Erwacht jetzt der Bär?

13. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Wohin steuern Europas Börsen? Die Volatilität an den Märkten hat in den letzten Wochen deutlich zugenommen, die Nervosität der Investoren ist offensichtlich. Bis Mitte November sah es wie der Beginn eines veritablen Crashs an den Aktienmärkten aus…

…die darauf folgende „Korrektur der Korrektur“ trug die Märkte jedoch wieder über markante Marken im Chart. Die Anleger durchlaufen derzeit ein Wechselbad der Gefühle, bis heute fehlt dem Markt eine vollkommen klare Richtung. Vor diesem Hintergrund bleiben wir bei unserer Haltung: Auf mittlere Sicht gehen wir von einem deutlichen Rücksetzer aus. Dass die Börsen in der jüngsten Aufwärtsbewegung teilweise unterschiedliche Stärke entwickelt haben, bestärkt uns in unserer negativen Haltung für Europa.

2014-11-12-SuP

Während in den USA der S&P 500 neue Rekordhochs markierte mühen sich die europäischen Indizes mit Widerständen deutlich unterhalb der All-Time-Highs ab. Erfahrungsgemäß erschöpfen sich solche dramatischen Anstiege jedoch an markanten charttechnischen Widerständen, wie in der Abbildung eingezeichnet. Sollte hier eine Korrektur folgen, könnte dies dramatische Folgen für den deutlich angeschlageneren DAX haben.

Noch immer – oder wieder – besteht hier die Gefahr einer markanten Schulter-Kopf-Schulter Formation (einen langfristigen Chart des DAX finden sie unter anderem in unserem Smart Investor Weekly aus der letzten Woche). Falls sich hier gerade eine weitere Schulter ausbildet, ist der Weg nach unten demnächst wohl offen.

Der Zyklenforscher, über dessen Prognosen wir in unserer aktuellen Ausgabe (SI 11/2014) berichtet haben, verortete für den 3.11. einen Wendepunkt. Das aktuelle Zwischenhoch erreichte der DAX nun am 6.11., eine Toleranz die im Rahmen solcher Modelle durchaus vertretbar erscheint. Sollte diese Prognose stimmen darf nun jedoch das zwischenzeitliche Hoch im DAX bei 9.467 Punkten (am 6.11.) nicht mehr übertroffen werden. Die Gastautoren unseres Heftes sind übrigens zwischenzeitlich in der Mehrzahl ebenfalls in das Bärenlager gewechselt, lediglich Uwe Lang, Herausgeber der Börsensignale, sieht ausschließlich positive Indikationen.



Trüb, wohin man blickt

Neben derlei technischen Indikatoren bestärken uns auch die Konjunkturprognosen der verschiedenen Forschungsinstitute. Jüngste Prognosen des ifo-Instituts und der EU gehen von einer deutlichen Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa aus.

Statt eines Wachstums von 1,2% in der Eurozone geht die EU in ihrem Herbstgutachten nunmehr lediglich von einem Zuwachs von 0,8% für dieses Jahr aus. Für Deutschland prognostiziert das Münchener ifo-Institut nur noch einen Zuwachs von rund 1%, zuvor wurden hier 1,3% erwartet. Selbst diese neue Prognose ist laut ifo-Chef Hans-Werner Sinn mit Vorsicht zu genießen, die Unsicherheiten wären zum jetzigen Zeitpunkt noch viel zu groß. Die Linde AG sah bei der Vorlage seiner Zahlen zum dritten Quartal ebenfalls eindeutige Signale einer Abschwächung. Interessant insbesondere deswegen, weil Linde mit seinem Industriegase-Geschäft relativ weit vorne in der Wertschöpfungskette der Industrieproduktion steht. Die Geschäfte des Unternehmens lassen sich daher auch als Frühindikator interpretieren. Wir berichteten erst letzte Woche über die Neuigkeiten auf der Herbst-Pressekonferenz.

Europa ohne Antrieb

Generell scheinen sich die verschiedenen Regionen derzeit unterschiedlich zu entwickeln. Selbstverständlich ist auch die Geldpolitik einer der dafür verantwortlichen Gründe. Wie wir im letzten Smart Investor Weekly berichteten, dreht die Notenbank in Japan gerade den Geldhahn nochmal ein kräftiges Stück auf. Die Bank of Japan möchte nun pro Jahr Staatsanleihen für rund 15% des BIPs erwerben. Das dieses Geld den Weg an den Aktienmarkt findet, ist offensichtlich. So fließen die neu gedruckten Yen z.B. über den staatlichen Pensionsfonds indirekt in Aktien. Ein ähnlicher Anschub fehlt den europäischen Märkten derzeit, auch wenn die EZB bereits zwischen den Zeilen weitere Maßnahmen der geldpolitischen Lockerung ankündigt. Noch steht „Super Mario“ (EZB Präsident Mario Draghi) nicht voll auf dem Gaspedal. Ohne weitere Aktionen seitens der Zentralbank scheint jedoch den Aktienmärkten hierzulande das Pulver auszugehen. Nach wie vor gehen wir von einem „Unfall“ in Europa aus. Neben den angeschlagenen Börsen nährt der dramatische Verfall des Euro diese Vermutung. Hier könnte ein neuerliches Aufflammen der Euro-Krise, eine groß angelegte Bankenrettungsaktion oder eine politische Krise der Auslöser sein.

Fazit

Die Baisse-Signale mehren sich, und das aus mehreren Richtungen! Neben konjunktureller Eintrübung mahnen auch die technische Analyse und die Zyklenanalyse zur Vorsicht.

© Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage Smart Investor



 

Ein Kommentar auf "Erwacht jetzt der Bär?"

  1. Michael sagt:

    Der Bär könnte durchaus bereits anklopfen. Im Moment schaut es so aus. Der DAX macht den Einruck

    Hui, alle wissen der Anstieg letztes Jahr war zu gewagt und jetzt herrscht Unentschlossenheit – soll man sich die Blöße geben und die gerechte Korrektur zulassen oder versuchen den DAXK bspw. auf dem hohen Niveau zu halten. Aber bis die 200 Tage Linie reinkommt das dauert noch. Vermutlich geht es vorher runter. 3600.

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