Es liegt was in der Luft

10. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die DAX-Tafel bebte. Gesang drang aus ihren Ritzen: „Komm hol Dein Lasso raus! Wir spielen Greenspan und Keynesianer. Wir drucken um die Wette. Ist doch alles nur ein Spiel!“ Wonach riecht es? Nach Opium? Nach einer Wolke aus Marihuana oder Liquidität?

Die Börse hat eine Nase dafür, wenn Notenbanker auf Terminkalendern auftauchen. Angesichts der Verluste im Mai steigt die Wahrscheinlichkeit von Interventionen der „Geldhüter“ – der einzige Grund für die Pluszeichen beim DAX in dieser Woche. Ein Funkeln von Draghis Brille, ein falscher Augenaufschlag oder eine Randbemerkung bringen die Märkte in Bewegung. Und dann? Nichts. Weg war der Duft. Der Gesang verstummte.

Je niedriger die Zinsen und je höher die Liquidität, desto besser für die Kurse. Der DAX müsste höher stehen, vergleicht man Geldmengen von damals und heute. Es gibt Zweifel an der Solvenz von Banken und jetzt auch von Staaten. Trotz aller Geldspritzen ist das Ausfallrisiko größer geworden.

Gelder flüchten in angeblich sichere Häfen der Staatsanleihen. Dort treiben immer mehr Scheintote herum. So hält sich die Anlegerschaft den Planken von Deutschland und der Schweiz fest. Die Börse weiß, im Ernstfall greifen Notenbanken ein. Niemand darf scheitern, während sich die Schuldenproblematik täglich tiefer ins Finanzsystem frisst.

Wohin werden die Guthaben am Ende flüchten, wenn auch Deutschland und die Schweiz überschuldet sind? Vermutlich dorthin, wo man für sein Geld noch etwas mehr bekommt als ein leeres Versprechen auf Rückzahlung. Ich beobachte mein Barometer für Krisen, Misstrauen und Abscheu – Gold.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

Print Friendly, PDF & Email

 

28 Kommentare auf "Es liegt was in der Luft"

  1. retracement sagt:

    Hi Frank, wahrscheinlich haben sich Blogs echt erledigt. So wie es der Betreiber von weissgarnix im September beschrieben hat. Wenigstens treibt sich Holgi noch auf dem Nachfolger rum. Falls ich neue Mukke von Interesse finde bist Du ohnehin dabei.

    Wäre so langsam an der Zeit, die Freigeister hier konstruktiv zusammenzuführen. Nicht wegen des besseren Wissens, sondern wg. der besseren Idee (Roland Baader respektive Austrians).

  2. retracement sagt:

    Wir können auch gern wieder zurück zu Raviolis etc. Die Zeit hat auch echt Spass gemacht! Allein, es drehen sich >33 egghats, Gärtners, etc. um sich selbst. Ausser klugscheissen machen wir nichts. Darin bin ich Königsklasse. Kommentieren von Meinungen. Ein bisschen was raushauen, wieder etwas belehrt werden. So etwa, wie das vergessene Magazin TEMPO in den 90igern. Next Level? Es bleibt elitär, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Du wirst nicht glauben, was da draussen bei Leuten mit einem Einkommen >140k für Gedanken umlaufen? Es ist unfassbar!

    • Frank Meyer sagt:

      Habe gerade das da gefunden… Das schreiben Schweizer

      Deutsche Medien: Verlacht, verhöhnt, verspottet

      Die deutschen Massenmedien haben den Einfluss auf ihre Leserschaft verloren. Kaum noch ein Beitrag der den Redakteuren nicht links und rechts um die Ohren gehauen wird und kein Tag an dem der „Dritte-Macht“ Anspruch der Journaille brutal immer und immer wieder scheitert.
      http://www.schweizmagazin.ch/news/ausland/4783-Deutsche-Medien-Verlacht-verhhnt-verspottet.html

      • samy sagt:

        Jep!
        Wem wird die Masse noch vertrauen, wenn wir das Auge des Sturms bald wieder verlassen? Gerade dann werden Blogs wieder eine Wiederbelebung erfahren…
        Retracement hat vielleicht recht, wenn er eine Weiterentwicklung verlangt. Eine Internationalisierung der Diskussionforen??

        • Frank Meyer sagt:

          … wir nehmen Dich gerne als Übersetzer 🙂

          • samy sagt:

            Ach, mit englisch kommt man in Europa auch weit. Schau mal, wir leben auf einer Insel der Glückseeligen, während sich um uns herum alles politisch radikalisiert. Für die Radikalisierung werden alte Denkfiguren bemüht werden, eben wie der böse Deutsche, Merkel mit Schnurrbart usw..

            Nun dürfte es z.B. in Griechenland nicht all zu viele Zeitungen geben, in denen man auch Kommentare abgeben kann. Man könnte z.B. einmal einen Tag einlegen, an dem viele Blogge diese bearbeiten, um mit den einfachen Menschen drüben in Kontakt zu treten, damit auch die mal Zusammenhänge raffen, falls sie es noch nicht tun. Warum den Politikern hüben wie drüben das Feld überlassen? Mindestens könnte man so versuchen klar zu machen, dass es nicht „die Deutschen“ gibt die die Herrschaft in Europa an sich reißen wollen.

            Aber vielleicht spinne ich nur.

      • retracement sagt:

        Hatte grad was zurechtgelegt und dann das ganze Geschwurbel wieder gelöscht, nachdem ich den Schluss ungefähr acht mal gelesen habe. Nicht lesen, es geht um verstehen. (I don´t care – hoffe Frank Du hast die Boxen fett aufgerissen`)

      • Fnord23 sagt:

        Das schrieben die Schweizer 2010. Siehe Erscheinungsadtum. Als ob das da besser wäre.

        Sorry, gehört oben hin. Zu Franks Link auf den Schweizer Artikel.

    • samy sagt:

      Gerade jetzt, wo die ersten „Normalos“ zu einem kommen und zugeben, dass man ja recht hatte, da aufgeben?

      Jetzt wo das Lügengerüst der Massenmedien zu Tage gefördert wird, diesen wieder das Feld überlassen?

      Ich bin um jeden Tag froh, in denen ich mich in freien Foren und Bloggs wie das Gelbe oder Querschüsse informieren kann.

      Aber vielleicht verstehe ich dich einfach falsch.

      VG

      • Fnord23 sagt:

        Hee samy,

        ich bin bei dir. Sicher kommen viele aus der digitalen Welt nicht raus.

        Ich persönlich, hier in meiner Heimatstadt, bin relativ gut vernetzt. Da gibt es Leute, die halten Vorträge an der VHS zum Thema Geldsystem. An einer freien Schule werden wir jetzt mal schauen, ob wir monetäre Bildung in der Oberstufe einführen.

        Bildung ist eh das Thema, weil Bildung die Grundvoraussetzung für Demokratie ist. Auch darum die Zustände in diesem Land.

        Ich hab einen relativ großen Mailverteiler, den ich schon mal nutze und ein paar böse Links reinhänge. Da erreiche ich Stadt weit schon ein paar „normale“ Leute.

        Die Meisten wollen auch gar nicht in den Kanninchenbau des Geldsystems. Wenige Worte woran es liegt, dass wir immer ärmer werden. Paar Lösungsansätze. Reicht. Es geht darum die Menschen langsam an das Thema heranzuführen. Das dauert eben.

        Also, die letzten Jahre waren die Zeit,in der sich die 10% Freidenker einiger Dinge bewußt geworden sind.
        Nun flink unters Volk gemischt, weil eben jetzt viele merken, dass wir nicht nur Spinner sind.

        VG

        • samy sagt:

          Bin absolut deiner Meinung. Wir haben bereits alle Spuren in den Köpfen unserer Bekannten hinterlassen. Wunderbar! Geldsystem an den Schulen unterrichten, auch mit praktischen Ratschlägen. Den Kids mal klar machen, warum denen alle Schulden andrehen wollen, was Anlageklassen sind und Wirtschaftszyklen.
          Cool!

          PS: Retracement scharrt doch nur mit den Hufen. Das Schlachtross wird nervös, weil es die Marschmusik wieder hört, die da bald lauter aufspielt.

          😉

      • Avantgarde sagt:

        „Für die Radikalisierung werden alte Denkfiguren bemüht werden, eben wie der böse Deutsche, Merkel mit Schnurrbart usw..“

        Nicht zu vergessen die faulen Griechen, die in der Sonne liegen und sich von den deutschen einfachen Arbeitern bezahlen lassen.

        So hat halt jeder sein ganz bequemes Feindbild – und die wenigsten denken an den Lachenden Dritten.

        – Divide et impera –
        Es funktioniert halt immer wieder und wieder…

  3. retracement sagt:

    Wie eben noch in einem Telefonat mit einem „Zins-head“ bestätigt werden die jüngsten Aktionen positiv vom Markt aufgenommen. Nun fein, EUR/USD mag erst mal auftauchen. Diejenigen die es Ende Juni betrifft werden davon ohnehin nichts merken. Ich war ohnehin auf der Suche nach neuen Lautsprechern. Vielleicht nubert oder Orbit sound?

    • Fnord23 sagt:

      Wie wäre es mal mit einem Geheimtipp:

      h t t p://me-geithain.de/highend/index.php

      Der Chef, der Kiesler, ist eine Legende.

      Ich bin nach 17 Jahren wieder zu alten Ostlautsprechern (RFT BR 50, nicht schön, aber einfach nur ehrlich) zurück gekehrt. Die konnte ich mir damals nicht leisten und waren auch nicht zu bekommen. Wurden damals für den Studiobereich eingesetzt. Ich glaub die aktuellen der Studioserie stehen auch heute in vielen Sendesanstalten.

      Hinfahren, anhören.

      • retracement sagt:

        Fett! Ich google sofort alles darüber. Bevor Loudness lieber Osso-Speaker falls Wirkungsgrad OK.

        Test

        http://www.youtube.com/watch?v=ErePmGWbwQs

        • Fnord23 sagt:

          Dass wir uns nicht falsch verstehen, wenn du Brüllspeaker suchst, dann kauf Nubert und Loudness ist eh Matsch mit Soße.

          Laut kann jeder. Hier geht es um feinen, natürlichen Klang ohne kapitalistisches höher-schneller-weiter Gedönns.

          Ich würd mir auch lieber die neuen aus Geithain holen. Aber da spielt die Gutste nicht mit wegen der Pinke. Außerdem investiere ich im Moment lieber in andere Dinge.

          Die alten DDR-Schätzchen sind Hörgold und klingen nicht an neuen Amps. Die DDR-Verstärker passen gut dazu, leider sind das aber auch Rauschverstärker. Zumindest meinen das die Audiophilen. Und wenn da 25 Watt drauf steht, dann sind das auch 25 Watt, aber echte.

          Damals wurde nicht gelogen, zumindest was angeht. Weil wir keine Überproduktion hatten, die in den Markt gepresst werden mußte, um mal beim Thema das Blogs zu bleiben.

          Am Besten einen aus dem „Westen“ der 1980 holen. Denn damals gab es auch im Westen noch goldige Produkte! Heute glänzt außer der Prospekt meist nichts mehr.

          So, nun Schluß damit, sonst gibt es Ärger mit dem Blogwart.

          VG

  4. retracement sagt:

    Weiss zwar wieder keiner woher der 100mrd Kotzkübel kommen soll, aber erst mal Party. Das ist angenehm! Wenigstens scheint noch irgendwas zu funktionieren. Dir ist schlecht? Nicht kotzen! Schaut ja irgendwer zu. Also Haltung bewahren.
    Wenn dann allen schlecht ist, kann man ruhig zugeben, dass der Eimer auch 300Mrd Kotze aufnimmmt. Oder mehr. Is ja egal, solange man sich um nen Niebel-Teppich streiten kann.

  5. Dedu sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    die Theorien der Wirtschaftswissenschaften, die mithilfe der empirischen, mathematischen oder induktiven Methode
    begründet worden sind, können nur innerhalb einer stabilen Wirklichkeit (Bezugsystem) funktionieren. Bei
    Instabilen, dynamischen Verhältnissen müssen sie, schon von der (Formalen) Logik her, versagen.

    Dann hilft nur die deduktive Methode mit Nachprüfung (Falsifikation) weiter,da damit der Bezug zur veränderlichen Wirklichkeit bestehen bleibt. Siehe auch: Wissenschaftstheorie von Karl Popper.

  6. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Wünsche mir einen Artikel mit dem Titel:
    „Es fliegt was in die Luft“… 😉

    • Dedu sagt:

      Von mir? Da würden Sie sich aber wundern. Sagen wir es mal so, Soros hat recht, obwohl seine Begründung falsch ist. In jeder Wissenschaft gibt es stabile und instabile Wirklichkeiten. Da diese immer das Bezugssystem für die
      Theorien darstellen sollten, müssen die Theorien angepasst werden. Beispiel Physik:
      Newtonsche und Einsteinsche Gravitationstheorie. Gilt aber in jeder Wissenschaft.

  7. FDominicus sagt:

    Also heute war es an der Börse interessant. Es fing an mit einem Riesenplus, was bis jetzt nur noch auf 0,5 % abgeschmolzen ist. Ich wollte eigentlich schreiben: „Sieht so aus als ob die billiges-Geld-spielt-die-Hauptrolle „Investoren“ dem Satz über die menschliche Dummheit bestärken wollen“. Aber es sieht tatsächlich so aus als ob die „Investoren“ langsam spitz bekommen, daß die Party (bald?) vorbei sein könnte. Sollten wir tatsächlich lernfähig sein und uns weniger verdummen zu lassen.

    Keine Ahnung, jedenfalls bin ich teilweise positiv überrascht.

  8. Dedu sagt:

    Also, die Börse ist gerade ein Paradebeispiel eines instabilen durch RÜckkoppelungen geprägten Systems.
    Da hilft nur die deduktive Methode mit Falsifizierung. Habe ich allerdings noch nicht angewandt, Soros ist aber
    erfolgreich, oder? Im Übrigen können wir tatsächlich nur aus Fehlern lernen, das ist schonmal eine enorm wichtige
    Erkenntnis. Noch zu den Theorien der Wirtschaftswissenschaftler: Diese sind meines Wissens nach entweder auf empirischer, mathematischer oder induktiver Basis aufgebaut. Diese können nur bei stabilen Verhältnissen Gültig sein, da bei der Empirischen Methode immer von vergangenen Ereignissen auf zukünftige geschlossen wird.
    Bei der mathematischen Methode muss auch in jedem Fall das Bezugssystem stabil bleiben. Versuchen Sie mal den Satz von Pythagoras auf ein Dreieck auf der Erdoberfläche anzuwenden. Funktioniert nicht, da müsste schon die nichteuklidische Geometrie angewandt werden. Bei induktiven Theorien, die immer vom Besonderen auf das
    Allgemeine schließen, muss man auch aufpassen, da man mit dieser Logik kein GPS-System hätten. Denn dies funktioniert nur mit der Einsteinschen Gravitationstheorie und auf der Erde können wir nur die Newtonsche beweisen. Wie schon beschrieben,gibt es in der Formalen Logik eine Induktion nur bei stabilen, homogenen Systemen -z.B. Dem dreidimensionalen euklidischen Raum.

    Nun die Märkte, die Finanzindustrie, die Börsen, usw. sind alles Andere als homogen und stabil.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.