Es fährt ein Zug nach nirgendwo…

11. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

…jetzt auch mit der Schweiz als Passagier. Willkommen im Club! Willkommen im Süd-Euro. Wir wissen zwar nicht, wohin es geht, sollte es aber gegen eine Wand sein, dann ungern allein. Nehmen Sie Platz! Genießen Sie die Aussicht!

Für die Schweizer muss der Anschluss an den Euro schockierend sein und auch für alle, die zuvor aus dem Euro in den Franken geflüchtet waren. Sie sitzen nun auf einem Minus und schauen zu, wie ihre Währung mit dem Euro in dieser Woche über die Klippe sprang.

Abgewertet wurde der Franken wegen der Wirtschaft. Die Experten sagen, matschige Währungen sind gute Währungen. Ha! Wir hätten uns alle dem Simbabwe-Dollar anschließen sollen, bevor er kollabierte. Dann hätte es auch mit dem Daueraufschwung XL geklappt.

Seltsam, warum man dem Franken so sehr vertraut, besteht er doch nur aus Papier. Er wird wie alle Währungen mit den gleichen Maschinen hergestellt, wenn auch mit anderen Farben getränkt. Und die Dummköpfe stellen ihm nach als wäre er magisch. Wenn der Franken als Fluchtwährung ausfällt, wohin soll man dann seine Überschüsse stecken, wenn man sie sicher wissen will? In Gold? Das lässt sich wenigstens nicht austricksen – ein Plan der Götter, um Politikern und Notenbanken zu entkommen. Die Schweizer täten nun gut daran, ihr Geld jetzt in etwas anderes zu tauschen.

Notenbanker haben öfters verrückte Ideen und in den letzten Wochen immer mehr davon. In den Geschichtsbüchern heißt es dann später: Es war einmal… Wozu braucht man noch die Schweizer Nationalbank? Ich weiß es nicht, vermute aber als schlechtes Beispiel. Es geht nicht nur um die schwächsten Währungen der Welt, sondern wahrscheinlich auch um den schlechtesten Ruf der Notenbanken, wobei die EZB in dieser Beziehung am Freitag nachgezogen hat. Dennoch sind die Schweizer jetzt ein gutes Stück voran gekommen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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9 Kommentare auf "Es fährt ein Zug nach nirgendwo…"

  1. matt06 sagt:

    So traurig die Kopplung an den Euro auch ist ,in Östereich ist ein tiefes Durchatmen bei den in Chf verschuldeten Kreditnehmern zu vernehmen!Mal schaun wie sich die meisten „Bankkunden“nun verhalten,drinn-bleiben??oder doch aussteigen??Unser Banker sagt ,jetzt wird alles gut für die Häuslebauer,nun wäre der geeignete Zeitpunkt mit meinem Kredit in den Chf zurückzuwechseln oder ob wir dieses Jahr nicht noch etwas in unseren Betrieb investieren wollen,könnten wir ja dann in chf machen !Auf meine Aussage das wir nur noch Schönheitsreparaturen durchführen und so schnell wie möglich unsere Schulden tilgen werden war die Stimmung etwas getrübt.L.G Matt06

  2. MULTINVEST sagt:

    „Um das, was die Notenbanken da machen, Geldpolitik nennen zu können, müsste man Satiriker sein“…und weiter:

    „Heute schau ich auf einen Marktführer in Deutschland, der mit einem Slogan wirbt: „Leistung aus Leidenschaft“. Der funktioniert doch allenfalls noch als Satire. Welche Leistung? Und welchem Banker trauen Sie Leidenschaft zu? 80 Prozent des Geschäfts besorgt dieser Herr aus Indien mit Geschäften, die für die Volkswirtschaft überflüssig sind. Die anderen 20 Prozent sind Feigenblatt“. (Ludwig Poullain)

    Der alte Herr Poullain ist freilich kein Satiriker, sondern ist heute noch ein Mann mitFormat, der das Wort wie ein Florett führt.

    Ich fürchte dagegen „Frankie_Boy“ Co. kämpft bloß mit „stumpfen“ Waffen?

    Trotzdem, für den Ernstfall besser bewaffnet und vor allem goldig gewappnet zu sein, kann nie falsch sein!

    Grüße in die Runde
    MULTINVEST

  3. Chris sagt:

    Könnte es nicht sein, daß die Schweizer Notenbank ohne diese Maßnahme ein Hochschnellen des Franken auf 0,80 EUR beim Griechenland-Austritt befürchten mußte.
    Die Anpassungsgeschwindigkeit wäre für die einheimischen Firmen wohl das Hauptproblem. Die internationalen Notenbanken bereiten den Austritt Griechenlands im Stillen wohl schon vor. Aber wie können wir uns darauf vorbereiten? Welche Verwerfungen wird es geben?

    Ich möchte mich kurz vorstellen: Habe Mathematik, Geschichte, Wirtschaft, Philosophie studiert und in einigen anderen Fächern Vorlesungen erfolgreich besucht. Als Studenten gründeten wir eine Firma, die nun 20 Jahre besteht. Vor einigen Jahren bin ich schwer erkrankt, unter anderen durch unsere 80 Stundenwoche ohne Urlaub über die vielen Jahre.

    Da ich meinen Mann finanziell nicht zur Last fallen möchte, arbeite ich zur Zeit als Trader, meist werden die Position einige Tage/Wochen gehalten. Dazu gekommen bin ich, da wir als Freiberufler unser Alter selbst sichern müssen, diesen Kapitalstock gilt es zu bewahren. Um Aktien abzusichern, bin ich zum Optionsscheinhandel gekommen. Das Thema Minenaktien interessiert mich für die Risikostreuung. Ich hatte mit einem kleinen Betreiber bereits Erfolg, aber keinen wirklichen Überblick.

    Mein ökonomisches Lebensziel ist Kapitalerhalt, die Krönung wäre: Aufbau eines regelmäßigen Cashflows.

    Außerdem haben wir noch einen wunderbaren Sohn, diesem möchte ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben. Mit Anderen gerne im Gedankenaustausch stehen.

    So, liebe Grüße an alle Leser

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Christine,
      Ihre Überlegung könnte richtig sein. Daran dachte ich auch. Entlastung von Wirtschaft, Entlastung von den Carry-Trades auf den Immobilien und die Tür zu schlagen für den Fall dass…. Griechenland die Mücke macht… Wohin dann? Krone? Gold? US-Dollar? Oh, das wird spannend.

      Aufbau eines ökonomischen Cashflows: Ein spannendes Thema:
      Ich habe da eine komische Überlegung. Wenn es „Gelegenheiten“ gibt, vielleicht sogar welche, die nur einmal im Leben kommen, braucht man etwas, was im Allgemeinen als wertvoll eingeschätzt wird und etwas, was es zu Genüge gibt. Dann tauscht man das Wertvolle in etwas, was es dann zu Genüge gibt, aber als wenig wertvoll erachtet wird – bis es sich ändert, es also wieder wertvoller wird und wieder knapper. Man braucht dazu wie die Amerikaner sagen „Buying-Power“ oder ein einträgliches Geschäftsmodell selbst. Hmmm… Ich winke mit dem Zaun.

  4. matt06 sagt:

    @chris,schau mal bei you tube Zipfel hannes silber teil 1-4!Sehr einfach erklärt, in sehr kurzer Zeit.L.G.Matt06

  5. crunchy sagt:

    Gesamt€uropäische Kakophonie!

    Das Kakophon ist k e i n wohlklingendes Xylophon:

    es ist nur eine alte Leier!

    Die lautet:

    Wir können, was wir wollen:
    wir bringen den Stein in´s Rollen.
    Europa wird ein gewichtig´ Reich,
    es macht Bürger arm,
    die Reichen reich!

    Das hält nie mehr ein starker Arm:
    Er bricht schon wieder,
    der neue Deich!

    Ich weiß: Lyrik klingt besser und ich nehme
    jetzt auch den Finger, den abdichtenden
    lieber raus.

    Irgendwann wird diese Sch…… ein Ende haben.

  6. rolandus sagt:

    Passt zwar nicht direkt gehört aber dringend in den Videobereich…

    Viel Spass mit dem Brüssler Wahn

    http://www.youtube.com/watch?v=KdfADH7WILQ

  7. DonTrader sagt:

    Es fährt ein Zug nach nirgendwo ….
    Genau, das ist Lösung! Ich glaube, jetzt habe das mit der Inflation und Deflation mit Depression verstanden!

    Geld ist kein Ding, sondern ein Saldo. Also, habe ich einen 50€-Geldschein (Guthaben) in der Hand, muss jemand als Gegenpart 50€ Schulden (Soll) haben, sonst gäbe es diesen Geldschein nicht. Geld entsteht durch Kredit und verschwindet durch Tilgung.

    Inflation:
    Wirtschaftswachstum ist nur durch neues Geld, weiteren Schulden möglich. Preise steigen, egal wie hoch, letztendlich auch von Gold und Silber.

    Deflation mit Depression
    Flaute. Mehr Firmen und Privatleute gehen pleite. Bei den Banken stehen den erteilten Krediten immer weniger Guthaben gegenüber. Der Staat will sparen, kann ihnen nicht mehr helfen. Banken schließen, damit lösen sich die Guthaben im Nichts auf.

    Egal was kommt. Gold und Silber sind reale Dinge, sie bleiben, sind eine Versicherung für extreme Krisen, haben immer einen Wert, sie bedeuten Unabhängigkeit. Gutes Geld verdienen, solange es noch geht, dann in reale Dinge umtauschen, wie Gold und Silber. Spekulieren nur mit Papier. 🙂

    P.S. Hallo Herr Meyer, vielen Dank für den tollen Block. Er hat mir die Augen geöffnet. Die Lage ist schlimmer als ich vermutet hatte. Letztendlich zählt neben Familie und Freunde, nur Reales, Reales und nochmals Reales. Alles „Papier“ sind nur Versprechen, die werden gebrochen, immer, irgend wann!!!

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