Es ist erschütternd…

25. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

In dieser Woche fragte mich eine gute Bekannte, was sie mit dem Geld aus ihrer Lebensversicherung machen solle. Sie habe gekündigt, auch ihren Riestervertrag aufgelöst, und wolle jetzt etwas „Sicheres“ mit ihren Ersparnissen machen…
Nachdem ich ihr zu der grundsätzlich weisen Entscheidung gratuliert habe, gab ich ihr zunächst den pauschalen Rat, das Kapital in Sachwerte umzuleiten, also etwa ein paar Goldmünzen zu kaufen oder auch substanzstarke Aktien.

Aktien? Meine Bekannte machte große Augen. Das sei doch auch bloß Papier.

Man möchte sich die Haare raufen, wenn man immer wieder sehen muss, wie ahnungslos viele Menschen in Gelddingen sind. Wer im sechsten Jahr der Finanzkrise immer noch nicht gelernt hat, dass Unternehmensbeteiligungen (Aktien) Sachwerte sind, man als Aktionär daher beispielsweise an den Grundstücken, Gebäuden oder Rohstoffen „seiner Firma“ beteiligt ist, der darf sich nicht wundern, wenn ihm in den kommenden Jahren ordentlich das Fell über die Ohren gezogen wird, weil er den windigen Versprechungen von Lebensversicherern, Banken oder Staaten vertraut hat.

Man muss die Anteilsscheine ja nicht ausgerechnet dann kaufen, wenn eine Hausse in ihrem fünften Jahr angekommen ist, wie wir das derzeit beobachten können. Wer ausgerechnet dann einsteigt, wenn die Gier erkennbar Kapriolen schlägt, weil alle meinen, an der Börse hurtig reich werden zu können, der wird Lehrgeld bezahlen. Der Angst und Gier-Index des Börsensenders CNN etwa ist wieder unterwegs in seinen oberen Extrembereich. Die folgende Abbildung zeigt das:

Es-ist-erschütternd-Kommentar-Andreas-Hoose-GodmodeTrader.de-1 Quelle: CNN

Leider ist weit verbreitete Ahnungslosigkeit in Gelddingen kein Phänomen, das nur Leute betrifft, die mit Börse und Kapitalanlagen ansonsten nichts zu tun haben. Viel schlimmer und geradezu erschütternd ist die Unkenntnis, die in vielen so genannten „Fachkommentaren“ deutlich wird. Wenn viele Kollegen tatsächlich das glauben, was sie schreiben oder im Fernsehen erzählen, dann muss man das Schlimmste befürchten.

Wie Geld entsteht, nach welchen Mechanismen unser Wirtschafts- und Finanzsystem funktioniert – derart elementaren Grundkenntnisse scheinen bei vielen „Experten“ noch nicht einmal ansatzweise angekommen zu sein.

Leider muss man sich darüber nicht einmal wundern. Wer sich nicht die Mühe macht, die mühevolle Ochsentour des Selbststudiums auf sich zu nehmen und den Dingen akribisch auf den Grund geht, der wird bei jenem Wissen hängen bleiben, das ihm in Schulen, Universitäten und Akademien eingetrichtert wurde. Und dieses Wissen soll aus naheliegenden Gründen eben gerade nicht dazu dienen, die Zusammenhänge zu durchschauen.

Doch auch wer das Geldsystem ansatzweise verstanden hat, der wird überrascht sein, was er noch alles dazulernen kann. Das folgende Video etwa sollte jeder gesehen haben, der sich über Finanzdinge auslässt. Nein, stimmt nicht, es sollte wirklich JEDER gesehen haben, denn das Thema betrifft uns alle ganz unmittelbar.

Der geschätzte Kollege Frank Meyer von n-tv, den viele von Ihnen kennen werden, hatte es kürzlich dankenswerterweise auf seiner Seite www.rottmeyer.de platziert. Der englischsprachige Beitrag zählt meiner Ansicht nach zum Besten, was man an unabhängigen Basisinformationen über unser Finanzsystem finden kann:

Natürlich ist in dem Video unter anderem vom billigen Geld die Rede, das gerade überall als wundersames Allheilmittel gepriesen wird, und es wird erklärt, warum dieses billige Geld kein einziges Problem löst, sondern nur noch größere Probleme schafft.

Hierzu fällt mir eine Leserzuschrift vom vergangenen Sommer ein. Damals hatten wir die durch eine massive Liquiditätsflut befeuerte Hausse beim japanischen Nikkei kritisch hinterfragt. Ein Leser meinte daraufhin hämisch, wir würden uns noch wundern, wohin der Index jetzt steigen werde.

Wundern muss man sich mittlerweile allerdings eher darüber, wie wenig seither passiert ist: Obwohl die japanische Regierung mit aller Kraft auf dem geldpolitischen Gaspedal steht, kommt der japanische Index kaum noch vom Fleck… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Es ist erschütternd…"

  1. Michael sagt:

    Ich interpretiere diese Sache als Vorbereitung einer Währungsreform, respektive einer Situation die selbige notwendig machte. Ersteres kann man bestreiten letzteres ist nicht abwegig. Aber die Synthese, naja, wer daran glaubt.

    Die Frage ist, ob nicht ein taktisches Kalkül hinter der Inszenierung steht.

    Da passen alle Beamten der USA rein:). Interessant ist, dass die Anzahl der Beamten in den U.S. und Europa ca. 16 bis 17% sind.

    Solche Gebäude sind heute nicht mehr zweckgebunden und möglw. ein Titel gedrucktes Geld in besicherten Grund und Boden zu wandeln.

    Liquide Mittel in Form von Papiergeld sind noch immer hoch im Kurs. Soll sich die Dame mal für die nächste Zeit keine Sorgen machen. Sie kann ja jederzeit, nach einem massiveren Rücksetzer in den Aktienmärkten mit schlichten 08/15 internationalen Aktienfonds die Inflation ausgleichen, mit einem kleinen Teil des zu Investierenden. Und kommt der Tag nicht, dann kommt er so schnell nicht, aber er kommt.

    Aktien sind substantiell nicht allein Papier, noch immer besser als letzeres. Aber das hohe Preisniveau vs. einem Metall erinnert schon an die Risken die Papier gleich sind.

    Zumal Aktien nicht ausgehändigt werden in der Regel – Vorsicht. Den Account beim CSD halt die Bank und nicht der Kunde. Das ist dann rechtlich vermutlich sauber geregelt – aber wer sagt, dass die Aktien da sind. Die Einlagerung und Auslagerung in den Tresor der CSDs ist nicht mehr die maßgebliche Transaktion. Dann muss man aufpassen, dass man überhaupt Aktien erwirbt. Deswegen ist der Hinweis auf global und groß ein ganz ein guter Hinweis.

    Rechtlich ähnliche Konstrukte sind rechtlich ähnliche Konstrukte, auch wenn die eher dem Pragmatismus geschuldet nachgebildet werden. Sämtliche Wertpapiere sind eigentlich Rechte die durchaus flexible können gebildet werden.

    Sie können in .at kaufen was sie wollen, Eigentum wird ersessen. D.h. sie haben an sich einen sehr hohes Maß an ungestörten Besitz aber Eigentumsrecht wird lange nicht gewährt, damit etwaige rechtliche Bedenken und die möglw. verbundene Rückabwicklung gewährleistet bleiben. Geld, Eigentum vs. Besitz und Verfassung und darauf basierend die Rechte stehen in der Regel in Zusammenhang.

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