Es ist Krieg

9. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Plopp…..! Plopp…..! Plopp…..! Man kann die Blasen platzen hören, sehen und spüren. Die Blasenwirtschaft hangelt sich jetzt auf einem Weg entlang, auf dem keine Luftpumpen mehr gereicht werden, obwohl deren Produktion auf Hochtouren läuft. Vielleicht dreht am Montag die Börse auch durch, weil der Chef der Deutschen Bank von einem guten Start ins Jahr berichtet. Der DAX sieht arg verhungert aus…

Ich schaute an diesem Wochenende in ängstliche Augen. Die einen rätseln über das, was gerade passiert. Die anderen wissen nicht, wie es weitergehen soll und schalten auf den Frequenzen auf der Suche nach Trost hin und her. Man findet ihn derzeit in den Einkaufszentren, die mit Preisrutschen die Kundschaft in deflatorische Verzückung bringt. Endlich sind Trostspender erschwinglich – Flachbildschirme im Sonderangebot.

Frankfurt feiert die Eröffnung der Zeil-Gallerie. Es ist ein prächtiger Einkaufstempel aus Glas mit Waren im Überfluss, der den anderen Einzelhändlern in der Umgebung einen gehörigen Schrecken einjagen wird. Der Verteilungskampf um begrenzte Konsumentengelder geht in die nächste Runde.

Unterdessen hat Mister Market beschlossen, seine Gewehre zu laden, um auf etliche Marktteilnehmer zu zielen. Manche Läden hatten am Wochenende rund um die Uhr geöffnet. Endlich mal einkaufen nach Herzenslust, weil man es ja sonst nicht schafft in einer Zeit, in der viele Existenzen auf dem Spiel stehen. Mister Market feuert aus allen Gewehren. Der kluge Bursche räumt auf und räumt weg…

Das ist nichts Ungewöhnliches, dass wilde Triebe in einer Rezession mit der Heckenschere zurechtgestutzt werden. Mister Market hätte das gerne früher schon getan, doch er wurde in einen Schuppen gesperrt, während draußen die Kredite zum Spekulieren vergeben wurden. Es sollte alles besser werden, doch jetzt hat er die Schlösser gesprengt und ist entkommen. Er ist läuft wütend umher und hat viel nachzuholen.

Auf dieser Welt tummeln sich Gestalten, die Mister Market nicht mag, die er längst erledigt hätte, wenn er nicht in Ketten gelegen hätte. Man hat Geld ausgegeben, das man sich borgen musste, um Entscheidungen zu finanzieren, die sich jetzt als Trugschluss erweisen und damit das Feld für Mister Market mit den Dingen bestellt, die wild wuchern. Verordnungen, Gesetzte und Durchführungserlasse haben bislang eine Bereinigung verhindert, bis der Druck des Wildwuchses die Latten am Zaun zerbrach. Kluge Leute haben die Idee, nun höhere Zäune zu errichten.

Opel sei für das System relevant, sagt Franz Müntefering aus der SPD. Wirklich? Wenn es keine Opel-Autos mehr geben sollte, gibt es dann keine anderen Autos mehr? Opel hat nie einen Euro Steuern gezahlt, steht in den Zeitungen. Warum sollte ich jetzt dafür Schulden aufnehmen, um Opel zu helfen? Ich weiß es nicht. Opel ist ein Teil einer Blase, die gerade ihre Nadel gefunden hat. Morgen sind vielleicht alle schon relevant für das System, auch die 17.000 Unternehmen, die bisher Kurzarbeit angemeldet haben. Nur der Bürger – er scheint nicht systemrelevant zu sein.

Ja, liebe Leser, das Wort systemrelevant“ macht die Runde. Es spricht sich so klug in Zeiten eines Superwahljahres. Wer dieses Wort in den Mund nimmt, scheint Ahnung von der Materie zu haben. Als Wortblase dient es als Deckmäntelchen für die Ausgabe weiterer Steuermilliarden. Eine Milliarde ist inzwischen die kleinste Zähleinheit. Und jeder will Punkte sammeln, die Welt retten, besser machen und die Wahl gewinnen. Man gibt Versprechen, an die sich nach der Wahl niemand gerne erinnert. Es wäre ungerecht, die Politiker beim Wort zu nehmen, sagte Münte nach der Wahl in Hessen. Plopp! Die Steuern sollen gesenkt werden, sagt nun die CDU, aber erst nach der Wahl. Wie hübsch. Ich erinnere mich an die Mehrwertsteuerversprechen vor und nach dem letzten Urnengang. Warum heißt diese Wahlbox eigentlich Urne?

Am Wochenende kamen ein paar Kleinigkeiten ans Licht. Nichts Ungewöhnliches. Die HSH Nordbank soll 30 Milliarden an staatlichen Garantien bekommen. Die britische Lloyds soll verstaatlicht werden. Die CeBIT verliert ein Fünftel der Besucher und mutiert zur Fachmesse. Laut DIW suchen die deutschen Firmen dringend einer Million neuer Arbeiter, während Michael Jackson im Morgengrauen verwirrt durch die Lobby seines Hotels wandelte und das Hotelpersonal erschreckte. Hauptsache, man ist heute systemrelevant.

Auf den Straßen fährt die Feuerwehr im Dauereinsatz, mit Zusagen, Versprechen, Rettungspaketen oder guten Worten. Mister Market ist ebenfalls unterwegs. Er verstreut Nägel, die sich auf die Suche nach Reifen machen. Nach einem höher, schneller und weiter, zwingt Mister Market nicht nur die Börsen zu einem kleiner, bescheidener und langsamer. „Aber man rettet doch, wo man kann“ sagen junge Stimmen aus dem Off und schauen komisch, wenn jemand protestiert und sagt, dass es damit nur noch schlimmer wird. Die Notenbanken feuern mit Geld, die Regierungen mit zukünftigen Steuern, guten Worten und besten Absichten. Und Mister Market feuert aus seinen Gewehren.

Es ist Krieg. Plopp!

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