Erst verbrüht und dann gerupft

Erst verbrüht und dann gerupft

(von Bankhaus Rott) Fünfzehn Cents. Soviel warf der Durchschnittsamerikaner im vergangenen Jahr pro Tag in Verkaufsautomaten. Neunzehn Milliarden Dollar kamen so zusammen, real rund ein Drittel weniger als noch vor zehn Jahren. Die schrumpfenden Realeinkommen und der Kollaps der privaten Vermögen fordert mittlerweile auch bei den kleineren Alltagsausgaben seinen Tribut.

Die Automatenumsätze fielen zuletzt auf das Niveau der späten neunziger Jahre zurück. Auch der Versuch, in den vergangenen beiden Jahren über höhere Preise den Mengenrückgang zumindest finanziell zu mildern, bewirkte  nicht viel. Das ist nicht überraschend, denn höhere Preise führen auch bei billigen Produkten schnell zu rückläufigen Verkaufszahlen.

Wären es nur die Verkäufe von Limo und Snacks, die vor sich hinvegetieren, es gäbe Grund zum Jubeln. Doch haben in den vergangenen Jahren sowohl die Einkommen als auch die Vermögen der US-Amerikaner Federn gelassen. Um mehr als 40% ging der Median der Nettovermögen der Bürger allein seit dem Jahr 2007 zurück. Ein Einbruch, denn man durchaus drastisch nennen darf.

Noch vor fünf Jahren hatte jeder Zweite in den Staaten ein Nettovermögen nördlich von 125.000 Dollar. Im Jahr 2010 waren es 40% weniger. Da der Großteil der Vermögen, vor allem in der Mittelschicht, in Immobilien gebunden ist, und die Talfahrt der Hauspreise auch in den vergangenen Jahren weiterging, dürfte der materielle Wohlstand nach 2010 weiter gesunken sein. Die Vermögensberichte der kommenden Jahre versprechen nicht lustig aber interessant zu werden.

Beachtenswert ist auch das Verhältnis der Medianvermögen zu den Medianeinkommen. Im Jahr 2010 lag der Wert der Vermögen bei lediglich 1,68 Jahreseinkommen. Das ist kein übermäßig großer Puffer in Zeiten anhaltend hoher Arbeitslosigkeit, selbst wenn die Zinsbelastung weiterhin mit allen Mitteln künstlich niedrig gehalten wird. Die geringe Belastung des Schuldners ist bekanntlich nur die eine Seite der Medaille. Für den Sparer, der um Schulden einen Bogen machte, ist sie eine Strafe.

Während die Zinsen für 30-jährige Hypotheken im dargestellten Zeitraum von 6,4% auf 4,3% sanken, zerfielen die Zinsen für Dreimonatsgelder komplett. Lag dieser Zins 2007 noch bei 5,5% so verblieben 3 Jahre später noch 0,28%. Die Differenz zwischen beiden Sätzen stieg von 0,9% auf 4%. Des einen Freud, des anderen Leid. So bleibt das Schuldenmachen auf Teufel komm raus das beherrschende politische Prinzip. Ein Weltspartag ist angesichts solcher Daten eine in der Tat humoristische Veranstaltung…(Seite 2)

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4 Responses to Erst verbrüht und dann gerupft

  1. FDominicus says:

    Also wurde nicht gelernt:
    Schuldenmachen bleibt in.

    Nun ja dann kann es ja “nur besser werden”.

  2. wolfswurt says:

    Besser ist es wirklich Schulden zu machen.

    Nachdem sogar das Handelsblatt einer Zwangsanleihe das Wort redet, kann man mit Vermögen nur verlieren.

    Was ist eigentlich aus den vom HB angepriesenen Griechenanleihen geworden?

    • FDominicus says:

      “Was ist eigentlich aus den vom HB angepriesenen Griechenanleihen geworden?”

      Ich weiß, ist eine rhetorische Frage. Aber nun ja die angepriesenen Anleihen gibt es nicht mehr. Als Privater bekam man “wunderbare” neue Anleihen (angeblich bis zu 24 Stück) mit einem Nominal wert von irgendwo um 20 %. Beim Verkauf der 24 Stück wollten die Banken noch mal abkassieren. Was offensichtlich nicht sonderlich gut aufgenommen wurde und das Handelsblatt schweigt. Den in diesem Fall wissen Sie mit Sicherheit: “Reden ist Silber,Schweigen ist Gold”.

      Ich habe auch dazu geraten freiwillig keine Staatsanleihen mehr zu zeichnen, und ich denke damit fahre ich und diejenigen die darauf eingingen ziemlich gut. Wer will kann gerne bei mir vorbeilesen.

    • Bankhaus Rott says:

      @wolfswurt

      Die alten Bonds, die nach griechischem Recht begeben wurden, wurden in neue Papiere getauscht. Das seinerzeit so genannte “freiwillige Umtauschangebot” wurde durch de facto nachträglich in die Anleihebedingungen eingefügte collective action clauses ab einer gewissen Annahmequote für alle Anleihehalter bindend. Die griechischen Anleihen in den Büchern der EZB wurden durch ein vorhergehendes Geschäft von der Einfügung der Klauseln und dem Umtausch ausgenommen.

      Der nominale haircut, also der Verlust an Nominalwert lag bei 53,5%. Da die neuen Papiere niedrige Coupons hatten, aber natürlich auf das herrschende Renditeniveau fielen, halbierten sich die Kurse der Anleihen direkt bei ihrer Schöpfung. Der reale haircut lag bei rund 74,5%.

      Investoren, die Anleihen hielten, bekamen für eine alte Anleihe folgenden Wust an neuen Papieren eingebucht:
      Investoren erhielten für eine alte Anleihe 24 neue einzelne Emissionen, diesmal nach britischem Recht, was bei einem harten default aber auch keine Rolle mehr spielen wird.

      • 20 griechische Staatsanleihen mit Laufzeiten von 2023 – 2042
      • in 1-jährigen EFSF Bonds
      • in 2-jährigen EFSF Bonds
      • EFSF 6M-Bills für die aufgelaufenen Stückzinsen der alten Bonds
      • einen GDP-Warrant

      Die Kurse der Papiere sind seither nochmal um bis zu 50% gefallen.

      Viel gebracht hat das Ganze nicht, denn den Rückkauf der alten Anleihen konnte Griechenland mangels Geld natürlich nicht selbst bezahlen. So wurden halt per EFSF ein neue Kredite an Griechenland vergeben, um diese Aktion durchzuführen. Insgesamt haben diese einen Rahmen in Höhe von 118,5 Mrd. Die Reduktion der Schulden betrug 105 Mrd. Wenn schon absurd, dann richtig …

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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