Erst raten, dann beraten

13. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Beraten und verkauft, so lautet der Titel eines Buches über eine der bekannteren Beraterfirmen. Kontakte zur Branche pflegt die Politik allen oft gigantischen Misserfolgen zum Trotz. Vorschläge zu möglichen Restrukturierungen Griechenlands durfte kürzlich das Unternehmen Roland Berger auftischen. Doch lesen Sie selbst…

Die für die Öffentlichkeit verfügbaren zusammengefassten Vorschläge der Firma, die auf den arg bemüht wirkenden Projekttitel „EURECA“ hören, scheinen mehr der Fantasie denn der Welt des Realistischen zu entspringen.

Hier die Zusammenfassung Berger’s für die Presse.

Die Politik entdeckt bekanntermaßen gerade die Begriffe Solidarität neu, zu der bitte alle beitragen mögen. Sicherlich hat die Beratung die Vorschläge in diesem Sinne ausarbeiten lassen. Die Qualität würde sich so immerhin erklären lassen. Wir wollen Sie daher an der „Executive Summary“ der Berater teilhaben lassen.

1. Bundle Greek state assets worth EUR 125 bn in a central trustee organization (holding company)

Interessante Schätzung, dass die Assets €125 Millarden wert sein sollen? Wer soll soviel Geld dafür ausgeben? Es kann nur ein öffentlicher Käufer in Frage kommen, der ebenso wenig auf den Preis achtet, wie die EZB beim Kauf griechischer, italienischer oder portugiesischer Staatsanleihen. Und richtig, the winner is: Die Europäische Union!

Bei den Firmen, die im griechischen ASE Aktienindex enthalten sind, handelt es sich nicht um Staatsfirmen. Dennoch ist es sicher aufschlussreich, sich hinsichtlich der Firmenbewertung einmal die Unternehmen der Creme de la Creme der griechischen Wirtschaft anzuschauen.

Die 40 Unternehmen im griechischen Aktienindex haben zusammen einen Börsenwert von 23 Mrd Euro. Die Anteile des Staates an den größten Unternehmen OPAP (Wetten), OTE (TELCO) und ELPE (Energie) beläuft sich auf derzeit 1,6 Mrd. Drei Viertel der Firmen im Index machten im vergangenen Geschäftsjahre insgesamt einen Gewinn von 386 Mio Euro. Pro Euro Gewinn sind die Firmen also mit knapp 60 Euro bewertet – Ein Ausverkauf sieht anders aus. Die Verschuldung aller Unternehmen liegt aggregiert übrigens bei 98 Mrd. Euro. Ob ausgerechnet die öffentlichen Firmen besser dastehen? Viel Gewinn können diese ja nicht erwirtschaftet haben, dann sähe es mit Staatshaushalt nicht so desolat aus.

2.Sell entire holding company to European Union for EUR 125 bn

Prima, ein Verkauf von Assets eines Landes an eine von den EU-Staaten finanzierte Holding. Wenn eine Privatisierung nicht klappt, weil dann der Preis nicht reicht, muss also die EU als Käufer her? Bemerkenswert.

3.Allow Greek state to use proceeds to repurchase bonds from ECB and EFSF

Mit dem Geld aus dem überteuerten Verkauf von Assets an die EU kauft nun Griechenland die Anleihen von der EZB ab. Zu welchem Kurs würde die EZB die Anleihen an Griechenland verkaufen. Diese Daten wären sehr interessant, denn wir würden auch gerne erfahren, zu welchen Preisen die Zentralbank den Banken diese Papiere abgekauft hat. Oder ist der Plan, erst den Banken zuviel für die Bonds zu geben und dann von Griechenland zu wenig zu verlangen? Der Verlust gelangt dann in die Haushalte der Euroländer, daher schon einmal vielen Dank! (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Erst raten, dann beraten"

  1. FDominicus sagt:

    Kann man verkürzt schreiben der Hebel gibt, der Hebel nimmt?

  2. Bummbumm sagt:

    Gut dass das Bankhaus Rott so fleißig schreibt. Jeder Artikel ist lesenswert.

  3. wolfswurt sagt:

    Warum berät Berger?

    Die Prüfung aller Bilanzen hätte man ruhigen Gewissens auch KPMG übertragen können.
    Bedeuten doch die Initialen:

    K-einer
    P-rüft
    M-ehr
    G-enau

    Am Ende aller Tage kommt das Unausweichliche: der Bank-rottmeyer.

    Guter Artikel!

  4. Damokles sagt:

    Schieben…
    Schummeln…
    Schönrechnen…

    Mehr fällt mir dazu nicht ein.

    Unsere „Eliten“ müssen ganz schön verzweifelt sein, wenn solche dümmlichen Vorschläge ernsthaft erwogen werden.

    Hoffentlich geht diese ganze Euro-Farce bald den Bach runter, so dass nicht jede zweite Nachricht aus der Wirtschaftspolitik eine Beleidigung der mittleren Intelligenz ist. Solche Seite wie diese oder „Querschüsse“ sind in diesen Zeiten ein Lichtblick in der sonst so trüben Nachrichtenwelt.

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