Erst stolpern die Emerging Markets, dann die Gewinne

3. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Finanzwelt starrt auf die anhaltenden Kursverluste vieler Währungen. Die dramatischen Auswirkungen der Probleme der Emerging Markets auf die Gewinne vieler europäischer Unternehmen wird dennoch meist deutlich unterschätzt…

Seit dem Frühsommer 2013 schwelen Krisen in zahlreichen Ländern Asiens, Südamerikas und andernorts, etwa in der Türkei und Südafrika. Die Probleme dieser Länder sind nicht, wie oft behauptet wird, ein „rein psychologisches“ Problem. Vielmehr sind die Probleme fundamentaler Natur, handelt es sich doch größtenteils um ein Problem der Finanzierung. Aber in der Finanzbranche gibt es ja bekanntermaßen keine selbst verursachten Probleme sondern nur „exogene Schocks“. Anders ist es nicht zu erklären, dass man bei absehbaren Debakeln (HRE, „offene“ Immobilienfonds) über grundlegende Konstruktionsfehler auch nach Eintritt der Katastrophe uneinsichtig ist.

Wer kurz finanziert und lang anlegt, baut auf Sand. Wer illiquide Anlagen mit kurzfristig fälligen Geldern finanziert, sitzt auf einem inhärent instabilen System. Warum in diesem Zusammenhang auf Prokon eingedroschen wird, gleichzeitig aber die Verkäufer vermeintlich offener Immobilienfonds immer noch Gebühren einnehmen dürfen (gerne basierend auf dem absurd hohen KAG Bewertungskurs eines Fonds) ist eine der großen Fragen, die nie gestellt werden. Technisch sind diese Vehikel ebenfalls insolvent und das „Management“ sollte entsprechend behandelt werden.

 (Rott, Dez. 2013) Nach dem heftigen Einbruch zahlreicher Emerging Markets im Frühjahr 2013 hoffen viele jetzt auf die Rückkehr der vermeintlich guten alten Zeit. Allzu lange warten und hoffen sollte man nicht, denn viele Probleme sind noch drängender geworden. Für das kommende Jahr lässt das nichts Gutes für viele Länder erwarten

Die Problematik vieler so genannter Schwellenländer liegt in der langjährigen Gewöhnung an hohe Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Diese Ströme hatten oft nichts mit boomenden Exporten zu tun, noch seltener mit langfristigen Investitionen. Zig Millarden internationaler Geldverwalter und Privatinvestoren flossen in Anleihen und Aktien von Schwellenländeremittenten, weil diese als „höherrentierlich“ galten.

Da eine Assetklasse niemals generell eine höhere Rendite erwirtschaftet, sondern letztere natürlich vom Zeitpunkt des Einstiegs und damit dem Kaufpreis zusammenhängt, sind die Ergebnisse der irrlichternden Anlagegelder zwar nicht schön, aber auch nicht sonderlich überraschend. Die Erträge waren in den letzten Jahren nicht berauschend, vom Hochpunkt in 2007 ist man mehr als 30% entfernt, und angesichts der oft ignorierten mangelnden Liquidität der lokalen Aktienmärkte vieler Schwellenländer wird die Lage in fallenden Märkten schnell noch wesentlich ungemütlicher… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Erst stolpern die Emerging Markets, dann die Gewinne"

  1. Michael sagt:

    Peru ist gut aufgeschwungen über die letzten 15 Jahre, das wohl. Die Frage ist ob sie durchhalten. Hohe Erwartungen im Dezember und doch Abkühlung im Q3. Exporte zurückgegangen. Peru hat sich gemausert an sich. Ähnlich wie der Rest in Südamerika.

    Die Südamerikaner haben die Auslandverschuldung zurückgefahren in % vom GDP. Asien genauso. Das Wachstum kühlt wahrlich ab, zumeist der Export. Das Import Export Gefüge wird teils etwas leiden. Es fahren nicht alle Importe und Exporte im gleichen Maße zurück. Das ist nicht ausbalanciert. Die Volkswirtschaften selbst, lt. Kennzahlen sind wesentlich besser als ihr Ruf. Der große Push war von 2010 bis 2012. 2009 waren die Importe teils bis zu 40% rücklaufig und haben 2010 auf niederer Basis wieder Fahrt aufgenommen. Teils ausgewöhnlich hoch gepaart mit adäquaten Exporten.

    Osteuropa ist eigentlich die Ausnahme bezogen auf die Auslandsverschuldung. Wobei der Vergleich etwas hinkt.

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