Es kehrt zurück, was niemals fort war

15. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Kaum hatte ich meine Warnungen in der Kolumne des letzten Wochenendes formuliert, sackten die Aktienmärkte auf einmal aus scheinbar heiterem Himmel massiv durch. Fühle ich mich bestätigt? Nicht unbedingt…

Das Tückische an einer Trendwende ist: Sie fängt immer zunächst als kleiner Rücksetzer an, wird dann – möglicherweise – eine größere Korrektur und erst dann, wenn schon recht kräftige Abschläge entstanden sind, entscheidet sich aus der dann vorliegenden Situation, ob es zu einer echten Trendwende kommt oder nicht. Im Oktober wurde aus der Korrektur keine Trendwende. Und ich kann definitiv nicht vorhersagen, ob dem nichtsdestotrotz unausweichlichen dicken Ende am Aktienmarkt nun noch ein weiterer Aufwärtsimpuls vorgeschaltet wird oder wir jetzt tatsächlich schon auf längere Zeit die Allzeithochs hinter uns haben.

Vor allem deswegen nicht, weil man nicht abschätzen kann, welche aktive Rolle die großen Spieler an den Terminbörsen in Bezug auf das kräftige Abrutschen der Aktienmärkte in Europa und den USA spielen. Natürlich wird wie üblich in fast allen Medien so getan, als gäbe es gar keine Terminbörsen und Menschen, die dort (natürlich mit konkreten Zielen) gigantische Summen bewegen. In den Medien sucht man andere Schuldige, konkret sind momentan Griechenland und der Ölpreis schuld. Die Gefahr eines großen Abschwungs der Weltwirtschaft sei auf einmal wieder da, das Risiko vor einem Wiederaufflammen der Eurokrise ebenso. Im Ernst?

Hier kehren angeblich Aspekte zurück, die niemals fort waren! Bis auf die USA waren die Konjunkturdaten des Jahres 2014 doch eine einzige Reihe von Misserfolgen. Und dass die USA einfach so isoliert für sich alleine Wachstum zeigen, während aber zugleich die Verschuldung der dortigen Privathaushalte immer schneller steigt und die Lagerbestände anschwellen, sollte deutlich machen, dass dieses Wachstum vor allem auf dem Papier steht. Der Wachstumsschwund der Weltwirtschaft war seit Monaten mit Händen zu greifen.

Und dass ein einbrechender Ölpreis das zuverlässig abbildet, ist ein alberner Gedanke. Spätestens seit dem Irrsinn 2008, als Öl zunächst Richtung 150 Dollar schoss, um dann ein Jahr später fast bei 30 Dollar zu landen, sollte man wissen, dass die Börsenkurse insbesondere in derartigen Zocker-Hochburgen wie Rohöl, aber auch Gold und anderen Rohstoffen, nicht allzu viel mit der realen Situation von Angebot und Nachfrage zu tun haben. Davon abgesehen…

Der Abstieg des Ölpreises begann im Juni. Von 115 US-Dollar rutschte Rohöl Brent bis 70 US-Dollar durch und alle fanden das tadellos, zogen die Aktienmärkte auf neue Rekorde und hoben hervor, dass die günstigen Energiepreise sich wachstumsfördernd auswirken. Und jetzt auf einmal soll dieses letzte Stück des Abstiegs von 70 auf zuletzt 62 US-Dollar Angst auslösen? Wie bescheuert müssten die Marktteilnehmer weltweit denn sein, um so zu denken?

Und wie war das noch gleich mit der Euro-Krise? Ich gebe zu, dass der Einbruch des griechischen Aktienmarkts darauf hindeutet, dass tatsächlich erstaunlich viele trotz der ins Bodenlose abrutschenden Renditen im Bereich europäischer Anleihen offenbar gedacht haben, dass die Euro-Krise längst Vergangenheit ist. Allerdings darf man auch hier nicht völlig ausschließen, dass die Angst jetzt ganz gezielt geschürt wird, weil einige große Adressen vergleichbar mit Abwärtsimpulsen vergangener Jahre (denken wir da zum Beispiel an 2012) sich auf der Short-Seite eine goldene Nase verdienen wollen, weil das extrem sorglose Umfeld, in dem so viele von einer übergangslosen Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ausgehen, das einfach begünstigt. Und der griechische Aktienmarkt ist klein. Große Adressen, die am Markt mit Milliardenbeträgen antreten können, können da leicht sehr viel bewegen.

Wer weiß, vielleicht nutzen einige der großen Banken den erneuten Geldsegen durch die zweite Tranche der TLTRO-Kredite der EZB, die zuletzt ausgeschüttet wurde, um ein wenig Druck zu machen. Denn richtig ist zwar, dass man dort seitens der EZB vordergründig versuchte, zu verhindern, dass die Banken mit diesem Geld an der Börse spekulieren. Doch wenn die einzige Strafe eine vorzeitige Rückzahlung der Kredite ist und man ohnehin wenig Probleme damit hätte, das für die Zuteilung von Unternehmenskrediten bereitstehende Kapital vorher flugs auf das „Börsenkonto“ umzuschichten und die LTRO-Gelder somit dann „korrekt“ zu nutzen, ist der Riegel, den die EZB da der Spekulation vorgeschoben hat, aus Pappe… (Seite 2)


 

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