Es geht nicht nur um die Wurst

30. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Die Alltagssorgen vieler Menschen sind bis auf schrill vermittelte Einzelschicksale kein beliebtes Medienthema. Wo sind sie denn, die Krisen und Katastrophen, es sei doch alles prima! Fällt der informationssuchende Blick lediglich auf die Startseite des E-Mailanbieters, so sind Probleme in der Tat schwer zu finden…

Die Reste sinnvoller Information quetschen sich zwischen Theorien zu Vorlieben von Fußballspielern und Videos mit „lustigen Katzen“ die entweder den Hund oder die Oma beißen. Leider sind Themen, die nicht Teil der öffentlichen TV-Berichterstattung sind, dennoch existent.

Eines dieser Probleme ist auch in den USA die Lebensmittelversorgung. In vielen Haushalten reichen das im Job verdiente Geld oder die staatlichen Transferleistungen nicht aus, um den Teller halbwegs voll zu bekommen. Die Zahl der Empfänger von Lebensmittelmarken zeigt dies deutlich. Im Mittel sind im laufenden Jahr mit mehr als 44 Millionen Menschen über 14% der gesamten Bevölkerung betroffen. Ein schwer vorstellbarer Wert.

Die wirtschaftliche Erholung in den USA, die auch in deutschen Gazetten mit dem symbolischen „V“ versehen wurde, hat in der Lebenswelt der Amerikaner nicht stattgefunden. Bemerkenswert viele Beobachter haben erneut Opfer den Verlauf von Aktienkursen mit der Entwicklung der Realwirtschaft verwechselt. Ein Unternehmen handelt betriebswirtschaftlich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. So kann es durchaus bei durchgreifenden Kostensenkungen – unter anderem Entlassungen – auch bei schwächelndem Absatz zu einer temporären Steigerung der Gewinne kommen. Für den Arbeitsmarkt, das Steuersäckel und den Konsum sind dies natürlich keine guten Nachrichten. Die letzten Jahre zeigten in den Vereinigten Staaten genau dieses Bild.

Übrig geblieben sind kaum weniger Arbeitslose als zum bisherigen Hochpunkt der Krise. Nebenbei türmte sich ein Berg neuer Schulden auf. Die Gelder wurden wie auch in Deutschland als mehr oder minder direkte Subvention an Unternehmen wie die Autohersteller und natürlich in die Banken- und Versicherungsstützung gesteckt. Jetzt hat sich alles einmal im Kreis gedreht und zu den aufgeschobenen alten gesellen sich neue Probleme. Mit den alten Rezepten Zinsen senken und Optimismus predigen ist da in der aktuellen Situation nichts zu machen. (Seite 2)

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9 Kommentare auf "Es geht nicht nur um die Wurst"

  1. Wallstreet ist nicht Amerika…

    Wenn über das Land Amerika geredet wird, dann dominiert meist die Wallstreet. Diese berühmte Straße im Stadtteil Manhattan, an der die weltgrößte Börse ihren Sitz hat, nämlich die New York Stock Exchange. Sie gilt als die Quelle des nie endenden Geldfl…

  2. EuroTanic sagt:

    Ich arbeite ehrenamtlich für eine Tafel. Unser ältester „Kunde“ ist 89 Jahre alt. Zynischer kann eine Wohlstandsgesellschaft nicht sein, wenn sie Menschen in diesem Alter dazu zwingen nach Lebensmitteln zu betteln die von den Supermärkten ansonsten in den Müll entsorgt werden. Zu uns kommen immer mehr Menschen, Arbeitslose, viele Rentner, aber auch Arbeitende die trotz Vollzeitstellt so wenig verdienen, dass sie ihre Familie nicht ernähren können. Eine Gesellschaft die so etwas zulässt muss als dehuman, sozial kalt und ungerecht bezeichnet werden.

    • crunchy sagt:

      Es ist pure Ausbeutung: Ein paar können den Hals nicht
      vollkriegen und haben die Macht die westliche Welt zu
      steuern.
      Sind die Armen denn in toto schlechte Menschen?
      Sind sie Gescheiterte, wenn ja, woran?
      Jeder Bundesbanker weiss: Inflation ist unsozial.
      Wir wissen: Inflation wird durch Gelddrucken erzeugt.
      Beispiel: Auf dem Tisch liegt eine Banane und ein Käufer
      kommt und bietet ein Banano: Was kostet die Banane:
      1 Banano!
      Kommt noch ein Käufer, hat auch nur einen Banano.
      Was kostet die Banane jetzt?
      2 Bananos!
      Was kostet die Banane, wenn noch ein paar Bananos hinzukommen?
      Keine Ahnung, das wissen nur Bernanke und Trichet!

      Ihnen, EuroTanic, gebührt höchste soziale Anerkennung
      für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit und
      meine ganz persönliche Hochachtung!

      • MARKT sagt:

        Entschuldige bitte, aber meiner extrem bescheidenen Meinung nach erkennst du im ersten Satz deines Kommentars den Kern des Problems komplett richtig. Deine Schlußvolgerung ist aber komplett unrichtig. Auch wenn der MAinstream gerne dieses Klischee bedient. Der Grund dafür ist aber, das es so, gerne von der Masse gehört und verstanden werden will.

  3. chinese sagt:

    Sorry, auch wenn dies nun politisch nicht ganz korrekt ist bzw. man so hierüber nicht spricht.

    Praktisch kann man in Zeiten von Harz 4 schon seine Familie ernähren. Man muß sich nur klar sein mit was man die vermeintliche Armut vergleicht. Mit einer Familie in Indien oder einem Einkommensmillonär in der BRD. Selbst eine Familie in Portugal hat im Regelfall mehr zu kämpfen als hier in Deutschland. Ich persönlich bin natürlich auch der Meinung jeder soll einen möglichst hohen Lebensstandard haben. Aber die Gesellschaft hierfür haftbar zu machen ist doch eigentlich ungerecht. Ich denke die Steuerquote, die Sozialabgaben und auch die Sozialleistungen die wieder ausgeschüttet werden sind Deutschland so ziemlich an der Spitze. Hier ist doch nicht mehr viel Luft nach oben. Da fragt man sich schon was läuft hier quer in diesem Land, das so viele Leute so unzufrieden sind.

    Ich bins überigens auch. Aber hauptsächlich wegen meiner hohen Steuer und Sozialabgabenlast. Sorry finde ich total ungerecht.

    Nur damit ich vorhersehbaren Antworten zuvorkomme. Ich sage nicht abschaffen, sondern bitte unser Sozialsystem mehr schätzen! Ist doch wohl wirklich ziehmlich einzigartig auf dieser Welt.

    Chinese

    • crunchy sagt:

      Ich glaube, man sollte trennen zwischen dem, was einem
      die Werbung als besitzenswert vorgaukelt, und dem, was
      das gute Leben ausmacht.

      Mein Schlüsselerlebnis, das ich vor einem Vierteljahrhundert
      hatte, war das Statement einer Höhlenbewohnerin, dass sie
      genau dort, wo sie lebt, glücklich ist, und keine Interesse
      an Luxuswelten, die sie im Fernsehen sah, hatte.

      Ich seh´s seitdem genauso.

      Dekadenz ist zwar menschlich, macht aber nur solange keine
      Probleme, solange man sie sich leisten kann.
      Ich freue mich über jeden, der die Leiter selbstverschuldet
      am Fusse wieder verlassen hat.

      Dekadenz ist asozial.

  4. MARKT sagt:

    @ Chinese

    Eben diese Steuersystem ist die Wurzel allen Übels. Ein Land das Arbeitseinkommen nahezu doppelt so hoch besteuert wie Vermögenseinkommen ist definitiv nicht Sozial und schon gar nicht gerecht. Wenn mann jetzt noch das System des Zins und Zinseszinses versteht, kann man das Ergebnis Recht einfach ermitteln. Und sollten sich die Vermögensmilliardäre (und Millionäre im mind. 2- stelligen Bereich, alles andere sind kleine Fische) auf diesem scheinbar Goldenen Weg trotzdem verfahren, steht ein Retter unter dem Deckmantel Politiker rechtzeitig bereit, um die alternativlosen Fakten wieder herzustellen. Deshalb müssen die Leistungsträger oder ich nenne Sie, die fleißigen auch extremst belastet werden, damit beide Schichten der Leistungsempfänger bedient werden können. Dies sind auf der einen Seite, die tatsächlich bedürftigen und vom Schicksal geplagten, die Faulen und die Resignierten. Auf der einen Seite aber die extrem Vermögenden. Den wer glaubt ein Großteil der Multimillionär zahlt Sozialversicherung unterliegt dem Irrtum, er gehe einer geregelten, Sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Und ob tatsächlich eine Steuer auf Vermögen abverlangt werden kann, ist zumindest fraglich, denn die Voraussetzung dafür wäre das dieses Vermögen in Deutschland angelegt ist, was nachweislich mehrheitlich nicht der Fall ist. Und jetzt noch einen schönen Abend.

    • crunchy sagt:

      Delaware, ist amerikanischer Bundesstaat.
      Da kann man als „Hinz und Kunz“ ein Konto eröffnen.
      In Washington hat man davon noch nichts gehört.
      Aber: Washington plündert die Schweiz und unterwandert
      Singapur.

      Goldig, gell?

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