Erz-Freunde

23. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Viele Chefs großer Rohstoffkonzerne sind in den letzten Monaten aus dem Job geflogen. Die neuen Führungskräfte werden angesichts des weiterhin hohen Abschreibungsbedarfs, zahlreicher unrentabler Projekte und beginnenden Angebotsüberschüssen einige Schlachten zu schlagen haben…

Steigende Kosten bei sinkendender Nachfrage. Dieser Satz bringt das Kernproblem der Minenkonzerne auf den Punkt. Viele Großprojekte, die Milliarden verschlungen haben, können die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Gleiches gilt für zahlreiche Übernahmen, die wie in den meisten Branchen in guten Zeiten mehr auf Leichtsinn als auf fundierten Analysen beruhen. Abschreibungen im zweistelligen Milliardenbereich waren bei vielen Firmen die Folge und weitere Verluste werden nicht lange auf sich warten lassen.

Während beim Eisenerz schon jetzt von einem Überschuss gesprochen wird, der bis in das Jahr 2018 reichen könnte, droht nun auch beim Kupfer Ungemach. Die Bestände in chinesischen Lagerhäusern sind auf einem Zehnjahreshoch. Dazu gesellen sich dort größere Mengen, die Kleinabnehmer in ihren Hallen (oder Schweineställen) lagern, um sich auch ein Scheibchen Gewinn abzuschneiden. Für die meisten wird dies in gewohnter Manier finanziell ins Auge gehen.

Für ein sinkendes Angebot sprechen zukünftig laut Rio Tinto die sinkenden Erzgrade, die sich aber erst in einigen Jahren auswirken sollten. Den Minen hilft dieser Angebotsrückgang vermutlich wenig, müssen doch dann größere Mengen bei steigenden Kosten gefördert werden, um die gleiche Menge Rohstoff verkaufen zu können.

Um den Ausstoß in den kommenden Jahren auf dem aktuellen Niveau zu halten, müssten die Unternehmen weiter investieren. Das ist kein einfaches Unterfangen, wenn man mit letzten Projekten Milliarden verloren hat und gleichzeitig in wichtigen Segmenten vor einem Angebotsüberschuss steht, der so gar nicht zum Investieren reizt. Durch das sehr laxe Finanzgebaren einiger Konzerne ist zudem der finanzielle Spielraum begrenzt. Die Aufgabe lautet, bei sinkenden Cash-Flows und steigenden Finanzierungskosten zu investieren um nicht in ein paar Jahren mit zu geringen Kapazitäten dazustehen.

Wenig Freude verbreiten derzeit die Cash-Flows großer Minenbetreiber …

… vor allem angesichts der Sünden der letzten Jahre, deren Folgen sich in der Nettoverschuldung der Unternehmen wiederfinden.

Die Verläufe sehen auch beim reinen Eisenerzförderer Fortescue und bei Barrick Gold wenig ermutigend aus. All die schönen Reserven, die in vielen Präsentationen einen schlanken Fuß machen, helfen da nicht weiter. Die schrumpfenden Einnahmen und steigenden Kosten ergeben gemeinsam mit unangemessen hoher Verschuldung ein explosives Gemisch.

Da die Abschreibungen der vergangenen Monate gezeigt haben, wie schnell man auch Summen nördlich von $10 Mrd. verbrennen kann, ist eine etwas vorsichtigere Herangehensweise an Großprojekte nachvollziehbar. Bisher haben interassenterweise lediglich die Aktienkurse der Unternehmen reagiert, was eine Kapitalerhöhung unattraktiver macht. Beim Zugang zu Fremdkapital konnten sich zumindest die Großkonzerne bisher nicht beschweren… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Erz-Freunde"

  1. Lickneeson sagt:

    Immer wieder erstaunlich wie Grössenwahn und/oder Missmanagement in vielen Sektoren es schaffen, sich innerhalb eines (Rohstoff-)Booms sich total zu verschulden, anstatt mit Augenmass auch über den nächsten HV-Termin hinaus nachzudenken.

    Aber ähnlich der Bauindustrie haben die Minenbetreiber wohl auf dem Höhepunkt der Nachfrage das Hirn abgeschaltet.Klar, wenns läuft kann auch Donald Duck einen Weltkonzern leiten.Aber dank Renditegier und Globalisierung zählt ja nur noch das nächste Quartal.
    Chapeau.

    Mit 80.000 Euro im Jahr an Verdienst kann ich auch verstehen, warum damals so viele Studenten ihr Studium in „Down Under“ auf Eis legten und Fahrer bei Rio Tinto o.ä. wurden.Die Einschreibungsquoten dürften demnächst wieder rasch ansteigen.

    MfG

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