrechner aus. 700 Milliarden, für jeden US-Bürger 2330 USD neue Schulden sind einfach zu wenig, rechnet die FTD unter Berufung auf Bankanalysten der Deutschen Bank nach.

Mit einem Volumen von 700 Mrd. $ werde die Auffanggesellschaft nicht die Bilanzen aller Finanzinstitute erleichtern können. So beliefe sich der Bestand an Immobilienkrediten für Privatpersonen auf 2000 Mrd. $, an gewerblichen Hypotheken auf 1900 Mrd. $ und an hypothekenbesicherten Anleihen auf 1100 Mrd. $. „Da werden auf jeden Fall Lücken klaffen. Nicht alle Wertpapiere werden abgedeckt werden“

Kein leichter Tag für Hedgefonds. Oder doch? Sie leben zum Teil vom Leerverkaufen an den Märkten. Was werden sie nun tun, wenn sie sich nicht mehr auf Banken einschießen können? Finden sie Umgehungswege? Gibt es vielleicht bald das „Short-Verbot-Umgehungszertifikat“, von dem im GelbenForum geschrieben steht?

Ich brauche doch z.B. im DAX nur long in allem außer meiner Lieblings-Banken sein und gleichzeitig short im ganzen Markt und schwups bin ich nur short in den Banken ?! Der kleine Zocker kann das nicht so einfach wegen der Gebühren (und wenn er es doch macht, ist es ein Banken Förderungsprogramm), die Hedge-Fonds machen sich doch sicher nass vor Lachen …

Es riecht verbrannt, nach verbranntem Toast. Ist es der Dollar? Mag sein. Er hat heute zwei Prozent gegenüber dem Euro verloren, und das nachdem „nur“ magere 700 Mrd. angekündigt wurden, und es viel viel mehr hätte sein müssen. Was macht der Dollar erst, wenn man wirklich alle freikauft, weil man sie freikaufen muss? Kaum auszudenken. Die grüne Scheinchen bekommen in Kürze viele Kinderchen, die oh weh, vielleicht gar niemand mehr haben will. Doch der Euro sieht irgendwie auch nicht viel besser aus, fundamental jedenfalls nicht.

Der Deal der Woche könnte der Kauf der IKB durch Lone Star sein. Lone Star kam für einen Betrag von etwas mehr als 100 Mio. EUR zum Zuge bei der IKB. Der Staat (also wir alle) haben die dort lagernden giftigen und unverkäuflichen Anleihen zuvor mit ca. 10 Mrd. EUR gestützt. Sollte Lone Star diese Pakete dem Bank-Retttungsfonds unterjubeln können, wäre es der Deal des Jahres. Die einen sprechen dabei von Rendite. Die anderen nennen es ganz anders.

Und ganz nebenbei: Auf der Shortliste in den USA stehen auch die Autobauer. Klar, manche sagen auch, es seinen Banken mit angeschlossener Autoabteilung.

Nachtrag: Der Teufel steckt wie immer im Detail und ist klein gedruckt:

“Die Entscheidung des Ministers was dieses Gesetz betrifft, sind nicht überprüfbar und werden nach eigenen Ermessen der Behörde entschieden, und dürfen durch kein Gericht oder anderer Behörde überprüft werden.”

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